Heute ist das Alfa-Museum in Arese eigentlich zu. Aber für uns ist das ein Glück, denn so hat Lorenzo Ardizio (48) ganz viel Zeit für eine Exklusiv-Führung durch SEINE heiligen Hallen. Zuerst das Bekannte im Schnelldurchlauf: Der erste A.L.F.A. 24 HP von 1910, die atemberaubende Giulietta von 1954, die wunderschöne Giulia von 1962. Lorenzo guckt ganz verliebt, dann erzählt er: "Ich habe drei Giulia GT, von 66, 67 und 72."
Alfa Romeo Museum
Der Alfa Romeo Carabo sieht aus wie ein Lambo Countach, war aber drei Jahre früher am Start.

Der Blick des Alfa-Mannes ändert sich erst, als wir vorm 68er Carabo stehen, dieser keilförmigen Studie von Marcello Gandini, bei der sich Scherentüren nach oben öffnen und wir feststellen: "Der sieht ja aus wie ein Lamborghini Countach!" Lorenzo guckt uns an, als würden wir die Carbonara mit dem Löffel essen: "No, no, no!", sagt er, und dann: "Der Countach sieht aus wie ein Carabo." Denn die Lambo-Studie aus der Feder des Bertone-Chefdesigners kam erst 1971, also drei Jahre später. "Lorenzo", sagen wir jetzt, "bevor es noch später wird, zeig uns bitte die geheimen Autos!"

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Zwei geheime Etagen voller alter Alfa

Als die Tür wieder öffnet, da ist es so, als hätten wir uns ins Parallel-Universum gebeamt. Lorenzo steht neben einem Motor: "Unser erster Hybrid aus den 70ern für den Alfasud!" Auf den Verbrenner haben sie einen Elektromotor geflanscht, bei Gaswegnahme sollen sich Zylinder abschalten. Die Idee hätten wir Alfa genauso wenig zugetraut wie die vom Tank, unter dessen Ummantelung sich beim Unfall ein Liquid mit dem Benzin vermengt, Explosionen unmöglich macht. Und dass der Alfa 156 JTD der erste Seriendiesel mit Common-Rail-Einspritzung war, bevor Bosch das Patent gekauft hat – Lorenzo lächelt voller Stolz.
Alfa Romeo Museum
In den zwei Etagen sind die Preziosen so eng gestellt, dass man sie zum Bewundern erst herausziehen muss.

Fortschrittlich auch der Alfasud: Er kam 1972 raus, zwei Jahre vor dem Golf, noch ein Jahr früher die Studie Caimano. Das Ding sieht aus wie der kleine Bruder von irgendeinem Lambo, hat aber Großserientechnik aus dem Alfasud unterm Blech, den 1.3er-Vierzylinder mit 86 PS zum Beispiel. Wer rein will, muss die Kuppel samt Plexiglas-Frontscheibe hochklappen. Unpraktisch, aber eine Mords-Show! Vielleicht hätte die Studie, flach wie Holland, unterm Schlagbaum der Mautstation durchgepasst; aber Giugiaro hat links und rechts in die Seiten Löcher eingearbeitet, um Tickets zu ziehen und zu zahlen.
Alfa Romeo Museum
Irre Studie von 1971: Mit seiner aufklappbaren Glaskuppel erinnert der Alfa Romeo Caimano an ein UFO.

Raumwunder, Eintagsautos, Studien

In den beiden geheimen Stockwerken stehen die Autos derart dicht an dicht, dass du sie rausziehen musst, um sie zu bewundern. Das New York Taxi zum Beispiel. 1975, das Museum of Modern Art bat um Vorschläge für Taxen der Vernunft, also außen klein und innen groß und nicht zu durstig. Alfa und Giugiaro hatten da was im Angebot: eine eckige Kiste, vier Meter kurz, hinten auf jeder Seite Schiebetüren, Platz für Fahrer und fünf Passagiere. Daneben Studien: Der Z33 Free Time etwa, auch so ein Raumwunder. Das Ding von Designer Zagato ist ein Mini-Van und stammt von 1984, große Glasflächen, nur vier Meter lang, innen brauner Plüsch und sechs Sitzplätze.
Alfa Romeo Museum
Seit 1956 stellt Alfa Romeo seine glorreiche Geschichte hier warm und trocken ab. Ein Fest für uns Alfisti!

Wir gehen vorbei an Eintagsautos wie einer Giulia, die sie 1966 zum viertürigen Cabrio umgebaut haben, weil Staatspräsident Giuseppe Saragat beim Werksbesuch nicht laufen sollte. Und an Tagträumen wie einem Alfa 164 Procar, das sie Ende der 80er-Jahre zum zivilen Formel-1-Renner umgebaut und von einer Tourenwagenserie mit Rennsporttechnik geträumt haben. Der Wagen hat einen 3,5-Liter-V10 mit 620 PS und soll tatsächlich 329 km/h geschafft haben.

Bildergalerie

Alfa Romeo Museum
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Alfa-Romeo-Museum in Arese

Seit 1956 sammelt Alfa seine Historie

286 Autos hat Alfa in seiner Collezione gesammelt, 180 weitere in zwei Hallen. Schon 1956 fingen die Italiener an, die eigene Geschichte wegzustellen. Zum Schluss zeigt uns Lorenzo noch zwei Prototypen. Er lächelt nicht, er lacht: "Diese Giulia haben wir 1959 in Jugoslawien getestet, weil es dort so wenig Journalisten gab. Und auf diese 1750 Berlina haben wir einen Rover-Schriftzug geklebt, um euch zu verwirren." Tja, was sollen wir sagen? Wir sind ebenfalls verwirrt, weil wir uns in so viele alte Alfa-Modelle zugleich verliebt haben.