Kennen Sie das Klischee der dicken Limos? Genau, das ist die Art von Autos, die sich mit ihrem hellen LED-oder Xenonlicht die linke Spur freischießen, gern mal mit einem 911 spielen und die Kids auf dem Rücksitz mit Tempo 300 beeindrucken. Klar, wir geben es ja zu. Auch wir haben ein diebisches Vergnügen, wenn wir mit diesen viertürigen Dickschiffen flachgedrückte italienische Coupés ärgern. Natürlich nur auf abgesperrter Strecke, versteht sich. Wir reden hier von Bolzen à la Audi RS 6, Mercedes-AMG E 63 oder Porsche Panamera.

Mit satten 649 PS greift der Cadillac den BMW an

Play

Video: Cadillac CTS-V (2015)

Ami auf der Überholspur

Nicht zu vergessen die aktuelle Nummer eins, den BMW M5. Der Bayer ist zwar nicht mehr der Jüngste, dennoch gibt es derzeit nichts Schnelleres in dieser Klasse. Das soll sich nun ändern. Zumindest, wenn man den Aussagen der Amerikaner glauben mag. Cadillac will in die prestigeträchtige Liga aufsteigen, ebenfalls auf der linken Spur mitmischen und schickt deshalb den CTS-V ins Rennen. Vor drei Jahren scheiterte man noch mit dem alten Modell am M5, bügelte aber die Konkurrenz von AMG und Jaguar. Was sie in erster Linie dem günstigen Einstiegspreis zu verdanken hatten. Von der reinen Performance her fuhr ihm der M5 noch davon. Das neue Modell soll die Kundschaft – neben dem günstigen Preis – auch mit einer noch nie da gewesenen Längs- und Querdynamik überzeugen. Einen Großteil dazu soll der Motor aus der aktuellen Corvette Z06 beisteuern. Ja, Sie haben richtig gelesen. Unter die Motorhaube haben die Amis das Aggregat eines der derzeit schnellsten Straßensportwagen gepackt. 649 PS sind eine handfeste Ansage. Doch wie gut geht der US-Boy ums Eck? Und reichen satte Power sowie ein Einstandspreis von knapp unter 100.000 Euro für den Klassensieg?
Alle News und Tests zum Cadillac CTS-V

Auf dem Papier ist der M5 dem CTS-V deutlich unterlegen

BMW M5 Competition
Der BMW M5 hat einen V8 mit 575 PS und 680 Nm unter der Haube – absolut viel, im Vergleich fast wenig.
Starterknopf gedrückt, es erklingt bekannte V8-Musik. Der 6,2-Liter-Kompressormotor leistet 649 PS und 855 Newtonmeter Drehmoment. Der LT4 genannte Zweiventiler verfügt über Direkteinspritzung, Zylinderabschaltung und die neueste Generation des Eaton-TVS-Verdichters. Auf dem Papier scheint's, als stünde der M5 hier bereits auf verlorenem Posten: Achtzylinder mit nur 4,4 Liter Hubraum, aufgeladen von zwei Turbos, macht 575 PS und 680 Newtonmeter. In 4,3 Sekunden geht's damit auf Tempo 100. Da lacht der Ami nur laut, denn laut Werk soll er diese Übung in nur 3,7 Sekunden erledigt haben. Und das bei nahezu identischen Gewichtsverhältnissen. Die Achtstufen-Automatik klickt sich nicht so flink durch die Gänge wie der Doppelkuppler des M5. Dennoch reagieren die Schaltpaddel zügig. Heftig, was der Cadillac auf der Autobahn abzieht. Untermalt vom böse surrenden Kompressor, marschiert der Ami mühelos bis Tempo 300. Keine Schweißperlen auf der Stirn, das Auto fühlt sich so sicher und satt an, dass der Fahrer den Fotografen noch zu einem Tachofoto animiert.
Alle News und Tests zum BMW M5
Der M5 erfordert hier nicht mehr Konzentration am Lenkrad, aber er braucht deutlich länger, bis er die elektronisch begrenzten 305 km/h erreicht hat. Das verzögerungsfreie Ansprechverhalten des Kompressormotors kann das Lader-Duo im M5 nicht bieten. Die Ausfahrt naht, wir gehen auf die Landstraße. Mit dem jeweiligen Sport-Programm schalten wir die beiden Kontrahenten scharf.

Der Ami bringt seine Kraft gekonnt auf die Straße

Cadillac CTS-V
Gut abgestimmt: Der Cadillac kann es nicht nur auf der Geraden, auch in der Kurve liegt der Ami gut.
Der CTS-V nimmt die ersten Kurven, und wir sind beeindruckt – viel gewachsener, realer als der letzte CTS-V. Man braucht keine Angst vor den 649 Pferdchen zu haben, die serienmäßige Sperre sowie das nicht zu hart und nicht zu weich abgestimmte Fahrwerk halten den Ami in der Spur. Rauchende Gummis gibt es nur auf Befehl, die Lenkung arbeitet akkurat, der Pilot fährt mit dem Caddy, nicht andersrum. Doch der M5 ist jetzt in seinem Element. Er gibt sich sehr viel handlicher, tänzelt leichter um die Kurven und lässt sich enger an der Ideallinie führen. Mit dem knackiger schaltenden Getriebe kommt so noch mehr Fahrfreude auf. Der BMW gleicht aus – 1:1. Wo es den Berg hinauf geht, da geht's auch wieder hinab. Von einer Kehre zur nächsten brennen die beiden Powerlimos ein wahres Feuerwerk ab. Die im Vergleich zur M5-Bremse kleineren Brembos des Cadillac erweisen sich als absolut bissfest. Zurück im Tal heißt es Abschied nehmen vom CTS-V. Was bleibt, ist ein erster guter Eindruck. Ob es für die Spitze in der Dicke-Sportschlitten-Liga reicht? Wir werden sehen; die Performance ist nah dran am M5, der Preis eine Kampfansage, der Rest reine Geschmacksache.

Fazit

Liebe M5-Piloten, in Zukunft werdet ihr es nicht mehr nur mit 911, AMG und Co. zu tun haben, sondern auch mit dem Cadillac CTS-V. Der Amerikaner ist eurem BMW in vielerlei Hinsicht ebenbürtig, in einigen Punkten gar überlegen. Dank übermächtigem Corvette-Motor zeigt er der deutschen Konkurrenz auf der Autobahn die Rücklichter. Auch im Kurvigen fährt ihm der Bayer nicht einfach davon. Zudem kann der CTS-V mit einem niedrigeren Einstandspreis bei üppiger Serienausstattung punkten. Bleibt abzuwarten, ob der Cadillac die Rennstrecke genauso rockt wie sein Motorenspender.