Wäre die Geiz-ist-geil-Mentalität der 2000er ein Auto gewesen, dann vermutlich der Dacia Logan. Als die Stufenhecklimousine 2005 auf den deutschen Markt kam, bot sie sensationell viel Auto (510 Liter Kofferraum) für rekordverdächtig wenig Geld (ab 7200 Euro).

Zwei kompakte SUV im Vergleich

Ein Auto für Kostenbewusste, über das man sich in all seiner Schlichtheit auch gut lustig machen konnte, zählten zur Serienausstattung anfangs doch weder Seitenairbags noch eine Servolenkung. Schon bald schob die Marke weitere Modelle nach, etwa die Van-Variante Logan MCV, den Sandero und ab 2010 den zeitgeistigen Duster.

Beide folgen der Idee des günstigen Autos

Heute, 20 Jahre später, lacht keiner mehr. Dacia verkauft in Deutschland mittlerweile mehr Fahrzeuge als die Muttermarke Renault, ist selbstbewusst. Die Rumänen haben Mittel und Wege gefunden, sich langfristig zu behaupten, die eigenen Kosten zu optimieren und lifestyliger zu werden. Allerdings gilt auch hier die Regel: Erfolgreich angewandte Marketingstrategien ziehen meist Nachahmer nach sich. Und in Zeiten, in denen nahezu alles merklich teurer wird, sind günstige Autos ohnehin eine naheliegende Idee.
Citroën C3 Aircross Turbo 100 Dacia Duster Eco-G 100
Günstige Kompakt-SUV: Der Dacia Duster ist schon länger im unteren Preissegment unterwegs – dort greift ihn jetzt der C3 Aircross an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Eine von diesen Ideen ist der neue Citroën C3 Aircross. Er basiert wie Fiat Grande Panda und der normale C3 auf der kostenoptimierten Smart-Car-Plattform von Stellantis, streckt sich mit 4,40 Metern fünf Zentimeter länger als der Duster. Innen gibt es das C3-Cockpit und massig Platz. Ab der mittleren Ausstattungslinie Plus schmückt ein 10-Zoll-Touchscreen das Armaturenbrett, ansonsten sitzt dort – wie auch in der Duster-Basis – ein Handyhalter.

Beim C3 Aircross geht es ab 18.890 Euro los

In dieser Hinsicht haben die Franzosen das Dacia-Prinzip schon einmal verstanden: nur so viel von allem wie nötig, nicht so viel wie möglich. Der Einstiegspreis des Aircross liegt mit 18.890 Euro sogar noch 100 Euro niedriger als beim Duster. Wie getestet, sind es 21.090 Euro.
Citroën C3 Aircross Turbo 100
Gutes Angebot: Für den C3 Aircross Turbo 100 verlangt Citroën mindestens 18.890 Euro. Unser Testexamplar kostete 21.900 Euro.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Neben etwas mehr Platz hinten verfügt der Citroën über die bequemer gepolsterte Rückbank und strahlt im Innenraum allgemein etwas mehr Qualität aus. Die Armablagen in den Türen sind überall aufgepolstert, das Soundsystem klingt zumindest etwas kräftiger, und auf Kopfsteinpflaster bleibt es ruhiger im Auto. Größere Fensterflächen sorgen in Kombination mit den Bronze-Akzenten der Innenausstattung für ein etwas helleres Ambiente.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Dreizylinder, Turbo 
Dreizylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Zahnriemen 
Zahnriemen 
Hubraum 
1199 cm³ 
999 cm³ 
Leistung kW (PS) 
74 (101) 
Benzin 67 (91)/LPG 74 (101) 
max. Drehmoment 
205 Nm 
Benzin 160 Nm/LPG 170 Nm 
Vmax
179 km/h 
168 km/h 
Getriebe 
Sechsgang manuell 
Sechsgang manuell 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Vorderradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
215/60 R 17 H 
215/65 R 17 V 
Reifentyp 
Bridgestone Turanza 6 Enliten 
Continental PremiumContact 7 
Radgröße 
6,5 x 17" 
6,5 x 17" 
Abgas CO2 
135 g/km 
148 g/km (124 g/km LPG) 
Verbrauch* 
5,9 l/100 km 
6,5 l/100 km (7,6 l/100 km LPG) 
Tankinhalt 
44 l 
50 l Benzin + 50 l LPG 
Kraftstoffsorte 
Super 
Super/LPG 
Partikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
67 dB(A) 
69 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1500/650 kg 
1200/675 kg 
Stützlast 
65 kg 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
460–1600 l 
453–1545 l 
Länge/Breite/Höhe 
4395/1795–2020**/1640 mm 
4343/1813–2069**/1656 mm 
Radstand 
2670 mm 
2657 mm 
Grundpreis
18.890 Euro
18.990 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
21.090 Euro
20.890 Euro
Ärgerlich: Wer Sitz- und Lenkradheizung haben möchte, muss die gesamte Inneneinrichtung in einer anderen Farbe wählen, bekommt ungefragt Nebelscheinwerfer sowie Frontscheibenheizung dazu und zahlt für alles zusammen dann recht üppige 1000 Euro extra.

