BYD treibt's gern bunt. Eigentlich. Denn während Modelle wie der Atto 3 oder der Dolphin Surf mit quietschigen Außenfarben und abgefahrenen Innenräumen antreten, wirkt der neue Atto 2 erst einmal verhältnismäßig seriös.
Der angedeutete Seitenschutz erinnert an Citroën, die schwebende C-Säule des Dachs an Opel. Das alles mischt sich mit der eigenen Linie der Chinesen.

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Innenraum macht einen wertigen Eindruck

Der Innenraum mit weichen Materialien bis in die hinteren Türtafeln passt zum Blechkleid: in Grau und Schwarz gehalten, zwei große Bildschirme, ein unaufgeregt gezeichnetes Lenkrad. Nicht langweilig, aber auch ein wenig nichtssagend.
BYD Atto 2
Langweilig oder einfach funktional? Die Gestaltung des Interieurs ist vielleicht etwas nichtssagend, aber die Verarbeitung ist ordentlich.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Liefert der Atto 2 dafür technisch ab? Die gute Nachricht: Unterm Blech bietet das 4,31 Meter lange SUV viele der Feinheiten, die auch die größeren BYD-Modelle für technikaffine Menschen interessant machen.
Entriegelung per Handyschlüssel mit Tipp auf den Außenspiegel? Kein Problem. Das Infotainment? Schnell bei der Sache. Die Software sieht beim schnellen Hinsehen etwas nach Googles Android aus, entpuppt sich aber als BYD-Eigenentwicklung – kuriose Features wie eine Drehfunktion des mittleren Screens oder eine Karaoke-App zum Mitsingen inklusive.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchronelektromotor 
Einbaulage 
vorn 
Spitzenleistung 
130 kW (177 PS) 
Dauerleistung 
65 kW (88 PS) 
maximales Drehmoment 
290 Nm 
Vmax
160 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
215/60 R 17 H 
Reifentyp 
Hankook iOn GT SUV 
Reichweite* 
312 km 
Verbrauch* 
16,0 kWh/100 km 
Batterieart 
Lithium-Eisenphosphat (LFP) 
Batteriekapazität 
45,12 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/65 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) 
37 Minuten 
Ladeanschluss 
vorn rechts 
Fach unter Frontklappe 
– 
Vorbeifahrgeräusch 
65 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
750/750 kg 
Stützlast 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
400–1340 l 
Länge/Breite/Höhe 
4310/1830–2060**/1675 mm 
Radstand/Bodenfreiheit 
2620/165 mm 
Grundpreis
31.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
34.990 Euro
Wer das Trällern lieber anderen überlässt, kann sich stattdessen über die ordentliche Ausstattung des Atto 2 freuen. E-Sitz, Rückfahrkamera, Wärmepumpe? Alles Serie und in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich, genau wie die weichen Materialien, welche sich selbst hinten in den Türtafeln finden.
BYD Atto 2
Der Atto 2 wird von einem E-Motor an der Vorderachse mit 177 PS in Bewegung gebracht. Er tritt spontan an, schafft 160 km/h Vmax.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wer Sitz- und Lenkradheizung haben möchte, muss dann allerdings für 3000 Euro Aufpreis die getestete Boost-Linie kaufen, deren weitere Ausstattungsumfänge (etwa 360-Grad-Sicht, größerer 12,8-Zoll-Screen, Ambientelicht) im Grunde genommen verzichtbar erscheinen.

Aktuell nur eine Antriebsoption

Technisch setzen die Chinesen auf eine simple Antriebspalette: Aktuell gibt es nur eine Option. Der 177 PS starke E-Motor ist an der Vorderachse montiert und mit einer 45 kWh großen LFP-Batterie verbunden, die BYD-typisch in Blade-Bauweise – also mit länglichen, flachen Akkuzellen – gefertigt wurde.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,2 s 
0–100 km/h 
8,3 s 
0–130 km/h 
14,4 s 
0–160 km/h 
26,1 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,4 s
80–120 km/h 
6,2 s 
Leergewicht/Zuladung 
1571/409 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
55/45 % 
Wendekreis links/rechts 
10,8/10,8 m 
Sitzhöhe 
655 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,9 m 
aus 100 km/h warm 
34,9 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h
71 dB(A)
bei 160 km/h
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
14,7 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
22,1 kWh/100 km
(+38 %)
Sportverbrauch 
26,7 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
Reichweite 
238 km 
So tritt der Atto 2 spurtstark an, auch wenn er die Werksangabe für den 100-km/h-Sprint mit 8,3 Sekunden um vier Zehntel verpasst. Löblich sind die immerhin 160 km/h Topspeed. Andere Hersteller kappen ihren Budget-Elektrofahrzeugen schon bei Tempo 140 oder 150 den Vortrieb.

