Audi Nuvolari im Fahrbericht: Angriff auf Ferrari und Co
Über 350 km/h! So fährt Audis neuer Supersportwagen

Als Audi die Einstellung seines in die Jahre gekommenen R8 verkündete, war die Enttäuschung bei den Fans der vier Ringe groß, denn ein Nachfolger war nicht in Sicht. In einer Kleinserie von 499 Fahrzeugen gibt es jetzt eine überraschende Neuauflage, mit Technik und Plattform des Lamborghini Temerario. Erste Testfahrt an der kalifornischen Küste!
Bild: Audi
- Stefan Grundhoff
Wer etwas fürs automobile Herz sucht, der wird derzeit kaum in Ingolstadt fündig. Coupés, Cabrios, TT und R8, von allen Sportlern hat sich Audi über die Jahre verabschiedet. Die leistungsstarken RS-Versionen holen jene Kunden nicht ab, die mehr als einen potenten Kombi oder gar einen dynamischen Crossover suchen. Auf der Plattform und mit dem Antrieb des Lamborghini Temerario wurde in kaum mehr als eineinhalb Jahren ein R8-Nachfolger entwickelt.
Weil dieser nicht allein durch die überschaubare Stückzahl etwas Besonderes sein sollte, bekam der Doppelsitzer mit der monolithisch geformten Carbonkarosserie einen besonderen Namen: Nuvolari.
Die Bezeichnung Nuvolari gab es bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten bei einer 2+2-sitzigen Konzeptstudie, die später ins Audi A5 Coupé mündete. Die Namensgebung geht zurück auf das Jahr 1933, als Tazio Nuvolari das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. 1892 in Mantua geboren, war Tazio Nuvolari einer der erfolgreichsten Rennfahrer der Vorkriegszeit. Bekannt war der zierliche Italiener, einst Werksfahrer der Auto Union, bis zu seinem Tod im Jahre 1953 durch seinen spektakulären Fahrstil und den obligatorisch gelben Pullover, den er im Rennwagen stets trug.

Mit nur 499 Exemplaren zählt der Nuvolari zu den exklusivsten Audi-Modellen überhaupt.
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Keine Frage: Der Nuvolari ist ein Hingucker. Sein S-förmiger Lufteinlass an der Front erzeugt zusätzlichen Abtrieb, reduziert den Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten und verbessert die Kühlung des Antriebsstrangs. Zentrales Element des aktiven Aerodynamiksystems ist der ausfahrbare Heckflügel, der Abtrieb und Luftwiderstand in drei Konfigurationen steuert: geschlossen, geringe Last und hohe Last.
"Jedes äußere Element erfüllt eine klar definierte aerodynamische Funktion, von der Frontsplitterlippe bis zum Heckdiffusor. Und alles ist so, wie es aussieht, ob aus Kohlefaser oder Aluminium, sowohl außen als auch innen", erklärt Gael Buzyn, Leiter des Audi Advanced Design Centers in Malibu.
Als die Kleinserie bereits beschlossene Sache war, tauschte Audi seinen Entwicklungsvorstand aus. Geoffrey Bouquot ging, Rouven Mohr kam. Der 47-jährige Saarbrücker war als CTO zuvor für die Entwicklungen bei Lamborghini verantwortlich und kannte den Plattformgeber Temerario bestens. Das beschleunigte das Projekt deutlich. "Der Nuvolari ist der erste Supersportwagen mit High-Performance-Hybridantrieb von Audi und definiert mit seiner Aerodynamik und der Weltneuheit 'quattro predictive ride' neue Maßstäbe", so Rouven Mohr.
Mehr als 1000 PS aus vier Antrieben
Für den Antrieb sorgt ein aufgeladener V8-Benziner mit vier Litern Hubraum und 588 kW (800 PS) sowie 730 Nm maximalem Drehmoment. Elektrisch unterstützt wird der Verbrenner ebenso wie im Temerario von einem Axialfluss-Elektromotor im Doppelkupplungsgetriebe und zwei Elektromotoren mit jeweils 110 kW (150 PS) an der Vorderachse, die für einen Allradantrieb sorgen.
Das Hybridsystem wird von einer 7,3 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie gespeist, fast doppelt so groß wie die im Lamborghini. Sie ist dort verbaut, wo normalerweise die Antriebswelle eines Quattro sitzt, die hier jedoch nicht vorhanden ist. Priorität hat die schnelle Energieversorgung und -rückgewinnung, nicht die elektrische Reichweite, zumal eine größere Batterie das Gewicht erhöhen und die Fahrleistungen des Audi Nuvolari beeinträchtigen würde. Aus dem Stand geht es dank 736 kW (1001 PS) in 2,6 Sekunden auf Tempo 100, und nach 6,8 Sekunden wird die 200er-Marke durchbrochen. Topspeed: über 350 km/h.

