E-Autos: Batteriezertifikat für den Akku gibt Sicherheit beim Gebrauchtkauf
Wie ein Batteriezertifikat den Wert von E-Autos steigert

Viele Käufer scheuen gebrauchte Elektroautos, weil sie den Zustand des Akkus nicht kennen. Der EU-Batteriepass soll ab Februar 2027 Vertrauen aufbauen. Deutschland will ihn sogar noch etwas früher anbieten. So hilft der Pass zukünftig beim E-Gebrauchtwagen-Kauf!
Bild: AUTO BILD Montage Fiat 500e / Roman Raetzke Batteriepass / bmwk
Inhaltsverzeichnis
- Wie wichtig ist der Akkuzustand beim Autokauf?
- So informiert der Batteriepass über den Akkuzustand
- Haben E-Autos mit Batteriezertifikat einen höheren Restwert?
- Hyundai bietet Batteriezertifikate für gebrauchte E-Autos an
- Deutschland plant digitalen Batteriepass schon 2026
- Welchen Anteil am Fahrzeugwert macht der Akku aus?
- Welche Rolle spielt die Akkupass-Datenbank?
- Wie wichtig ist das Qualitäts-Zeugnis für die Batteriehersteller?
Die wichtigste Baugruppe eines Elektroautos ist der Akku. Bei einem neuen Fahrzeug ist er durch eine langjährige Garantie abgesichert. Doch beim Kauf eines gebrauchten E-Autos stellen sich viele Fragen, und die vielleicht wichtigste lautet: In welchem Zustand ist die Batterie, wie ist ihr sogenannter "State of Health" (SoH)?
Je älter ein Akku, desto weniger Speichervermögen hat er. Fast die Hälfte aller Gebrauchtwagenkäufer (43 Prozent) machen laut einer aktuellen DEKRA-Umfrage einen Bogen um E-Autos, weil sie an der Haltbarkeit des Akkus zweifeln. Mehr Vertrauen würde ein Batterie-Zertifikat stiften. Ab Februar 2027 schreibt die EU ein solches Dokument zwingend vor.
"Eine Dokumentation der Batteriehistorie dient dem Käufer als zuverlässige Quelle, um den Zustand einer gebrauchten Batterie z. B. in Gebrauchtfahrzeugen zuverlässig abzuschätzen", so das Bundeswirtschaftsministerium auf AUTO BILD-Anfrage. Dieser Pass ist weit mehr als ein Stück Papier.
Das Zertifikat zeigt in Echtzeit den SoH an und könnte bei E-Gebrauchtwagen das Vertrauen und auch die Verkaufszahlen erhöhen. Laut Wirtschaftsministerium wird zukünftig in der Fahrzeugdokumentation (also der Zulassungsbescheinigung) ein QR-Code hinterlegt, der direkt zur Online-Dokumentation führt. Wer also Zugang zum Fahrzeugbrief und -schein hat, kann sich in wenigen Augenblicken vom Zustand des Akkus überzeugen.
"Die Arbeiten zur Einführung des Batteriepasses werden derzeit intensiv auf europäischer Ebene vorangetrieben", so die Ministeriumssprecherin. Dabei befinde man sich in Abstimmung zwischen EU-Kommission, Normungsorganisationen und den beteiligten Industrie- und Forschungspartnern.
Auch heute schon gibt es Zertifikate, die den Batteriezustand bescheinigen. Allerdings kennen offenbar viele Verkäufer von gebrauchten E-Autos diese vertrauensbildende Maßnahme noch nicht. Doch das ändert sich gerade rapide: Mitte 2024 besaßen auf mobile.de, dem größten Fahrzeugmarkt im Internet, weniger als fünf Prozent aller angebotenen elektrischen Gebrauchtwagen ein Zertifikat über den Akkuzustand. Heute ist es mehr als ein Fünftel. Von rund 9200 angebotenen Volkswagen-BEV verfügt sogar fast ein Drittel über ein Batteriezertifikat.
Das Batteriezertifikat gibt es nicht kostenlos – bei Aviloo zum Beispiel kostet es inklusive Test 99 Euro (zuzüglich Versandkosten). Doch mit Zertifikat kann das Auto meist zu einem deutlich höheren Preis verkauft werden. Beispiel VW ID.3: Ohne Zertifikat starten die Preise auf mobile.de derzeit bei rund 13.500 Euro. Exemplare mit Zertifikat gibt es erst für etwa 16.500 Euro. Der Restwert liegt also fast 20 Prozent höher.
Und das ist nicht verwunderlich, erlaubt das Zertifikat doch zuverlässige Erkenntnis über den "State of Health" (Gesundheitszustand) der Batterie. Vor allem: Unbeteiligte Dritte stellen es bereit. Und der Akkuzustand hat direkte Auswirkungen auf den Restwert eines gebrauchten E-Autos: Kann die Batterie im Vergleich mit dem neuwertigen Auslieferungszustand nur noch 80 Prozent der Energie speichern, läge der Wert bei 80 Prozent. Da Ersatzakkus sehr teuer sind, kann eine deutlich ältere Batterie mit stark geschrumpftem Speichervermögen schon einen Totalschaden bedeuten.
Hyundai bietet seinen Vertragshändlern seit Kurzem die Möglichkeit, direkt beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos ein Batteriezertifikat auszugeben. Dieser Batteriepass wird vom österreichischen Dienstleister Aviloo erstellt. In Zusammenarbeit mit dem Autoverkaufsportal mobile.de testet Hyundai die Funktion in einem Pilotprojekt und plant ihre Weiterentwicklung. Einer Umfrage unter den Kunden des Portals zufolge halten 92 Prozent der Autokäufer ein Batteriezertifikat für hilfreich, schreibt der Autohersteller.

