Wenn Klaus von Deylen mit seinem rudimentären Gefährt Strecke machen will, kann das dauern. Erstens ist die Klapperkiste nicht besonders schnell. Zweitens unbequem. Und drittens ist die Reichweite überschaubar. "Für 720 Kilometer nach Bayern habe ich zweieinhalb Tage gebraucht", sagt Klaus von Deylen. Immerhin, sein Ford Model T (Jahrgang 1926) und er (Jahrgang 1940) hielten durch. Letzten August war das.
Seit seinem 16. Lebensjahr schraubt von Deylen an Autos. Jetzt, mit 81 Jahren, hat der Ingenieur aus Visselhövede (Niedersachsen) sein erstes E-Auto gekauft. "Ich hatte schon 2010 die Gelegenheit, einen Tesla Roadster zu fahren." Aber heute etwa ein Model 3 zu kaufen – "in meiner Lebensphase bin ich nicht bereit, so viel Geld für ein Auto auszugeben", sagt von Deylen.

Die aktuell günstigsten Elektroautos

Sieben günstige E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
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Also entschied er sich für einen Dacia Spring. Quasi das Model T unter den E-Modellen. Bezahlbar, nicht viel drin und dran. Oder wie es Herr von Deylen ausdrückt: "Keine Fisimatenten." Aber ausreichend, um damit von A nach B zu kommen. Arzt, Baumarkt und wohin man mit 81 Jahren noch so muss.
Dacia Spring
Bis zu 230 Kilometer Reichweite langen im Alltag, sagt von Deylen. Die Lackierung heißt "Lightning-Grau".

"Wissen Sie", sagt Herr von Deylen, "ein Elektroauto ist ja im Prinzip keine neue Erfindung. Die Drehstromtechnik gibt es seit Jahrzehnten." Er muss es wissen, von Deylen hat einst Elektrotechnik studiert, könnte also rein theoretisch den E-Motor selbst reparieren ("Ist ja keine große Sache").

Deylen mag einfache Autos und Herausforderung

Warum ausgerechnet ein Dacia? Vielleicht, weil von Deylen zwei Dinge mag: einfache Autos und die Herausforderung. Er ist schon die Rallye London–Dakar mit 34 PS im Käfer gefahren. Oder zuletzt 2019 im Ro 80 von Deutschland nach Japan. 10480 Kilometer ohne Panne. Der Dacia reicht von Visselhövede bis Buxtehude.
"Fahrten im Umkreis von 80 Kilometern sind gar kein Problem", sagt von Deylen. Und er meint das ausdrücklich nicht als Kritik. 230 Kilometer Reichweite unter Idealbedingungen seien doch völlig ausreichend im Alltag.  Und 19,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h – sein Model T schafft die 100 überhaupt nicht! 13410 Euro hat der Spring gekostet nach Abzug aller Prämien. Einziges Extra: ein Ladekabel für 300 Euro. (Der Dacia Spring Electric im Elektroauto im Check.)
Dacia Spring
Die Ladebuchse ist unterm Dacia-Logo versteckt (DC-Laden mit max. 50 kW).

Klaus von Deylen mochte schon immer pragmatische Autos. "Den Golf 1 hatte ich zum Beispiel als zweisitzigen Pick-up mit GFK-Haube. Den bekam mein Sohn Christopher, als er den Führerschein hatte – damit er niemanden mitnehmen konnte." Christopher von Deylen ist übrigens der Musiker Schiller – und begleitet seinen Vater gelegentlich auf den Abenteuerreisen.
Wie groß der Fuhrpark von Klaus von Deylen ist, lässt sich nur schwer sagen, vermutlich weiß er es selbst nicht so genau. Er hat viele Autos gekauft, aber so gut wie nie verkauft. Ein Mercedes von 1935 gehört dazu, den er 1960 erworben hat. Ein Trabant. Und diverse Volvo. Etwa ein 240, an dem Herr von Deylen ganz gut festmachen kann, warum er jetzt Dacia fährt.
"Sie müssen sich mal vorstellen: Der Volvo gilt als unkaputtbar, bei dem ist alles aus Blech – und er wiegt trotzdem nur 1340 Kilo." Und heute? Würden die großen E-Autos doch locker über zwei Tonnen auf die Waage bringen. Sein Dacia hingegen: 1045 Kilo.
Großer Empfang in Japan bei Mazda für „San Klaus“. Wie NSU setzen auch die Japaner auf den Wankelmotor.

Dabei sei alles Wichtige an Bord. Ein Geschwindigkeitsbegrenzer etwa. Wie schnell trete man in der Ortschaft sonst mal "auf den Pinsel"  – und sei zu flink unterwegs. "Man kennt ja nicht alle Blitzer."
Das "Mäusekino" könne seine Navigationssoftware anzeigen ("Hab ich gerade heute Morgen entdeckt, verflixte Kiste!"). Und selbst für Transporte ist der Spring durchaus zu gebrauchen. Von Deylen hat die Sitze umgeklappt, eine karierte Wolldecke in den Kofferraum gelegt – fertig ist die Ladefläche. Es gebe noch echte Schalter und Knöpfe. Eine richtige Bedienungsanleitung als Buch und nicht irgendwo im Untermenü des Mäusekinos versteckt. Anders gesagt: Ein E-Auto mit mehr Fisimatenten sei im Grunde unvernünftig.

Mit dem Dacia nach China? Vielleicht

Ach, und was ihm besonders gefalle: Er könne das Auto vorheizen. "Ich wusste gar nicht, dass das bei Elektroautos ohne Zusatzheizung geht. Ich hatte mir schon aus China extra eine Standheizung bestellt. Die steckt bereits in ein paar von meinen Fahrzeugen." Ach ja, und geladen wird an der hauseigenen Photovoltaikanlage. "Mit den eigenen Händen auf dem Dach installiert, natürlich."
Als Beifahrerin und Ehefrau stets an seiner Seite: Maja von Deylen. "Sie passt auf, dass ich genug trinke".

Wohin Klaus von Deylen die nächste Reise führt? Er zuckt mit den Schultern. Corona mache alles etwas komplizierter. Wie wäre es, den Dacia zurück nach China zu bringen? Dort in Wuhan wird er schließlich gebaut. "Ich bin ja aufgeschlossen für Ideen", sagt Klaus von Deylen. Und seine Augen beginnen zu leuchten.
Letzte Frage: warum das Kennzeichen mit 1, 2 und 3? "Beim Drehstrom sind die Phasen L1, L2, L3. Darum", sagt von Klaus von Deylen. Wieder was gelernt vom schlauen Klaus.

Zur Person: Klaus von Deylen

Der Elektrotechnik-Ingenieur lebt in der Lüneburger Heide. Betrieb früher eine Firma für Verpackungsmaschinen. Fährt seit 1998 Rallyes, meistens Langstrecke. Rund 100 Länder hat er bislang bereist.