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Video: BMW 530d vs Mercedes E 350 d vs Audi A6 (2017)

Oberklasse-Dreikampf

SPFHSKFNM WICNW. Uups und sorry! Gerade mit dem Kopf auf die Tastatur geknallt. Weiß nur noch, dass ich nachgerechnet habe, was der Testwagen mit dem Kennzeichen M-ZG 5852 kostet. 81.960 Euro! Vielleicht auch mehr. Dann: Spontanschock, Schwindel, patsch, Kopf nach vorn geklappt. Gab's zuletzt, als ich im "Manager Magazin" die Gehaltsliste von Führungskräften gelesen habe. Genau für solche Menschen sind der neue BMW 5er, die frische Mercedes E-Klasse und der über die letzten sechs Jahre quicklebendig gehaltene Audi A6 ja gemacht. Stellt sich nur die Frage: Welchen der drei soll Big Boss nehmen? AUTO BILD weiß es.

Beim neuen 5er gibt es noch Verbesserungspotenzial

BMW 530d
Spaltmaße, Rückfahrkamera, Cockpit: Wir haben drei Dinge am 5er gefunden, die wir verbessern würden.
Kurze Expedition nach Dienstwagen-Deutschland. Mit 4.1341 Zulassungen lag der A6 letztes Jahr vorn (Anteil an den Neuzulassungen in seiner Klasse: 35,4 Prozent), dahinter die E-Klasse (37.945, 32,5 Prozent), Dritter der 5er (30.055, 25,7 Prozent). Macht unterm Strich 93,6 Prozent für Audi, BMW und Mercedes zusammen; so ein Ergebnis hatte sonst nur Erich Honecker. Ran ans Blech! Und aufgemerkt, Ihr Leckerschmecker: alles Sechszylinder-Diesel, alle zwischen 258 und 272 PS. Der BMW misst 4,94 Meter und somit einen Zentimeter mehr als der Audi, zwei als der Mercedes. Mit 54.300 Euro bietet der 5er hier den niedrigsten Einstiegspreis. Zu Recht? Na ja, in Sachen Qualität hätten wir schon jetzt drei Ideen fürs erste Facelift. Erstens: In den Übergang vom Kotflügel zur A-Säule kannst du eine Weißwurst stecken. Zweitens: Die Klappe links unterm Lenkrad ist eine Art Klapperklappe, billig gemacht. Und drittens: Die Rückfahrkamera hängt frei im Spritzwasser. Bei Schmuddelwetter hast du ein Bild wie bei der ersten Mondlandung.
Alle News und Tests zum BMW 5er

An der Kasse langt der Audi besonders kräftig zu

Audi A6 3.0 TDI Quattro
Der Älteste ist auch der Teuerste: In der gestesten Version kostet der A6 3.0 TDI quattro 69.345 Euro.
Bevor wir losfahren: Der BMW hat einen Reihensechser-Diesel und Hinterradantrieb, bei Mercedes schickt der V6-Diesel die Kraft nach hinten, Audi fährt mit V6-TDI und Allrad. Und alle drei kosten in der bewerteten Testwagenausstattung so viel wie 'ne Eigentumswohnung auf dem Land. Über den BMW sprachen wir ja schon: 265 PS; mit Navi, Lederausstattung, dynamischer Dämpferkontrolle, Aktivlenkung und 18-Zoll-Bereifung sind wir bei 65.550 Euro. Ausgerechnet der Älteste in dieser Runde ist am teuersten. Der Audi, der als 3.0 TDI immer Quattro-Antrieb hat, um seine 272 PS sicher auf die Straße zu bringen, kostet mit MMI-Navi, Doppelverglasung, Luftfederung, Leder, Kontursitzen sowie 19-Zoll-Alurädern 69.345 Euro. Das Schnäppchen, wenn wir das bei Preisen über 60.000 Euro sagen dürfen, kommt von Mercedes: Die 258 PS starke E-Klasse kostet mit Dynamic Body Control, Comand-Online-Navi und 18-Zöllern 61.846 Euro.
Alle News und Tests zum Audi A6
Um es vorwegzunehmen: Was wir bei unseren Messfahrten auf der Teststrecke und auf unserer Komfortstrecke über Buckelpisten mit den drei Konkurrenten erlebt haben, ist ganz großes Kino. Unser Bundes-Jogi würde sagen: "Das isch allerhögschdes Niveau." Fangen wir beim Audi an. Das Siebengang-DSG leistet sich eine kleine Gedenksekunde, dann lässt der A6 die Kuh fliegen, hat dank Allrad eine Toptraktion, gefällt im Slalom mit der niedrigsten Aufbaubewegung und ist Schnellster im Pylonenkurs.

