Chery Jaecoo 5 und Omoda 7: China-SUV im Test
Chinas Konkurrenz für Ford Puma und Toyota RAV4

Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Wuhu? Dieser Ort geht selbst eingefleischte Autoexperten noch nicht flüssig über die Lippen. Denn während wir uns an Importe aus Shanghai, Beijing, Guangzhou, Shenzen, Hefei oder sogar Wuhan so langsam gewöhnt haben, hat die automobile Weltkarte bei der Vier-Millionen-Stadt zwei ICE-Stunden westlich von Shanghai noch einen hellen Flecken.
Zumindest für uns Europäer. In Afrika, Südamerika oder dem Rest von Asien dagegen ist Wuhu schon präsent. Schließlich sitzt hier Chery und kein anderer Hersteller im Reich der Mitte exportiert so viele Autos wie der vor knapp 30 Jahren gegründete Staatskonzern. Nur eben nicht zu uns. Bislang zumindest. Doch seit zwei Jahren strecken die Chinesen ihre Fühler auch nach Europa aus, haben in Raunheim bei Frankfurt bereits ein Entwicklungszentrum aufgemacht, sind in Großbritannien am Start und tasten sich mit ihren beiden Marken Jaecoo und Omoda über den Osten und den Süden so langsam nach Mitteleuropa vor.
Dabei will erstere eine ein bisschen rustikaler sein und zielt eher auf Jeep oder Land Rover, während zweitere sich schmuck macht und Hyundai und Kia oder Opel ins Visier nimmt. Und anders als Nio & Co wollen sich beide – zumindest jetzt noch nicht – auf reine Elektroantriebe reduziert wissen und lassen den Kunden mit dem Dreiklang aus Verbrenner, Hybrid – mit und ohne Stecker – oder reines Akku-Auto die Wahl, wie weit sie sich in die Zukunft wagen wollen.

Mit dem Jaecoo 5 beweist Chery, wie ernst es dem Exportmeister mit Europa ist.
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Während der erste Sturm hier also noch gar nicht so recht angekommen ist, läuft sich daheim in Wuhu schon die zweite Welle warm, die manch eine Volumenmarke etwa aus der Stellantis-Familie ordentlich nass machen könnte. Denn wo Autos wie der Jaecoo 7 oder der Omoda 5 noch alte China-Modelle mit neuen Logos und in Raunheim nachgebesserter Abstimmung sind, hat die Export-Mannschaft bei ihnen von Anfang an ein Wörtchen mitgeredet oder gleich das Sagen gehabt.
Jaecoo 5: Konkurrenz für Ford Puma oder Opel Mokka
Als Konkurrent für europäische Erfolgsmodelle wie den Ford Puma oder den Opel Mokka bringen die Chinesen dabei den Jaecoo 5 in Stellung. Denn auch wenn er mit einem vor allem am Heck vom Range Rover Evoque inspirierten Design nach höheren Weihen strebt, misst er gerade mal 4,38 Meter und dürfte in der Basisversion deutlich unter 30.000 Euro kosten.
Dafür gibt es den Wagen nicht wie bei den Europäern mit einem schnatternden Dreizylinder, sondern als soliden 1,6-Liter, der auf vier Flammen brennt und mit knapp 150 PS und 275 Nm ins Rennen geht. Mit der feinfühligen Siebengang-Doppelkupplung reicht das für einen Sprintwert von 10,2 Sekunden und ein Spitzentempo von 182 km/h – und zumindest auf der Teststrecke rund ums Stammwerk in eben jenem ominösen Wuhu macht dabei auch das Fahrwerk eine ganz ordentliche Figur.
Alternativ bietet Chery für Zukunfts-Zauderer auch einen Voll-Hybriden an, zu dem es allerdings noch viel mehr Infos gibt, als dass er etwa 150 PS haben wird und mit seinem Pufferakku nur ein paar Kilometer unter Strom schafft.

Die Materialanmutung im Jaecoo 5 ist sehr gut.
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Aber entweder, oder! Statt zu zögern und zu zaudern, geht man dann ohnehin besser "all in" und bekommt den Jaecoo 5 auch als EV für wohl knapp unter 35.000 Euro – mit einem 210 PS starken E-Motor an der Vorderachse und einem Akku von 61 kWh im Wagenboden, der im chinesischen Zyklus für immerhin 400 Kilometer reicht. Natürlich taugt der Jaecoo damit nicht zum Joker in einem der am dichtesten besetzten Marktsegmente. Doch verglichen mit Konkurrenten wie dem Mokka oder dem Puma, die ja beide auch nur elektrische Umbauten sind, bietet er für wahrscheinlich deutlich weniger Geld die gleiche oder vielleicht sogar ein bisschen mehr Reichweite.
Und schlecht fahren tut man mit dem Evoque für Knauser auch nicht. Denn nicht nur außen macht der Fünfsitzer mächtig was her mit seinem wuchtigen Grill beim Verbrenner und der schnittigen E-Schnauze, sondern auch innen geht es nobel zu. Oder zumindest nobler als bei vielen bezahlbaren Konkurrenten aus Europa. Die Materialanmutung jedenfalls ist allemal besser als bei Stellantis oder Ford und das Display größer – schließlich gibt es nicht nur einen Panorama-Bildschirm hinter dem Lenkrad, sondern auch noch einen senkrechten Screen daneben, der sich groß wie eine AUTO BILD bis auf die geräumige Mittelkonsole streckt.
Außerdem bietet der Jaecoo5 auch in der zweiten Reihe ordentlich Platz, hat immerhin fast 400 Liter Kofferraum und selbst für einen kleine Frunk hat es bei der Elektroversion noch gereicht.
Omoda 7 als Konkurrenz für den Toyota RAV4
Wer es eine Nummer größer mag, dem will Chery den Omoda 7 schmackhaft machen und damit niemand geringerem als Toyota die Kirschen verhageln. Schließlich tritt das 4,66 Meter lange SUV mit dem ungewöhnlichen, fast unsichtbar in den Stoßfängern versteckten Tagfahrlicht und den Glühspindeln am Heck ganz selbstbewusst gegen den RAV4 an – immerhin eines der meistverkauften Autos der Welt.

