Stunde der Wahrheit: Nach den Einzeltests mit dem iX3 50 xDrive und dem GLC 400 EQ folgt jetzt der direkte Vergleich: BMW gegen Mercedes. Dazu fährt der Audi Q6 vor – wer liegt vorn?

Drei Premium-Elektro-SUV im Test

Den Q6 e-tron gibt es "schon" seit 2024, der iX3 (NA5) wiederum ist jetzt das erste Serienmodell der "Neuen Klasse". Auf einer völlig neuen Plattform (MB.EA-M) steht aber auch der GLC EQ (X 540).

GLC-Interieur mit extrabreitem Bildschirm

Beim Platzangebot nehmen sich die drei nicht viel, alle bieten ein großzügiges Raumgefühl. Größere Unterschiede gibt es bei der Einrichtung. Der Test-GLC war ausgestattet mit dem riesigen Hyperscreen (1488 Euro), einem 39,1 Zoll (99,3 cm) großen, durchgehenden Bildschirm mit integriertem Fahrerdisplay, zentralem Touchscreen und Beifahrer-Bildschirm.
Mercedes GLC 400 4Matic EQ
Der GLC hat einen opulent und detailverliebt eingerichteten Arbeitsplatz, der von dem 39,1 Zoll großen Hyperscreen dominiert wird.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Touchscreen reagiert schnell, verfügt über umfangreiche Menüs und eine gestochen scharfe, farbenfrohe Optik. Dazu kommt ein freundlicher und reaktionsschneller Sprachassistent. Die Sitze vorn sind AGR-zertifiziert (Aktion Gesunder Rücken) gut geschnitten und sehr bequem, auch hinten im Fond warten viel Platz und lässige Polster.

BMW-Cockpit mit Panoramic Vision

Neu im BMW ist vor allem das Panoramic Vision genannte System – ein schmales Head-up-Display, das ganz unten über die gesamte Breite an die Frontscheibe projiziert wird. Die Inhalte lassen sich vielfältig einrichten, angezeigt werden können zum Beispiel Bordcomputer-Daten, Außentemperatur, Luftqualität, Radlenkwinkel, Fahrpedalstellung, Batterietemperatur und manches mehr.
BMW iX3 50 xDrive
Im BMW fällt der angeschrägte Touchscreen ins Auge. Neu ist das schmale konfigurierbare Head-up-Display, das sich über die gesamte Breite der Frontscheibe erstreckt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ein Großteil der Bedienung erfolgt über den keck geschnittenen, 17,9 Zoll großen Touchscreen in der Mitte, auch er mit vielen, vielen Funktionen, guter Struktur, brillanter Optik und schneller Reaktion. Bestens in Form zeigt sich auch der Sprachassistent.
Geschmacksfrage sind die M-Sportsitze des Testwagens (ab 1500 Euro) – mit viel Seitenhalt, straff und schmal geschnitten. Doch die Auflage ist dünn gepolstert, auf langen Strecken kann das ungemütlich werden. Ausprobieren. Im Fond sitzt man entspannt, als Einziger hat der iX3 eine neigungsverstellbare Fondlehne.