Einstiegspreis des Duster ist minimal höher

Der Duster kostet zwar in der Basis mit 18.990 Euro minimal mehr – in der getesteten Variante Expression sind es mit 20.890 Euro aber 200 Euro weniger als beim Citroën. Konzeptionell bemerkenswert: Wer will, bekommt den Duster in Verbindung mit einem stärkeren Motor auch mit Allradantrieb. Ordentlicher Bodenfreiheit sei Dank gilt er mittlerweile auch beispielsweise bei Förstern als beliebt.
Dacia Duster Eco-G 100
Nur beim Einstiegspreis liegt der Dacia Duster Eco-G 100 mit 18.990 Euro über seinem Konkurrenten. Der Testwagen ist mit 20.890 Euro günstiger.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die etwas rustikalere Machart hat Dacia sozusagen von der Pflicht zur Kür gemacht, mit vielen Ecken und Kanten tritt der Duster auch optisch entsprechend hemdsärmelig auf. Auch hier verzichtet das Infotainment auf unnötige Features, eine Rückfahrkamera filmt arg pixelig und verzerrt, was hinter dem Auto vorgeht.

Duster bietet etwas mehr Luxus

Damit der Sprachsteuerungsknopf am Lenkrad funktioniert, muss bei beiden auf das verbundene Smartphone zurückgegriffen werden können. In mancherlei Hinsicht bietet der Duster aber auch etwas mehr Luxus, etwa Fensterheber rundum, welche die Scheiben per One-Touch-Funktion rauf- und runtersurren lassen, oder ein Keyless-go-System. Letzteres allerdings erst in den Top-Linien. Auch auf einen verstellbaren Ladeboden muss in dieser Ausstattungsvariante verzichtet werden.
Dacia Duster Eco-G 100
Mehr drin: Fensterheber mit One-Touch-Funktion und ein Keyless-Go-System gibt es nur im Duster – allerdings nur in den Top-Linien.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ebenfalls erwähnenswert: Den Citroën gäbe es optional (850 Euro) sogar als Siebensitzer. Ausgerüstet als Fünfsitzer, fällt der Laderaum mit 460 bis 1600 Litern geringfügig größer aus als beim Dacia (453 bis 1545 Liter).

Rund 1500 Kilometer Reichweite im Dacia

Dafür bietet der Duster einen Taschenspieler-Trick: Nach bester Markentradition kann er sowohl mit Superbenzin als auch mit Autogas betankt werden. Der LPG-Tank befindet sich in der Reserveradmulde. Beide Reservoirs fassen jeweils 50 Liter, sodass eine Riesen-Gesamtreichweite von ungefähr 1500 Kilometern möglich wird. Welcher Kraftstoff genutzt werden soll, kann der Fahrer mit einem Druck auf den LPG-Taster links vom Lenkrad jederzeit frei entscheiden.
Dacia Duster Eco-G 100
Er läuft und läuft und läuft: Mit seinem Benzin- und seinem Gastank schafft der bivalente Duster Eco-G 100 rund 1500 Kilometer.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im LPG-Modus mobilisiert der Duster seine volle Leistung von maximal 101 PS. Der Einliter-Turbobenziner läuft mit Gas tatsächlich spürbar drehfreudiger und etwas durchzugsstärker, allerdings auch rauer. Sein Drehmomentdefizit ist ihm im Vergleich mit dem Citroën in beiden Zuständen anzumerken. Bis ungefähr 2500 Umdrehungen schlummert der Antrieb selig im Turboloch, danach folgt der Kraftaufbau etwas überfallartig, was im Nassen für Traktionsprobleme sorgen kann.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,7 s 
4,3 s 
0–80 km/h 
8,1 s 
8,9 s 
0–100 km/h 
12,1 s 
13,3 s 
0–130 km/h 
21,3 s 
22,6 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
8,0/10,3 s (4./5. Gang) 
8,9/12,1 s (4./5. Gang) 
80–120 km/h 
12,2/17,2 s (5./6. Gang) 
13,0/20,6 s (5./6. Gang) 
Leergewicht/Zuladung 
1283/467 kg 
1321/444 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
60/40 % 
57/43 % 
Wendekreis links/rechts 
11,3/11,3 m 
11,2/11,2 m 
Sitzhöhe 
690 mm 
665 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,3 m 
35,1 m 
aus 100 km/h warm 
36,0 m 
34,3 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
60 dB(A) 
59 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
66 dB(A) 
bei 130 km/h 
70 dB(A) 
70 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
5,5 l S/100 km 
5,5 l S/7,6 l LPG/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
6,3 l S/100 km
(+7 %)
6,4 l S/7,1 l LPG/100 km
(-2 % S/-7 % LPG)
Sportverbrauch 
7,3 l S/100 km 
8,5 l S/12,7 l LPG/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
173 g/km 
152 g/km (Benzin) 
Reichweite (Testverbrauch) 
698 km 
1438 km 
Die kurze Getriebeübersetzung sorgt vor allem in den ersten Gängen dafür, dass sich der Duster schneller anfühlt, als er tatsächlich ist. Mit 13,3 Sekunden auf Tempo 100 im LPG-Modus muss er den Citroën (12,1 Sekunden) allerdings trotzdem ziehen lassen, hat auch beim Topspeed das Nachsehen. Der Fairness halber sei erwähnt: Für das Modelljahr 2026 wird Dacia den Antrieb gegen eine größere Variante mit 1,2 Liter Hubraum und bis zu 122 PS austauschen.

