Blitzermarathon-Bilanz 2022: Bayern, Thüringen, Hessen, Polizei, Raser, Temposünder
Tempo 190 statt 80 – die Bilanz des Blitzermarathons der Polizei

Der angekündigte Blitzermarathon schreckte viele Autofahrer nicht ab: In einigen Bundesländern gingen der Polizei Temposünder mit teils heftigen Überschreitungen ins Netz. Die Ergebnisse des Speedmarathons!
Bild: picture alliance / HMB Media/ Heiko Becker
- Raphael Schuderer
Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Blitzermarathon?
- Wann wurde verstärkt kontrolliert?
- Welche Bundesländer mitmachten
- Baden-Württemberg – 15.500 Raser erwischt
- Bayern schnappte mehr Raser als im Vorjahr
- Berlin nahm nicht teil
- Brandenburg meldet 7500 Tempoverstöße
- Bremen nahm an der Speedweek teil
- Diese Raser wurden in Hamburg erwischt
- In Hessen 9000 Autos zu schnell
- Mecklenburg-Vorpommern
- Niedersachsen ohne besondere Aktion
- Keine Aktion in Nordrhein-Westfalen
- In Rheinland-Pfalz waren 1900 Fahrer zu schnell
- Das Saarland nahm nicht teil
- Sachsen mit Aktionswoche
- Sachsen-Anhalt ohne Antwort
- Schleswig-Holstein ohne Bilanz
- Es blitzte auch in Thüringen
Lange hieß es Blitzermarathon, diesmal "Speedmarathon": Vielerorts ging die Polizei auch im März 2022 verstärkt auf die Jagd nach Temposündern; eine Aktion, die von vielen Autofahrern gefürchtet, aber von einigen gleichermaßen ignoriert wird. AUTO BILD zeigt die Bilanz der Landespolizeien!
Der Blitzer-Marathon wird in der Regel einmal jährlich von dem europäischen Polizei-Netzwerk ROADPOL (European Roads Policing Network) organisiert.
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Die verstärkten Kontrollen fanden in den meisten teilnehmenden Bundesländern am 24. März 2022 statt, in der Regel für 24 Stunden. Einige Länder dehnten die Aktion auf die ganze Woche aus. Die Kontrollen begannen entweder um 0 Uhr oder um 6 Uhr morgens. In einigen Ländern (z. B. Hessen) wurde nur bis 22 Uhr verstärkt geblitzt. Spätestens am 25. März, 6 Uhr, wurden die letzten zusätzlichen Messstellen in teilnehmenden Bundesländern wieder abgebaut.
Während der große Blitzmarathon 2020 wegen des Coronavirus komplett gestrichen wurde und die Aktion im vergangenen Jahr nur in vier von 16 Bundesländern stattfand, beteiligten sich 2022 wieder die Polizeien der meisten Bundesländer.
Beim europaweiten Speedmarathon wurden in Baden-Württemberg rund 15.500 Raser erwischt. 253 Fahrern drohe ein Fahrverbot, teilte das Landesinnenministerium mit. Insgesamt kontrollierten Polizei, Städte, Kommunen und Landkreise knapp 400.000 Fahrzeuge. Laut dem Ministerium werde das Bundesland auch 2023 wieder beim Blitzermarathon teilnehmen.
Von 6 Uhr morgens an standen Polizisten am 24. März in Bayern bereit, um am Blitzermarathon teilzunehmen. Dabei erwischte die Polizei mehr Raser als im Jahr zuvor. Den Negativrekord stellte ein Autofahrer auf, der auf der A995 in Unterhaching bei München mit Tempo 190 statt der erlaubten 80 km/h unterwegs war. Das teilte das bayerische Innenministerium mit.
Insgesamt wurden bei der Aktion 9756 Autofahrer geblitzt – im Jahr zuvor hatte es 7036 Geschwindigkeitsverstöße gegeben. Die Behörden informierten online vorab über die einzelnen Messstellen.
Ein Sprecher zu AUTO BILD: "Die Polizei Berlin beteiligt sich nicht an dem sogenannten Blitzermarathon, da es sich zeigte, dass die geringe Nachhaltigkeit dieser Aktion den dafür notwendigen hohen Aufwand nicht rechtfertigt. Wir betreiben ganzjährig die Überwachung der Geschwindigkeit mit allen uns dafür zur Verfügung stehenden Mitteln."
Rund 7500 Verstöße gegen Geschwindigkeitsregelungen stellte die Polizei in Brandenburg beim bundesweiten Blitzermarathon fest. Das teilte die Brandenburger Polizei nach der Aktion mit. Es wurden rund 141.000 Fahrzeuge gemessen. In Oranienburg wurde am Donnerstag ein 24-Jähriger mit 61 km/h in einer 30er-Zone vor einem Krankenhaus festgestellt. Gegen den Fahrer wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. In Luckenwalde fuhr ein 17-jähriger Kradfahrer 74 km/h schnell – erlaubt waren 50. Die Fahrerlaubnis hatte er noch auf Probe.
Auch die Polizei Bremen beteiligte sich an der Aktionswoche Speed, führte in diesem Zeitraum verstärkt Geschwindigkeitskontrollen durch – mit technischem Großgerät sowie Laserhandmessgeräten. An dem ausdrücklichen, 24 Stunden dauernden Blitzermarathon nahm die Polizei der Hansestadt jedoch nicht teil. Ein Sprecher teilte auf AUTO BILD-Anfrage mit: "Hintergrund ist, dass der Aufwand, 24 Stunden Gerät und Personal einzusetzen, nicht im Verhältnis zum Ergebnis steht. Insbesondere in den verkehrsärmeren Zeiten zwischen 1 und 5 Uhr."
