Vergleichstest Kompaktvans

C-Max – Mazda 5 – B 200 – Zafira – Corolla Verso C-Max – Mazda 5 – B 200 – Zafira – Corolla Verso

Vergleichstest Kompaktvans

— 07.10.2005

Kleine Vans für große Ziele

Wie auch immer Ihre Nachwuchs-Strategie aussieht, das passende Auto finden Sie hier. Fünf Kompaktvans streiten um den Titel "Familienfreund 2005".

Funktional, variabel und mit viel Platz

Ein einziges Kind – das ist in unserer heutigen Karriere-geht-vor-Gesellschaft ja gerade noch in Ordnung. Der Schnitt liegt entsprechend bei 1,4 Sprößlingen pro Paar. Aber zwei Gören? Da legen die Nachbarn bereits den Kopf schief. Und gar drei oder noch mehr? Gilt man so kinderreich eigentlich schon als asozial? Kaum, ich übertreibe etwas. Daß es längst nicht so schlimm ist, beweisen mir schon die Autohersteller.

Denn fast alle bieten schließlich – bestätigend erfolgreich – Modelle à la Opel Zafira oder Ford C-Max für die Großfamilie an. Funktional, variabel, mit großem Kofferraum und Platz für mindestens fünf Personen, stellen sie wohl das heimliche Wunschkind vieler Jungfamilien dar. Die Anforderungen sind entsprechend klar umrissen: Mami, die das Haushaltsbuch führt, verlangt nach einem Rundum-sorglos-Sicherheitspaket mit citytauglichen Grundmaßen. Papi sucht zudem ein Quentchen Fahrspaß und "braucht" eine gewisse Mindestleistung. Der Nachwuchs schließlich geht ungern ohne Bobbycar oder sperrige Buggys auf Tour.

Dieses Profil ergibt für unseren Vergleichstest eine klare Auswahl: Die brandneuen Modelle Opel Zafira 1.8 und Mazda 5 2.0 treffen auf den ebenfalls siebensitzigen Toyota Corolla 1.8 Verso, dazu kommen Mercedes-Benz B 200 und Ford Focus C-Max 2.0, die mit zwei Sitzen weniger antreten. Volkswagen fährt in unserem Vergleich nicht mit, da der Touran mit entweder 115 oder 150 PS nicht in unser Leistungsspektrum paßt. Die fünf Auserwählten belasten die Familienkasse mit mindestens 21.500 Euro (Toyota Corolla Verso Luna), beziehungsweise maximal mit 24.766 Euro (Mercedes B 200). Aber diese Grundpreise spiegeln nur die halbe Wahrheit wider.

Mercedes-Benz hat das teuerste Angebot

Denn in den Ausstattungsdetails unterscheiden sich die kompakten Vans stark. Hintere elektrische Fensterheber zum Beispiel sind einzig beim Mazda 5 serienmäßig montiert, einen Temporegler gibt es nur im Opel Zafira ab Werk. Mercedes- und Ford-Kunden dürfen so etwas also extra bezahlen, Toyota-Interessenten müssen sogar gleich zur höchsten Ausstattungslinie (Executive) greifen, weil die Japaner die meisten Optionen nur im Ausstattungspaket anbieten.

In den wichtigsten Komfortdetails angeglichen, steht unter dem Strich dann folgendes Ergebnis auf Mutter Mustermanns Liste: Mercedes unterbreitet mit 27.078 Euro das teuerste Angebot, immerhin noch stolze 25.600 Euro sind für einen Toyota fällig, dann folgt der Opel mit 24.385 Euro. Die 24.120 Euro für einen Ford unterbietet nur Neuling Mazda 5 mit akzeptablen 23.700 Euro. Was steckt sonst für Frau Mustermann drin? In allen Autos die Grundversorgung der ersten Reihe mit Airbags (vorn, Seite und Kopf), und bis auf Mercedes (nur gegen Aufpreis) bedenken die Minibusse auch die zweite Reihe mit einem Kopfschutz in Luftkissenform.

