BYD Seal 6 DM-i Touring: Test
Plug-in-Hybrid-Kombi von BYD im ersten Test

Die Chinesen wollen Europa keineswegs nur mit E-Autos erobern: Der BYD Seal 6 DM-i Touring bereichert die Nische der Plug-in-Hybrid-Kombis. Erster Test.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Regelmäßige Leser könnten jetzt irritiert sein: BYD Seal, ist das nicht diese weiße Elektro-Limousine aus dem AUTO BILD-Dauertest? Stimmt, ein solcher Stromer ist Teil unseres Fuhrparks, wir haben schon diverse Zwischenbilanzen veröffentlicht.
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Der Kombi Seal 6 DM-i (DM = Dual Mode) in diesem Test ist trotz der Beinahe-Namensgleichheit nicht etwa die Kombiversion der Seal-Limousine. Der Seal 6 ist ein völlig anderes Auto, ein Plug-in-Hybrid ohne erkennbare Gleichteile mit dem Stromer.

Eigenständiger Kombi: Auch wenn sich die Namen gleichen, hat der Hybrid-Touring keine erkennbaren Gleichteile mit der Seal-Limousine.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Einzig die Menüführung deutet auf die Verwandtschaft hin, wir kennen sie teils aus der Limousine. Auf Spezialitäten wie die per Tastendruck von quer auf hoch änderbare Bildschirmausrichtung wurde beim Kombi verzichtet, zudem ist der Zentralbildschirm kleiner.
Bedienung weitestgehend über Touch-Monitor
Ersteindruck vom Seal 6: ordentlich verarbeitet, Sitze mit ein paar Schwächen (keine Lordosenstütze, vorn sitzt man sehr hoch und hinten zu nah am Boden), ein paar feste Tasten und Drehregler mehr als China-üblich (Fahrmodi, EV-Modus, Audiolautstärke) und ein DAB-Radio, das oft minutenlang nach dem Sender sucht.

Schöne neue Autowelt: Der BYD Seal 6 DM-i Touring ist klar und schnörkellos eingerichtet, es gibt nur wenige echte Schalter und Tasten.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ansonsten ist das hier ganz die schöne neue Auto-Welt: keine Schalter für Licht oder Sitzheizung, beides nur via Zentralschirm. Die auch im BYD oft lästige Fahrerüberwachung und die Spureingriffe lassen sich vor Fahrtantritt über ein fünfstufiges (!) Menü ausschalten. Obendrein findet sich die Abschaltung im Kapitel "Kabinen-Wahrnehmung", wo sie kein Mensch vermutet.
Fahrzeugdaten
Modell | BYD Seal 6 DM-i Touring |
|---|---|
Leistung Verbrennungsmotor | 72 kW (98 PS) |
Hubraum | 1498 cm³ |
Einbaulage | vorn quer |
Leistung Elektromotor | 145 kW (197 PS) |
Systemleistung | 156 kW (212 PS) |
max. Drehmoment (Verbrenner/E) | 122/300 Nm |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | stufenlose Automatik |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/50 R 18 V |
Reifentyp | Continental EcoContact 6 |
Radgröße | 7 x 18" |
Abgas CO2* | 38 g/km |
Verbrauch* | 1,7 l S + 17,1 kWh/100 km |
Tankinhalt/Batteriekapazität/-art | 65 l/19,0 kWh/LFP |
Ladeleistung/–zeit (AC/DC) | 6,6/26 kW/2:42 Std./23 Min.** |
Kraftstoffsorte | Super/elektrischer Strom |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 750/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 500–1535 l |
Länge/Breite/Höhe | 4840/1875–2102***/1505 mm |
Radstand | 2790 mm |
Grundpreis | 42.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 49.990 Euro |
Das Arbeitsprinzip des Plug-in-Antriebs erinnert ein wenig an e:PHEV-Modelle von Honda. Es gibt mehrere Fahrzustände, und der Elektroteil des Antriebs (197 PS) ist weit stärker als der Verbrenner (1,5-Liter-Saugbenziner, 98 PS). Der Kombi fährt stets elektrisch an, beschleunigt stufenlos (E-CVT) und ausreichend flott hoch, hält das elektrische Fahren im Test bis etwa 135 km/h durch.
Rein elektrisch schafft er fast 100 Kilometer
Danach gibt der Verbrenner erst einmal nur den Generator, um bei höherem Tempo gemeinsam mit dem E-Motor die Räder direkt anzutreiben. Zentraler Unterschied zum Honda: Der BYD ist schnellladefähig, was die Ladezeit des 19-kWh-Akkus in der Praxis auf um die 45 Minuten (von 27 auf 100 Prozent bei unserem Selbstversuch) verkürzt – und leider auch teuer ist, je nach Vertrag.

