Dacia Bigster: Kaufberatung
Gesucht: der beste Dacia Bigster

Gar nicht mal klein, trotzdem zum Kampfpreis: Hat der neue Bigster das Zeug, wirklich ein ganz Großer zu werden? Die Frage beantwortet die AUTO BILD-Kaufberatung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Aber kann der Neue im Format des Bestsellers VW Tiguan mehr als nur groß und günstig? Oder stößt das Dacia-Prinzip hier an seine Grenzen? Zeit, genau hinzusehen: in unserer ausführlichen Kaufberatung.
In den Abmessungen ein Tiguan-Gegner
Mit 4,57 Meter Länge zielt der Bigster klar auf den VW Tiguan – zumindest, was die Außenmaße angeht. Dem Aufbau liegt währenddessen weiterhin die CMF-B-Plattform zugrunde, auf der auch Modelle wie Nissan Juke, Renault Captur oder sämtliche aktuellen Dacia stehen.

Tiguan-Format: Bei 2,65 Metern Radstand ist der Bigster 4,57 Meter lang – und ein Technikbruder von Nissan Juke und Renault Captur.
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Den Radstand (2,70 Meter) haben die Ingenieure hier wohl auf das maximal mögliche Maß gestreckt, das Platzangebot kann sich sehen lassen. Vorne und hinten gibt es massig Kniefreiheit, mit dem Kopf stößt auch keiner an.
Technisch ähnelt der Bigster recht stark dem Duster. Bei der Ausstattung wurde aber draufgesattelt.
Im Vergleich zum technisch verwandten Duster profitiert der Bigster vor allem von seinen größeren Fensterflächen: Wo man sich im Duster teils wie hinter einer Burgmauer fühlt, wirkt der Bigster luftiger und weniger verbaut. Gegen Aufpreis gibt es ein Panoramadach inklusive Sonnenblende (950 Euro), das sich auch öffnen lässt. Das Kofferraumvolumen variiert etwas: Der handgeschaltete, frontgetriebene Turbobenziner bietet mit 667 bis 1937 Litern mit Abstand das größte Gepäckabteil, der Allradler mit 510 bis 1813 Litern das kleinste. Die anderen Versionen liegen irgendwo dazwischen.
Mehr Komfortextras im Dacia-Programm
Während die Rumänen beim Materialmix innen weiterhin großflächig auf robust wirkendes Hartplastik setzen, gilt innen zwar weiter das Dacia-Mantra, dem Kunden nichts Überflüssiges anzubieten – nur ändert sich in einer gehobenen Klasse eben die Definition von "überflüssig". Auf Annehmlichkeiten wie elektrische Heckklappe, E-Fahrersitz und Lehnenfernentriegelung möchte hier kaum noch jemand verzichten – also wurden sie dem Bigster implementiert.