Hyundai will den Batteriepass für gebrauchte E-Autos zunächst ein halbes Jahr lang testen.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Dabei stellen Partnerhändler unter dem Label "Hyundai Promise" für gebrauchte E-Autos eine Batteriediagnose und vermerken das Ergebnis in einem Zertifikat. Die Kapazität der Batterie wird dann in einem Prozentwert angegeben, der das Verhältnis im Vergleich zum Originalzustand angibt. Eine ähnliche Funktion zum Check der Kapazität beinhaltet fast jedes Smartphone. Die Zusammenarbeit mit mobile.de läuft zunächst für ein halbes Jahr.
Deutschland will die EU-Vorgabe hinsichtlich des Batteriepasses übererfüllen: Hierzulande soll es ein solches Dokument für jede Elektroauto-Batterie bereits 2026 geben.
Mittlerweile hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) den Akkuzustand bei Elektroautos als Prüfkriterium in ihr Fahrzeug-Bewertungssystem, das für den Autohandel verbindlich ist, aufgenommen. Und beim Online-Marktplatz mobile.de lassen sich E-Gebrauchtwagen nach dem Kriterium "Batteriezertifikat" filtern.

Der Akku ist bei modernen Elektroautos wie dem Mazda MX-30 im Fahrzeugboden verbaut. Über den Zustand erhält der Eigentümer bislang keine direkten Informationen.
Bild: Mazda Motor Corporation
"Ungefähr 40 Prozent" vom Wert des Elektroautos stellt der Akku dar, untermauert das Bundeswirtschaftsministerium die Forderung nach dem Batteriepass. Bei einem Projekt wurden zuvor wichtige Kriterien definiert.
Zu den teilnehmenden Unternehmen gehörten VW, BMW und BASF, der Verband der deutschen Elektroindustrie VDE, das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) und die Batterieprüf-Experten von Twaice. Außerdem gibt es einen erweiterten Kreis an beratenden Institutionen.

Schon der Ausbau eines alten Akkus ist aufwendig, ein neuer kann den Restwert des Elektroautos überragen – dann droht der wirtschaftliche Totalschaden.
Bild: Hersteller
Der Batteriepass wird – ähnlich wie das Batterie-Zertifikat, das Aviloo auf Bestellung ausfertigt – den State of Health jedes Elektroauto-Akkus anzeigen. Mit dem Gesundheitszustand eines Akkus ist das aktuelle Speichervermögen gemeint, das durch jeden Ladezyklus ebenso nachlässt wie allgemein durch die Zeit.
Bestimmte Einflüsse verringern den State of Health, zum Beispiel häufiges Schnellladen oder längeres Abstellen mit voll geladener Batterie.
Da sich der Gesundheitszustand also permanent ändert (bzw. mit zunehmendem Alter der Batterie verringert), muss das Dokument in einer Datenbank gespeichert sein, wo es durch regelmäßige Rückmeldungen des Akkus quasi ununterbrochen aktualisiert wird. Kommt ein Elektroauto in den Verkauf, können Kaufinteressenten in dieser Datenbank den Gesundheitszustand abfragen – und erfahren zuverlässig, welchen Wert die Batterie noch hat.

Das österreichische Start-up Aviloo bietet ein Batterie-Zertifikat auf Anfrage für 99 Euro. Nachteil: Es ist nicht dynamisch, veraltet also relativ schnell.
Bild: AUTO BILD
Ob die Daten frei zugänglich oder (wie beim Gebrauchtwagen-Zertifikat von Carfax) gegen eine Gebühr erhältlich sein werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar. Einiges spricht dafür, dass der Zugang barrierefrei sein wird.
Jedenfalls soll die Datenbank international gültig und auch verwendbar sein. "Es ist unerheblich, woher die Batterie kommt oder wo das Unternehmen, das sie in der EU oder Deutschland auf den Markt bringt, seinen Sitz hat", teilt das Wirtschaftsministerium mit. Übrigens sollen die Akkus von E-Bikes ebenso erfasst werden wie stationäre Speicher und große Industriebatterien.
Ein weiterer Aspekt: Die Herkunft des Akkus und seiner Bestandteile soll ebenso erfasst und nachprüfbar sein wie seine Zusammensetzung. Das erlaubt Rückschlüsse auf die Umweltverträglichkeit seiner Herstellung, die Arbeitsbedingungen und den THG-Fußabdruck, den der Energiespeicher von seiner Produktion bis zur Entsorgung hinterlassen wird. Im Batteriepass wird also auch nachzulesen sein, wie umweltfreundlich ein Akku wirklich ist.

Jeder Elektroauto-Akku enthält giftige Bestandteile, deren Abbau der Umwelt schadet. Der Batteriepass soll darüber Aufschluss geben, wie nachhaltig die Produktion war.
Bild: Daimler AG
Nebenher wird es künftig möglich sein, von der Lebensdauer des Akkus auf die Qualität des Herstellers zu schließen: Der Batteriepass ist Werbung für die Produzenten, die nachhaltige und langlebige Batterien entwickeln. Die Datenbank für den Batteriepass soll sowohl von den Herstellern als auch vom Akku selbst beständig aktualisiert werden. Werkstätten, Händler, Recycling-Zentren und andere, die entsprechenden Infos im Laufe eines Elektroauto-Lebens interessant finden, können dann darauf zugreifen.
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