Polo ist kein einfaches Spiel. Es verlangt Technik, die Pferdestärken müssen stimmen, und ein teures Vergnügen ist es obendrein. VW tut sich schwer, die Möglichkeiten des Polo zu nutzen. Schwerer als beim Golf, der als Kompakter, Cabrio, Kombi und GTI längst eine Familie gegründet hat. Ganz zu schweigen von den Verwandten Touran (Van), Tiguan (SUV) und Jetta (Stufenheck). Das gleiche Spiel wollte beim Polo bisher nicht gelingen. Vor zwei Jahren waren drei Ableger erstaunlich weit gediehen: ein Cabrio mit Stummelheck, vier Sitzen und schickem Stoffdach, ein Polo Variant mit längerem Radstand und markanter Heckpartie und ein Polo-Stufenheck, wie es jetzt in Russland und Indien vom Band läuft.

Autosalon Genf 2011: VW-Konzepte von Giugiaro

VW Polo Variant
Fest steht aus heutiger Sicht: Mit dem Facelift 2013 werden weitere Polo-Modelle eingeführt, darunter wahrscheinlich der Variant.
Bild: Andrei Avarvarii Illustration
Doch die Arbeit an den angedachten Karosserievarianten geriet bald ins Stocken. Das lag zum einen an den Controllern, die immer höhere Stückzahlen forderten. Zum anderen an Konzernstrategen, die das große Ganze im Auge haben. Einerseits eröffnet die Kooperation mit Suzuki neue Projekte, andererseits steht bei VW eine technische Revolution ins Haus: Die Umstellung auf den Modularen Querbaukasten (MQB) vereinheitlicht und verbilligt die Produktion aller Autos mit quer eingebauten Frontmotoren. Fest steht aus heutiger Sicht, dass weitere Modelle Ende 2013 zusammen mit dem Polo-Facelift eingeführt werden – höchstwahrscheinlich der Polo Raum (so heißt der MPV intern) und der Variant.

Überblick: News und Tests zu VW

VW Giugiaro TEX Studie
Eines der Vorbilder für die Polo Familie: Die Italdesign-Studie Tex vom Genfer Salon 2011.
Bild: Werk
Auf dem Genfer Salon gab die Designfirma Italdesign, die seit Kurzem zum Wolfsburger Imperium gehört, einen Vorgeschmack. Mit den Studien Tex (Coupé) und Go (Van) haben Vater und Sohn Giugiaro gezeigt, wie sie sich eine neue VW-Design-Formensprache für das Kleinwagensegment vorstellen könnten. Die Antriebstechnik war voll auf der Höhe der Zeit: Plug-in-Hybrid für den Tex, Blue-e-Motion-Elektropower für den Go. Die Chancen für einen Serieneinsatz in dieser Technik-Opulenz sieht man in Wolfsburg skeptisch. "Für den Polo ist das nicht bezahlbar." Ob sich Wolfsburg mit dem Italo-Gesicht anfreunden kann, ist ebenso offen wie die Staffelung der endgültigen Modellpalette. Braucht die Marke eher einen Lifestyle-Van oder einen Caddy im Kompaktformat? Wäre es nicht vernünftiger, statt des Polo Coupé einen praktischen Kombi auf die Räder zu stellen? Stückzahlen und Kosten bestimmen auch das Schicksal des Polo Crossover. Hier wollte VW gemeinsam mit Suzuki vier Modelle kreieren: VW Polo SUV, Seat IBX, Skoda-Yeti-Nachfolger, Suzuki-SX4-Nachfolger.
Doch die Kooperation mit den Japanern läuft zäher als erwartet. Weil VW mit der Architektur, dem Chassis und dem Package des SX4-Nachfolgers nicht wirklich klarkommt, sind die Gespräche ins Stocken geraten. Deshalb mehren sich die Stimmen, die für eine Eigenkonstruktion auf MQB-Basis plädieren, an die auch ein Audi Q1 ohne Imageverlust andocken könnte. Für das Polo SUV könnte das freilich bedeuten, dass diese Variante nicht auf Basis der laufenden Generation angeschoben wird. Auch das Polo Cabrio steht unter keinem guten Stern. Obwohl VW sich bei Karmann eingekauft hat, sehen die Strategen wenig Potenzial für den offenen Polo neben den Cabrio-Varianten von Golf und A3. Der immer wieder kolportierte offene Audi A1 könnte zwar als Schwestermodell das Stückzahlgerüst stützen, ist aber ebenfalls nicht entschieden.
Damit konzentriert sich unser Interesse auf die Vernunftmodelle Van und Variant. Beide sind im Prinzip fertig, könnten noch auf Basis der alten Polo in Serie gehen, wären bei verkürzter Laufzeit profitabel. Darüber hinaus denkt VW über alternative Crossover-Konzepte, Lifestyle-Optionen und Sportwagen-Derivate nach, und hier insbesondere über den lang ersehnten Mini-GTI für leistungshungrige Polo-Fans. Gemeint ist der R20, der möglicherweise schon im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Ursprünglich war von einem 210-PS-Motor und Frontantrieb die Rede, doch weil Audi für den A1 einen Allradantrieb entwickelte, könnte der VW sogar die 350 Nm des 250 PS starken Zweiliter-TFSI-Motors auf die Straße bringen. Dieser Sportler wäre in der Tat konkurrenzlos.

Fazit

von

Georg Kacher
Eine Familie rund um den Polo – das wäre eine richtige Entscheidung für die VW-Zukunft. Viele Autofahrer warten auf pfiffige, sparsame Kleinwagen. Nur Mut, VW!