VW Polo GTI/Alfa MiTo/Mini Cooper S: Test — 29.06.2010

Drei Kurze Sportler mit 534 PS

Jetzt darf sich auch der Polo ein GTI in den Kühler klemmen. Das Ergebnis: 180 PS plus Kampfansage an die Konkurrenten MiTo QV und Mini Cooper S. Das erste Kräftemessen der kleinen Biester.

Alle reden vom Downsizing. Die Ökos, na klar. Aber auch bei Sportlern ist Abspecken ein Dauerthema. Hier geht es jedoch nicht ums Spritparen, sondern um eine Renn-Diät. So hat VW jetzt den GTI geschrumpft, auf das Maß und die Masse des Polo – steckt in weniger Auto deshalb mehr Sportgeist? Auf jeden Fall eine Menge Technik, denn der Polo GTI greift mit 180 PS, Doppelaufladung, Siebengang-DSG und elektronischer Differenzialsperre nach der Sportler- Krone. Die lässt sich der Mini Cooper S natürlich nicht so einfach entreißen, hält nach kleiner Leistungsspritze jetzt mit 184 Turbo-Pferden dagegen. Auch der Alfa MiTo Quadrifoglio Verde zählt zur geladenen Gesellschaft, rechnet sich mit dem 170-PS-MultiAir-Triebwerk gute Chancen aus.

Überblick: News und Tests zu VW

Das bieten sie: Alle drei verzichten auf effektheischende Kriegsbemalungen. Zum Glück. Nur die Doppelendrohre und 17-Zoll-Räder zeugen von der motorischen Potenz. Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder Zentralverriegelung sind grundsätzlich Serie, ebenso ESP und mindestens sechs Airbags. Kritischen Blicken hält der Polo gewohnt souverän stand, er überzeugt auch als GTI mit akkurater Verarbeitung, simpler Bedienung, wohnlichem Interieur und guter Übersicht. Zudem bietet er am meisten Platz für bis zu fünf Personen. Alfa und Mini sind dagegen nur für vier zugelassen, und der enge Fond des Briten ist nur Kindern zuzumuten. Die haben zumindest Spaß an der verspielten Einrichtung, die mit Tacho im XXL-Format, unpraktischen Kippschaltern und Chrom-Tand geschmacklich zwischen Kitsch und Kult wandert.

Überblick: News und Tests zu Alfa Romeo

Der MiTo bietet als Einziger einen vernünftigen, 270 Liter großen Kofferraum.

Der MiTo bietet als Einziger einen vernünftigen, 270 Liter großen Kofferraum.

Ausgerechnet der Alfa wirkt dagegen richtig seriös, wenngleich die Verarbeitung im Detail nicht so sorgfältig ausfällt. Dafür bietet der MiTo als Einziger einen vernünftigen, 270 Liter großen Kofferraum. Mini (160 Liter) und VW (185 Liter) schlucken deutlich weniger Gepäck. Das schränkt die Reisetauglichkeit des Polo GTI empfindlich ein, ansonsten wäre er mit guter Geräuschdämmung und hervorragenden Sportsitzen bestens gerüstet für den Urlaub. Im Alfa sitzt man ebenfalls bequem, vermisst aber Seitenhalt. Der Mini schließlich integriert seinen Piloten perfekt auf tief angebrachten, prima stützenden Sesseln.

So fahren sie: Nicht nur die Sitzposition des Engländers erinnert an einen Kart, sondern auch das Fahrverhalten, jedenfalls mit der optionalen Sportabstimmung des Testwagens (200 Euro). Während sich Alfa und VW fiese Attacken auf die Bandscheiben verkneifen und trotz straffer Federung zumindest grobe Stöße ganz anständig schlucken, wird die Mini-Besatzung auf Flickenteppichen heftig durchgeschüttelt. Auf glatterem Asphalt zaubert der Cooper S dem Fahrer jedoch ein Dauergrinsen ins Gesicht, sobald der sich mit der giftig ansprechenden Lenkung arrangiert hat. Keiner pfeffert so zackig um die Ecken wie der Mini, lässt sich dabei so locker auf Kurs halten. Lästiges Wanken oder Untersteuern? Gibt es nicht. Dafür ein sportlich abgestimmtes, fein regelndes ESP, das dem Piloten stets das beruhigende Gefühl vermittelt, alles unter Kontrolle zu haben. Selbst bei Lastwechseln, bei denen das Heck leicht nach außen drängt, um Könnern noch flinker um enge Kurven zu helfen.

