Audi A3 allstreet 35 TDI: Test
Auf halbem Wege: Ist der A3 allstreet so gut wie ein allroad?
Audi A3 allstreet im ersten Test
Bild: Audi
Unlackierte Radläufe aus Kunststoff wie bei den großen allroad-Audi, 15 Millimeter Höherlegung und nochmals 15 Millimeter mehr Bodenfreiheit durch größere Reifendurchmesser, aber stadtfeine 19-Zoll-Räder und kein Allradantrieb – ist der A3 allstreet nur eine SUV-Attrappe?
Immerhin hat Audi nicht bloß mit Distanzscheiben gearbeitet und dem Fahrwerk tatsächlich andere, sichtbar längere Spiralfedern verpasst mit höherer Federrate. Auch das Dämpfer-Setup ist straffer als beim Standard-A3 – aber dazu später. Adaptive Dämpfer gibt es übrigens auch für den allstreet nicht.
Die Qualität passt leider nicht überall
Am Anfang steht eine leichte Enttäuschung: Die Spaltmaße waren schon mal feiner bei Audi, etwa an den Scheinwerfern und rings um die Motorhaube. Die Türrahmen sind innen nicht verkleidet, auch im Interieur findet sich nicht ganz der Preisklasse Entsprechendes wie ein etwas wilder Materialmix. Die Lüftungsdüsen sehen zwar schwer nach Lamborghini aus, aber die linke knarzt und erscheint uns schlechter fixiert als die rechte.

Arbeitsplatz: Luftiger Eindruck und großzügiges Platzangebot vorn, aber die Materialauswahl ist nicht durchweg richtig hochwertig.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Cockpit präsentiert sich sachlich kühl. Bis auf die drei Lenkstockhebel wirkt alles auf-, aber nicht leergeräumt. Alles rätselarm und leihwagentauglich. Die virtuellen Instrumente sind groß und gut ablesbar. Der Touchscreen wirkt besser in das Cockpit integriert als bei VW, ist auch leichter erreichbar als etwa im Audi Q5, der ursprünglich für Drehdrücksteller-Bedienung konzipiert war, im Zuge eines Facelifts dann aber doch darauf verzichten musste.
Fahrzeugdaten
Modell | Audi A3 allstreet 35 TDI |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Zahnriemen |
Hubraum | 1968 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 110 (150)/3000 |
Nm bei 1/min | 360/1600 |
Vmax | 218 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40 R 19 W |
Reifentyp | Pirelli P Zero |
Radgröße | 7,5 x 19" |
Abgas CO2* | 138 g/km |
Verbrauch* | 5,3 l |
Tankinhalt | 50 l |
Kraftstoffsorte | Diesel |
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt | S/12 l |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/750 kg |
Stützlast | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 380–1200 l |
Länge/Breite/Höhe | 4353/1816–1984**/1486 mm |
Radstand | 2628 mm |
Grundpreis | 41.000 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 47.540 Euro |
Unser Testwagen kam mit körpergerecht ausgeformten, angenehm gepolsterten Sportsitzen (Aufpreis ab 500 Euro), mit Lendenwirbelstützen (450 Euro) und viel Unterstützung auch im Schulterbereich. Nur die Kopfstützen lassen sich nicht anpassen, sie sind bei diesen Sitzen integriert. In der zweiten Reihe finden normal große Passagiere akzeptable Platzverhältnisse vor, allerdings bietet die Fondbank keine besondere Variabilität, bei etwas steil stehender Lehne.
Beim Verbrauch überzeugt der allstreet
In Fahrt lässt der TDI keine Zweifel an seinem Arbeitsprinzip aufkommen, trotz zweier Ausgleichswellen und Zylinderdrucksensoren. Ja, er dieselt, wenn auch leise dank wirksamer Dämmung. Der TDI verzichtet auf eine 48-Volt-Hybridisierung, kommt dafür mit einem Spritspartechnik-Dreiklang aus Bordnetzrekuperation, Freilauf und Kühlerjalousie.

Spritknauser: Der A3 allstreet 35 TDI genehmigt sich im Testdurchschnitt nur 5,7 l/100 km – und er schafft auch locker unter fünf Liter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das Ergebnis ist ein dieseltypisch niedriger Verbrauch, der sich bei Landstraßenfahrt unter die Fünf-Liter-Marke drücken und selbst bei schneller Fahrt kaum über die Sieben-Liter-Marke bewegen lässt. Die Reichweite von 875 Kilometern bei unserem Testverbrauch (5,7 l Diesel auf 100 km) ist geradezu außendiensttauglich und untermauert die Existenzberechtigung des Diesels.
Lenkung ist Audi-typisch etwas entkoppelt
Die über einen Mini-Wählschalter in der Mittelkonsole zu bedienende Siebengang-Doppelkupplungsautomatik agiert unauffällig, ohne spürbare Rucke oder sonstige grobe Mängel. Überraschenderweise federt der allstreet herzhafter als der Standard-A3.