Reichweite fällt etwas mager aus

Als Empfehlung für die Langstrecke kann der Chinese allerdings trotzdem nicht recht gelten. 22,1 Kilowattstunden Testverbrauch (inkl. Ladeverlusten) sorgen für eine Reichweite von gerade mal 238 Kilometern. Dazu begrenzt BYD die Schnellladefähigkeit des Atto 2 schon bei 65 kW. Dass diese Spitzenleistung an der Säule verhältnismäßig lange aufrechterhalten wird, geht da nur als kleiner Trost durch.
BYD Atto 2
Nichts für die Langstrecke: Mit einer Akkuladung schafft der BYD Atto 2 in unserem Test eine maximale Reichweite von 238 Kilometern.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch die Windanfälligkeit stört: Weich gefedert, gibt sich das Fahrwerk im Alltag ausreichend kommod, die Karosserie lässt sich auf der Autobahn aber zu leicht aus der Ruhe bringen. Ebenso vermittelt die leichtgängige Lenkung kaum Gefühl, akustisch dringen bereits bei Richtgeschwindigkeit deutlich vernehmbar Windgeräusche aus Richtung der Seitenscheiben in den Innenraum.
BYD Atto 2
Kein Kurvenkünstler: Der Atto 2 ist weich abgestimmt, die leicht gängige Lenkung vermittelt kaum Gefühl – und er ist windanfällig.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die Assistenzsysteme? Ebenfalls eher Durchschnitt. Überlässt man dem Fahrzeug bei aktiviertem Tempomaten Gas und kurzzeitig auch die Lenkung, pendelt es zwischen Fahrbahnmarkierungen hin und her. Dazu kommen überkritische Aufmerksamkeitswarnungen, mit denen der Fahrer zurechtgewiesen wird.
Beim Bremsen schneidet der mit knapp 1,6 Tonnen nicht zu schwer geratene Atto 2 dann wieder solide ab, steht warm wie kalt nach knapp 35 Metern.

Wertung BYD Atto 2

Wertung BYD Atto 2
Karosserie
Ordentliches Platzangebot, aber hoher Fahrzeugboden und dürftige Übersicht nach ganz hinten.
3 / 5
Antrieb
Vernünftige Fahrleistungen, elektrotypisch spontane Kraftentfaltung und hohe Laufruhe.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Kommt flott vom Fleck, mit weicher Federung und gefühlloser Lenkung im Herzen aber kein Dynamiker.
3,5 / 5
Connected Car
Handyschlüssel lässt sich einrichten, Sprachsteuerung gut. Auch eine Routenplanung ist vorhanden.
4 / 5
Umwelt
Mit knapp 1,6 Tonnen nicht zu schwer geraten, Verbrauch okay. Lokal emissionsfreies Fahren.
4 / 5
Komfort
Gute Ausstattung, nur Fahrersitz mit Höhenverstellung. Auf der Autobahn früh Windgeräusche.
3,5 / 5
Kosten
Fair eingepreist und mit ordentlicher Garantie, aber eher mäßigem Wiederverkaufswert.
3,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
1,9
Alles in allem also: nichts für Fahraktive und Langstreckler, wohl aber etwas für Menschen, die einen Sinn für ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis haben.
Immerhin sechs Jahre Garantie gewährt BYD auf das gesamte Auto, acht Jahre und 200.000 Kilometer auf den Akku. Dazu kommen ein großzügiges Wartungsintervall von zwei Jahren/30.000 Kilometern sowie aktuell eine Rabattaktion (minus 2000 Euro).

Preisliste beginnt bei 31.990 Euro

In der getesteten Version mit allen relevanten Extras kostet der Atto 2 34.990 Euro, dazu kommt nur noch, wenn gewünscht, eine Metalliclackierung für 750 Euro. So fährt er etwas oberhalb des Preisniveaus der Günstig-Konkurrenz von Opel und Citroën, wenn auch mit besserer Ausstattung und stärkerem Antrieb.
BYD Atto 2
Fair: Den BYD Atto 2 gibt es ab 31.990 Euro. Für unseren Testwagen inklusive aller Extras standen 34.990 Euro auf der Rechnung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bemerkenswert: BYD hält die Fertigung simpel, indem der Atto 2 zusätzlich zur wenig variablen Ausstattung nur in vier Farben – Schwarz, Weiß, Silber und Hellgrün – angeboten wird. Ob das alles reicht, oder ist der Atto 2 zu blass geraten? Müssen letztlich die Kunden entscheiden.

Bildergalerie

BYD Atto 2
BYD Atto 2
BYD Atto 2
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BYD Atto 2 im Test

Fazit

Der Atto 2 erfüllt die Erwartungen an ein budgetfreundliches B-SUV, empfiehlt sich nicht nur wegen des kleinen Akkus eher für Kurz- und Mittelstrecke. Schade: wenig Ausstattungsvielfalt und mäßige Assistenz. AUTO BILD-Testnote: 1,9