Ein Aufregerthema geistert durch Europa: Demnach plant die EU angeblich, die Hersteller von Plug-in-Hybriden zum Einbau von Tanks zu verpflichten, die maximal 15 Liter Sprit fassen. In einigen Medien, vor allem auf Social Media, wird das Thema groß gespielt. Nur: Was ist dran an dem Gerücht? Plant die EU etwas Derartiges?
Wie so oft baut das Gerücht auf einem bekannten Umstand auf – und driftet dann ab in die Welt der Verschwörung. Denn es ist bekannt, dass viele Nutzer von Plug-in-Hybriden lieber mit Benzin fahren als batterieelektrisch. Das ist gerade ein Phänomen bei Dienstfahrern mit Tankkarte. Da kommt ein Vorschlag von Transport & Environment (T&E) einigen gerade gelegen, um auf die Nichtregierungsorganisation, die EU und Brüssel überhaupt mit Worten einzudreschen.

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Vorschlag von T&E schürt helle Aufregung – ein Jahr nach Veröffentlichung

Tatsächlich steht dieser Vorschlag in einem Dokument der Umweltlobby-Organisation als eine von mehreren Ideen, mit denen sich die Umweltbilanz von PHEVs verbessern ließe – die Studien zufolge tatsächlich zu wünschen übrig lässt. Die Vorschläge sind jedoch keine EU-Verordnung, sondern Empfehlungen, um die Ökobilanz von PHEVs und damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autoindustrie zu befördern. Und sie zielen auf einen Zeitrahmen von 2025 bis 2035. Es ist eine von vier Ideen, die bei der Einordnung der "15-Liter-Regel" helfen.
Hier sind alle vier Vorschläge:
  1. Ein Leistungsverhältnis von E-Motor zu Verbrennungsmotor von mindestens 3:1 – mit dem Ziel, dass das Auto in allen Fahrsituationen auch rein elektrisch unterwegs sein kann.
  2. Eine elektrische Mindestreichweite von 200 km für Plug-ins ab 2030 – um bei einer Tagespendelstrecke von 30 km eine Woche ohne Laden zu ermöglichen.
  3. Eine Schnellladefähigkeit oberhalb von 100 kW – um schnelles Laden zu gewährleisten und einen weiteren Anreiz zum Ausbau des Schnellladenetzes zu geben.
  4. Schließlich die nun heftig kritisierte Begrenzung des Kraftstofftanks auf 15 Liter.

Aufregung weit abseits der Faktenlage

Gerade der letzte Vorschlag lässt nun die Wellen hochschlagen, allerdings eher in Medien mit sehr konservativer Sichtweise. Beispiele: "EU-geförderte Öko-Lobby will Mini-Tanks für Hybridautos" titelt der "Express" aus Österreich. Das rechtskonservative Meinungsportal "Tichys Einblick" macht daraus gar "Neueste EU-Idee zur Wettbewerbsverzerrung: Kleinere Tanks für Hybrid-Pkw" – und unterschlägt dabei, dass es weder eine "EU-Idee" ist noch dass sie schon ein Jahr alt ist. Das Portal präzisiert auch nicht, dass sich der Vorschlag nicht um Hybride allgemein dreht, die mit einem 15-Liter-Tank nachvollziehbar zu wenig Sprit an Bord hätten. Sondern um Plug-in-Hybride, deren Umweltbilanz ... siehe oben.

Geht es um die EU-Autopolitik nach 2035?

Warum also die Aufregung? Und vor allem: warum jetzt? Das erschließt sich kaum. Vermutlich ist diese Aufregung im Licht der anstehenden EU-Entscheidung für die Zukunft von Verbrennern nach 2035 zu sehen. Also kann von Diktat, Verbot oder Bürokratenwahn der EU keine Rede sein, sondern von Bedingungen, unter denen Europa den Markt positiv lenken könnte.
Und die Industrie? Die baut vermehrt Plug-in-Hybride mit überschaubar großem Tank. Selbst das 2,9-Tonnen-PHEV-SUV Zeekr 9X hat einen übersichtlich großen 50-Liter-Tank an Bord. So abwegig scheint die 15 Liter-Tank-Idee also nicht zu sein.

Kommentar

Die 15-Liter-Idee ist geeignet, sich aufzuregen. Doch es ist nur einer unter mehreren Vorschlägen. Es ist keine Verordnung, kein konkreter Plan. Und schon ein Jahr alt. Die Aufregung darum lohnt sich nicht – sondern nützt nur denjenigen, die Unfrieden säen wollen.