Entkoppelt: Die progressive Lenkung arbeitet schnell, präzise und mit angenehmer Handkraft, liefert aber wenig Rückmeldung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Lastenheft stand offensichtlich, der allstreet dürfe trotz seiner leichten Höherlegung auf keinen Fall weniger bissfest und griffig liegen als der normale Kompakte. Die progressive Lenkung (250 Euro extra) arbeitet schnell, präzise und mit angenehmer Handkraft, könnte aber mehr Rückmeldung liefern. Die etwas entkoppelte Lenkung ist eine Audi-Eigenheit. Die wollen das so.
Messwerte
Modell | Audi A3 allstreet 35 TDI |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,1 s |
0–100 km/h | 8,7 s |
0–130 km/h | 12,1 s |
0–160 km/h | 23,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,8 s |
80–120 km/h | 6,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1488/472 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 62/38 % |
Wendekreis links/rechts | 11,1/11,0 m |
Sitzhöhe | 530 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 33,0 m |
aus 100 km/h warm | 32,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 4,6 l D/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 5,7 l D/100 km (+8 %) |
Sportverbrauch | 7,1 l D/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 151 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 875 km |
Dem Premium-Anspruch der Marke entspricht dieser A3 in einigen Punkten durchaus (Windgeräusche frühestens ab 160 km/h vernehmbar, geringe Knarz- und Knisterneigung auf Kopfsteinpflaster, solide Metall-Verzurrösen im Laderaum), in anderen nicht: In der zweiten Reihe sehen wir nichts als Hartplastik, und die Belüftung pfeift in den höheren Stufen der Klimaautomatik. Wir finden scharfe Kanten am Fach unter dem Lenkrad. Wie die Spaltmaße und die sparsam verkleideten Türen nicht ganz Audi-like; da war die Vorgängergeneration edler.
Infotainment mit verzögerter Sprachsteuerung
In Sachen Konnektivität gibt es hingegen wenig zu beanstanden: Der 10,1-Zoll-Zentralbildschirm läuft recht flüssig. Naviziele lassen sich über Sprache, Tastenfeld (besser als bei VW oder Skoda) und Schrifterkennung eingeben – funktioniert alles tadellos. Die Grafik ist klarer und besser als in preiswerteren VW-Konzernmodellen, vor allem das Satellitenbild sucht seinesgleichen. Die Sprachsteuerung reagiert noch immer etwas verzögert.
Klima und Sitzheizung kann sie; Fenster schließen, Distanz zum nächsten Service oder Ölstand kann sie nicht. Letzteres erscheint entbehrlich; der A3 verfügt noch über einen Ölmessstab. Die Bremsen werden Audis Premiumanspruch tatsächlich gerecht, sind bissig und standfest. Weniger als 33 Meter warm – top!
Der Komfort könnte höher sein
Lohnen die 1800 Euro Mehrausgabe für den allstreet nun? Wir wären eher geneigt, die Frage mit "Ja" zu beantworten, wenn die längeren Federwege mit mehr Komfort einhergingen. Der allstreet federt aber eher störrisch an, zumindest mit den hier montierten 19-Zoll-Rädern (2240 Euro, Serie: 17 Zoll).

Nicht ganz erwartungskonform: Der A3 allstreet federt trotz längerer Federwege etwas störrisch an – zumindest mit den 19-Zöllern.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Einem Jäger oder Förster kann er das SUV nicht ersetzen, zumal wir nur 16 Zentimeter Bodenfreiheit gemessen haben – reicht nicht. Gut hingegen: die 1,6 Tonnen Anhängelast. Wobei man nicht versuchen sollte, diese von einer nassen Wiese wegzuziehen. Wie gesagt, der Allrad fehlt.
Wertung
Modell | Audi A3 allstreet 35 TDI |
|---|---|
Karosserie | Gutes Platzangebot vorn, hinten eher knapp. Hartplastik-Türtafeln hinten sind nicht premium. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Stets ausreichende Fahrleistungen, aber alles über 180 km/h braucht viel Anlauf. DSG ohne Grobheiten. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Untersteuernd, sehr fahrsicher, Agilität und Lenkung schaffen Fahrspaß. Bremsen bissig, standfest. |
4/5 Punkten | |
Connected Car | "Hey, Audi!" kann weniger als bei BMW und Daimler. News- und Wetter-Apps, vieles zusätzlich buchbar. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Genügsam, über Land reichen weniger als fünf Liter Diesel/100 km. Keine Hybridisierung, schwer. |
3/5 Punkten | |
Komfort | Rollt auf 19 Zoll etwas prall ab, federt Gröberes aber gut weg. Diesel hörbar. Kein Adaptivfahrwerk. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Kratzt mit ein paar Extras schnell an der 50.000-Euro-Marke. Nur zwei Jahre Garantie, Paketbindungen. |
2,5/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Man muss zwei Dinge wollen, um zu diesem Audi zu greifen: das echte "Made in Germany" (gebaut in Ingolstadt) – und die crosse Optik. Viel mehr als Asphalt sollte man ihm aber nicht zumuten.
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