Überblick: News und Tests zu Mini

Der Mini verführt immer wieder zu einer flotten Feierabendrunde – einfach nur so, zum Spaß.

Der Mini verführt immer wieder zu einer flotten Feierabendrunde – einfach nur so, zum Spaß.

Dazu passen die präzise Sechsgangschaltung und der 1,6-Liter-Turbomotor, der vom bissigen Antritt im Drehzahlkeller bis zur prickelnden Drehfreude alles bietet, was einen Sportler ausmacht. Und dabei im Schnitt nur 7,2 Liter Super plus nimmt – klasse! Der Polo GTI lässt sich von diesem Feuerwerk der Gefühle freilich nicht beeindrucken, kontert mit kühler Präzision. Und spurtet ganz einfach am schnellsten, spart am besten, dreht am höchsten, bremst am kürzesten, läuft am kultiviertesten ... Was wir jedoch bei aller Perfektion vermissen, ist dieser mitreißende Charme des Mini, der immer wieder zu einer flotten Feierabendrunde verführt – einfach nur so, zum Spaß. Den kann im Polo das ruckfrei schaltende Doppelkupplungsgetriebe (DSG) – eigentlich eine feine Sache – verderben. Wer das Spiel mit Gas und Kupplung als sinnlich-lustvolles Vergnügen betreibt, wird den trägen und mitunter eigenwilligen Schaltvorgängen des DSG wenig abgewinnen.

Der Polo GTI versteht sich eher als Gran Turismo, weniger als Kiste für die Piste. Wie auch der Alfa. Im Alltag durchaus flott und spaßig, verhagelt die gefühllose Lenkung dem MiTo beim Kurvenwetzen die Linie – selbst im Dynamic-Modus der drei wählbaren Fahrprogramme. Außerdem schiebt der Alfa in schnellen Ecken stur geradeaus, sein ESP bekommt das heftige Untersteuern nicht in den Griff. Besser gefällt der kultivierte und dank Start-Stopp-Systems sparsame 1,4-Liter-Turbo (7,3 l), der sich zwar eine Anfahrschwäche leistet, dann aber mit heiserem Grollen kraftvoll anschiebt.
 
Das kosten sie:
Am günstigsten ist der gut ausgestattete Alfa MiTo QV, der mit aktivem Fahrwerk auf 21.550 Euro kommt. Der nur mit Siebengang-DSG lieferbare VW Polo GTI kostet knapp einen Tausender mehr. Und der Mini Cooper S (u. a. inklusive Sportfahrwerk) hebt mit 24.360 Euro richtig ab. Unser Wunsch: Wie wär's mal mit einer Diät bei den Preisen?
Mehr zum Test der drei Kraftzwerge sehen Sie oben in der Bildergalerie! Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv .
FAHRZEUGDATEN ALFA ROMEO MINI VW
Motor Bauart/Zylinder/ Vierzylinder, Turbo, Vierzylinder, Turbo, Vierzylinder, Kompressor/
Einbaulage vorn quer vorn quer Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette Kette
Hubraum 1368 cm³ 1598 cm³ 1390 cm³
kW (PS) bei U/min 125 (170)/5500 135 (184)/5500 132 (180)/6200
Nm bei U/min 230/2250 240/1600 250/2000
Höchstgeschwindigkeit 219 km/h 228 km/h 229 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Siebengang DSG**
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/45 R 17 W 205/45 R 17 V 215/40 R 17 V
Radgröße 7 x 17“ 7 x 17“ 7 x 17“
Abgas CO2 139 g/km 136 g/km 139 g/km
Verbrauch* 8,1/4,8/6,0 l 7,3/5,0/5,8 l 7,5/5,1/5,9 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 45 l/Super 50 l/Super plus 45 l/Super plus
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A) 74 dB (A) 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 500/400 kg keine Angaben 1200/530 kg
Kofferraumvolumen 270–950 l 160–680 l 185–882 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **Doppelkupplungsgetriebe
MESSWERTE ALFA ROMEO MINI VW
Beschleunigung 0–50 km/h 3,0 s 2,9 s 2,7 s
0–100 km/h 7,8 s 7,2 s 6,7 s
0–130 km/h 12,3 s 11,2 s 10,8 s
Zwischenspurt 60–100 km/h 4,0 s 4,0 s 3,5 s
80–120 km/h 5,4 s 4,6 s 4,5 s
Leergewicht/Zuladung 1250/375 kg 1192/388 kg 1238/442 kg
Gewichtsverteilung v./h. 64/36 % 63/37 % 63/37 %
Wendekreis links/rechts 11,5/11,5 m 11,0/11,2 m 10,5/10,8 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 39,3 m 35,2 m 34,7 m
aus 100 km/h warm 38,3 m 35,8 m 35,5 m
Innengeräusch bei 50 km/h 58 dB (A) 61 dB (A) 59 dB (A)
bei 100 km/h 64 dB (A) 66 dB (A) 63 dB (A)
bei 130 km/h 69 dB (A) 69 dB (A) 69 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,3 l S – 173 g/km 7,2 l SP – 170 g/km 7,0 l SP – 165 g/km
Reichweite 610 km 690 km 640 km
Uli Holzwarth