Eine Frage der Perspektive: Wer sich am Hartplastik nicht stört, kann sich im Bigster wohlfühlen. Der Hybrid hat eine höhere Mittelkonsole.
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Aber mit Dacia-Kniff: Die E-Klappe funktioniert mit nur einem E-Motor statt zweien, der Fahrer rutscht auf seinem Gestühl nach wie vor manuell vor und zurück. Nur die Verstellung von Sitzhöhe und Lehnenwinkel funktioniert elektrisch. Durch diese kleinen Kompromisse sparen die Rumänen Geld, geben das über schlanke Aufpreise aber an die Endkunden weiter. In der Top-Linie Journey zählt beides sogar zum Serienumfang. Für Extreme kostet die elektrische Heckklappe faire 300 Euro Aufpreis.
Austtatungen und Pakete
Ausstattung/Linie* | Essential | Expression | Journey | Extreme |
|---|---|---|---|---|
Komfort | ||||
Außenspiegel elektrisch einstell- und beheizbar/+ anklappbar | •/x | •/• | •/• | •/• |
Beifahrersitz: höhenverstellbar/mit Lordosenstütze | x/x | •/x | •/• | •/• |
Fahrersitz: höhenverstellbar/mit Lordosenstütze/teilelektrisch einstellbar | x/x/x | •/x/x | •/•/• | •/•/x |
Heckklappe elektrisch | x | x | l | 300 Euro |
Klimaanlage manuell/Klimaautomatik zweizonig + Lüftungsdüsen hinten | •/x | x/• | x/• | x/• |
Panorama-Sonnendach | x | x | 950 Euro | • |
Winter-Plus-Paket (Sitzh.+ Lenkradh., beh. Frontsch. & -Waschdüsen) | x | 540 Euro | 540 Euro | 540 Euro |
Sicherheit/Assistenz | ||||
Einparkhilfe hinten + Rückfahrkamera | • | • | • | • |
City-Paket (Einparkhilfe vorn und seitlich, Kameras rundum, | ||||
Totwinkelwarner)** | x | x | 700 Euro | 700 Euro |
Easy-Paket (Keyless Go mit Schlüsselkarte, Kameras rundum, Einparkhilfe vorn und seitlich, Totwinkelwarner)** | x | 750 Euro | x | x |
Tempomat manuell/Tempomat adaptiv (nur Bigster Hybrid) | •/x | •/x | •/• | •/• |
Infotainment | ||||
Apple CarPlay und Android Auto kabellos | • | • | • | • |
Digitales Kombiinstrument 7 Zoll/10 Zoll | •/x | •/x | x/• | x/• |
Onboard-Navigationssystem, 6 statt 4 Lautsprecher | x | 500 Euro | • | • |
Optik | ||||
Dach und Fahrzeugsäulen in Schwarz (bei Journey: + Spiegelkappen) | x | x | 150 Euro | 150 Euro |
Seitenscheiben hinten und Heckscheibe dunkel getönt | x | x | • | • |
Infotainment ohne eigene Sprachsteuerung
Auch beim Infotainment ist der Bigster im 21. Jahrhundert angekommen. Der 10-Zoll-Bildschirm setzt auf eine abgespeckte Form von Android Automotive. Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig und funktionieren kabellos – eine Onboard-Navigation kommt in den Top-Linien serienmäßig, kostet für Expression 500 Euro extra. Abgesehen davon, dass das System nach dem Start recht lange braucht, um hochzufahren, kann man sich über Bedienbarkeit und Routenführung (inkl. Echtzeit-Verkehrsdaten) kaum beklagen.

Das Infotainment kann Apple CarPlay und Android Auto, Onboard-Navigation ist in der Basis "Essential" nicht zu haben.
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Eine Sprachsteuerung ist allerdings nicht an Bord. Wer auf den betreffenden Knopf am Lenkrad drückt, hat nur Erfolg, wenn der Bigster auf den Sprachassistenten des verbundenen Mobiltelefons zurückgreifen kann. Übrigens: Dacia sagt, 90 Prozent der Kunden würden sich ohnehin für die beiden Top-Linien entscheiden. Das ist durchaus nachvollziehbar, da der Aufpreis zur Basis lediglich 3300 Euro (Journey) bzw. 3500 Euro (Extreme) beträgt.
Wer sich dennoch mit der Expression-Linie (1400 Euro) begnügt, dem empfehlen wir, zusätzlich noch das Easy-Paket (750 Euro) anzukreuzen. Einparkhilfe vorn, Kameras und Totwinkelwarner können in Anbetracht der eher dürftigen Rundumsicht kaum schaden. Das Winterpaket Plus (ab Expression 540 Euro) beinhaltet neben dem Üblichen – Sitz- und Lenkradheizung – auch beheizte Frontscheibe und gewärmte Waschdüsen.
Für PS-Verliebte lassen die Zahlen, die in der Bigster-Preisliste auftauchen, erst einmal zu wünschen übrig. Dreien der vier aktuell verfügbaren Antriebe liegt der gleiche Motor zugrunde: ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo verrichtet sein Werk, was für ein Auto vom Format des Bigster erst einmal mächtig schmächtig klingt. Aber: Der 48-Volt-Mildhybrid leistet ganze Arbeit, glättet die Drehmomentkurve. So reagiert der Antrieb recht spontan auf den Tritt aufs rechte Pedal, liefert gleichmäßig und ohne spürbares Turboloch seine Leistung ab.

