Blau gilt als Farbe der Unschuld – aber lassen Sie sich nicht täuschen. BMW X1 und VW Tiguan kämpfen mit harten Bandagen. Als Kompakt-SUV müssen sie alles können, was es zu können gibt: außerorts leise bleiben, bequem sein, mal was an den Haken nehmen.

Zwei kompakte Diesel-SUV im Test

#Getestete ProduktePreis
1.
Testsieger
VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
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UVP 49.055,00 EUR
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2.
BMW X1 xDrive23d
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UVP 52.800,00 EUR
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Innerorts bitte wendig und möglichst praktisch. Und weil beide trotz selbstbewusster Preise zu den meistverkauften Modellen ihrer Hersteller zählen, durften die Ingenieure alles entwickeln und einbauen lassen, was unter die vereinhalb Meter langen Karosserien passt. Wer baut das bessere Auto?

Mehr Platzangebot im Tiguan

Das Format des erst kürzlich neu aufgelegten Tiguan blieb nahezu unverändert. Er streckt sich jetzt auf 4,54 Meter – und bietet dafür ein mustergültiges Platzangebot. Die hintere Bank lässt sich verschieben, ihre Lehne noch einmal separat verstellen und in eine Cargo-Position klappen.
VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
Bekannte Größe: Der neue Tiguan streckt sich auf 4,54 Meter, sein Platzangebot ist mustergültig, der Kofferraum schön groß.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Hinten geht es großzügig weiter, mit 652 bis 1650 Liter Kofferraumvolumen. Der Subwoofer des optionalen Harman/Kardon-Systems macht sich schmal, sodass noch immer ein Ersatzrad unterkommen kann. Allerdings lässt sich der zweifach verstellbare Ladeboden durch ihn nicht mehr auf die untere Stufe stellen, sondern lediglich ganz herausnehmen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Biturbo, Mildhybrid
Vierzylinder, Turbo
Einbaulage
vorn quer
von quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Zahnriemen
Hubraum
1995 cm³
1968 cm³
kW (PS) bei 1/min
155 (211)/Systemleistung
142 (193)/3500
Nm bei 1/min
400/1500
400/1750
Vmax
225 km/h
220 km/h
Getriebe
Siebengang-Doppelkupplung
Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb
Allradantrieb
Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
245/45 R 19 Y
235/50 R 19 V
Reifentyp
Hankook Ventus S1 Evo 3
Michelin Primacy 4
Radgröße
8 x 19"
7,5 x 19"
Abgas CO2*
129 g/km
172 g/km
Verbrauch*
4,9 l/100 km
6,6 l/100 km
Tankinhalt
54 l
58 l
Kraftstoffsorte
Diesel
Diesel
SCR-Kat
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
67 dB(A)
Anhängelast gebremst/ungebremst
2000/750 kg
2300/750 kg
Stützlast
80 kg
100 kg
Kofferraumvolumen
500–1545 l
652–1650 l
Länge/Breite/Höhe
4500/1845–2104**/1642 mm
4539/1842–2140**/1658 mm
Radstand
2692 mm
2680 mm
Grundpreis
52.800 Euro
49.055 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
61.480 Euro
59.505 Euro

Beim X1 schimmert ein wenig 2er durch

Dabei macht es der X1 auch nicht schlecht, zeigt sich gleich variabel, kapituliert keinesfalls vor Urlaubsfahrten zu viert. Das zum Fahrer hin etwas abfallende Armaturenbrett und die höher sitzenden Fond-Passagiere erinnern an seinen Van-igen Bruder, den 2er Active Tourer. Trotzdem bleibt er innen etwas kleiner, ist vorne und hinten ungefähr vier Zentimeter schmaler – und kann auch beim Kofferraumvolumen (500 bis 1545 Liter) nicht ganz mithalten.
BMW X1 xDrive23d
Typisch BMW: Auch der X1 hat das dicke Lenkrad seiner Markenbrüder. Die Sportsitze sind straff, aber bequem und mit großem Einstellbereich.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Das typische BMW-Gefühl kommt nicht von ungefähr – die Bayern wissen, was sie dafür tun müssen. Da wären zum einen die Sportsitze: fest gepolstert, aber trotzdem nicht unbequem und so vielfältig einstellbar, dass wirklich jeder eine passende Position findet. Als typisch BMW gehen auch das dicke Lenkrad und der Blinker durch, der es mit dem Blinken besonders eilig zu haben scheint.

