Reich der Mitte? Steht für China. Auto der Mitte? Wir würden übersetzen: steht für einen Xpeng G6. Die neue Marke hat mit dem Sechser nämlich ein interessantes "Durchschnittsmodell" am Start.

Drei elektrische Crossover im Test

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Der G6 bedient die mittlere Größenliga der Crossover-Klasse, bietet 285 PS Leistung bei 570 Kilometer WLTP-Reichweite, dazu gibt’s ein unaufgeregtes Design, viel Platz, viel Ausstattung, und das Ganze kostet unter 50.000 Euro Grundpreis. Wenn das mal nicht angenehm zentriert ist!

Beim Preis hängt der G6 alle ab

Um den neuen G6 aus China einzuordnen, stellen wir ihn, im ersten Vergleich nach Punkten, zwischen zwei ähnlich gestrickte SUV mit Coupéform, gleichfalls schicke sowie universelle Typen: den ganz frisch überarbeiteten Kia EV6 – hier als GT-line mit 325 PS und Allradantrieb – und den Cupra Tavascan VZ (in dieser Variante 340 PS stark und ebenfalls mit Allrad bestückt).
Cupra Tavascan VZ 4Drive Kia EV6 AWD Xpeng G6 RWD Long Range
Angriff aus China: Der Xpeng G6 will es Kia EV6 und Cupra Tavascan schwer machen. Er punktet auf jeden Fall an der Kasse.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch Kia und Cupra bedienen mit ihren E-SUV das mittlere Größensegment, liefern ausgewogene Eckdaten und ein bandbreites Alltagstalent. Allerdings zu deutlich höheren Preisen. Ein Kia EV6 GT-line kostet ohne Extras ab 60.890 Euro, den Tavascan VZ gibt Cupra für mindestens 60.780 Euro raus.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart vorn 
Asynchronelektromotor 
Synchronelektromotor 
Motor Bauart hinten 
Synchronelektromotor 
Synchronelektromotor 
Synchronelektromotor 
Spitzenleistung gesamt 
250 kW (340 PS) 
239 kW (325 PS) 
210 kW (285 PS) 
Dauerleistung 
77 kW (105 PS) 
81 kW (110 PS) 
110 kW (149 PS) 
Systemdrehmoment 
545 Nm 
605 Nm 
440 Nm 
Vmax
180 km/h 
188 km/h 
200 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Hinterradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Trommel 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
255/40 R 21 XL T 
255/45 R 20 H 
255/45 R 20 W 
Reifentyp 
Continental SportContact 7 
Continental PremiumContact 6 
Michelin Pilot Sport EV 
Radgröße 
9 x 21" 
8,5 x 20" 
8,5 x 20" 
Reichweite* 
512 km 
522 km 
570 km 
Verbrauch* 
16,6 kWh/100 km 
17,7 kWh/100 km 
17,5 kWh/100 km 
Batteriekapazität (netto) 
77 kWh 
84 kWh 
87,5 kWh 
Ladeleistung (AC/DC) 
11/135 kW 
10,5/258 kW 
11/280 kW 
Ladeanschluss 
hinten rechts 
hinten rechts 
hinten rechts 
Ladezeit (10–80 %, DC-Laden) 
28 Minuten 
18 Minuten 
20 Minuten 
Fach unter Frontklappe 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
k. A. 
67 dB(A) 
69 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1200/750 kg 
1800/750 kg 
1500/750 kg 
Stützlast 
75 kg 
100 kg 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
540 l-k. A. 
490–1290 l 
571–1374 l 
Länge/Breite/Höhe 
4644/1861–2108**/1597 mm 
4695/1890–2115**/1550 mm 
4753/1920–k. A.**/1650 mm 
Radstand 
2766 mm 
2900 mm 
2890 mm 
Grundpreis
60.780 Euro
53.990 Euro
47.600 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
64.205 Euro
64.470 Euro
47.600 Euro
Der Cupra relativiert diesen Unterschied, weil er als VZ das stärkste Antriebspaket bietet. Gleichzeitig schmälert der Tavascan das wieder, da er nach WLTP 512 Kilometer weit kommen soll. Der Kia schafft angeblich 522 Kilometer, der Xpeng soll, wie gesagt, einen Radius von 570 Kilometern aus einer Batteriefüllung holen.

