Adblue selbst herstellen: DIY, Harnstoff, Urin, Katalysator, Hersteller-Garantie
Kann man den Diesel-Zusatz Adblue auch selbst herstellen?

Das Diesel-Additiv Adblue wird immer teurer. Kann ein selbst hergestelltes Mittel den industriell erzeugten Zusatzstoff ersetzen? Konkret: Lässt sich Adblue aus Urin herstellen?
Bild: Ralf Timm / Auto Bild
Rund zehn Millionen Diesel-Kraftfahrzeuge in Deutschland müssen regelmäßig Adblue tanken. Doch Adblue wird zusehends knapp. Parallel steigen die Preise. Viele Autofahrer fragen sich: Kann ich Adblue selbst herstellen, um mich von dem Problem unabhängig zu machen?
Dazu muss man wissen, was hinter dem Markennamen Adblue steckt. Der Begriff ist ein Kunstwort, das sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Marke geschützt hat. In manchen Ländern heißt Adblue anders, z. B. "AUS32". Die Abkürzung steht für "Aqueous Urea Solution", das heißt wässrige Harnstofflösung. Bei der Flüssigkeit handelt es sich also um eine Lösung von Harnstoff in destilliertem Wasser.
Harnstoff ist im Urin enthalten
Wer Harnstoff liest, könnte jetzt an Urin denken. Tatsächlich ist Harnstoff ein Bestandteil des Urins beim Menschen und allen Säugetieren. Er wurde vor knapp 300 Jahren erstmals chemisch nachgewiesen. Heute ist Harnstoff eine der meist herstellten Chemikalien der Welt – nicht nur für den Auto-Zusatz Adblue, sondern vor allem für Kunstdünger als Ausgangsstoff für Klebstoffe und andere breit eingesetzte Produkte.

Das Mischungsverhältnis von Harnstoff zu Wasser ist 1:2.
Bild: AUTO BILD Montage
Seit 2007 hat Harnstoff als Bestandteil von Adblue die Aufgabe, in SCR-Katalysatoren von Dieselfahrzeugen giftiges Stickoxid (NOx) zu reduzieren. Die Substanz wird fein dosiert in diesen Kat (der sich übrigens auch nachrüsten lässt) gesprüht und führt dort dazu, dass die Stickoxide aufgespalten werden in Wasserdampf und gasförmigen Stickstoff. Die chemische Nachbehandlung kann damit einen Großteil der NOx unschädlich machen.
Adblue benötigt viel Harnstoff
Leider genügt es nicht, eine Urinprobe mit destilliertem Wasser zu vermischen und in den Adblue-Tank zu schütten. Die Motor-Elektronik würde man damit zwar kurzzeitig überlisten, da die Flüssigkeit im Tank nicht automatisch analysiert wird. Doch die Mogelei kann nicht funktionieren: In Adblue muss das Verhältnis Wasser zu Harnstoff etwa 2:1 betragen. Im Urin ist jedoch nur zwei bis vier Prozent Harnstoff enthalten. Täglich scheidet ein Erwachsener normalerweise bis zu 1,5 Liter Urin aus, in dem jedoch nur etwa 20 Gramm Harnstoff enthalten sind!

So warnt die Elektronik, dass Adblue getankt werden muss.
Bild: AUTO BILD
Somit kann selbst gepanschtes Urin-Adblue die NOx-Reduktion nur ungenügend ausführen. Formal wäre die Umgehung von industriellem Adblue also Steuerbetrug. Aber was viel gravierender ist: Urin, ob nun vom Tier oder vom Menschen, enthält außer Wasser und Harnstoff zahlreiche andere Stoffe, zum Beispiel diverse Proteine, aber auch – je nach Produzent – Restalkohol, Medikamente, Kokain etc. Diese organischen Verbindungen haben im SCR-Kat natürlich nichts verloren.
Die Anlage würde verstopfen
Urin ist als Stoffwechselprodukt organischer "Müll", in dem schädliche Substanzen aus dem Körper ausgeschwemmt werden. Ob diese Körperabfälle im Katalysator Schaden verursachen, ist nicht bekannt. Doch mindestens ist davon auszugehen, dass sich Reste davon im Tank, den Leitungen und den feinen Düsen ablagern, mit anderen organischen Stoffen und Luftsauerstoff reagieren, faulen etc. Über kurz oder lang wäre die Anlage verstopft und müsste teuer instand gesetzt oder zumindest gereinigt werden.

Adblue reduziert Stickoxide zu Wasserdampf und Stickstoff.
Bild: Baumot Group AG
Adblue geht auf eine eigene, weltweit anerkannte Norm zurück: ISO 22241. Demnach muss die Flüssigkeit aus 32,5 Prozent Harnstofflösung und 67,5 Prozent demineralisiertem Wasser bestehen. Das ist Wasser, dem die meisten Mineralien entzogen wurden. An die Qualität bei Produktion, Test, Transport, Lagerung und Einsatz werden in der ISO-Norm hohe Maßstäbe angesetzt, die im Alltag nicht einzuhalten sind.

Organische Stoffe würden das System schnell verstopfen.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Die Hersteller-Garantie erlischt ebenfalls
Die Autohersteller warnen in den Betriebsanleitungen ihrer Fahrzeuge davor: Die Verwendung von minderwertigem Diesel-Zusatz kann den Katalysator oder andere wichtige Bauteile beschädigen, zudem gefährdet es auch die Hersteller-Garantie des Autos. Adblue ist also leider nicht ohne Weiteres durch selbst hergestellte Flüssigkeiten zu ersetzen.
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