Alcantara, Motorsport-Ambiente und wenige Ablenkungen. Hier steht das Fahren im Mittelpunkt.
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Technischer Höhepunkt beim 4,74 Meter langen Nuvolari ist sein prädiktives Fahrwerkssystem. Ein Computer verarbeitet Daten zu Lenkwinkel, Beschleunigung, Gierrate und verfügbarer Haftung. Anhand dieser Informationen entscheidet das System über die Verteilung von Drehmoment, Bremskraft und aerodynamischer Last. Dabei verteilen die Antriebseinheiten aus Verbrenner und den drei Axialflussmotoren das Drehmoment gezielt in Längs- und Querrichtung, während die Bremsen den Schlupf reduzieren und eine aktive Aerodynamik für den richtigen Anpressdruck sorgt.
Maximale Verzögerungen garantiert eine Hochleistungsbremsanlage mit Zehnkolben-Festsätteln (420 × 40 mm Durchmesser) vorn und Vierkolben-Sätteln mit Scheiben im Format 410 × 32 mm an der Hinterachse. Eine speziell abgestimmte Innenbelüftung der Bremsscheiben verbessert den Luftdurchsatz und steigert die Wärmeabfuhr gegenüber herkömmlichen Carbon-Keramik-Systemen. Das Rekuperationspotenzial der Bremse liegt bei 2,8 Megawatt – das ist Formel-1-Niveau.
Auf der Rennstrecke in seinem Element
Davon konnte man sich bei der ersten Testfahrt nicht überzeugen, jedoch bietet der Nuvolari aus seinen vier Antrieben mit 1001 PS einen enormen Schub, der selbst verwöhnte Sportwagenfahrer verzücken dürfte. Auf der Straße imposant, auf der Rennstrecke eine echte Schau. Dabei klingt der Achtzylinder selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten ebenso selbstbewusst wie unaufdringlich. Das mit Alcantara bezogene dünne Lenkrad liegt angenehm in der Hand und macht das Handling für einen derartigen Supersportler ungewöhnlich leicht.

Aktiver Heckflügel, Diffusor und Carbonkarosserie: Jedes Detail folgt der Funktion.
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In leistungsorientierten Modi wie Dynamic, Dynamic+ und Track wird der Heckflügel vollautomatisch aktiviert, während das System auf der Geraden in die sogenannte LD-Position wechselt, um Höchstgeschwindigkeit und Stabilität zu optimieren. Das aus der Formel 1 bekannte Drag-Reduction-System (DRS) kann außer im E-Hybrid-Modus manuell über eine Taste am Lenkrad aktiviert werden, erst so wird eine Höchstgeschwindigkeit von 351 km/h erreicht. Für das präzise Handling fährt der Flügel in schnell gefahrenen Kurven automatisch aus, sodass die aktive Aerodynamik zur Verbesserung des Fahrverhaltens beiträgt.
Technische Daten: Audi Nuvolari
- Motor: V8-Biturbo mit drei Elektromotoren
- Hubraum: 3982 ccm
- Systemleistung: 736 kW/1001 PS (800-PS-Benziner, 3 × 150 Elektro-PS)
- Max. Drehmoment: 730 Nm zwischen 4000 und 7000 U/min
- Batterie: 7,3 kWh
- Elektrische Reichweite: 10 km
- Ladegeschwindigkeit: 7,4 kW
- Antrieb: Allrad
- Höchstgeschwindigkeit: 351 km/h
- Beschleunigung 0 bis 100 km/h: 2,6 Sekunden
- Normverbrauch: nicht bekannt
- Getriebe: Doppelkupplungsgetriebe, acht Gänge
- Leergewicht: 1740 kg
- Preis: 590.000 Euro
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