Hohes Gewicht macht dem Cupra zu schaffen

Auf dem Papier setzt der Cupra sein Leistungsvermögen leider nicht vollends um. Zwar kann er dank traktionsstarker 4x4-Kraftverteilung erste Meter vorspringen, doch er sprintet nicht zügiger als der schwächere Kia, kann den deutlich weniger leistungsstarken Xpeng im Durchzug nur mühsam auf Abstand halten.
Cupra Tavascan VZ 4Drive
Schwergewicht: Mit 2330 Kilo bringt der Tavascan in diesem Vergleich am meisten auf die Waage – das merkt man beim Fahren.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Sein hohes Gewicht (zwischen ihm und dem Xpeng liegen fast 300 Kilogramm!) verhindert hier entspanntere Fahrleistungen. Daraus resultieren auch der höhere Verbrauch und in der Folge der geringere echte Aktionsradius. Wir haben im Test einen Durchschnittsverbrauch von 25,2 kWh pro 100 Kilometer gemessen. Demzufolge kommt der Cupra mit einer Akkuladung in der Praxis 305 Kilometer weit.
Cupra traut dem Tavascan wenig Belastbarkeit bei Aufladevorgängen zu. Der Spanier saugt mit maximal 135 kW Strom aus DC-Schnellladesäulen, was ihm mindestens 28 Minuten lange Ladepausen beschert. Trost: Die verlorene Zeit egalisiert er über das schönste Fahrerlebnis. Der Cupra fühlt sich besonders sportlich an, ist handlich, lenkt sich fein, verzögert tadellos und mit 32,7 Meter Bremsweg (warme Anlage, 100 km/h bis Stillstand) besonders effektiv.
Cupra Tavascan VZ 4Drive
Nicht ganz so geräumig: Der Cupra bietet weniger Platz als die Konkurrenten, vor allem in Reihe zwei fehlt es an Knieraum.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Den Alltag meistert der Cupra nicht ganz so tadellos: Trotz guter Sitze und objektiv ausreichend Platz vorne fühlen sich sowohl der Fahrer als auch besonders die Passagiere hinten etwas eingeengt, im Fond fehlt es vor allem an Knieraum, und die Zuladung fällt mit 450 Kilogramm geringer aus als bei den beiden Konkurrenten.

Xpeng leistet sich Patzer beim Fahren

Der Xpeng darf mit 501 Kilogramm deutlich mehr einpacken. Zu der ordentlichen Packeselqualität kommt ein gutes Raumangebot rundum. Im Fond geht es ähnlich luftig zu wie in der ersten Reihe, mit bis zu 1374 Liter Volumen nimmt er mehr Gepäck auf als Kia und Cupra, auch die Anhängelast von 1,5 Tonnen ist ganz brauchbar.
Xpeng G6 RWD Long Range
Nicht ganz unkritisch: Als einziger Hecktriebler im Vergleich neigt der Xpeng zu Traktionsverlust und starken Heckschwenks.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was seine Fahreigenschaften angeht, haben wir jedoch Patzer ausgemacht. Die Bremswege (bei kalten Scheiben) sind bis über 36 Meter lang und damit unzeitgemäß. Außerdem verfügt das Auto im Gegensatz zu den Gegnern "nur" über Hinterradantrieb. Auf nasser Straße kommt es zu Traktionsverlust, in Kurven reagiert das ESP nicht schnell genug, saftige Heckschwenks sind die Folge. Beim Ausweichen überbremst die Stabilitätskontrolle das kurvenäußere Vorderrad. Auch schlecht: Beim Bremsen auf unterschiedlich griffigen Untergründen dreht der G6 erschreckend stark ein.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,2 s 
2,1 s 
2,8 s 
0–100 km/h 
5,4 s 
5,2 s 
6,2 s 
0–130 km/h 
8,4 s 
8,3 s 
9,6 s 
0–160 km/h 
12,7 s 
12,9 s 
14,9 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,7 s 
2,7 s 
2,8 s 
80–120 km/h 
3,4 s 
3,5 s 
3,7 s 
Leergewicht/Zuladung 
2330/450 kg 
2135/465 kg 
2052/501 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
50/50 % 
49/51 % 
45/55 % 
Wendekreis links/rechts 
11,5/11,5 m 
12,2/12,1 m 
11,9/12,0 m 
Sitzhöhe 
635 mm 
625 mm 
670 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,7 m 
35,1 m 
35,6 m 
aus 100 km/h warm 
32,7 m 
34,6 m 
36,2 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
54 dB(A) 
55 dB(A) 
55 dB(A) 
bei 100 km/h 
62 dB(A) 
63 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 130 km/h 
67 dB(A) 
67 dB(A) 
66 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
17,6 kWh/100 km 
16,8 kWh/100 km 
16,2 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
25,2 kWh/100 km
(+51 %)
24,8 kWh/100 km
(+40 %)
22,4 kWh/100 km
(+28 %)
Sportverbrauch 
33,4 kWh/100 km 
33,3 kWh/100 km 
31,5 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
0 g/km 
0 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
305 km
338 km
390 km
Beim Fahrkomfort sollte der G6 ebenfalls souveräner liefern. Die Federung arbeitet auf schlechten Straßen zwar weich und mit Reserven, reagiert auf Querfugen jedoch unsensibel. Auf rauen Oberflächen geht ein stetiges Zittern durchs Auto. Dieses Beben steigert sich zu einem Dröhnen im Innenraum (besonders auf Kopfsteinpflaster und bei höheren Geschwindigkeiten).
Viel besser steht’s um die elektrischen Qualitäten. Das Auto ist dank 280 kW Ladeleistung besonders schnell mit Energie gefüllt, kommt in der Praxis 390 Kilometer weit und verbraucht dank des niedrigeren Gewichts weniger Energie als die Konkurrenz.

