Der Golf müsste eigentlich Goldesel heißen. Der Dauerbrenner setzt die Maßstäbe und verkauft sich blendend. Und die Kunden sind bereit, immer ein paar Euro mehr zu zahlen als bei der Konkurrenz. Seit Skoda den Octavia baut, gibt es für Preisbewusste aber die Möglichkeit, Golf-Technik für weniger Geld zu erwerben. Zum Beispiel den Octavia 1.4 TSI mit 122 PS und Siebengang-DSG. In guter Ambiente-Ausstattung, aufgehübscht mit 17-Zoll-Rädern wie auf unserem Testwagen, steht er für 23.160 Euro vor dem Reihenhäuschen. Das Wolfsburger Original, der Golf 1.4 TSI mit vier Türen, parkt eine Einfahrt nebenan als Comfortline für 24.015 Euro. Fast 1700 Euro VW-Zuschlag – da kann man schon ins Grübeln kommen, oder?

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Skoda Octavia 1.2 TSI
Mehr als ein Kompakter: Der Skoda Octavia streckt sich auf stolze 4,57 Meter Länge.
Bild: Angelika Emmerling
Erschwerend kommt hinzu, dass der Octavia mit 4,57 Meter Länge (Golf: 4,20 Meter) deutlich aus der Kompaktklasse herausragt und mit seinem langen, flach auslaufenden Heck klaren Mehrwert verspricht. Die Erwartungen werden nicht enttäuscht: Wenn die große Heckklappe aufschwingt, schaut man in einen Kofferraum, der mit 560 Liter Volumen vielen Mittelklasse-Limousinen gut zu Gesicht stünde. Wenn der Golf mit 350 Liter Volumen auf Urlaubsfahrten schon an seine Grenzen stößt, darf der Octavia noch locker zwei große Reisetaschen mehr bunkern. Ein Wunschlos-glücklich-Auto für die Familie also. Die Form des Octavia hat aber nicht nur Vorteile. So bietet er auf allen Plätzen etwas weniger Kopffreiheit und ist vorn schmaler geschnitten als der Golf. Fürs Raumgefühl ist das jedoch unerheblich, subjektiv erscheint der Skoda sogar luftiger als der VW. Der ist im Detail eine Spur besser verarbeitet, zeigt hier und da mehr weichen Kunststoff und erleichtert die Ölstandskontrolle mit einer Gasdruckfeder für die Motorhaube. Kleinigkeiten natürlich wie auch die verschiedenen Multifunktionslenkräder mit Drucktasten hier (VW) und nicht so präzise bedienbaren Drehwalzen dort (Skoda).

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VW Golf VI 1.4 TSI
Das rundere Auto: Nach Messwerten und subjektiven Eindrücken liegt der Golf vorne
Bild: Markus Heimbach
Auch beim Fahren zeigen sich Unterschiede, die mit einem Umweg übers Unterbewusstsein dazu führen, dass der Golf als das rundere, ausgefeiltere Auto dasteht. Er folgt zum Beispiel mit größerer Selbstverständlichkeit Lenkbefehlen, wirkt trotz höherer Phon-Messwerte subjektiv leiser. Zudem verbraucht er auch ein Schlückchen weniger (6,8 zu 7,0 Liter Super pro 100 km), und das, obwohl er besser beschleunigt. Ist wie bei unserem Testwagen das adaptive Fahrwerk DCC (965 Euro) an Bord, legt der Golf noch eins drauf. Weiches Abrollen und Anfedern im Comfort-Modus trifft auf passgenaue Straffheit bei engagierterer Fahrweise im Sport-Programm. Skoda kann dieses Extra für den Octavia nicht anbieten, was natürlich keine technischen Gründe hat, sondern Folge von Marketing-Entscheidungen ist. Doch das schadet dem Octavia nicht wirklich. Wer in ihm den billigeren und familientauglicheren Golf sieht, wird seine Wahl nicht bereuen.

Fazit

von AUTO BILD
Der VW Golf gewinnt mit knappem Vorsprung. Im Karosserie-Kapitel liegt er zwar zurück, weil der Skoda Octavia den erheblich größeren Kofferraum hat, doch im Antriebs- und Komfort-Kapitel holt der Golf diesen Rückstand auf. Das teure Adaptiv-Fahrwerk spielt hier natürlich eine Rolle, doch andererseits kostet es den Golf Punkte beim Preis. Über die freundlichere Wertverlust-Prognose wird dies aber mehr als ausgeglichen, sodass der teurere VW bis auf die Karosserie-Wertung alle Kapitel gewinnt. Die überall geringe Punkt-Differenz zeigt eines jedoch ganz klar: Der Octavia ist dem Klassen-Primus dicht auf den Fersen.