AUTO BILD-Teststrecke, die spitze Kurve voraus lässt bei VW Beetle, Mini Cooper und Citroën DS3 die Bremslichter flackern. Anker werfen, sonst passiert ein Unglück! Da kommt von hinten mit 150 Sachen eine schwarze Knutschkugel angeschossen, sie klötert und knattert, und als sie an den dreien vorbeikachelt, da brabbelt sie irgendwas wie: "Ich kenn Herbie und häng euch alle ab!" Liebe Freunde von Disneys Käfer-Filmen: So was geht natürlich nicht. Allein aus Gründen der Verkehrssicherheit mussten wir das Käfer Cabrio vom Testbetrieb ausschließen. Deshalb lesen Sie hier: VW Beetle, Mini Cooper oder Citroën DS3 – welches Cabrio hat das Zeug zur Legende? Der Käfer fährt außer Konkurrenz.

Mit vier Personen wäre man im Beetle am besten unterwegs

VW Beetle Cabrio 1.4
Den meisten Platz bietet noch der Beetle, aber auch hier wird es in Reihe zwei irgendwann unbequem.
Sie sind ein cooler Typ und wollen "frische Luft für meine Kumpels"? Dann sollten Sie keines dieser drei Cabrios ordern. Denn obwohl sie eine Sitzbank und Gurte im Fond haben, passen da allenfalls zwei Hunde rein. Aber keine guten Freunde! Beispiel Mini: Die Füße sind Gefangene des Vordersitzes, werden eingeklemmt. Oder DS3: Weil hier nur das Faltdach zurückfährt, stößt der Kopf am Dachholm an. Im Beetle ist noch am meisten Platz. Klar, der Typ ist ja eigentlich ein Golf, mit 4,28 Metern fast einen halben Meter länger als der Mini. Aber die Lehne steht so steil, da kriegste Rücken! Wo wir gerade am Granteln sind: diese Kofferräumchen! Nur 225 Liter im Beetle, 160 im offenen Mini. Dass der Citroën DS3 mit 245 Litern am meisten schluckt, ist Makulatur – seine Öffnung ist so mickrig, da sollten Sie Ihre Trinkgewohnheiten von Kiste Wasser auf Palette Dosenbier umstellen.
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Seine Getriebeabstufung macht den DS3 sehr lebendig

Citroën DS3 Cabrio
Überraschend spritzig: Das DS3 Cabrio hat zwar die wenigsten PS, ist aber auch am kürzesten übersetzt.
Wenn Reihensechszylinder-Fan und Testpilot Berend Sanders grinsend aus einem Dreizylinder-DS steigt, muss etwas Großartiges passiert sein. In diesem Fall sieht das so aus: Der 130 PS starke 1,2-Liter-Benziner ist so kurz übersetzt, dass er abgeht wie Schmidts Katze, wenn Müllers Hund kläfft. Zwischen 60 und 100 km/h im vierten Gang liefert der Edel-Citroën die beste Elastizität – obwohl er am wenigsten PS hat. Gut gemacht, liebe Franzosen! Obwohl so ein Dreizylinder für Berend eigentlich nur ein halber Motor ist, sagt der Kollege: "Läuft rau, ist aber richtig kräftig." Sieger im Antriebskapitel ist der Beetle, er macht's mit mehr Laufkultur dank einem Zylinder mehr. Der 1.4 TSI stammt aus dem Golf, und bei Ihnen klingelt's: 1.4 TSI? Die Steuerkette! Ja, stimmt, aber VW hat aus dem Motorendebakel gelernt, die anfällige Kette durch einen Zahnriemen ersetzt. Mit den 150 PS ist der Beetle auf keinen Fall übermotorisiert, nee, ganz und gar nicht, schließlich ist er mit 1415 kg ja der Dickmann in diesem Trio, wiegt 222 kg mehr als der DS3. Kein Spaßmacher, eher ein Cruiser. Golf halt.
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Und dann drücken wir den Startknopf im Mini, dieses rote Teil, das aussieht wie ein USB-Stick, der in der Mittelkonsole steckt. Der Dreizylinder hat 1,5 Liter, also 500 cm3 für jeden Zylinder. 136 PS, pah, so viel waren früher mal im Fünfzylinder-Audi-Coupé, und dieser Mini weckt wirklich den Walter Röhrl in dir.