Sprachsteuerung des Audi ist etwas langsam

Der Audi ist geschmackssicher eingerichtet, weniger radikal als der BMW, weniger opulent als der Benz. Zum Panoramadisplay des Testwagens gehören das 11,9 Zoll große Fahrerdisplay, der 14,5-Zoll-Touchscreen und das 10,9-Zoll-Beifahrerdisplay (795 Euro). Der Touchscreen reagiert zügig, die Menüs sind gut sortiert, die Grafik tritt zurückhaltender und weniger aufgeregt auf als bei BMW und Benz.
Audi Q6 e-tron quattro
Geschmackssicheres Interieur im Audi, inklusive Panoramadisplay mit dem Virtual Cockpit für den Fahrer und dem zentralen Touchscreen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Sprachsteuerung wirkt jedoch im Vergleich mit den superschlauen Systemen in iX3 und GLC inzwischen etwas langsamer und ruckeliger. Die Sitze im Q6 gehören zu den besten, groß, straff gepolstert und sehr gut ausgeformt. Auch hinten ist man auf festen Polstern sehr anständig untergebracht.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Einbaulage
je ein Motor vorn und hinten
je ein Motor vorn und hinten
je ein Motor vorn und hinten
Spitzenleistung
340 kW (462 PS)
345 kW (469 PS)
360 kW (489 PS)
Dauerleistung
120 kW (163 PS)
170 kW (231 PS)
265 kW (360 PS)
maximales Drehmoment
275/580 Nm (vorn/hinten)
645 Nm
800 Nm
Vmax
210 km/h
210 km/h
210 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Einganggetriebe
Zweiganggetriebe
Antrieb
Allradantrieb
Allradantrieb
Allradantrieb
Bremsscheiben vorn/hinten
350/350 mm
330/345 mm
370/360 mm
Testwagenbereifung
255/45-285/40 R 21 W
255/40-275/40 R 21 Y
235/50-265/45 R 20 H
Reifentyp
Pirelli P Zero
Michelin Pilot Sport EV
Pirelli P Zero
Radgröße
9,0-10,0 x 21"
9,0-9,5 x 21"
8,0-9,5 x 20"
Reichweite*
580 km
692 km
611 km
Verbrauch*
18,2 kWh/100 km
17,6 kWh/100 km
17,6 kWh/100 km
Batteriekapazität netto
94,9 kWh
108,7 kWh
94 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/270 kW
11 (22**)/400 kW
11 (22**)/330 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung)
21 Minuten
21 Minuten
22 Minuten
Ladeanschluss
hinten links/rechts (CCS/Typ 2)
hinten rechts
hinten rechts
Fach unter Frontklappe/Volumen
Serie/64 l
Serie/58 l
Serie/128 l
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
65 dB(A)
66 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
2400/750 kg
2000/750 kg
2400/750 kg
Stützlast
100 kg
80 kg
100 kg
Kofferraumvolumen
526–1529 l
520-1750 l
570-1740 l
Länge/Breite/Höhe
4771/1939–2193***/1685 mm
4782/1895–2093***/1635 mm
4845/1913–2089***/1644 mm
Radstand
2889 mm
2897 mm
2972 mm
Grundpreis
74.700 Euro
70.900 Euro
71.281 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
83.600 Euro
81.500 Euro
82.242 Euro
Technisch setzt das Trio auf 800-Volt-Architektur mit je einem E-Motor vorn und hinten. Und für alle drei gilt, vorweg: Egal ob rasante Beschleunigung, sanfte Fahrt, gelassenes Gleiten und alles dazwischen – Audi, BMW und Benz beherrschen das bestens.

Q6-Lenkung mit guter Rückmeldung

Die maximale Systemleistung im Audi liegt bei 462 PS. Der Q6 erledigt den Sprint von null auf hundert in 4,8 Sekunden, abgeregelt wird, wie bei den anderen beiden, bei Tempo 210 km/h. Das E-System reagiert schnell, die Rekuperation ist mit den Schaltwippen am Lenkrad verstellbar, es gibt eine schlaue Automatikfunktion und einen souveränen One-Pedal-Drive.
Audi Q6 e-tron quattro
Fährt mühelos und flüssig: Die Lenkung des Q6 e-tron arbeitet mit guter Rückmeldung. Die optionale Luftfederung können wir sehr empfehlen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der 2,46 Tonnen schwere Audi fährt sich mühelos und flüssig, mit schöner Lenkung, die mit guter Rückmeldung arbeitet. Der Testwagen war ausgestattet mit der Luftfederung (2150 Euro), sehr zu empfehlen. Damit federt der Q6 nicht ganz so sensibel wie der Mercedes, aber eine Klasse komfortabler als der BMW. Bei der Verzögerung sortiert sich der Q6 in BMW-Nähe ein, stand mit warmen Bremsen beim Stopp aus Tempo 100 nach 33,4 Metern. Beim BMW waren es 33,9 Meter, nicht schlecht – aber der Mercedes stand nach 31,6 Metern.

