Unfall mit Drohne - was tun?

Unfall mit Drohne: Wer haftet für den Schaden?

— 12.03.2014

Wenn eine Drohne aufs Autodach fällt

In Schleswig-Holstein krachte eine Drohne auf einen VW Polo. Bislang ein ganz seltenes Ereignis, das aber viele Fragen aufwirft: Wer trägt den Schaden? Können Drohnen Unfallflucht begehen? Eine Analyse.

Stellen Sie sich mal vor: Sie fahren nichts ahnend durch die Gegend. Da fliegt ein Objekt durch die Luft, es folgt ein lautes Krachen, denn das Ding prallt gegen Ihr Auto. Was sich anhört wie ein Albtraum, ist Renate Poussin vor drei Wochen in Itzstedt, einem Städtchen im schleswig-holsteinischen Kreis Segeberg, passiert. Dabei krachte eine außer Kontrolle geratene Drohne gegen die Dachkante ihres VW Polo, als sie den Ort durchfuhr.

In diesem Fall kam die 63-jährige Autofahrerin zum Glück mit dem Schrecken davon. Nur der Polo muss für geschätzte 1500 Euro repariert werden, wofür nach Ansicht von Johannes Hack, Chef des Versicherungsmaklers Transparo, die Betriebshaftpflichtversicherung des Drohnenbetreibers aufkommen sollte. Dennoch wirft der Fall viele Fragen auf, vor allem seitdem immer mehr Drohnen am Himmel über Deutschland unterwegs sind. Wer haftet für Schäden am Auto? Zahlt meine Versicherung? Was passiert, wenn ich keinen Verursacher dingfest machen kann? Aber der Reihe nach.

Was sagt das Gesetz zur Haftungsfrage?

Der oben beschriebenen Fall ist aus juristischer Sicht relativ klar, meint Jörg Elsner, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Hagen: "Die Haftungsfrage ist einfach." Schließlich steht im Luftverkehrsgesetz, dass der Halter eines Luftfahrzeuges, zu dem auch Drohnen gehören, für jeden verursachten Schaden aufkommen muss. Damit wäre die Sachlage eindeutig: Da war die rund fünf Kilo schwere Drohne im Auftrag eines Vermessungsbüros aus der Nähe von Bremen unterwegs, um eine Einmündung abzufotografieren. Somit wäre das ein Fall für die Versicherung des Ingenieurbüros.

Zwar ist der Verursacher klar, aber von Schuld kann nach bisherigen Erkenntnissen kaum die Rede sein: Laut Polizeibericht führten unglückliche Umstände zum Zusammenprall von Drohne und Polo: Am Unglückstag, dem 18. Februar 2014, herrschte in Itzstedt starker Wind. Offenbar drückte eine Windböe die Drohne im Landeanflug gegen das Auto. Gegenüber autobild.de versicherte der Besitzer des Vermessungsbüros, in dessen Auftrag die Drohne unterwegs war, dass so etwas sehr selten vorkommt: "Es war der erste Zwischenfall in über 2000 Drohnen-Flugstunden." Auch war der Flug den Behörden gemeldet und genehmigt. Auch das ist wichtig, denn damit sichert sich der Drohnenbetreiber ab.

Der Versicherungsmakler Transparo weist darauf hin, dass zwar jeder die kleineren, eher in den Bereich Spielzeugflugzeug fallenden Drohnen betreiben darf, er aber im Zweifelsfall die Versicherung auf das besondere Risiko hinweisen sollte, damit im Schadenfall die Privathaftpflicht einspringt – oder eben die Betriebshaftpflicht, wenn eine Firma die Drohne nutzt. Auch Unternehmen sollten ihren Haftpflichtversicherer auf das außergewöhnliche Risiko hinweisen. Immerhin: Beim Drohnen-Crash von Itzstedt war der Mann mit der Fernsteuerung sogleich zur Stelle, es gab somit wenigstens keinen Streit, wie der Schaden verursacht wurde.

Immer Fotos machen!

Fotos vom Unglück die 63-jährige Polo-Fahrerin jedoch nicht gemacht. Das hätte sie aber tun sollen, rät Verkehrsanwalt Elsner: "Immer Fotos machen. Jeder hat ein Handy dabei, mit Fotos kann man gut Beweise sichern." Wichtig wäre auch, die Identität der Person am Steuerknüppel der Drohne festzustellen: "Bitten Sie um seine Personalien, wie bei einem Verkehrsunfall." Da die Polizei diesen Unfall aufnahm, war beim Crash von Itzstedt die Rolle der Beteiligten klar.

Das muss nicht immer so sein. Wichtig ist aber: Sollte sich der Verursacher eines Unglücks unerkannt entfernen wollen, greift das Straßenverkehrsgesetz: "Das wäre Unfallflucht." Umgekehrt rät der Verkehrsrechtler Elsner jedem, der eine Drohne in die Luft schickt: "Der Drohnenhalter sollte gut versichert sein." Besonders, sollten einmal Personen dabei zu Schaden kommen.

So zahlt die Versicherung

Was ist im Schadenfall zu tun? Falls der Verursacher bekannt ist, macht der Geschädigte die Ansprüche bei ihm geltend. Ansonsten sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Kann auch sie den Drohnen-Piloten nicht ermitteln, kommt die Vollkaskoversicherung des Fahrzeughalters für den Schaden auf. Deshalb ist es hilfreich, rasch den eigenen Versicherer zu informieren. Sollte jedoch weder eine Vollkaskoversicherung vorhanden sein, und auch der Schädiger ungewiss bleiben, hat der Autohalter schlechte Karten.

Zukunftsvision: Studie Renault Kwid mit angedockter Flugdrohne.

Immerhin sind Autounfälle mit Drohnenbeteiligung ganz selten, aber das muss nicht so bleiben. Sollte der Versandhändler Amazon tatsächlich Pläne fassen, kleine Pakete per ferngesteuertem Flugobjekt auszuliefern, nähme die Zahl der Drohnenflüge deutlich zu. Und wenn dann noch der Renault Kwid gebaut wird, das Auto mit angedockter Drohne zur Verkehrsüberwachung (Bild rechts) ... aber noch ist es ja nicht so weit.

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