Sportliche Wage und Sportwagen – da gibt’s ja mehr oder weniger feine Unterschiede. Hängt das an der Leistung? Am Gewicht? An der Karosserieform? Etwa an der Marke? Wir wollen uns gern an Antworten herantasten.

Zwei Sportler im Vergleich

2,0
gut
2,4
gut
Nehmen wir folgende Beispiele: BMW hat mit dem M2 CS das wohl rassigste Eisen des gesamten Unternehmens am Start. Dennoch ist der gestählte Bolide "nur" ein umgebautes Coupé, ein Ableger der Großserie, ein Teilchen des riesigen Münchener Modellpuzzles. Er ist damit ein typischer Vertreter sportlicher Wagen.

Zwei Sportler mit hoher Dynamik-Kompetenz

Dem gegenüber steht die Alpine A110 R 70. In dem Zweisitzer sieht Alpine natürlich einen reinrassigen Sportler, die kompromisslose Fahrmaschine jenseits aller pendeltauglichen Allrounder. Doch in der Flunder "müht" sich gerade mal ein 1,8 (!) Liter kleiner Vierzylinder ab, Teile der Alpine – die Marke gehört ja zu Renault – haben wir auch schon in Kadjar oder Clio gesehen, und außer manuell verstellbaren Stoßdämpfern steckt kaum Finesse im Fahrwerk. Wir sinnieren: eine Mogelpackung in 1,24 Meter über Grund sozusagen?
Alpine A110 R 70 BMW M2 CS
Mit Alpine A110 R 70 und BMW M2 CS trifft Leichtbau auf unbändige Kraft. Auf dem Rundkurs machen beide mächtig Spaß.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Klares Nein zu beiden Seiten. M2 und A110 sind waschecht, gespickt mit Dynamik-Kompetenz, voller Saft und Kraft für schnelle Runden, herausragende Sportler – so viel verraten wir gleich. Wir haben die zwei Modelle nämlich getestet, über eine Rennstrecke gescheucht und natürlich viel genauer analysiert, als es nach dieser Einleitung den Anschein hat.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Sechszylinder, Biturbo 
Einbaulage 
Mitte quer 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1798 cm³ 
2993 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
221 (300)/6300 
390 (530)/6250 
Nm bei 1/min
340/2400 
650/2750 
Vmax
285 km/h 
302 km/h 
Getriebe 
Siebengang-Doppelkupplung 
Achtstufenautomatik 
Antrieb 
Hinterradantrieb 
Hinterradantrieb 
Bremsanlage 
Vierkolben-Festsattel, Stahl 
Sechskolben-Festsattel, Keramik 
Testwagenbereifung 
v. 215/40 ZR 18, h. 245/40 ZR 18 
v. 275/35 ZR 19, h. 285/35 ZR 20 
Reifentyp 
Michelin Pilot Sport Cup 2 
Pirelli P Zero Trofeo RS 
Radgröße 
v. 7,5 x 18", h. 8,5 x 18" 
v. 9,5 x 19", h. 10,5 x 20" 
Abgas CO2 
155 g/km 
223 g/km 
Verbrauch* 
6,8 l/100 km 
9,8 l/100 km 
Tankinhalt 
45 l 
52 l 
Kraftstoffsorte 
Super Plus 
Super Plus 
Partikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
73 dB(A) 
70 dB(A) 
Kofferraumvolumen 
vorn 190 l, h. 196 l 
390 l 
Länge/Breite/Höhe 
4256/1798–1980**/1238 mm 
4587/1887–2068**/1395 mm 
Radstand 
2420 mm 
2747 mm 
Grundpreis
120.550 Euro
115.000 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
124.550 Euro
126.300 Euro
Die offensichtlich besseren Karten hat der M2. Als CS markiert er die 2er-Spitze, ist leichter als alle anderen, strotzt vor Motorsport. Abstimmung und Grundlagen stammen von der M GmbH.

