Test VW Golf TSI/Audi A3 Sportback 1.8 TFSI

VW Golf TSI Audi A3 Sportback 1.8 TFSI VW Golf TSI

Test VW Golf TSI/Audi A3 Sportback 1.8 TFSI

— 17.10.2008

Baut VW den besseren Audi?

Mit der Neuauflage des Golf sattelt VW mächtig auf. Modernes Design, höhere Qualität und neue Technik rücken den Bestseller dicht an den Bruder Audi A3 Sportback heran.

Das ist paradox: Frauen können selbst in einer vollendet harmonischen Beziehung noch unzufrieden sein – nur weil ein Ring fehlt. Erst mit Gold am Finger wird das Glück perfekt. Doch einige Männer sind da ja nicht viel anders. Sie gehen langfristige Beziehungen nur ein, wenn mindestens vier Ringe am Kühlergrill glänzen. Möchtest du diesen Audi zum Auto haben? Ja, ich will! So ein schicker A3 Sportback 1.8 TFSI macht die Sehnsucht verständlich. Als Fünftürer ist er praktisch, mit 160 PS topfit – also einer für alles und vor allem zum Zeigen. Jetzt kommt da so ein Typ und behauptet plötzlich, er könne das auch alles. Nur billiger. Halbbruder Golf hat sich herausgeputzt. Ist nobler geworden, klopft plötzlich frech beim Verwandten aus Ingolstadt aufs Dach und sagt: Was du kannst, kann ich schon lange! Tatsächlich? Wo ist der Unterschied? Bis zu 6500 Euro trennen beide – vergleichbar ausgestattet. Ist der neue Golf am Ende der ideale Partner?

VW oder Audi: Welcher Kompakte fühlt sich besser an?

Streichelzart: Audi passt Blenden, Rahmen und Zierelemente noch eine Spur akkurater an als VW.

Beginnen wir mit dem Fingerkuppen-Fühltest. Aua! Eine schlecht entgratete Kante am Türfach des Golf. Das zeigt: Auch ein Guter muss nicht perfekt sein. VW kocht beim Thema Qualität auch nur mit Wasser. Auf jeden Fall sieht das Cockpit des Golf nun piekfein angerichtet aus, den Armaturenträger bedeckt eine besonders weiche Oberfläche, selbst eine Etage darunter fühlt sich Plastik nicht nach Härtefall an. Der direkte Vergleich zeigt: Audi schafft es, Blenden, Rahmen und Zierelemente noch eine Spur akkurater einzupassen. Auch die Karosseriefugen des A3 verlaufen schmaler und gleichmäßiger als beim Golf – irgendwie scheinen die Fließbänder in Ingolstadt doch ein paar Takte langsamer zu laufen als bei den Wolfsburger Kollegen. Allerdings: Das sind Nuancen, die den Preisunterschied nicht rechtfertigen. Zumal der VW durch mehr Platz und ein luftigeres Raumgefühl glänzt.

Golf VI oder A3: Welcher der beiden fährt besser?

Der Motor des VW dreht spritziger hoch, entfaltet seine Kraft gleichmäßiger, arbeitet gelassener und unter Last leiser.

160 PS unter beiden Hauben, Frontantrieb hier wie da, ein Kampf in der gleichen Gewichtsklasse – das klingt doch ganz nach einem Unentschieden. Von wegen! Trotz gleicher Leistung und identischen Konzepts treffen hier gegensätzliche Charaktere aufeinander. Das beginnt beim Motor. VW holt die Leistung aus einem kleinen 1,4-Liter. Kompressor und Turbolader helfen ihm auf die Sprünge. Audi pumpt den 1,8-Liter nach herkömmlichem Rezept per Turbolader auf. Mächtig durchzugsstark sind beide – aber beim Golf geht die Strategie besser auf. Der Motor des VW dreht spritziger hoch, entfaltet seine Kraft gleichmäßiger, arbeitet gelassener und unter Last leiser. Subjektiv sogar erheblich, was die Messwerte nicht wiedergeben. Die Maschine des A3 schiebt zwar ebenfalls vibrationsarm und sehr kraftvoll an. Aber schneller ist der A3 nicht. Das liegt am Getriebe.

Der Audi muss mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe – bei dem sich der Hebel zudem noch widerspenstig anstellt – gegen das Siebengang-DSG des Golf antreten. Ein aussichtsloses Unterfangen. Denn das Doppelkupplungsgetriebe des VW schaltet nicht nur um Welten schneller. Sieben Gänge erlauben auch eine effektivere Spreizung der Übersetzung. Besonders Zwischensprints hakt der Golf so lässiger ab. Wenn überhaupt, dann fährt der stramm erzogene A3 dem Golf nur auf verwinkelten Landstraßen davon. Aber im Alltag wäre weniger mehr. Der Audi federt viel zu steif, jedes Steinchen auf dem Weg hebt den Wagen um spürbare Millimeter an. Sorry, Audi: Dieses ungestüme Gehoppel nervt. Hier zeigt sich der Golf erwachsener. Mit den verstellbaren Stoßdämpfern fährt er einfach viel komfortabler. Er schluckt Bodenwellen, federt Querfugen weg, dämpft Stöße souverän. Kurz: Er bügelt jede fiese Straße glatt. Dazu bremst er besser.