Uli Holzwarth

Fazit

Nach Punkten liegt der ausgewogene VW Polo GTI deutlich vorn, er leistet sich im Alltag kaum Schwächen. Als Sportler wirkt er aber (zu) brav. Zweiter wird der kompromisslose Mini Cooper S. Er ist der Gewinner der Herzen, weil er einfach am meisten Spaß macht. Dahinter: der Alfa MiTo QV, den das träge Handling und die teigige Lenkung zurückwerfen.

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Kommentare zum Artikel (130)

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Inhalt

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Steve-O.
07.08.2010, 00:35Uhr

Hallo,

ich fahre seit fast 10 Jahren Polo .... 1,2l; 1,4l, 1,9l und jetzt seit 3 jahren einen 1.8T ich hatte garnie irgendwelche Probleme mit meinen VWs ... und ich kenne kaum jemand der welche hat - aktiver VW Club - Man muss sich nur etwas mit der Materie beschäftigen - ein Auto richtig fahren - und das heisst z.b. bei Turbos etc. heizt man halt nicht sofort mit Vollgas los und wenn man heizen war lässt man ihn abkühlen .... aber das ist bei ALLEN Herstellern das gleiche sei es der 5zy Turbo vom FordRS oder vom R32HGP der 6Zy Turbo ...

jajajaja
04.08.2010, 11:55Uhr

fahrt erst einmal die autos bevor ihr mit eurem pseudo-wissen in internet-foren glänzt...der polo ist ein super auto.ich bin ihn schon probe gefahren und ich kann nur sagen dass der richtig nach vorne schiebt und auch im innenraum einen erstklassigen eindruck macht..sharky fahr erst mal den polo bevor du von werbeeinnahmen sprichst vielleicht änderst du deine meinung..oder fährst du etwa opel??

Sharky
09.07.2010, 18:29Uhr

Der VW-Konzern glänzt immer wieder mit besonders gut im Futter stehenden Pressefahrzeugen. Der Leser sollte sich bewusst sein, dass die Verlagshäuser auf die Werbeeinnahmen der Autohersteller angewiesen sind. Sie werden somit kaum etwas zur Enttarnung dieser werksgetunten Testfahrzeuge unternehmen.

AMS
06.07.2010, 14:37Uhr

Beschleunigung
0-80 km/h 5,4 Sek.
0-100 km/h 7,5 Sek.
0-120 km/h 10,4 Sek.
0-130 km/h 12,0 Sek.
0-160 km/h 18,7 Sek.
0-180 km/h 24,7 Sek.
0-200 km/h 35,7 Sek.
Herstellerangabe 0-100 km/h 6,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 229 km/h

Damian
04.07.2010, 12:08Uhr

@Velocity: Wieso eine teure Sache für VW? Die geben doch kaum Garantie oder Kulanz, die Fanboys sind aber so dumm und kaufen bei solchen einen Defekt trotzdem wieder von der gleichen Marke (oder Töchtern) ein Ersatzfahrzeug. VW macht mit diese schlechten Qualität sogar noch deutlich Gewinn.

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