M2 CS mit bärenstarkem Reihensechser

Da wären: zuallererst der 3,0-Liter-Sechszylinder mit zwei Monoscroll-Turboladern. Es ist ein 650 Newtonmeter starkes Aggregat der Extraklasse, dieser S58 genannte Reihenmotor schickt 530 PS über eine Achtstufenautomatik an die Hinterräder. Sie stellen dank 285 Millimeter Breite und dank der klebrigen Haftung der Pirelli P Zero Trofeo RS eine astreine Verbindung zur Straße her.
BMW M2 CS
Starker Bayer: Im Bug des M2 CS arbeitet ein doppelt aufgeladener Reihensechszylinder, der 530 PS und 650 Nm mobilisiert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Rest vom M2-Fest ist mustergültige Motorsport-Theorie, fehlerfrei in die Praxis und ans Chassis transformiert: adaptive Dämpfung, ultrastramme Führung der Lenker, kürzere Federn, dazu eine felsenfeste Lagerung des Antriebspakets und das unerbittliche Bremssystem. Hier gehen elektronisch ausgelöste (by wire) Hydraulik und Carbon-Keramik-Bremsscheiben eine bissfeste Verbindung ein. Leichtbau und aerodynamische Tricks klammern die ganze Sause dann.
Zählen wir zusammen, dämmern drei Erkenntnisse: Das kostet wohl eine Menge, das wiegt wohl eine Menge, das stresst die Alpine wohl eine Menge. Punkt eins und zwei: 126.300 Euro und 1689 Kilogramm. Aua. Punkt drei: Fragen wir die 110 doch einfach.

A110 R 70 setzt auf Leichtbau

Angst? Mais non! Die Alpine legt nämlich frech kalibrierte Gegengewichte auf die Waage. Allem voran das in Kurven so unerreichte Rezept der Mittelmotor-Bauweise. Dann den ultimativen Leichtbau, das giftige Moment eines kleinen Vierzylinders und natürlich das Konzept der Kompromisslosigkeit.
Alpine A110 R 70
Die Alpine A110 R 70 bringt nur 1104 Kilogramm auf die Waage. Sie ist damit fast 600 Kilo leichter als ihr deutscher Konkurrent.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dazu zählen wir starre CFK-Sitze ohne elektrische Motorik, die beengte Interieur-Idee ohne Rückbank oder auch eine wenig servogefilterte Lenkung, die fast spielfrei angebunden und sehr direkt übersetzt schon an Wahnsinn grenzt – schließlich rennt das zierliche Gefährt 285 km/h in der Spitze. Okay, der BMW schafft Tempo 302 (die sogar elektronisch begrenzt sind) und rast der 230 PS schwächeren Alpine auch sonst in allen Fahrwerten davon. Außerdem liefert er deutlich kürzere Bremswege.