Mazda spendiert sogar den Plätzen sechs und sieben in der dritten Reihe schützende Luftsäcke, Toyota setzt am Fahrerplatz noch einen Knie-Airbag ein. Aktive Kopfstützen gehören in der B-Klasse, im 5er und im Zafira zum Standard-Schutz. Damit dürften alle Modelle die Erwartungen an die passive Sicherheit erfüllen. Das gilt ohnehin auch für die Bremswege. Die kritische Grenze von 40 Metern überschreitet keiner der fünf Vans, mit gut 36 Metern aus Tempo 100 steht der Ford dabei sogar eine Kleinwagenlänge eher als der Corolla Verso (gemessen mit voller Zuladung).

Am spritzigsten geht der Mazda5 zu Werke

Nun zu Papis Wünschen: Was seinen Leistungshunger angeht, müßte er sich eigentlich für Ford oder Mazda entscheiden. 145 PS – der Spitzenwert in diesem Quintett – stehen bei diesen beiden auf dem Datenblatt. Kein Wunder, Mazda und Ford setzen den gleichen Zweiliter ein. Gefühlt gibt es im Mazda jedoch noch etwas mehr Leistung. Denn der Japaner schöpft seine Kraft aus einem höheren Drehzahlniveau. Er liefert entsprechend schnellere Überholzeiten, fühlt sich spritziger an. Aber gleichzeitig schafft er eine geringere Endgeschwindigkeit als der Ford. Unangenehmer Nebeneffekt der kürzeren Übersetzung: Bei Tempo 200 zittert die Drehzahlmessernadel des 5ers tief im roten Bereich.

Der Schwächste im Felde, der 129 PS starke und etwas brummig arbeitende Toyota, kann im Sprint auf Tempo 100 wenigstens den knurrig klingenden Opel auf Distanz halten. Grund: Dessen 140 PS müssen mit dem Leergewicht-Maximum von 1570 Kilogramm fertig werden. Der B-Klasse mit 136 PS verhilft zumindest die geringste Masse zu passablen Sprintwerten. Leider nervt eine Dröhnfrequenz des Mercedes-Vierzylinders um 4000 Touren – die im fünften Gang ausgerechnet bei auf Autobahnen nicht untypischen Geschwindigkeiten um 150 km/h deutlich hörbar wird. Insgesamt liefert der Mercedes ab Tempo 160 aufwärts aber die besten Geräuschwerte – Wind- und Reifenlärm überträgt die B-Klasse deutlich gedämmter als die Konkurrenz.

Für Landstraßentempo im letzten Gang gilt: Hier liegen die Autos sämtlich auf einem ähnlich guten, also leisen Niveau. Dabei ist häufiges Rollenlassen im fünften Gang ohnehin meine Empfehlung für alle Kandidaten. Denn einwandfrei – und somit mit Spaß an der Sache – läßt sich leider keiner der Vans schalten. Im Mazda mag der letzte Gang nur widerwillig in die Position rutschen, der Toyota nervt mit langen Wegen am Hebel, Mercedes stattet die B-Klasse mit etwas weicher Führung aus. In Focus und Zafira stören Knauf (fühlt sich im Ford kratzig an) beziehungsweise Rückwärtsgangsperre (irritiert beim Opel flottes Herunterschalten).

Behäbige Abstimmung im Corolla Verso

Beim Fahrkomfort lassen sich ebenfalls klare Erziehungsgrundsätze erkennen. Opel und Ford haben ihre Sprößlinge wohl streng auf gute Noten im Sportunterricht getrimmt. Selbst wenn im Zafira die Taste des (615 Euro Aufpreis teuren) elektronischen Fahrwerks auf Komfortstellung steht, rollt der Opel ähnlich straff über Bodenwellen wie der Focus. Immerhin kommt das der Handlichkeit zugute, wobei sich der Ford durch sein zackiges Einlenkverhalten und seine direkte Lenkung ganz klar an die Spitze dieses Fachs stellt.