Der Omoda 7 tritt ganz selbstbewusst gegen den RAV4 und Co. an.
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Auch hier fahren die Chinesen beim Antrieb zweigleisig und beginnen in der Basis mit einem gewöhnlichen 1,6-Liter von knapp 150 PS und 275 Nm, den sie mit einem feinfühligen Doppelkupplungsgetriebe kombinieren. Zwar dauert der Sprint von 0 auf 100 damit wenig sportliche 11,1 Sekunden, doch fährt der Omoda 7 so immerhin 190 km/h schnell und damit vielen Konkurrenten davon.
Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 360 PS
Wer sich auf mehr Zukunft einlassen will, der bekommt einen Plug-in-Hybriden, der sich mit seiner 204-PS-Maschine wann immer möglich aufs elektrische Fahren fokussiert und den bei BYD eingekauften Blade-Zellen mit 18,3 kWh knappe 100 Kilometer weit kommt. Stoppt man dann nicht am Schnelllader, fährt der Siebener einfach mit Benzin weiter und der Fahrer braucht sich bei einer vierstelligen Gesamtreichweite nun wirklich keine Gedanken über die Langstreckentauglichkeit zu machen. Und wenn man's mal eilig hat, spannt man die beiden Maschinen einfach zusammen, kommt auf eine Systemleistung von 360 PS und vereinte 530 Nm und wird mit einem Sprintwert von 8,5 Sekunden an der Ampel zum Rotlicht-Helden.
Genau wie außen wird der Omoda 7 auch innen erst auf den zweiten Blick zum Hingucker – man sitzt bequem, hat in der ersten Reihe reichlich und in der zweiten Reihe ausreichend Platz, und das Ambiente ist bei einer soliden Materialauswahl typisch chinesisch: hinter dem Lenkrad ein kleiner, in der Mitte ein großer Bildschirm und drumherum so wenig klassische Knöpfe wie irgend möglich. Einzig auf dem Lenkrad gibt es noch zwei Drehwalzen und zwei Wippen für wichtige Funktionen.

Mit verschiedenen Gadgets will Chery im Innenraum des Omoda 7 einen Unterschied machen.
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Bis man irgendwann ein bisschen länger auf den Touchscreen tippt und eines der Gadgets entdeckt, mit denen Chery dann doch einen Unterschied machen will: So wie sich der Screen bei BYD um 90 Grad drehen lässt, wandert er im Omoda einen halben Meter nach rechts und damit weiter ins Blickfeld und den Einflussbereich des Beifahrers.
Dazu gibt's eine Ausstattung, die den Ansprüchen der gehobenen Mittelklasse entspricht: Neben den üblichen und wie immer bei den Chinesen eher nervigen als nützlichen Assistenten für Abstand, Tempo, Spurführung und Aufmerksamkeit sind deshalb auch eine 360-Grad-Kamera an Bord, klimatisierte Sitze oder die kabellose Connection für Akku und Mobilfunk-Chip des Handys.
Preis und Marktstart?
Preise gibt's natürlich noch keine, ja noch nicht mal einen offiziellen Termin für den Verkaufsstart der zweiten Welle. Doch wären die Chinesen gut beraten, wenn sie beim Omoda 7 als Verbrenner nahe an 30.000 und beim Plug-in-Hybriden deutlich unter 40.000 Euro bleiben würden. Dann noch ein vernünftiges Händlernetz und endlich mal ein großes Debüt statt dem Markteintritt durch die Hintertür – und bald fragt keiner mehr, was oder wo den wohl dieses Wuhu sein könnte.
Fazit
Die Erstlinge aus Wuhu wirken irgendwie halbherzig und feiern ihre großen Erfolge deshalb zurecht in anderen, weniger weit entwickelten Automobilregionen dieser Welt. Doch Jaecoo 5 und Omoda 7 sind aus einer anderen Liga, explizit für den Export entwickelt und in vielen Details mindestens genauso gut, wenn nicht gar besser als die bezahlbaren EU-Modelle. Mit diesen Cherys ist deshalb auch bei uns gut Kirschen essen.
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