Alpine agiert besonders feinfühlig

Viel wichtiger: Wie fühlt sich das alles an, was steht am Contidrom auf der Stoppuhr? 1:30,92 Min. bei der Alpine. Das ist für ein 300 PS starkes Auto eine sensationelle Zeit. Die "holt" er in den engeren Kurven, stützt sich scheinbar mühelos gegen Fliehkräfte ab, bleibt aufrecht, liegt neutral und lässt sich dabei enorm fein korrigieren.
Alpine A110 R 70
In engen Kurven spielt die Alpine ihren Gewichtsvorteil aus. Am Ende stehen 1:30,92 Minuten für die Contidrom-Runde auf der Uhr.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Herrlich dosierbar lässt sich ein spätes Bremsmanöver mit leichtem, gut spürbarem Lösen des Pedals mit in die Einlenkzone nehmen. Die Hinterachse verbeißt sich auch unter Last wie verzahnt mit der Strecke, die enorme Traktion hilft beim effizienten Beschleunigen am Ausgang, pariert den biestigen Charakter des Vierzylinder-Turbos bestens.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,9 s 
1,6 s 
0–100 km/h 
4,4 s 
3,8 s 
0–130 km/h 
6,5 s 
5,4 s 
0–160 km/h 
9,2 s 
7,4 s 
0–200 km/h 
14,6 s 
11,2 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,1 s 
1,8 s 
80–120 km/h 
2,5 s 
1,9 s 
Rundenzeit
Contidrom
1:30,92 Min.
1:28,42 Min.
Leergewicht/Zuladung 
1104/212 kg 
1689/436 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
43/57 % 
52/48 % 
Wendekreis links/rechts 
11,7/11,7 m 
12,0/12,0 m 
Sitzhöhe 
360 mm 
520 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,8 m
34,8 m
aus 100 km/h warm
34,7 m
32,3 m
aus 200 km/h warm 
129,6 m 
123,4 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
62 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 100 km/h 
69 dB(A) 
67 dB(A) 
bei 130 km/h 
73 dB(A) 
71 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
6,7 l SP/100 km 
9,1 l SP/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,7 l SP/100 km
(+27 %)
11,1 l SP/100 km
(+13 %)
Sportverbrauch 
15,7 l SP/100 km 
18,7 l SP/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
206 g/km 
263 g/km 
Klare Sache somit: Die Alpine liebt es am Limit! Fahrfehler mag sie dagegen gar nicht. Lastwechsel im Radius, zu eckiges Einlenken, Nachjustieren vor dem Scheitelpunkt – das bringt Unruhe in die Linie und reichlich Action um die Hochachse. Wild, fordernd, zehrend und zerrend, Fahrphysik über die Fingerspitzen am Lenkradkranz erlebbar – dennoch beziehungsweise genau deshalb: ganz großes Fein-Führ-Kino!

Auf dem Rundkurs ist der M2 nicht zu schlagen

Im M geht es anders zu. Nochmals viel schneller als die Alpine (wir haben 1:28,42 Min. gestoppt), gleichzeitig ruhiger, stabiler, das Auto-Limit rückt auch für Ungeübte schnell in erreichbare Sphären.
BMW M2 CS
Leicht zu fahren: Mit dem M2 CS können auch Ungeübte schnell am Limit fahren. Seine Zeit auf dem Contidrom: 1:28,42 Min.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Testwagen war mit angewärmten Cup-Reifen bestückt. So was wirkt! Die klebrigen vier Tatzen zaubern gefühlt Hunderte von Kilogramm weg, geben kantige Traktion und brutale Verzögerung. Der CS scheint trotz gehörig starker Kopflastigkeit (52 Prozent Gewichtsanteil) unerwartet austariert, liegt in schnellen langen Kurven göttlich neutral. Allerdings muss man diese Linie sauber ausloten.
Leichte Last, dann möchte der CS lieber über die Vorderräder schieben, zu viel Druck bringt die Fuhre quer. Direkt zwischen diesen beiden Gaspedalstellungen liegen jedoch großes Tempo und große Fahrfreude.
Das Fahrgefühl wird gestützt vom genialen Motor des 2ers. Brutal im Drehmomenteinsatz, zart genug beim Spiel an der Haftgrenze, drehfreudig, dabei kultiviert im Lauf und mit einem großartigen Klangteppich unterfüttert.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
391
351
Platz
1
2
Testnote
2,0
2,4
Fazit
Ein Tier von Motor, hochkompetent in Sachen Handling, einfach zu fahren – ebenso exklusiver wie grandioser Sportler.
Als Sondermodell R 70 noch krasser auf Dynamik getrimmt als eh schon. Herrlich leicht und agil, Motor biestig.
Das ist die Essenz: Im BMW stecken Tempo, erlebbare Ingenieurskunst und sogar Manieren. In der Alpine wohnen Geschwindigkeit und ein teuflischer Feingeist. Und wir lieben es, also alles, egal ob sportlicher oder Sportwagen.

Bildergalerie

Alpine A110 R 70 BMW M2 CS
BMW M2 CS
Alpine A110 R 70
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Zwei Sportler im Vergleich

Fazit

von AUTO BILD
Das schnellere Auto baut BMW – selten haben wir einen Typen mit derart fehlerfrei konstruierten Eil-Anlagen erlebt. Das lebendigere, lustigere und auch im Wesen deutlich leichtere Auto baut Alpine. Selten haben wir eine schönere Fahrmaschine erlebt.