Das Elektroauto hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Der sogenannte Salz-Akku mit Natrium-Ionen-Elektrode wird erstmals in ein Großserienfahrzeug eingebaut, das Modell soll noch 2026 auf den Markt kommen. Damit gibt es für E-Autos bald schon eine günstige und robuste Alternative zum Lithium-Ionen-Akku. Ein großer Schritt in die Akku-Zukunft!
Der weltgrößte Batteriehersteller CATL experimentiert seit Langem mit der neuartigen Technologie. Jetzt sind die ersten Elektroautos mit Natrium-Ionen-Akkus in den Testbetrieb gegangen. Es handelt sich um ein Modell des Herstellers Changan, Chinas viertgrößter Hersteller mit den Marken AVATR, Changan, Deepal, Qiyuan und UNI.

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Bei einer offiziellen Präsentation wurden mehrere Modelle im Norden Chinas präsentiert. Zugleich kündigten Changan und CATL an, im Laufe des Jahres 2026 das erste Modell mit dem neuen "Naxtra"-Akku auf den Markt zu bringen. Welcher der vollelektrischen Typen aus dem Programm von Changan das sein wird, ist noch nicht bekannt.

Welche Reichweite ermöglicht der Natrium-Akku?

Auf den Testfahrten hielten die Natrium-Ionen-Akkus die in sie gesetzten hohen Erwartungen: Bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad sind sie dreimal so ergiebig wie Lithium-Eisenphosphat-Akkus, teilt CATL mit. Bis 40 Grad unter null würden noch 90 Prozent der ursprünglichen Kapazität bereitgestellt, bis minus 50 Grad garantiert der Hersteller die Funktionsfähigkeit.
Weitere Details zu den Tests ließ CATL offen. Der entwickelte Akku hat 45 kWh Speicherkapazität und ermöglicht dem konkreten Changan-Modell eine Reichweite von 400 km.
Natrium-Ionen-Akku von CATL an Bord der Changan-Flotte im Test
Weltweit forschen Batteriehersteller am Natrium-Ionen-Akku. Jetzt hat CATL das Tor in die Zukunft weit aufgestoßen.
Bild: Changan
Der neue Akku weist laut CATL eine Energiedichte von 175 Wh/kg auf und wiegt rechnerisch rund 250 Kilogramm. Das ist kein erheblicher Unterschied zu gängigen Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie. Doch die Vorteile liegen woanders: Natrium-Ionen-Akkus sind nicht nur kälteresistenter, sie gelten auch als erheblich widerstandsfähiger gegen Wärme – und damit auch gegen Brandgefahr.
Der wichtigste Unterschied: Natrium ist – im Gegensatz zu Lithium – kein seltenes Metall. Es ist beispielsweise als Bestandteil von Kochsalz (Natriumchlorid) auf der Erde so häufig wie Sand am Meer. Das macht die Akkus erheblich billiger, womit sie sich insbesondere für kleine, günstige E-Autos eignen.

Wann gibt es Autos mit Natrium-Batterie?

Die Präsentation in extremer Kälte ist der Auftakt für ein globales Testprogramm, bei dem CATL und Changan den Akku diversen Klimazonen aussetzen werden. Changan ist 2025 auf dem deutschen Markt gestartet und baut langsam ein Händlernetz auf. Wann der Akku auch in Europa angeboten wird, lässt sich noch nicht sagen, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber AUTO BILD.
Natrium-Ionen-Akku von CATL an Bord der Changan-Flotte im Test
Im hohen Norden Chinas präsentierten CATL und der Hersteller Changan kürzlich mehrere Modelle mit dem neuen Akku. Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius hielten die Energiespeicher klaglos aus.
Bild: Changan
CATL sieht die Entwicklung der Natrium-Ionen-Technologie nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung für Lithium-basierte Batteriechemie. "Das ist der Beginn einer zweigleisigen Batteriechemie-Ära", sagte Gao Huan, Leiter der chinesischen Elektroauto-Sparte von CATL.
Die Changan-Kooperation von CATL ist nicht der einzige Schritt in die Salz-Akku-Ära: Bereits seit 2023 kooperiert der Konzern mit dem Hersteller JAC, an dem Volkswagen mehrheitlich beteiligt ist. Damals begannen erste Tests mit dem elektrischen Kleinstwagen Sol E10X. Ein weiteres Modell, der Aion UT vom Konzern JAC, wird noch 2026 wahlweise mit Natrium-Ionen-Akkus ausgestattet sein. Hersteller: natürlich CATL. "Der Schritt in den Markt geht jetzt los", so ein CATL-Sprecher gegenüber AUTO BILD. Changan experimentiert im Übrigen auch mit Wechselakkus.

Was können die Natrium-Ionen-Akkus?