Der BMW-Diesel ist drehfreudig und sparsam

Kaum Geschmackssache, sondern einfach gut: der 211 PS starke Zweiliter-Diesel. Für einen Selbstzünder angenehm drehfreudig, mobilisiert er früh, ab 1500 Touren, seine vollen 400 Nm. Weitere Eckdaten: 100er-Sprint in 7,3 Sekunden, 225 km/h Topspeed. Dass er sich obendrein noch mit 5,7 Liter Testverbrauch begnügt, obwohl ja noch ein Allradantrieb dranhängt, der bei Bedarf zuschaltet, beeindruckt. Der VW braucht einen Liter mehr, wohl auch, weil er auf den Mildhybrid des X1 verzichten muss.
BMW X1 xDrive23d
Der Zweiliter-Selbstzünder des X1 dreht angenehm hoch, schiebt gut an – und verbraucht einen Liter weniger als der TDI des Tiguan.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Beiden gemein ist, dass ihre Getriebe sich beim Anfahren unter Volllast etwas zieren, das gesamte Drehmoment schlagartig auf ihre zwei Kupplungen loslassen. Sie kuppeln also eher langsam ein, was Ruckeln vermeidet, subjektiv aber etwas lahm wirkt.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,7 s
2,5 s 
0–100 km/h
7,3 s
7,6 s 
0–130 km/h
11,9 s
12,7 s 
0–160 km/h
18,6 s
20,4 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,0 s
4,3 s 
80–120 km/h
5,1 s
5,6 s
Leergewicht/Zuladung
1760/505 kg
1825/505 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten
58/42 %
57/43 %
Wendekreis links/rechts
11,7/11,6 m
11,6/11,5 m
Sitzhöhe
645 mm
655 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,4 m
33,3 m 
aus 100 km/h warm
34,1 m
33,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
56 dB(A)
57 dB(A) 
bei 100 km/h
63 dB(A)
65 dB(A) 
bei 130 km/h
67 dB(A)
69 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
72 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
4,4 l D/100 km
5,1 l D/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
5,7 l D/100 km
(+16,3 %)
6,7 l D/100 km
(+1,5 %)
Sportverbrauch
7,7 l D/100 km
8,7 l D/100 km
CO2 (Testverbrauch)
152 g/km
178 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
940 km
860 km
Etwas behäbig scheint gelegentlich auch das Infotainment des X1. Seit Ende 2023 liegt dem System eine Android-Basis zugrunde statt wie früher Linux. Optisch äußert sich das in veränderten Benutzeroberflächen und einem neuen App-Store, der momentan 22 Apps umfasst, aber noch wachsen soll.

BMW-Sprachsteuerung versteht weniger

Aktuell stören vor allem einige Funktionsverluste. Die Scheiben per Sprache steuern? Funktioniert ebenso nicht mehr wie die Ansage des nächsten Wartungstermins. Auf die Frage, wer Bundeskanzler sei, antwortet die BMW-Dame entweder "Ich war's nicht" oder "Im Zweifel der, der fragt".
BMW X1 xDrive23d
Die Sprachbedienung des X1 musste einige Funktionsverluste hinnehmen – zum Beispiel die Steuerung der Fensterheber.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Zugegeben, diese Aufgabenstellung kommt dem VW zugute. Er kann Wikipedia befragen und so akkurat antworten. Schön auch, dass der Tiguan die Phase der nervigen Bedienung à la Golf 8 übersprungen hat. Der 15-Zoll-Screen läuft flüssig, am Lenkrad gibt es echte Tasten und zusätzlich einen digital beschrifteten Drehknopf, der sowohl Lautstärke als auch die Fahrmodi regeln kann. Man muss sich anfangs ein wenig durchwurschteln, kann die Leiste oben aber auch individualisieren und findet sich so dann doch recht schnell zurecht.

Tiguan-Fahrwerk setzt auf Komfort

Der Zweiliter-Diesel des Tiguan präsentiert sich mit 193 PS und 400 Newtonmetern ebenfalls kräftig, subjektiv allerdings nicht ganz so drehfreudig wie der im X1. Objektiv steht er ihm bis auf den höheren Verbrauch in kaum etwas nach, sagen auch die Messwerte: 7,6 Sekunden auf Tempo 100, 220 km/h Höchstgeschwindigkeit.
VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
Variabel: Zwei Ventile sorgen im DDC Pro-Fahrwerk für eine feine Abstimmung. Der Fokus liegt dabei stets auf Komfort.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Echter Vorteil: Das Tiguan-Fahrwerk ("DCC Pro") lässt sich über zwei Ventile fein einstellen, bleibt dabei stets auf der eher komfortablen Seite, erlaubt sich im weichen Modus sogar ein seichtes Nachwippen – Mercedes-like. Im BMW gibt es gar keine Verstellung, kleinere Stöße reichen die strafferen Dämpfer trocken durch. Alles in allem geht der Fahrkomfort aber in Ordnung.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
580
569
Platz
1
2
Fazit
Komfortabel, geräumig, vielseitig. Der Verbrauch allerdings dürfte niedriger sein. Und auch bei den Preisen ist der VW Premium.
In seiner Klasse zweifelsfrei der Dynamiker, dabei gar nicht mal unpraktisch. Er bleibt aber enger, kostet noch etwas mehr Geld.

Testwagenpreise um die 60.000 Euro

Womit wir bei den Preisen sind: Der Tiguan startet bei gut 49.000 Euro, der BMW bei knapp 53.000 Euro. Die Sonderausstattung der Testwagen, überwiegend in Paketen, kommt dann noch obendrauf, sodass der Unterschied am Ende auf etwa 2000 Euro schmilzt, beide aber um die 60.000 Euro liegen. Wer viel kann, kostet eben auch. Fast wie bei den Sportlern.

Bildergalerie

BMW X1 xDrive23d VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
VW Tiguan 2.0 TDI 4Motion
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Zwei kompakte Diesel-SUV im Test

Fazit

Der Tiguan gewinnt mit typischen VW-Stärken wie dem guten Raumangebot, bietet mit hoch bezahlten Extras wie den Massagesitzen und dem Zweiventilfahrwerk viel Luxus. Der BMW ist enger, tritt dafür aber bulliger an, bleibt außerdem sparsamer. Teuer sind am Ende beide.