E-Auto-Unfall: Gefahren, Helfer, Brand
E-Auto-Unfälle: Wie groß ist die Gefahr für Helfer und Retter?

Auch Elektroautos verunglücken mal. Aber wie gefährlich sind E-Auto-Unfälle für die Retter? Acht Fragen und Antworten, damit Sie alles richtig machen.
Bild: obs/ADAC/ADAC e.V. Ralph Wagner
Die Angst ist groß. Und wie groß ist die reale Gefahr? Bei Unfällen mit E-Autos befürchten viele Autofahrer, dass sie als Ersthelfer einen Stromschlag bekommen könnten. Immerhin arbeiten die Fahrzeuge mit Hochvolttechnik, also 400 oder gar 800 Volt. Andere glauben, das Auto könne nach einem Crash explodieren. Wir klären auf!
Sehr unwahrscheinlich! E-Autos haben einen ausgeklügelten Crash-Schutz. DEKRA-Experte Nico Pohlig sagt: "Kommt es zum Unfall und ein Airbag löst aus, wird gleichzeitig das Hochvoltsystem innerhalb von Millisekunden abgeschaltet.“ Dies passiert entweder elektronisch oder durch eine kleine Pyroladung, die die Verbindungen kappt. So oder so gilt: "Ersthelfer müssen keinerlei Angst haben, ein verunfalltes Elektroauto zu berühren", sagt Pohlig. Zumal es mehrere Schutzsysteme gibt, die unabhängig voneinander funktionieren. Hochvoltkabel sind im Auto übrigens gut erkennbar, sie sind bei jedem Modell orangefarben. Der Akku selbst steckt im Unterboden oder im Kofferraum – auf jeden Fall im crashsicheren Bereich.

Feuerwehr-Ausbilder Arne Grützmann weiß: "Hochvolt-Kabel sind immer orangefarben."
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD
Die für Crashtests zuständige Institution Euro NCAP (Gesellschaft europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände) hat in den vergangenen zwei Jahren diverse E-Autos getestet – und fast ausschließlich die maximal möglichen fünf Sterne verteilt. Zuletzt für Ford Mustang Mach-E und Hyundai Ioniq 5, davor für VW ID.3 und ID.4, Skoda Enyaq iV, Tesla Model 3, Mercedes EQA und viele andere.
"Die Brandgefahr bei Elektrofahrzeugen ist geringer als bei Verbrennern", sagt Dr. Rolf Erbe von der Berufsfeuerwehr Berlin. Grund: In diesem Fall sind weder Kraftstoff noch Öl an Bord. "Brennt in seltenen Fällen die Batterie, erscheinen Flammen unter dem Fahrzeug meist nur zu einer Seite hin." Ähnlich sehen es die Versicherer. Alexander Küsel, Leiter der Schadenverhütung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sagt: "Aus unseren Statistiken gibt es keinerlei Hinweise, dass Elektrofahrzeuge häufiger brennen als Autos mit Verbrennungsmotor." (Vorurteile gegen E-Autos im Check)

Laut Rolf Erbe, Feuerwehrmann aus Berlin, gibt es beim Retten aus Elektroautos keine Unterschiede zum Verbrenner.
Bild: Holger Karkheck / AUTO BILD
Die Gesetzliche Unfallversicherung schreibt dazu: "Eine Explosion von Lithium-Ionen-Akkumulatoren kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Eine Verpuffung kann nicht ausgeschlossen werden. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Lithium-Ionen-Akkumulator abbrennt."
"Grundsätzlich gilt: Für Ersthelfer bestehen keine Unterschiede, ob sie Menschen aus einem brennenden Benziner, Diesel oder Elektroauto retten", sagt Feuerwehrmann Erbe. "Bei Entstehungsbränden ist Hilfe oft möglich. Brennt ein Fahrzeug jedoch heftiger, müssen Ersthelfer auf die eigene Sicherheit achten und Abstand zu Flammen und auch zu Brandrauch halten, um sich selbst nicht zu gefährden."
Ja, Löschen ist erlaubt und durchaus möglich, wenn man noch Menschen aus dem Fahrzeug retten möchte. Dr. Erbe: "Mit einem Feuerlöscher können Ersthelfer einen beginnenden Brand oft mehrere Minuten eindämmen oder auch löschen." Ist die Rauchentwicklung sehr stark oder der Brand fortgeschritten, haben Ersthelfer allerdings keine Möglichkeit mehr, an ein Fahrzeug ohne Brandschutzkleidung und Atemschutz zu gelangen.

Die Brandgefahr bei E-Autos ist statistisch nicht höher als bei Verbrennern.
Bild: 112Groningen.nl
Nein! DEKRA-Experte Pohlig: "Die meisten Hersteller erlauben zwar, das E-Auto ein paar Meter aus einem Gefahrenbereich zu schieben, etwa an den Fahrbahnrand." Aber klassisches Abschleppen auf eigener Achse birgt Gefahren. Denn meist wird über mindestens eine Achse Energie im Elektromotor erzeugt. Das kann zu hohen Induktionsspannungen führen, die die Steuerungselektronik schädigen (Hersteller-Garantie für E-Auto-Akkus). Daher einen (seriösen) Abschlepper rufen! Die sind speziell für den Umgang mit E-Autos geschult. Weitere Infos bietet die Betriebsanleitung des Pkw!
Ja, laut gesetzlicher Unfallversicherung besteht unter Wasser keine Gefahr für die Retter.
Nein, aber im Falle eines Unfalls oder einer Panne ist ein elektrischer Schlag sehr unwahrscheinlich.
Service-Links