C3 Aircross ist insgesamt leiser

Der Citroën legt eine ganz andere Charakteristik an den Tag: Sein 1,2-Liter-Turbobenziner, ebenfalls mit drei Zylindern und 101 PS gerüstet, brummt sehr niederfrequent, was als angenehm gelten darf. Er bietet nicht nur das höhere Maximaldrehmoment, die Kraft steht auch in einem breiteren Bereich bereit, was eine längere Getriebeübersetzung erlaubt.
Citroën C3 Aircross Turbo 100
Angenehmer Reisebegleiter: Der Dreizylinder des C3 brummt schön niederfrequent, Abroll- und Windgeräusche bleiben im Rahmen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Tatsächlich erreicht man die Höchstgeschwindigkeit im Citroën schon im vierten von sechs Gängen. Bei höheren Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h fällt schnell auf, dass der Franzose sorgfältiger gedämmt wurde, was sowohl Abroll- als auch Windgeräusche angeht. Beim Verbrauch liegen beide nahezu gleichauf. Wer den Dacia überwiegend oder sogar nur mit Autogas fährt, kann noch einmal Geld bei den laufenden Kosten sparen.

Unterschiedlich abgestimmte Fahrwerke

Was das Fahrverhalten angeht, hat Dacia den Duster in neuester Generation erstmals spürbar straffer abgestimmt. Das passt gut zur Lenkung, die mit angenehmer Rückstellkraft und passender Direktheit punktet. Bei kleineren Unebenheiten wirkt der Duster so aber stoßanfälliger.
Citroën C3 Aircross Turbo 100 Dacia Duster Eco-G 100
Dacia hat den aktuellen Duster straffer abgestimmt, was ihn etwas stoßanfällig macht. Der C3 ist angenehm komfortabel ausgelegt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das eher viereckige Volant des Citroën lässt mit maximaler Leichtgängigkeit jegliches Gefühl vermissen und suggeriert über die kleinen Abmessungen zwar Agilität. Spätestens auf der Autobahn versteift es sich aber unnatürlich stark, fast so, als würde die Elektronik eingreifen und einen unbedingt in der Mitte der Spur halten wollen. Das Advanced-Comfort-Fahrwerk dagegen hat uns positiv überrascht. Mit seinen speziell konstruierten Dämpfern federt es den Citroën angenehm komfortabel, ohne dabei allzu schaukelig zu wirken.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
523
509
Platz
1
2
Testnote
2,5
2,6
Fazit
Mit seiner gutmütigen Art, dem kräftigeren Motor und dem guten Raumangebot ein insgesamt stimmiges Paket.
Der Rotstift scheint etwas mehr durch. Sonst ebenfalls geräumig, mit cleverem Antrieb und hohem Sympathiefaktor gerüstet.
Zu den Kosten ist an dieser Stelle ja im Grunde genommen bereits alles gesagt. Die Preise sind hier wie da heiß, dazu kommen sogar noch üppige Garantien, wenn beide brav jährlich in die Vertragswerkstätten gefahren werden. Auffällig: Der Duster ist ein paar Klassen niedriger in allen Versicherungsklassen eingestuft, bleibt also günstiger. Der Aircross kostet weniger Kfz-Steuer. Im Ergebnis: Zwei gute, preiswerte Autos, mit denen nicht nur Minimalisten glücklich werden können.

Bildergalerie

Citroën C3 Aircross Turbo 100 Dacia Duster Eco-G 100
Citroën C3 Aircross Turbo 100
Dacia Duster Eco-G 100
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Zwei günstige Kompakt-SUV im Vergleich

Fazit

von

AUTO BILD
Der Citroën C3 Aircross schafft es tatsächlich, den Dacia Duster auf Rang zwei zu verweisen. Er ist an mancher Stelle hochwertiger gemacht, flotter, leiser und etwas geräumiger. Der Dacia hat mit seinem bivalenten Autogas-Antrieb, dem rustikalen Auftritt und der Option auf Allradantrieb weiter seine Alleinstellungsmerkmale.