Auch als Cabrio bleibt der Mini eine zackige Fahrmaschine

Mini Cooper Cabrio
Oft bemüht, immer noch wahr: Der Begriff "Gokart" passt bestens zum Fahrverhalten eines Mini.
Du musst schalten, hoch und runter, du musst richtig rödeln, du musst die Maschine bei Laune halten. Denn der Mini-Dreier ist so laaaang übersetzt, der fährt 100 Sachen im zweiten Gang und ist noch nicht mal im roten Bereich. Ganz geil auf der Landstraße, zumal, wenn der Chef die Tankquittung abzeichnet. Es gibt aber Abzüge in Sachen Elastizitätswerte: Neun Sekunden im vierten Gang von 60 auf 100 km/h sind exakt 2,7 Sekunden langsamer als beim Citroën DS3 (6,3 s). Selbst der Vierzylinder-Beetle braucht 7,1 Sekunden. Diese Schmach, ausgerechnet ein Franzose! Das ist, als würde sich im Fußball-EM-Finale Antoine Griezmann den Ball schnappen und Mats Hummels auf dem Weg zu Manuel Neuers Tor auf den ersten zehn Metern zwei abnehmen. Mini-Piloten nehmen als Lektion mit: Immer mit mindestens 3500 Touren fahren, drunter ist Kinderkram.
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Charakterlich ist der Beetle der Allrounder unter den Kult-Cabrios

Mini Cooper Cabrio  Citroën DS3 Cabrio    VW Beetle Cabrio 1.4
Drei Cabrios, drei unterschiedliche Charaktere: Der Cruiser nimmt den DS3, der Sportler greift zum Mini.
Dass der Käfer auf unserer Testrunde wilde Wutz gespielt hat, wissen Sie bereits. Führte ja auch zur Disqualifikation. Fangen wir daher mit seinem Urenkel an. Der Beetle fährt so, wie ein Golf eben zu fahren hat. Das heißt: Er ist mit Abstand der Komfortabelste dieses Vergleichs, bügelt alle Unebenheiten weg, leistet sich keine groben Schnitzer. Und doch fällt auf, dass der Beetle ein Golf VI ist, eben noch nicht auf dem neuen Modularen Querbaukasten (MQB) des aktuellen Golf aufbaut – seine Lenkung ist zu leichtgängig, nicht direkt genug. Dass er hier und bei der Agilität im direkten Vergleich zum Mini Punkte liegen lässt, ist klar wie Kloßbrühe. Apropos Mini. Haben wir die Vokabel "Gokart" schon bemüht? Nee? Nun aber! Er ist straff, er ist agil, er lässt sich so leicht um Ecken dirigieren wie keiner seiner Gegner. Aber so ein Gokart kann auch nervig sein. Mal unter uns Hundefreunden: Der Mini, dieser Irrwisch auf vier Rädern, ist so was wie ein Beagle. Süß, lieb, aber wehe, wenn er Lunte riecht – dann isser weg, dann flitzt er. Der Beetle ist der Allrounder, kann alles, ist aber füllig, 'ne Art süßer Labrador.
Und der Citroën DS3? Nach 23 Kilometern Schlaglöcher und Bodenwellen dachten wir spontan an den dicken Hund aus der Almased-Werbung, der eigentlich nur mit Frauchen am Strand flanieren will, aber fürs Fernsehen rennen muss, was er gar nicht kann. Ganz ehrlich: Die Karosserie wirkt weich, unruhig, die Lenkung ist gefühllos wie eine Wünschelrute, das Fahrwerk zittrig und stößig. Schnell fahren, Kurven räubern, Spaß haben? Nee, damit tust du dem DS3 keinen Gefallen! Er ist der Flaneur.
Weitere Details zu den drei Cabrios finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Totaler Quatsch, solche Cabrios. Im Fond kein Platz, im Kofferraum erst recht nicht. Und doch lieben wir Mini, Beetle und DS3, mit ihnen spüren wir Sonne und Fahrtwind. Dass der Mini diesen Vergleich gewinnt, wundert nicht. Er ist das aktuellste Auto mit eingebauter Fahrspaß-Garantie. Der Beetle ist die moderne Neuinterpretation des Käfers, der DS3 lässt die Ente weiterleben. Und das ist kein Quatsch!