Drei kompkate Sportler im Vergleich

VW Golf R/Audi S3/BMW M135i: Vergleich

— 19.02.2014

Der Golf ist sportlicher als BMW

Ein VW ist gut, aber bieder? Nicht zwingend, wie der Vergleich des neuen Golf R mit Audi S3 und BMW M135i zeigt. Ein Test auf der Rundstrecke.

Als Volkswagen 1975 den Golf GTI auf der IAA vorstellte, reichten gerade mal 110 PS, um aus einem normalen Kompakten einen schnellen Alltagssportler zu machen. Heute, knapp 40 Jahre später, leistet sich nahezu jeder Vertreter-Diesel mehr Dampf unter der Haube. Außerdem sind Golf und Co nicht nur kräftig gewachsen, sondern auch ganz schön schwer geworden. Und so müssen es heute 300 PS und mehr sein, um bei den sportlichsten Kompakten ganz vorn mitzufahren.

Auf dem Handlingkurs geht es um die Kompaktsportler-Krone

Video: Golf R, Audi S3, BMW M135i

Golf sportlicher als BMW

Mit dem neuen Golf R hofft VW nun, das Rennen gegen die etablierte Konkurrenz von BMW und Audi zu gewinnen. Und tatsächlich rüsten die Wolfsburger ihren Bestseller kräftig auf. Nie war ein Golf stärker: Sein neu entwickelter Zweiliter-Turbo leistet glatt 300 PS und verteilt seine 380 Newtonmeter Drehmoment an alle vier Räder. Um zu klären, ob das reicht, gegen den technisch nahezu identischen Konzernbruder Audi S3 und den BMW M135i mit seinem feinen Reihensechszylinder bestehen zu können, scheuchten wir die drei Sportler über den 3,8 Kilometer langen Handlingkurs auf dem Contidrom im niedersächsischen Wietze. Am Ende bewerteten wir die drei Sportkompakten nicht nach unserem normalen Punkteschema, sondern nach einer speziellen Sportwertung. Ring frei: Welcher Kompakte macht am meisten an?  Schon auf den ersten Metern des Contidroms zeigt der Golf, wie viel Feinschliff in seiner Abstimmung steckt. Auf der Anreise fuhren wir im "Comfort-Modus". Der Motor grummelt leise vor sich hin, das Fahrwerk ist zwar straff, federt aber ausreichend verbindlich, sogar überraschend komfortabel – um auf der Rennstrecke im "Race-Modus" seinen Charakter komplett zu verändern.

Die einzigartige Klangkulisse des BMW begeistert

Bayerischer Sonderweg: Der BMW M135i setzt als Kraftquelle auf einen Reihensechszylinder.

Das Fahrwerk strafft sich spürbar, der Zweiliter hämmert beim Ausdrehen wie ein alter DTM-Motor. Gänsehaut garantiert – in einem Golf! Wer hätte das gedacht? Die nächste Überraschung serviert der Golf in der ersten engen Kurve. Neutral und ohne groß zu untersteuern, geht er präzise ums Eck – um ohne Traktionsprobleme wieder herauszubeschleunigen. Die Lenkung führt den Wolfsburger präzise, die Sportsitze geben perfekten Seitenhalt. Noch nie hat sich ein VW so direkt,so sportlich angefühlt. Auf der Start-Ziel-Geraden fährt der VW den Lohn ein: Eine Rundenzeit von 1,37:53 ist erstaunlich gut für ein Auto, das normalerweise wegen seiner ausgewogenen Eigenschaften bei uns Vergleiche gewinnt. Und nicht wegen seier ausgeprägten sportlichen Talente. Umstieg in den BMW, der über Jahre das Urmeter des sportlichen Kompakten war. Kein Wunder, haben die Münchner doch konstruktiv eigene Wege bestritten. Als einziger Kompakter treibt den M135i ein Reihensechszylinder an. Serienmäßig verfügt der Bayer zudem über Hinterradantrieb – auch das gibt es sonst in dieser Klasse nicht. Im Vergleich mit Golf und S3 jedoch tritt der 1er wegen der Chancengleichheit mit dem 1900 Euro teuren Allradantrieb an.

Schon beim Beschleunigen zeigt sich: Der hohe Aufwand lohnt sich. Wie eine Turbine dreht der Reihensechser spielerisch in den roten Bereich, untermalt von einem einzigartigen Klangbild irgendwo zwischen Schnurren und Kreischen. Die Achtstufenautomatik passt perfekt zum Motor, schaltet blitzschnell und ruckfrei. Selbst Automatikgegner werden hier zu Fans.