Im Stadtstaat gingen der Hamburger Polizei am Schwerpunkttag (24. März) insgesamt 608 Raser ins Netz. Auf der A7 war ein 33-jähriger Fahrer im Bereich des Stellingentunnels mit Tempo 126 anstelle der erlaubten 60 unterwegs; eine hohe Geldstrafe und ein mehrmonatiges Fahrverbot dürften die Folgen sein. In Hamburg-Eilbek fuhr ein Taxifahrer mit einem Fahrgast an Bord mit Tempo 65 durch eine 30er-Zone vor einer Kita. Auf der Wilhelmsburger Reichsstraße erreichte ein weiterer Fahrer 150 km/h, erlaubt war dort Tempo 80.
Auch Hessen war auf Raser-Jagd. Die Polizei meldete einen negativ herausragenden Autofahrer, der auf der A3 bei Bad Camberg mit Tempo 175 gemessen wurde – an einer Stelle, wo nur 120 km/h erlaubt waren. In Hanau wurde ein Fahrer innerorts mit 83 km/h geblitzt. Insgesamt passierten in Hessen etwa 320.000 Fahrzeuge die im Vorfeld bekannt gegebenen Messstellen. Fast 9000 Fahrzeuge waren zu schnell.
Auf der Bundesstraße 277 zwischen Dillenburg und Herborn (mittelhessischer Lahn-Dill-Kreis) gingen der Polizei drei Fahrer ins Netz: Bei erlaubtem Tempo 100 fuhren sie mit 173, 150 und 146 km/h. Für den schnellsten Raser werden 700 Euro Bußgeld, drei Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg sowie ein dreimonatiges Fahrerverbot fällig.
In Nordhessen wollte ein geblitzter 26-Jähriger in Eschwege nach der Tempokontrolle flüchten. Die Polizei stellte den Mann nach einer Verfolgungsjagd. Sie stellten zulassungsrechtliche Verstöße fest, Urkundenfälschung, Fahren ohne die erforderliche Fahrerlaubnis sowie Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln.
Auf der A3 schnappten die Beamten einen Niederländer, der in einer Tempozone von 120 mit 180 km/h unterwegs war. Der Niederländer musste einen hohen dreistelligen Euro-Betrag als Sicherheitsleistung hinterlegen.
Auch Mecklenburg-Vorpommern ging am 24. März verstärkt gegen Raser vor. Im Landkreis Vorpommern-Rügen stellten die Beamten 91 Verstöße fest. Davon wurden 80 Verstöße mit Verwarngeld und 11 mit Bußgeld geahndet. Den höchsten gemessenen Wert registrierten die Polizisten im Autobahn- und Verkehrspolizeirevier Grimmen: Ein Fahrer war dort mit 132 km/h anstelle der erlaubten 50 km/h unterwegs.
Eine Polizeisprecherin gegenüber AUTO BILD: "Die aktuelle Kalenderwoche steht auch in Niedersachsen unter dem Motto 'Speed' – und in diesem Zusammenhang wurde ein sogenannter Speedmarathon für den 24. März angeregt. Am Speedmarathon selbst beteiligt sich die Polizei Niedersachsen indes nicht."
Die Polizei des bevölkerungsstärksten Bundeslandes NRW beteiligte sich nicht am Blitzermarathon.
Das Polizeipräsidium Rheinpfalz beteiligte sich vom 21. bis 27. März 2022 an der europaweiten Geschwindigkeits-Kontrollwoche. Beim Speedmarathon 24. März schnappte die Polizei nach Angaben vom Freitag knapp 1900 Fahrer, die zu schnell unterwegs waren.
Das Landespolizeipräsidium nahm nach eigenen Angaben am Blitzermarathon nicht teil.
Auch Sachsen achtete in der Aktionswoche Speed verstärkt auf Temposünder. Ein Sprecher der Polizei des Freistaats gegenüber AUTO BILD: "Hieran schließt in der kommenden Woche die gemeinsame Verkehrssicherheitsaktion mit dem ADAC Sachsen an, wobei Geschwindigkeitskontrollen dann insbesondere vor Grundschulen stattfinden."
Warum Sachsen nicht am 24-Stunden-Speedmarathon teilnimmt? Dazu der Sprecher: "Der personelle Aufwand, über 24 Stunden hinweg zahlreiche Kontrollkräfte nur für Geschwindigkeitskontrollen zu bündeln, steht insbesondere vor dem Hintergrund der weiteren Einsatzbelastung in keinem Verhältnis zum Erfolg eines solchen Kontrolltages."
Schleswig-Holstein machte mit beim Blitzermarathon, gab die Standorte aber nicht bekannt: "Wir verraten nicht, wo die Blitzer stehen. Es gibt Leute, die gewohnheitsmäßig schnell fahren, die wollen wir nicht vorwarnen. Jeder sollte damit rechnen, dass an jeder Ecke ein Blitzer stehen könnte", so Matthias Felsch, Sprecher der Landespolizei Schleswig-Holstein. Eine Bilanz war am Freitagnachmittag noch nicht verfügbar.
Auch in Thüringen wurde geblitzt. Wegen der Corona-Pandemie beschränkten sich die Kontrollen 2022 auf das reine Blitzen von Rasern. Eine Anfrage zu Messzeiten und -stellen blieb vorab unbeantwortet. Eine Bilanz der Aktion ist ebenfalls noch nicht verfügbar.
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