Vier sportliche Kombis im Test

Audi A4 Avant 3.2 quattro Saab 9-3 Turbo X Sportcombi VW Passat Variant R36 BMW 335i Touring VW Passat Variant R36

Vier sportliche Kombis im Test

— 19.09.2008

Raum und Zeiten

Nach langer Verzögerung ist er endlich da: der Passat Variant R36. Auf und neben der Rennstrecke misst er sich mit dem etablierten BMW 335i sowie mit den neuen Kombis Saab 9-3 Turbo X und Audi A4 Avant 3.2 quattro.

Effektive Nachwuchsförderung wird nicht nur im Fußball betrieben. Ein sommerlicher Nachmittag. Leuchtende Tankreserve, knurrender Magen. Fahrer und Tank des VW Passat Variant R36 verlangen Nahrungsnachschub. An der Zapfsäule dann die Begegnung: Drei frischgebackene Führerscheininhaber umkreisen aufgeregt den blauen Kombi. Die Jungs kennen sich aus, schwärmen von DSG und den 300 PS. Eine kurze Runde um den Block bringt die Augen endgültig zum Leuchten. Voller Begeisterung machen sich die Schüler auf den Heimweg und überlegen sich unterwegs wohl gute Argumente, um auch den 2.0 TDI fahrenden Vater in den Bann der jüngsten Kreation von VW Individual zu ziehen. So hat sich die Wolfsburger Abteilung für Sonderfahrzeuge den Einstand des R36 wohl vorgestellt.

Der neue Passat Variant R36 trifft auf harte Kombi-Konkurrenz

Endlich am Start: Der neue Passat Variant R36 trifft auf harte Konkurrenz.

Doch der Passat muss mehr trotzen als nur den Blitzlichtern einiger Fotohandys. Saab schraubt mit dem auf 2000 Stück limitierten 9-3 Turbo X die Leistungsstufe seines V6-Turbo-Aggregats auf 280 PS hoch. Mit optionaler Dynamiklenkung und Dämpferregelung schärft Audi die Krallen seines neuen A4 Avant mit V6-FSI, während BMW mit dem 335i Touring eine bereits anerkannte Biturbo-Wunderwaffe ins Rennen um die sportliche Krone wirft. Verwunderung herrschte vor allem bei den Fahrleistungsmessungen. Mit 5,5 Sekunden auf 100 km/h und 19,8 Sekunden auf 200 km/h deklassiert der BMW die Konkurrenz, auch den vom Leistungsgewicht her ähnlich positionierten Passsat. Vom olympischen Gedanken angespornt, organisieren wir eine Dopingkontrolle auf einem Leistungsprüfstand. Ergebnis: Mit 348,1 gemessenen Norm-PS übertrifft der Testwagen seine Werksangabe um satte 14 Prozent. Scheinbar kein Einzelfall: In diversen Internetforen berichten weltweit 335i-Fahrer von ähnlich potenten Kräften unter ihren Hauben.

Das Triebwerk des BMW zaubert stets ein Lächeln ins Gesicht

Der macht Laune: Im 3er begeistert vor allem der starke Reihensechser.

Abseits der Papierwerte zaubert das Triebwerk des BMW bei jeder Fahrt ein Lächeln ins Gesicht. Ohne spürbares Turboloch giert das 3,0-Liter-Aggregat nach Drehzahlen, um im nächsten Moment büffelartig im hohen Gang Steigungen zu plätten. Die hervorragende Sechsstufenautomatik schaltet dazu blitzschnell und reagiert auf kleinste Zuckungen im Gaspedal, aber nie nervös – höchstens im Stadtverkehr, wo bissige Gasannahme und die schwergängige Lenkung stören. Je schneller man jedoch fährt, desto souveräner wird der Bayer. Der Sound dabei: cremig sonor, wie Schlagsahne mit einem Hauch Zimtzucker. Hier kann der Passat nicht mithalten, der sich mit 303,9 PS auf dem Prüfstand eng an die Werksangabe hielt. Zwar beschleunigt er nach dem BMW 335i am schnellsten und erklimmt mit kerniger Reibeisenstimme und bollerndem Auspuffknallen beim Schaltvorgang das Drehzahlband, scheut aber Touren jenseits der 6000 – die VR-Gene zeigen sich. Sein Lieblingsrevier ist der mit saftigem Antritt gesegnete mittlere Drehzahlbereich. Auch sein serienmäßiges DSG reagiert nicht so spontan auf Gasbefehle wie der Selbstschalter des BMW und verschluckt sich zudem bei plötzlichen Anhaltenmanövern oder Kriechfahrt mit anschließendem Wunsch nach Eilbeschleunigung: Hilflos sucht das Getriebe nach dem passenden Gang, während man vortriebslos auf der Stelle steht.

Überraschend kann sich der Audi trotz PS-Defizit gegenüber seinem Konzernbruder im Antriebskapitel behaupten. Grund: Mit 281,5 gemessenen PS streut er ordentlich nach oben. Sein V6-FSI ist ein Motor für Gourmets: Dezent fauchend fliegt er dem 7000er-Limit entgegen. Der Lohn: Jenseits der 200er-Marke macht er zuvor verlorenes Terrain gegenüber dem Passat wieder wett. Zwar quittiert die Tiptronic gemächliches Bummeln mit ausgeprägter Arbeitsverweigerung und lässt den Motor in der langen sechsten Stufe verhungern. Belebungshilfe: die Sport-Stufe, in der der sechste Gang gesperrt wird. Als Einziger im Vergleich tritt der Saab mit manuellem Getriebe an. Kein Vorteil, denn die teigige Schaltung mit langen Wegen, gepaart mit einer gefühllosen Kupplung, hat den guten (Audi, VW) bis sehr guten (BMW) Automaten der Konkurrenz nichts entgegenzusetzen. Zudem kämpft der kräftige, aber etwas drehunwillige V6-Turbo gegen die langen Übersetzungen an. Prüfstandsleistung: 283,5 PS.

Ready for take off: der Saab 9-3 Turbo X.

Dabei beginnt das Erlebnis Turbo X zunächst mit Gänsehaut. "Ready for takeoff " verkündet der Bordcomputer, dazu gurgelt der Auspuff die ersten 30 Sekunden nach dem Kaltstart vollmundig vor sich hin. Eine Vollgasetappe bei 31 Grad lässt den coolen, komfortablen Schweden aber überraschend zum Hitzkopf werden. Der Bordcomputer meldet plötzlich "Motor überhitzt", die Wassertemperatur steht am Anschlag – zu Unrecht. Die Parameter für Anzeige und Warnmeldung waren bei allen Turbo X falsch programmiert, der Motor in Ordnung. Kunden bekommen bei der Inspektion eine neue Software.

Wie die vier Kombis im Rennstrecken-Vergleich auf dem Sachsenring abschneiden, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Testbericht mit allen Daten und Fakten gibt es im Heftarchiv als pdf.

Autor: Frank Wiesmann

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