Kleine Motorenpalette: In drei von vier Antriebsoptionen für den Bigster ist ein mild hybridisierter 1,2-Liter-Dreizylinder die Kraftquelle.
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Wer will, bekommt den Bigster in bester Dacia-Tradition auch mit bivalentem Autogasantrieb. Zwei 50-Liter-Tanks, einmal Autogas, einmal Benzin, ermöglichen eine WLTP-Reichweite von stolzen 1580 Kilometern. Der Clou: Das Ganze kostet keinen Aufpreis. Beide Varianten leisten 140 PS und sind mit einem erfreulich knackigen 6-Gang-Getriebe verbunden. So auch der 78 Kilogramm schwerere Allradler: gleicher Grundmotor, aber nur 130 PS treiben ihn vorwärts. Als einziger Bigster fährt er mit einer Mehrlenkerhinterachse vor.
Motorisierungen und Preise
Modell | Dacia Bigster Mildhybrid AUTO BILD-Tipp für Wenigfahrer AUTO BILD-Tipp für Sportfahrer | Dacia Bigster Mildhybrid-G | Dacia Bigster Mildhybrid 4X4 | Dacia Bigster Hybrid AUTO BILD-Tipp für Vielfahrer |
|---|---|---|---|---|
Motor/Hubraum | R3 + MH/1199 cm³ | R3 + MH/1199 cm³ | R3 + MH/1199 cm³ | R4 + E-Motor/1799 cm³ |
Getriebe | 6-Gang | 6-Gang | 6-Gang | Multi-Mode-Getriebe |
kW (PS) | 103 (140) | 103 (140) | 96 (131) | 116 (155) |
Drehmoment | 230 Nm | 230 Nm | 230 Nm | 172 +205 Nm |
Vmax | 180 km/h | 180 km/h | 180 km/h | 180 km/h |
0–100 km/h | 9,8 s | 10,0 s | 11,2 s | 9,7 s |
Zuglast gebremst/ungebremst | 1500/710 kg | 1500/740 kg | 1500/750 kg | 1000/745 kg |
Normverbrauch (WLTP) | 5,5 l/100 km (Super) | 5,8 l/100 km (Super)/7,1 l/100 km (LPG) | 6,1 l/100 km (Super) | 4,7 l/100 km (Super) |
Tankvolumen | 50 l | 50 l + 50 l | 55 l | 50 l |
Hinterachskonstruktion | Verbundlenker | Verbundlenker | Mehrlenker | Verbundlenker |
Preise | ||||
Essential | 23.990 Euro | 25.390 Euro | 27.290 Euro | 27.490 Euro |
Expression | 23.990 Euro | 25.390 Euro | 27.290 Euro | 27.490 Euro |
Journey | - | 28.790 Euro | - | 30.890 Euro |
Extreme | - | 28.890 Euro | 30.790 Euro | 30.990 Euro |
Fazit | Der Dreizylinder fährt spritziger als gedacht – dank 48-Volt-Mildhybrid. Die 6-Gang-Schaltung flutscht gut. Im Alltag scheinen rund sieben Liter Verbrauch realistisch. Gilt für alle Bigster: oberhalb von 130 km/h werden Windgeräusche auf der Autobahn recht laut. | Gleich teuer – nur mit LPG-Option und zweitem Tank. Diese Version konnten wir leider noch nicht testen. Der Bigster mit Riesenreichweite dürfte aber seine Fans haben. Erfahrungsgemäß ist das Umschalten auf Autogas durch einen etwas härteren Motorlauf spürbar. | Der Allradler ist der einzige Bigster, der verschiedene Fahrmodi bietet – und eine Mehrlenker-Hinterachse. Unter Volllast etwas langsamer, fährt er sich im Alltag sehr ähnlich zu den anderen. Wer Allrad und Doppelkupplung möchte, sollte noch warten. | Die Hybrid-Quote liegt laut Dacia bei ca. 70 Prozent. Angenehm: Das Multi-Mode-Getriebe agiert mittlerweile weniger eigenwillig, der stärkere 1,8 Liter (im Vergleich zum Duster) bietet mehr Drehmoment. Gut fünf Liter Verbrauch scheinen im Alltag realistisch. |
Automatik gibt es nur im Hybrid
Einzige Option für Automatikfans ist derzeit der Dacia Bigster Hybrid: Auch hier haben die Rumänen noch einmal Hand angelegt. Anders als im Duster kommt hier ein größerer 1,8-Liter-Saugmotor zum Einsatz, der spürbar drehmomentstärker arbeitet. Zusammen mit einem Startergenerator und einem weiteren, 49 PS starken E-Motor ergeben sich 155 PS Systemleistung.

