Einige Automodelle auf dem Markt können ab Werk vor Geschwindigkeitskontrollen warnen. Die Navi-Software macht es möglich.
ACHTUNG: Es drohen 75 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg, falls man bei der Benutzung erwischt wird – dieselbe Strafe wie bei Blitzer-Apps. Alle Hersteller, die Warnsysteme anbieten, sichern sich hier natürlich ab. Der Autofahrer wird im Infotainment-Menü zur Gesetzeslage informiert, muss der Nutzung – auf eigene Gefahr – zustimmen. Erst dann kann der Warnservice aktiviert werden.

Navigationsgeräte-Test

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
359,99 EUR
1,1 (sehr gut)
2.
250,23 EUR
1,2 (sehr gut)
3.
279,97 EUR
1,3 (sehr gut)
4.
Preis-Leistungs-Sieger
170,72 EUR
1,3 (sehr gut)
5.
259,99 EUR
1,3 (sehr gut)
6.
85,09 EUR
1,9 (gut)
7.
89,43 EUR
2,0 (gut)
8.
165,41 EUR
2,5 (befriedigend)

Diese Autohersteller haben aktuell eine Blitzer-Warnfunktion an Bord:

▶︎ Genesis:

Die noch recht unbekannte Luxusmarke aus Korea gehört zur Hyundai Motor Group. In einem G80 dieser Marke hat AUTO BILD selbst die Funktion zufällig entdeckt. Während einer Testfahrt auf dem mittleren Ring in München färbte sich auf einmal die Geschwindigkeitsanzeige im Head-up-Display rot, kurz darauf am Straßenrand ein fest-installierter Blitzer.

Die Funktion ist bei Genesis Standard

Zufall? Auch beim zweiten und dritten Mal vorbeifahren das gleiche Spiel, wieder rote Anzeige. Nur knapp über dem Tempolimit leuchteten die Zahlen orange. Auf Anfrage verriet der Hersteller: "Alle Genesis-Modelle haben diese Funktion standardmäßig verbaut. Die Funktion findet sich im Infotainmentsystem unter dem Menüpunkt Radarkontrollenwarnung."
Hyundai Genesis G80 2.2D
Der Genesis G80 ist eine fast fünf Meter Lange Limousine mit ordentlich Luxus für überschaubar viel Geld.

Gewarnt werde optisch, entweder im Head-up-Display – wo es nur der Fahrer sehen kann – und/oder in den digitalen Instrumenten. Der Hersteller hat sich rechtlich abgesichert, die Funktion ist ab Werk deaktiviert. Tippt man sie an, gibt es "per Pop-up eine klare Warnung, dass man den rechtlichen Status vor der Nutzung prüfen soll", versichert der Hersteller.
Und das System warnt relativ umfassend: kennt "insgesamt acht verschiedene Kontrollsysteme (stationär, mobil, Rotlicht, Zonen mit Durchschnittsgeschwindigkeit, etc.)". Die Daten bezieht es vom Navigationsanbieter Here.
Kia EV6
Der neueste Stromer von Kia hört auf den Namen EV6. Auch er kann auf Wunsch vor Blitzern warnen.

▶︎ Kia:

Auch in Autos der Marke Kia warnt auf Wunsch das Navi vor Blitzern, optisch im Navi-Display oder akustisch. Der koreanische Hersteller nutzt die Navigations-Software von Here in allen aktuellen Modellen. Natürlich müssen die Autofahrer auch hier bestätigen, dass sie die Warnfunktion auf eigene Gefahr nutzen.

▶︎ Hyundai:

Bei Hyundai ist es etwas komplizierter. Der Hersteller nutzt derzeit noch parallel Navigations-Software der Anbieter TomTom und Here. Für TomTom wurde die Warnfunktion seit dem 1. Oktober 2020 deaktiviert, Here warnt weiter. Allerdings wird nur vor fest installierten Blitzern gewarnt.

Hyundai-Modelle bieten die Warnfunktion bald nicht mehr

Für welche Modelle welche Software genutzt wird, konnte der Hersteller nicht genau sagen. Allerdings arbeiten die Techniker derzeit an einem Umzug für alle Modelle zu TomTom – bald ist bei Hyundai also Schluss mit der Warnfunktion.
RENAULT KADJAR TCe 140
Renaults wie diese Generation Kadjar haben die Warnfunktion aktuell noch an Bord.


▶︎ Renault:

Auch bei den Franzosen wird gewarnt, allerdings nur noch in einigen Modellen: Scénic, Grand Scénic und Kadjar. In anderen aktuellen Modellen wird der Service nicht mehr angeboten. Dafür findet er sich noch in älteren Renault-Modellen mit dem Infotainment-System R-Link 2.

▶︎ TomTom-Nutzer:

Der große Navi-Hersteller TomTom beliefert die Automobilindustrie mit Navigations-Lösungen und hat auch mobile Navis sowie Handyapps im Programm.

Alle Geräte mit TomTom-Software können auf Wunsch vor Blitzern warnen

Das Unternehmen bietet die Blitzer-Warnfunktion für "alle Lösungen, die in Deutschland direkt an Kundinnen und Kunden vertrieben werden. Mobile Navigationslösungen, Smartphone-Navigations-Apps sowie Geräte der Autohersteller, die TomTom-Software integriert haben können auf Wunsch vor Blitzern warnen, natürlich im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften. TomTom empfiehlt Kundinnen und Kunden in Deutschland jedoch, den Dienst im Inland zu deaktivieren", so ein Sprecher zu AUTO BILD.
Zu den Kunden von TomTom zählen neben den oben bereits erwähnten Hyundai und Renault auch die ehemalige PSA-Gruppe (Peugeot, Opel etc.) und der große Automobilzulieferer Denso.

Bei Stellantis gibt es keine Blitzer-Warner

Stellantis, der Megakonzern aus FiatChrysler und PSA, gibt gegenüber AUTO BILD an, keine Warner anzubieten, "da es gesetzlich nicht zulässig ist". Zulieferer Denso gibt "keine Informationen zu Produktspezifikationen (...) von OEM-Teilen weiter." Unter OEM-Teilen versteht die Branche solche, die vom Zulieferer direkt an die Autohersteller verkauft werden – also auch Navis. Hier verliert sich die Spur bei Denso. Dabei ist sehr wahrscheinlich, dass auch in deren Geräten die TomTom-Warnfunktion teilweise verfügbar ist.

Von

Raphael Schuderer