Kia lädt am schnellsten

Der Kia ist elektrisch ebenfalls gut aufgestellt. Der EV6 verträgt Ladeprozesse mit bis zu 258 KW Leistung, zapft somit in 18 Minuten Strom für eine Akkufüllung. Das geht sogar schneller als im Xpeng – allerdings nur, weil die Gesamtkapazität seiner Batterie geringer ausfällt.
Kia EV6 AWD
Mit 280 kW verträgt der Kia den höchsten Ladestrom, füllt seinen Akku so am schnellsten – 18 Minuten dauert es von 10 bis 80 Prozent.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Aktionsradius schrumpft ebenfalls durch dieses Konzept. Nach unseren Messungen schaffte der EV6 im Test 338 Kilometer Reichweite. Den beliebten One-Pedal-Fahrmodus mit Rekuperationsverzögerung bietet der Kia dafür als Einziger in diesem Vergleich.
Gleichzeitig gibt er sich flink und sicher. Er liegt satt, beherrscht Ausweichmanöver und schnelle Autobahntempi fehlerfrei, fühlt sich beim Beschleunigen sehr durchzugsstark an. Seine Federung könnte feiner ansprechen, die Bremsleistung hängt der des Cupra wichtige Meter hinterher – das war’s aber auch mit Kritik am Fahrverhalten.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
583
578
577
Platz
1
2
3
Fazit
In den Eigenschaften gut und günstiger als der Kia: knapper Sieger hier.
In den Eigenschaften klar hinter der Konkurrenz, geringe Kosten trösten.
Starke elektrische Leistung, aber teuerstes Auto im Vergleich.
Nicht dramatisch, jedoch messbar: Der Kia läuft lauter als die beiden anderen. Punkte verliert der EV6 zudem über geringfügig grober geschliffene Fahrassistenz. So lenkt der aktive Spurhalter etwas eckig innerhalb der Korrekturen, dem Auto fehlt außerhalb der Autobahn eine streckenbasierte Temporegelung, und die Sprachkommandos laufen häufiger ins Leere als bei Xpeng oder Cupra.
Für das Ergebnis heißt das: Der Cupra holt den Sieg, der Kia hängt hintendran. Die Mitte? Liegt beim G6 – chinesisch halt.

Bildergalerie

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Drei elektrische Crossover im Vergleich

Fazit

Alle drei Typen taugen für den elektrischen Rundumeinsatz im Alltag und bieten gute Energielösungen. Der G6 macht es auf die günstige Tour, der Kia auf die sorglose (sieben Jahre Garantie!). Den Sieg holt sich der – gar nicht mal so teure – Cupra dank guten Fahrverhaltens und Top-Ausstattung.