Auf geflickten Straßen gerät die E-Klasse in Bewegung

Mercedes E 350d
Die E-Klasse rollt auch mit Stahlfedern manierlich ab, zur Sänfte wird sie aber erst mit der Airmatic.
Alles chico also mit dem A6? Nicht so ganz. Der V6-TDI säuselt zwar angenehm ruhig, hat von unten raus den größten Punch, ist aber auch kürzer übersetzt und dreht auf der Autobahn im letzten Gang mit 1650 Touren bei 120 km/h. Zum Vergleich: Der BMW schafft das mit 1500, der Mercedes mit 1400 Umdrehungen. Wichtig fürs Thema Wirtschaftlichkeit, und da ist der Audi mit 7,2 Litern am durstigsten (Mercedes: 7,0 Liter, BMW: 6,6 Liter). Den Mercedes schließen wir ins Herz wegen seiner direkten elektromechanisch Lenkung, die einen festen Griff verlangt. Wir mögen auch den V6, obwohl der etwas rau und dieselig ist, aber mächtig Power hat. Ja, und wir sagen Chapeau, Mercedes, zur Neunstufenautomatik, die dezent, aber schnell genug hoch- und runterschaltet. Unser Testwagen hat Stahlfedern mit adaptiven Dämpfern und eben nicht die Airmatic-Luftfederung, die den Wagen vor allem bei hohem Tempo schweben lässt. Mit Stahlfedern rollt die E-Klasse auf kurzen Wellen manierlich ab, kommen davon aber mehrere hintereinander, etwa auf einer Allee mit vielen Baumwurzeln unterm geflickten Asphalt, dann wird die Karosserie unruhig, dann arbeitet der Benz. Dazu kommt: Du merkst ihm sein Gewicht an. 1904 Kilo, nur 18 weniger als der Allrad-Audi, aber 128 Kilo mehr als der BMW. Das ist, als würde immer einer der beiden Dicken von den Wildecker Herzbuben auf der Rückbank sitzen.
Alle News und Tests zur Mercedes E-Klasse

Sportlichen Fahrern empfiehlt sich mal wieder der BMW

BMW 530d
Ganz großer Sport: Im neuen BMW 5er finden wir den unangefochtenen Chafdynamiker dieses Vergleichs.
Mit diesem Bild im Kopf steigen wir in den 5er, treten beherzt aufs Gas und schreien vor Glück, weil der BMW zum Dank mit dem Hintern wackelt, um wenig später nach der ersten Kurve leise vor uns hinzumurmeln: "Danke, Mama, dass du mich geboren hast!" Ja, den 5er kannst du auch piano fahren, ja, dann bietet er Komfort. Aber nein, warum solltest du das machen, wo doch der Kerl ganz andere Qualitäten hat? Bruder Leichtfuß hat eine mitlenkende Hinterachse, er hat einen Reihensechser als Diesel, der sich anhört, als tankt er Super 98, er hat eine agile Achtstufenautomatik von ZF, die jedes deiner Kommandos fix und ohne zu murren ausführt. In die Kurve fahren, anbremsen, per Paddel zwei Gänge herunterschalten, im Scheitelpunkt Gas geben und gleich wieder den perfekten Durchzug haben – im 5er geht das, und es macht Spaß. Sein unfassbares Drehmoment von 620 Newtonmetern bekommt der BMW auf die Straße, wo der Mercedes schon leicht trampelig wird an der Vorderachse.
Weitere Details zu den drei Testkandidaten finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Dieser Vergleich hat uns drei neue Erkenntnisse gebracht. Erstens: Wow, ist der 5er ausgewogen. Der BMW ist Sportler durch und durch, kann aber auch Benimm. Zweitens: Ui, ist die E-Klasse modern. Der Mercedes ist das fahrende Smartphone. Und drittens: Hui, ist der alte A6 noch jung. Auch bei Online-Funktionen ist er aktuell, beim Fahren kann der sechs Jahre alte Audi mit dem fast frischen Mercedes mithalten. Unterm Strich siegt der BMW deutlich. Er sieht zwar nicht wirklich neu aus, ist aber das neue Nonplusultra in der Oberklasse. Wer ihn fährt, will nicht mehr raus!

Von

Berend Sanders