In die Natrium-Ionen-Akkutechnologie setzt die Branche große Hoffnungen: Statt Lithium verwendet sie als positive Elektrode das Element Natrium. Das hat gleich mehrere Vorteile: Anders als das seltene Lithium gehört Natrium zu den häufigsten chemischen Elementen, ist somit erheblich günstiger.
Natrium-Ionen-Akku von CATL an Bord der Changan-Flotte im Test
Von außen sieht der Natrium-Ionen-Akku aus – wie ein Akku! Laut Hersteller hat er eine Kapazität von 45 kWh und ermöglicht dem betreffenden E-Auto-Modell von Changan 400 km Reichweite.
Bild: Changan
Hinzu kommen viele nützliche Eigenschaften: Natrium-Ionen-Akkus sind quasi nicht brennbar, weniger kälteempfindlich (müssen daher nicht vorgeheizt werden), reagieren robuster auf hohe Ladeströme und halten auch länger. Diese Genügsamkeit und Robustheit seien beim konkreten Baumuster bereits durch die üblichen Nageltests und andere Crashversuche bestätigt worden. CATL: "Der Akku setzt neue Maßstäbe in Sachen Zuverlässigkeit und Sicherheit."

Wieso kam der Salz-Akku nicht früher?

Schon in den 1980er-Jahren wurde das Prinzip der Natrium-Ionen-Batterie von der Industrie aussortiert, weil ihre Energiedichte als zu gering eingeschätzt wurde. Solche Akkus schienen insbesondere für den Antrieb von Fahrzeugen keine Vorteile zu bringen, weil sie ein ungleich höheres Batteriegewicht hätten herumschleppen müssen, um auf vergleichbare Leistungswerte und Reichweiten zu kommen.
Natrium-Ionen-Akku von CATL an Bord der Changan-Flotte im Test
Eines der präsentierten Fahrzeuge in China war das SUV Changan Deepal. Ob dieses oder ein anderes Modell erstmals mit dem Natrium-Akku angeboten wird, haben die Industriepartner bisher offengelassen.
Bild: Changan
Doch das Problem der Energiedichte ist nun offenbar schrittweise gelöst worden: Bereits 2021 stellte CATL einen Natrium-Ionen-Akku vor, der seinerzeit 160 Wattstunden (Wh) pro Kilogramm Akkugewicht erreichte. In der nächsten Entwicklungsstufe sind 200 Wh geplant.
Zum Vergleich: Moderne Lithium-Ionen-Akkus erreichen aktuell zwischen 200 und 250 Wh/kg, je nach chemischer Zusammensetzung der zweiten Elektrode. Die Fertigungskosten für die neuartigen Natrium-Stromspeicher sind noch teurer als die von Li-Io-Akkus. Doch Experten rechnen damit, dass Natrium-Ionen-Akkus mit steigenden Stückzahlen und optimierten Produktionsabläufen erheblich günstiger werden.

Start-up aus China entwickelte neuen Stromspeicher

Einen Eindruck des rasanten Fortschritts vermitteln die Leistungsdaten des JAC-Experimentalfahrzeugs Sol E10X von 2023. In der Serienversion wiegt es etwas über tausend Kilo. An Bord befindet sich ein Natrium-Ionen-Akku mit 25 kWh. Er hat eine Energiedichte von real 120 Wh pro Kilo. Das ist etwa ein Viertel weniger, als die serienmäßigen Lithium-Ionen-Batterien erreichen. Damit kann der kleine Chinese, der noch gut 20 cm kürzer ist als der Dacia Spring, grob geschätzt also immerhin 120 bis 130 Kilometer weit fahren.
JAC E10x
Bereits 2023 wurde ein Prototyp des elektrischen Kleinwagens Sol E10X vom chinesischen Hersteller JAC mit Natrium-Akku ausgerüstet.
Bild: JAC
Entwickelt hat die Zellen für den neuen Akku ursprünglich das chinesische Start-up HiNa Battery Technologies. Es wurde 2017 aus einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut ausgegründet. HiNa ist mit der Sodium Ion Battery (SIB), so ihre internationale Bezeichnung, dem Giganten CATL offenbar zuvorgekommen.
Das war fällig! CATL hatte Fortschritte beim Natrium-Ionen-Akku schon mehrfach angekündigt, nun kommt also der große Schritt. Für uns Verbraucher ist das eine gute Nachricht: Akkus werden in den nächsten Jahren erheblich günstiger, weil Natrium – wenn die Massenfertigung erst angelaufen ist – so viel weniger kostet als Lithium. Und auch für die deutsche und europäische Autoindustrie tut sich ein Törchen auf: Entwickelt sie ihrerseits solche Akkus, ebnet das einen Ausweg aus der Lithium-Abhängigkeit.