Toyota Prius Plug-in-Hybrid: Fahrbericht

— 15.02.2012

So fährt der Prius für die Steckdose

Toyota hat den Hybridantrieb fit für die Zukunft gemacht, der Prius schafft nun 25 Kilometer rein elektrisch. AUTO BILD setzte den Plug-in-Hybriden schon mal unter Strom.



So richtig an den Erfolg des Prius haben die Toyota-Manager nach dem ersten Verkaufsjahr wohl nicht geglaubt. Nur einige Hundert der schrägen Autos mit der aufwendigen Antriebstechnologie ließen sich an den Mann bringen – weltweit. Das meinten sie ernst. Längst Geschichte. In den vergangenen 15 Jahren hat Toyota 3,5 Millionen Autos mit Hybridantrieb – also einer Kombination aus Benzin- und Elektromotor – verkauft. Selbst Skeptiker sind umgeschwenkt: Jahrelang wollten die deutschen Autohersteller nicht so recht, mittlerweile haben Porsche, Audi und BMW ihre ersten Hybride im Laden stehen. Toyota ist da schon einen ganzen Schritt weiter. Auf Basis der dritten Generation des Prius stellen die Japaner auf dem Genfer Autosalon (8. Bis 18. März 2012) den Prius Plug-in-Hybrid vor.

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Versetzt: Der Ladeanschluss der Serienversion des Prius Plug-in ist hinten rechts statt vorn links bei den Vorserien-Fahrzeugen.

Anders als der herkömmliche Prius kann das neue Modell rund 25 Kilometer (bisher zwei) rein elektrisch fahren. Sind die Akkus leer, kann ein Ladekabel eingestöpselt werden (plug in), um sie wieder aufzuladen. Bevor der Prius Plug-in im Juli in Deutschland auf den Markt kommt, hat Toyota die Technik in den vergangenen drei Jahren während eines weltweiten Feldversuchs erprobt. Dabei surrten 600 Test-Prius in den Flotten von Energieunternehmen und öffentlichen Organisationen. Die Japaner haben den Nutzern genau zugehört und zahlreiche Änderungen in die Serie einfließen lassen. Um Kosten zu drücken, reduzierten sie die Kapazität des Akkus von 5,2 auf 4,4 kWh. Trotzdem konnten sie die elektrische Reichweite gegenüber den Vorserienfahrzeugen von 20 auf 25 Kilometer erhöhen, weil nun ein größerer Teil der Kapazität des Lithium-Ionen-Akkus zum Fahren genutzt werden kann. Angenehmer Nebeneffekt: Der Stromspeicher ist mit 80 Kilogramm Gewicht nur noch halb so schwer und deutlich kleiner. Das reguläre Prius-Kofferraumvolumen von 445 Litern bleibt bei der Plug-in-Variante vollständig erhalten. Und auch für das Ladekabel gibt es unter dem Kofferraumboden noch Platz.

Optik ist nicht alles: Toyota Prius gegen Lexus CT 200h

Die Japaner haben die Qualitätsanmutung im Detail durch feinere Materialien verbessert.

Auch wenn es bei einem Öko-Mobil wie dem Prius zweitrangig ist: Der leistungsfähigere Akku sorgt für etwas bessere Fahrleistungen. Der Plug-in sprintet in 10,2 Sekunden von null auf 100 km/h, 0,2 Sekunden schneller als bisher. Viel wichtiger sind aber die Verbrauchsvorteile. Im Schnitt soll der Plug-in-Hybrid 2,1 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen –1,9 Liter weniger als der herkömmliche Prius. Hört sich zu grün an, um wahr zu sein. Und hat auch einen Haken: Der Verbrauch ist nur unter Laborbedingungen zu schaffen. Ursache dieser Verbrauchs-Verzerrungen ist die ECE-Norm R 101. In ihr ist für Plug-in-Hybridautos ein gut elf Kilometer langer Fahrzyklus festgelegt: eine Stadt- und eine Überlandfahrt, die zweimal zu durchfahren ist – mit vollen und mit leeren Akkus. Also zuerst mit dem Elektromotor, anschließend auch mit dem Verbrenner. Über eine Formel werden beide Werte kombiniert. Das Problem: Weil im Elektrobetrieb kein Sprit verbraucht wird, fließt dieser Wert mit null ein, was aber nur für die ersten 100 Kilometer gilt und obwohl bei der Produktion einer Kilowattstunde Strom 575 Gramm CO2 entstehen.

So schlägt sich der Prius als Taxi

So wenig sich der Prius Plug-in optisch vom herkömmlichen Prius unterscheidet, so gering sind auch die Unterschiede beim Fahren. Startknopf gedrückt, den winzigen Schaltstummel auf D gezogen – schon geht es los. Lautlos setzt sich der Prius in Bewegung. Mehrere Kilometer rein elektrisch fahren fordert wie bisher einen gaaaanz sensiblen Gasfuß. Ein wenig zu viel Leistung abgerufen – und schon arbeitet der Verbrenner lautstark protestierend mit. Keine Frage, der Fahrer muss sich dem Prius anpassen, will er glücklich mit ihm werden. Gegenüber dem direkten Konkurrenten Ampera fällt der Prius Plug-in deutlich ab: Wo sich der Opel mit der lautlosen Faszination eines rein elektrischen Autos bewegen lässt, wirkt der Toyota stets ein wenig zäh und so, als ob er sich dagegen wehre, gefahren zu werden. Dafür scheint der Antrieb des Prius effizienter zu arbeiten. Sobald der Opel Ampera mit seinem Benziner den Elektromotor antreibt, steigt der Verbrauch auf knapp sieben Liter pro 100 Kilometer an. Der Prius ist dann auch in der Praxis mit zwei Litern weniger zu bewegen.

Grüne Streifen: Toyota Prius als Polizeiauto

Gegenüber dem Opel hält Toyota auch beim Anschaffungspreis Maß. Mit einem Grundpreis von rund 36.500 Euro ist der Prius Plug-in 6000 Euro günstiger als der Ampera. Gegenüber dem herkömmlichen Prius bedeutet das jedoch einen stolzen Aufpreis von rund 11.000 Euro. Wie vor 15 Jahren erwarten die Toyota-Manager keine Erfolge: Nur einige Hundert Prius Plug-in werden 2012 den Weg auf unsere Straßen finden. Sagen die Japaner.

Toyota: Alle Daten, Fakten und Bilder zum Prius
Toyota: Auf der IAA 2011
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Der Plug-in unterscheidet sich beim Fahren kaum vom herkömmlichen Prius. Das ist gut, weil der Hybrid ausgereift ist – wie der AUTO BILD-Dauertest über 100 000 Kilometer gezeigt hat. Allerdings schleppt der Plug-in so auch die Nachteile wie den spaßarmen Antrieb mit. Zudem ist er viel teurer als ein regulärer Prius.



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