Die zentrale Frage: Wer bietet mehr Auto fürs Geld?

Günstiger bei Anschaffung, Verbrauch und Unterhalt: Der VW ist das bessere Angebot.

Ein flüchtiger Blick in die Preisliste täuscht: Der 160 PS starke Golf kostet ab 24.725 Euro. Also nur rund 400 Euro weniger als ein gleich starker Audi A3 Sportback. Klar, die beiden kommen aus dem gleichen Stall, das Konzept ist ähnlich, die Leistung identisch – so was muss doch im Prinzip auch gleich teuer sein, oder? Irrtum. Genau betrachtet, sind die Unterschiede riesig. Den Audi muss man erst einmal ordentlich aufrüsten, um auf ein vergleichbar hohes Ausstattungsniveau zu kommen. Allein die sportliche Ausstattungslinie (Ambition) – sie entspricht in etwa dem Golf TSI Highline – treibt den Preis des A3 auf fast 27.000 Euro. Dann fehlen dem Sportback noch ein DSG-Getriebe und die Klimaautomatik für rund 3500 Euro. Wie man auch rechnet – ob über den Preis angepasst oder per Ausstattung nivelliert –, bei VW gibt es schlicht mehr Auto fürs Geld. Es bleibt aber nicht beim Unterschied im Kaufpreis. Nächstgrößerer Posten ist der Verbrauch: Die effektivere Maschine des Golf verbrennt rund einen halben Liter Sprit weniger pro 100 Kilometer. Macht bei angenommenen 15.000 Kilometern pro Jahr über 100 Euro Mehrkosten für den Audi. Der geringfügig höhere Steueranteil des hubraumstärkeren Motors fällt da gar nicht mehr ins Gewicht. Also welchen kaufen? Der 160-PS-Golf kostet in unserer Test-Version (nur so ist er aktuell lieferbar) zwar genauso viel wie der A3, hat aber für 6500 Euro mehr Ausstattung (Klimaautomatik, DSG etc.). Und ist damit das deutlich bessere Angebot.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn

Golf gegen A3: Das Duell endet mit einer faustdicken Überraschung. Preiswerter war der Golf schon immer, jetzt hat er sich aber auch den "Vorsprung durch Technik" erobert. Er fährt besser, ist sparsamer und erreicht nahezu das gleiche Qualitätsniveau. Nur beim Image fährt der A3 in einer anderen Liga. Wer darauf Wert legt...
FAHRZEUGDATEN AUDI VW
Motor Vierzylinder, Turbo, Vierzylinder, Turbo,
Bauart/Zylinder/Einbaulage vorn quer Kompr., vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1798 ccm 1390 ccm
kW (PS) bei U/min 118 (160)/5000 118 (160)/5800
Nm bei U/min 250/1500 240/1500
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 220 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Siebengang-DSG*
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 17 W 225/45 R 17 W
Radgröße 7,5 x 17“ 7 x 17“
Abgas CO2 159 g/km 139 g/km
Verbrauch** 9,1/5,4/6,7 l 7,5/5,2/6,0 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 55 l/Super 55 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 68 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1400/690 kg 1400/680 kg
Kofferraumvolumen 370–1100 l 350–1305 l
* Doppelkupplungsgetriebe; ** innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
MESSWERTE AUDI VW
Beschleunigung 0–50 km/h 3,1 s 3,0 s
0–100 km/h 8,2 s 7,9 s
0–130 km/h 13,4 s 12,7 s
Zwischenspurt 60–100 km/h 4,3 s 4,1 s
80–120 km/h 5,7 s 5,3 s
Leergewicht/Zuladung 1416/464 kg 1386/474 kg
Gewichtsverteilung v./h. 61/39 % 63/37 %
Wendekreis links/rechts 10,4/10,5 m 10,6/10,7 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 36,6 m 35,7 m
aus 100 km/h warm 37,5 m 36,7 m
Innengeräusch bei 50 km/h 60 dB (A) 61 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 70 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 8,0 l – 190 g/km 7,5 l – 174 g/km
Reichweite 680 km 730 km
PREISE/AUSSTATTUNG AUDI VW
Modell A3 Sportback 1.8 TFSI Ambition Golf 1.4 TSI Highline
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vo. S/S/S S/S/S
Kopfairbags vorn/hinten S/S S/S
Klimaanlage/-automatik N/1425 € N/S
CD-Radio S S
Metalliclackierung 615 € 480 €
Preis 26.950 Euro 26.900 Euro*
S = Serie, N = nicht lieferbar; *inkl. 4 Türen für 750 € und adaptive Fahrwerkregelung (DCC) für 925 €

Alle Infos zum neuen VW Golf VI: Hier geht es zum großen Golf-Spezial!

Autor: Jan Horn

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