Ordentlich: Im Test schaffte der BYD Seal 6 Touring 97 Kilometer rein elektrisch – nur drei Kilometer weniger als vom Hersteller versprochen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Schnellladefähige Plug-in-Hybride bieten etwa auch Mercedes, Mitsubishi, Seat, Skoda und VW an. Der Seal 6 lässt den Akkustand nie unter 17 Prozent sinken, zweigt dann Benzinmotor-Leistung zur Stromerzeugung ab; rein elektrischer Betrieb ist erst ab 25 Prozent Akkustand möglich.
Messwerte
Modell | BYD Seal 6 DM-i Touring |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,8 s |
0–100 km/h | 9,3 s |
0–130 km/h | 14,6 s |
0–160 km/h | 23,1 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,4 s |
80–120 km/h | 5,7 s |
Leergewicht/Zuladung | 1848/392 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 1,32558139534884 % |
Wendekreis links/rechts | 11,2/11,3 m |
Sitzhöhe | 560 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,7 m |
aus 100 km/h warm | 37,1 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Stromverbrauch | 19,6 kWh/100 km |
Testverbrauch (60 % Hybrid-; 40 % E-Anteil) | 3,7 l S + 7,8 kWh/100 km |
Verbrauch mit entladener Batterie | 6,1 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 88 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 1065 km + 97 km elektrisch |
Die vom Hersteller versprochene Elektro-Reichweite von 100 Kilometern schafft er im Test fast, wir kamen auf 97 Kilometer – gut und auf ähnlichem Level wie VW oder Mercedes. Der Benziner schaltet sich danach gedämmt, aber hörbar zu. Leider wird der kalte Benziner gleich in Drehzahlregionen hochgejubelt, die nicht gesund sein können – ein generelles PHEV-Problem.
Fahrwerk mit aufwendiger Hinterachse
Das Rumoren des Vierzylinders stört nur deshalb kaum, weil die Windgeräusche ihn bereits bei 120 km/h übertönen. Man merkt, dass dieses Auto für den Weltmarkt entwickelt wurde – und der ist fast flächendeckend tempolimitiert.

Nur auf kurze Anregungen reagiert der BYD mit seinen 18-Zöllern etwas schroff, ansonsten zeigt sich das Fahrwerk gut abgestimmt.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die 18-Zoll-Räder sprechen auf kurze Anregungen wie Kanaldeckel schroff an. Lange Bodenwellen verarbeitet das durchaus aufwendige Fahrwerk (Mehrlenkerachse hinten) hingegen talentiert.
Der Tempomat verfügt über eine Verkehrszeichenübernahme mit manueller Bestätigung per Taste, leider sind entsprechende Tempo-Anzeigen im Fahrerdisplay winzig und schlecht ablesbar. Die "Geschwindigkeitsanpassung in Kurven" (eine von vielen holprigen Übersetzungen in den Menüs) erweist sich als übervorsichtig, bremst selbst in harmlosen Ausfahrten mit großem Kurvenradius unnötig stark ab.
Wertung BYD Seal 6 DM-i Touring
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Angenehmes Raumgefühl vorn, guter Qualitätseindruck. Zuladung unzureichend, nicht sehr variabel. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Sparsam, viel Reichweite. Spurtet flott, Leistungsabgabe aber nicht linear. Bei Autobahntempo dröhnig. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Untersteuernd ausgelegt, fahrsicher, aber Lenkgefühl teigig-gefühllos. Bremse wird zu warm. | 3 / 5 |
Connected Car | Gut: Telefon, Audio, Onlinefunktionen. Navi eher einfach. Touchscreen flott, aber kleine Icons. | 3,5 / 5 |
Umwelt | Plug-in-Hybrid. Geringer CO2-Ausstoß im Test, aber hohes Leergewicht. Format etwas sperrig. | 3 / 5 |
Komfort | Alles recht durchschnittlich: Einstieg, Sitzpositionen, Sitze. Federung auf kurzen Wellen unwillig. | 3,5 / 5 |
Kosten | Anschaffung (aktionsbedingt) preiswert. Teuer: Versicherungsklassen, kurzes Wartungsintervall. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 2,3 |
Die Testreichweite von 1162 Kilometern klingt wie der Traum eines jeden Außendienstlers, ist aber nicht zuletzt dem 65-Liter-Tank geschuldet. Knapp bemessen dagegen: die Zuladung von nur 392 kg.
BYD-Bonus bis Herbst 2026
Ernsthaftester Konkurrent dürfte der Seat Leon Sportstourer 1.5 e-Hybrid ab 40.900 Euro sein, der DC mit bis zu 50 kW laden kann, also schneller. Aber seine Gesamtreichweite liegt unter der des BYD wegen des kleineren Tanks. Und mit 4,64 Metern Länge und 470 bis 1450 Litern Ladevolumen ist er eine halbe Nummer kleiner.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
BYD hat seinen sogenannten E-Bonus in Höhe von 12.500 Euro für den Seal 6 bis zum 30. September 2026 verlängert. Wer zudem noch Anspruch auf die volle staatliche Förderung für Plug-in-Hybride im Höhe von 4500 Euro hat, ist ab 25.990 Euro dabei.
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