BMW hat den iX3 straff abgestimmt

Der iX3 rast wie der Q6 in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das E-System arbeitet sehr feinfühlig, es gibt einen aufmerksamen One-Pedal-Modus, und die Rekuperation ist verstellbar, allerdings nur – ziemlich umständlich – im Menü.
BMW iX3 50 xDrive
Das Stahlfahrwerk des BMW iX3 federt knochig-trocken. Im Vergleich zu seinen beiden Konkurrenten fällt der Fahrkomfort klar ab.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mit seinen 2,34 Tonnen Leergewicht ist der BMW immerhin 220 Kilogramm leichter als der Mercedes. Er fährt sich handlich und agil, lenkt am willigsten ein. Ihren Anteil daran hat die Lenkung: präzise und schnell, ohne nervös zu sein.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,2 s
2,2 s
1,8 s
0–100 km/h
4,8 s
4,8 s
4,2 s
0–130 km/h
7,2 s
7,1 s
6,6 s
0–160 km/h
10,5 s
10,2 s
9,6 s
0–200 km/h
17,1 s
16,1 s
15,3 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,1 s
2,1 s
2,0 s
80–120 km/h
2,7 s
2,6 s
2,6 s
Leergewicht/Zuladung
2455/485 kg
2339/486 kg
2559/481 kg
Gewichtsverteilung v./h.
0,923076923076923 %
0,923076923076923 %
0,886792452830189 %
Wendekreis links/rechts
12,0/12,1 m
11,9/11,9 m
11,0/11,1 m
Sitzhöhe
690 mm
685 mm
695 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,8 m
35,7 m
33,2 m
aus 100 km/h warm
33,4 m
33,9 m
31,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A)
56 dB(A)
55 dB(A)
bei 100 km/h
63 dB(A)
62 dB(A)
63 dB(A)
bei 130 km/h
67 dB(A)
67 dB(A)
67 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
17,1 kWh/100 km
16,5 kWh/100 km
16,4 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
23,5 kWh/100 km
(+29 %)
21,9 kWh/100 km
(+24 %)
21,7 kWh/100 km
(+23 %)
Sportverbrauch
29,3 kWh/100 km
29,5 kWh/100 km
27,3 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
0 g/km
0 g/km
Reichweite
460 km
535 km
479 km
Mit seinem Stahlfahrwerk federt der iX3 knochig-trocken. Mit viel gutem Willen könnte man sagen: sportlich-straff. Im direkten Vergleich fällt der Federungskomfort jedenfalls klar ab.

Beim Sprint liegt der GLC vorne

Im GLC beträgt die Systemleistung 489 PS. Der Mercedes verfügt über ein Zweigang-Getriebe, was einen kurz übersetzten ersten Gang ermöglicht. Von 0 auf 100 km/h fährt er Bestzeit: 4,2 Sekunden. Das E-System spricht feinfühlig an, lässt sich sehr gut dosieren. Die Rekuperation ist mit den Wippen am Lenkrad verstellbar, ein kluger Automatikmodus ist an Bord, genau wie ein feiner One-Pedal-Drive.
Mercedes GLC 400 4Matic EQ
Starker Antrieb: Mit der höchsten Systemleistung von 489 PS geht der über 2,5 Tonnen schwere GLC in 4,2 Sekunden auf 100 km/h.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Test-GLC war mit Luftfederung und Hinterradlenkung ausgestattet (Lenkwinkel 4,5 Grad, im Paket 2844 Euro). Er ist klar der Komfortabelste hier, federt betont geschmeidig. Klasse auch die harmonisch ausgelegte Vierrad-Lenkung mit angenehmer Rückmeldung, die den 2,56-Tonnen-Benz erstaunlich handlich macht.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
613
610
589
Platz
1
2
3
Testnote
1,5
1,5
1,7
Fazit
Bemerkenswert hoher Fahrkomfort, tolle Elektronik. Top-Bremse.
Große Reichweite, herausragende Elektronik. Hochmodernes Cockpit.
Angenehm und unaufgeregt zu fahren. Im Vergleich etwas teurer.
Die Batterie im GLC ist 94 kWh groß (netto), damit schaffte er eine Testreichweite von 479 Kilometern. Der BMW lief sogar 535 Kilometer weit – wegen der mit 108,7 kWh sehr großen Batterie, beim Verbrauch lag er mit 21,9 kWh/100 km etwa gleichauf mit dem Benz (21,7 kWh). Der Audi brauchte mit 23,5 kWh etwas mehr, kam mit seinem 94,9-kWh-Akku 460 Kilometer weit.
Audi Q6 e-tron quattro BMW iX3 50 xDrive Mercedes GLC 400 4Matic EQ
Premium auch bei den Preisen: Für den GLC werden mindestens 71.281 Euro fällig, der iX3 kostet ab 70.900 Euro, der Q6 e-tron startet bei 74.700 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Audi berechnet den Q6 e-tron quattro mit mindestens 74.700 Euro, der BMW iX3 50 xDrive kostet ab 70.900 Euro, und den Benz GLC 400 4Matic EQ gibt es ab 71.281 Euro. So eng, wie die Preise beieinander liegen, ist dann auch das Ergebnis: Der Benz liegt vorn.

Bildergalerie

Audi Q6 e-tron quattro BMW iX3 50 xDrive Mercedes GLC 400 4Matic EQ
Audi Q6 e-tron quattro
BMW iX3 50 xDrive
Galerie "Drei Premium-Elektro-SUV im Test" mit 35 Bildern öffnen
Drei Premium-Elektro-SUV im Test

Fazit

von AUTO BILD
Das Imperium schlägt zurück – diese drei deutschen Elektro-SUV fahren klar an die Spitze des Segments. Technisch voll auf Stand, souverän zu fahren und reichweitentechnisch stark. Am Ende setzt sich knapp der GLC vor iX3 und Q6 e-tron durch.