Der Audi macht aus seiner Leistung deutlich weniger

Nicht die absolute Spitze: Dem S3 Sportback merkt man an an, dass Audi noch Platz für einen RS3 lässt.

Nicht ganz so gut gelungen ist den Bayern die Fahrwerkabstimmung. In engen Kurven untersteuert der BMW spürbar stärker als der Golf, wankt in schnellen Kurven mehr, als es einem bei schneller Fahrweise lieb ist. Keine Frage, das ist Jammern auf hohem Niveau. Sicher und alltagstauglich, aber im Vergleich weniger sportlich. Trotzdem kann der BMW – auch wegen seiner Mehrleistung von 20 PS gegenüber VW und Audi – den Rennkurs mit einer Zeit von 1.37:35 am schnellsten umrunden. Spannende Frage: Fährt sich der Audi anders als der Golf mit nahezu identischer Technik? Klare Antwort: Ja! Der Motor ist im Ingolstädter deutlich leiser – und auch das Fahrwerk ist komfortabler abgestimmt. Hier merkt man schnell: Während der Golf R die höchste Ausbaustufe ist, plant Audi einen noch stärkeren RS 3. Und das spürt der S 3-Fahrer auf der Rennstrecke deutlich. Der Audi untersteuert stärker als der Golf, die Lenkung ist leichtgängiger. Dazu kommen die temperaturempfindlichen Bremsen. Macht unterm Strich eine Rundenzeit von 1.38:38. Hört sich unspektakulär langsamer als die Konkurrenz an – knapp eine Sekunde mehr ist auf dem Contidrom aber eine Welt.

Was die drei Konkurrenten aber eint, ist die Mordsgaudi, die man mit ihnen haben kann. Sie stehen echten Sportwagen in fast nichts nach. Ein altes, aber gutes Rezept, das wir seit knapp 40 Jahren vom ersten Golf GTI kennen.
Fahrzeugdaten Audi BMW VW
Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Sechszylinder, Turbo, vorn längs Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Kette
Hubraum 1984 cm³ 2979 cm³ 1984 cm³
kW (PS) bei 1/min 221 (300)/5500 235 (320)/5800 221 (300)/5500
Nm bei 1/min 380/1800 450/1300 380/1800
Vmax 250 km/h 250 km/h 250 km/h
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplungsgetr. 8-Stufen-Automatikgetriebe 6-Gang manuell
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/40 R 18 Y 225/40–245/35 R 18 Y 235/35 R 19 Y
Reifentyp Continental SportContact 5P Michelin Pilot Super Sport Bridgestone Potenza RE 050 A
Radgröße 7,5 x 18 '' 7,5–8 x 18 '' 8 x 19 ''
Abgas CO2 159 g/km 182 g/km 165 g/km
Verbrauch* 8,8/5,9/6,9 l 10,8/6,1/7,8 l 9,4/5,9/7,1 l
Tankinhalt 55 l/Super plus 52 l/Super 55 l/Super plus
Kältemittel R134a R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 73 dB (A) 75 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1400/670 kg keine keine
Kofferraumvolumen 340–1180 l 360–1200 l 343–1233 l
Länge/Breite/Höhe 4324/1785–1966**/1404 mm 4340/1765–1984**/1411 mm 4276/1790–2027**/1436 mm
Testwagenpreis 43.895 Euro 45.510 Euro 42.800 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Audi BMW VW
Beschleunigung
0–50 km/h 1,9 s 1,8 s 1,8 s
0–100 km/h 4,9 s 4,8 s 5,5 s
0–200 km/h 19,0 s 18,2 s 19,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,5 s 2,5 s 2,9 s
80–120 km/h 3,1 s 3,0 s 3,3 s
Leergewicht/Zuladung 1521/484 kg 1574/471 kg 1476/514 kg
Gewichtsverteilung v./h. 59/41 % 54/46 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 11,1/11,2 m 11,5/11,5 m 11,9/11,9 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,1 m 37,4 m 36,7 m
aus 100 km/h warm 35,6 m 34,5 m 35,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A) 59 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A) 68 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 72 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 9,1 l SP – 216 g/km 9,7 l S – 231 g/km 9,5 l SP – 226 g/km
Reichweite 600 km 530 km 570 km

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Ja, es gewinnt mal wieder ein Golf. Nicht etwa, weil er das ausgewogenste Auto ist – sondern das sportlichste. Und das ist die eigentliche Überraschung. BMW und Audi versuchen mehr den Spagat zwischen Rennstrecke und Alltag, macht Platz zwei und drei.

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