Sonderweg: Der vollhybride Bigster kommt mit einem Antriebsmix aus 1,8 Liter großem Vierzylinder und Elektromotor.
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Gekoppelt ist das Ganze an das "Multi-Mode-Getriebe", das mit Klauenkupplungen arbeitet und 15 verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten bereithält. Das träge Ansprechverhalten sowie die Unentschlossenheit, für die das Getriebe bislang aus anderen Modellen bekannt war, sind nicht verschwunden, wurden aber spürbar verbessert. Wobei wir ohnehin davon ausgehen, dass Bigster-Fahrer eher gemütlich unterwegs sind.

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Das belohnt der Antrieb dann auch: Es ist möglich, den Hybrid im Alltag mit Verbrauchswerten um die fünf Liter zu bewegen. Nicht übel, bei dem Format. Zu guter Letzt hat Dacia einen weiteren Antrieb angekündigt, der die Freunde von Allrad plus Automatik freuen dürfte. Hier mischen die Rumänen alles in einen Topf – und wollen ab Winter 2025 einen Benzin-Autogas-Mildhybrid-Allrad-Doppelkuppler anbieten, dessen Hinterachse rein elektrisch betrieben wird.
Ebenfalls achten will man auf die Anhängelast. Die fällt beim Bigster Hybrid mit 1000 Kilogramm bislang schlechter aus als bei den Turbobenzinern (1500 kg). Wenn Dacia diese Schwäche auch noch ausräumt, sind es die VW-Händler, die bald kräftig mit der Stirn runzeln dürften.
- Der Wenigfahrer kann sich im Grunde genommen aussuchen, ob der Autogas-Bigster für ihn einen Mehrwert darstellt. Falls nicht, tut es der Benziner mit Mildhybrid in der zweiten Ausstattungslinie – plus Easy-Paket (Kameras, Parkhilfe vorn) und Winterpaket Plus. AUTO BILD-Empfehlung: 1.2 Mildhybrid (140 PS) Expression ab 25.390 Euro
- Der Vielfahrer wählt den Hybrid, der mit dem Multi-Mode-Getriebe den Fokus eindeutig mehr auf Komfort als auf maximale Dynamik legt. Außerdem ist hier – das erste Mal in einem Dacia – auch ein adaptiver Tempomat zu haben, der Tempolimits nach Bestätigung per Knopfdruck selbstständig übernehmen kann. AUTO BILD-Empfehlung: Hybrid (155 PS) Journey ab 30.790 Euro
- Der sportliche Fahrer sollte noch einmal überdenken, ob er beim Bigster tatsächlich richtig liegt. Weil das Multi-Mode-Getriebe keine Eingriffe in die Gangwahl zulässt, stellt der Hybrid keine wirklich sinnvolle Wahl dar. Dann doch lieber den Basis-Benziner mit Handschaltung. Die sechs Gänge lassen sich gut bedienen, der Antrieb klingt unter Last kernig, zieht linear durch. AUTO BILD-Empfehlung: 1.2 Mildhybrid (140 PS) Extreme ab 27.490 Euro
Diese Reise wurde unterstützt von Dacia. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Fazit
Dacia hat beim Bigster ganze Arbeit geleistet: Er ist preislich nicht abgehoben, bietet aber das Plus an Komfort, das Kunden in dieser Klasse nun mal haben wollen. Mit dem Autogas-Benziner bieten die Rumänen eine interessante Alternative zum normalen 1,2-Liter-Turbo mit oder ohne Allrad an, die die Unterhaltskosten drücken kann. Wer Automatik will, greift zum Bigster Hybrid – oder wartet noch: Allrad-Doppelkupplung-Autogas klingt ebenfalls spannend, soll ab Winter 2025 das Angebot ergänzen.
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