Die Fahrwerkabstimmungen von Mazda und Mercedes trumpfen mit Allgemeinbildung auf. Beide Autos antworten erfreulich souverän auf Anforderungen schlechter Straßen. Die weniger straffe Federung hat jedoch zumindest im Mazda zur Folge, daß sich die Karosserie etwas heftiger bewegt – wirklich unangenehm wird das aber nie. Des 5ers ausgeprägte Neigung zum Eindrehen beim Lastwechsel hat das DSC-System im Griff. Anders als im 1.8 ist der elektronische Schleuderschutz des hier getesteten 2.0 schärfer, somit sicherer abgestimmt. Im Toyota weisen spürbare Aufbaubewegungen auf eine insgesamt weichere Abstimmung hin.

Die Wankneigung des Corolla Verso und die träge Lenkung vermitteln mir dabei ein gegenüber den anderen vieren eher behäbiges Gefühl. So ein Familienauto ist eben kein Sportwagen. So oder so – in jedem Auto hat die Elektronik das letzte Wort. Serienmäßig verfügen die Vans ausnahmslos über einen elektronischen Schleuderschutz – und der patzt bei keinem. Schwächen bei Ausweichversuchen haben wir entsprechend nicht entdeckt. In der Papi-Wertung dürften also die fahraktiven Varianten von Ford und Opel vorn stehen.

Der C-Max schluckt am wenigsten

Aber was meint die Junior-Fraktion zu diesen beiden? Vom Focus ist sie mit Sicherheit weniger begeistert. Schließlich hat der C-Max mit 460 Liter Kofferraumvolumen das deutlich kleinere Gepäckabteil. Aber auch Toyota, Mazda und Mercedes können dem Zafira mit 645 Liter Fassungsvermögen nicht viel mehr entgegensetzen. Der Opel packt einfach eine ganze Ladung Spielzeug mehr. Wehe aber, das große Gummiboot muß mit. Dann wird Sohnemann mit Sicherheit auf die B-Klasse zeigen. Denn Mercedes bietet die Möglichkeit, für lohnenswerte 290 Euro extra neben Rückbanklehne auch den Beifahrersitz ausbauen zu können. Das ergibt dann eine rekordverdächtig lange Ladefläche mit hinten ebenem Boden.

Ganz unflexibel ist aber auch die Konkurrenz nicht. Im Ford lassen sich die hinteren Sitze seitlich und zurück versetzen, das ergibt fürstliche Beinfreiheit für die Fondpassagiere. Zum Glück, denn ohne diesen Trick müßten außen Sitzende einen arg beengten Raum im Schulterbereich in Kauf nehmen. Opel setzt auf die zeitsparende Komplettlösung in der zweiten Reihe: Die gesamte Bank wird mit senkrecht hochgeklappter Sitzfläche nach vorn geschoben, um den Kofferraum zu vergrößern. Das ist eine etwas kraftraubende, aber sehr effektive Angelegenheit. Toyota bietet teil- und wickelbare Einzelsitze – die klassische und ausreichend praktische Lösung.

Eine gänzlich ebene Ladefläche läßt sich allerdings erst nach etlichen umständlichen Handgriffen an Kopfstütze und Längsverstellung herstellen. Mazda verwöhnt mit einer versenkbaren dritten Reihe und ärgert mit einem für Erwachsene unbrauchbaren Mittel-Klappsitz in Reihe zwei. Immerhin, der zentrale Platz verwandelt sich schnell in ein Korbfach. Oder in eine breite Armlehne. Das hält dann wenigstens die lieben Kleinen auf Abstand – denn aus dem Zankalter wachsen die Junior-Partner so schnell nicht heraus.

Den kompletten Vergleichstest mit allen Daten, Fakten und Ergebnissen erhalten Sie zum Preis von 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie auf diesen Link, und Sie gelangen zum Download-Bereich.

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Autor: Jan Horn

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