Elektroautos in der ADAC Pannenstatistik
Haben E-Autos mehr Pannen als Verbrenner?

Bild: ADAC/Wilfried Wulff
Inhaltsverzeichnis
- Wer hatte 2024 mehr Pannen, E-Autos oder Verbrenner?
- Wie viele E-Autos bekamen 2024 ADAC-Pannenhilfe?
- Sind E-Autos pannenanfälliger als Verbrenner?
- Warum ist bei E-Autos die Pannenhäufigkeit geringer?
- Waren Elektroautos früher pannenanfälliger als heute?
- Welches Elektroauto hat besonders selten Pannen?
- Welches E-Auto hat besonders häufig Pannen?
- Warum haben E-Autos weniger Pannen als Verbrenner?
- Fällt die Starterbatterie bei Elektroautos häufiger aus?
- Wie E-Autos 2024 beim TÜV abschnitten
- Fazit
Ein kleiner Triumph für die Elektromobilität: Laut der aktuellen ADAC Pannenstatistik blieben Elektroautos im Jahr 2024 deutlich seltener liegen als gleich alte bzw. junge Verbrenner. Überdies wird die Datenbasis breiter: Weil immer mehr Elektroautos – derzeit rund 1,65 Millionen – auf Deutschlands Straßen fahren, lässt sich für immer mehr Modelle eine exakte Qualitätsanalyse erstellen.
Bei Verbrennern lag die Pannenkennzahl, also die registrierten Einsätze pro 1000 zugelassenen Fahrzeugen, im Jahr 2024 bei 9,4 – also etwas unter 0,1 Prozent. Elektroauto-Pannen traten dagegen nur bei 3,8 von 1000 Fahrzeugen auf. Damit sind E-Autos weniger als halb so pannenanfällig wie Verbrenner. Die Statistik ist bereinigt von Altersunterschieden; verglichen wurden stets gleich alte Fahrzeuge. Aktuell führt der ADAC eine Pannenstatistik für drei Elektroauto-Jahrgänge: 2023 wurde erstmals der Jahrgang 2020 aufgenommen, inzwischen wird auch über die Jahrgänge 2021 und 2022 Buch geführt.
Insgesamt hat die Zahl der E-Auto-Pannen, bei denen die "Gelben Engel" des ADAC helfen mussten, zwar stark zugenommen – auch das reflektiert die zunehmende Verbreitung dieser (noch) alternativen Antriebsart. Alles in allem fuhren die ADAC-Pannenhelfer 3,6 Millionen Einsätze im Jahr 2024, davon hatten 43.678 Touren ein defektes Elektroauto zum Ziel. Damit hat sich die Zahl der ADAC-Panneneinsätze für E-Autos gegenüber 2023 um 46 Prozent erhöht, also fast verdoppelt.
So nehmen die Batterieautos in der ADAC Pannenstatistik fürs Jahr 2024 zwangsläufig deutlich mehr Platz ein als in den Jahren zuvor. Der ADAC-Pannendienst hat 2024 mehr als doppelt so vielen havarierten Elektroautos auf die Sprünge geholfen wie 2022 – damals waren es rund 19.200 Einsätze. Die Gesamtzahl der Einsätze lag mit 3,4 Millionen etwas niedriger.
Erstmals hatte sich der Automobilclub 2022 an die Frage herangewagt: Sind E-Fahrzeuge pannenanfälliger als Verbrenner? Nun, mit steigenden Elektroauto-Zulassungszahlen wächst die Datenbasis, und die Statistik wird immer verlässlicher. Auch werden immer mehr Automodelle in der Statistik erschlossen. Ergebnis: Bisher benötigen E-Autos deutlich seltener Pannenhilfe als Verbrenner.
Seit drei Jahren betrachtet der ADAC in seiner Sonderauswertung die Pannenanfälligkeit von Elektroautos im Verhältnis zu gleich alten Verbrennern. In der Altersgruppe der vierjährigen Autos (Erstzulassung 2020) sind E-Autos mit einer Pannenkennziffer von 8,5 um ein Drittel weniger pannenanfällig gegenüber Verbrennern (Pannenkennziffer 12,9). In der Altersgruppe der Dreijährigen steigt die Pannenanfälligkeit der E-Autos auf 50 Prozent, bei den Zweijährigen sinkt sie auf ein Drittel der Pannenanfälligkeit von Verbrennern.
Wichtig: Der ADAC vergleicht nicht Äpfel mit Birnen, also zum Beispiel zwei Jahre alte E-Autos mit 20 Jahre alten Verbrennern. Eine solche Vorgehensweise würde die Statistik verzerren, weil der Löwenanteil des Kfz-Bestands aus alten Verbrennern besteht. Das Durchschnittsalter aller in Deutschland zugelassenen Autos liegt inzwischen bei über zehn Jahren. E-Fahrzeuge sind im Durchschnitt aber deutlich jünger, weil sie erst seit kurzer Zeit angeboten werden – und damit per se in ihrer Gesamtheit weniger pannenanfällig. Daher vergleicht der ADAC für diese Auswertung jeweils einzelne Jahrgänge. Alle Automodelle, von denen innerhalb von zwei Jahren mehr als 7000 Exemplare registriert waren, fanden Eingang in die Statistik.
Woran liegt es, sind vielleicht gewisse Bauteile bei Verbrennern störanfälliger? Ein Grund liegt bereits in der Pannenursache Nummer eins: die Starterbatterie. Bei allen Autos, egal ob mit Verbrennungs- oder Elektromotor, ist sie mit Abstand der häufigste Anlass zum Liegenbleiben. 44,9 Prozent aller Pannen rührten von einer ausgefallenen 12-Volt-Batterie her. Doch die ist bei Verbrennern viel häufiger defekt: Die Pannenkennzahl der zwei- bis vierjährigen Elektroautos mit defekter Starterbatterie liegt laut ADAC bei 1,7 – auf 1000 zugelassene E-Autos eines Typs kommen also 1,7 Einsätze wegen toter Starterbatterie. Bei Verbrennern lag diese ursachenbezogene Pannenkennzahl dagegen bei 4,0.
Weitere Gründe für die bessere Pannen-Bilanz des Elektroautos: Macken an Motor, Motormanagement, Spritanlage und den dazugehörigen Komponenten sind bei Verbrennern die zweitwichtigste Ursache für ADAC-Pannenhilfe; 2024 betraf diese Baugruppe 23,1 Prozent aller Einsätze. Beim Elektroauto gibt es konstruktionsbedingt das meiste davon gar nicht. Der ADAC setzt dem das Hochvoltsystem gleich – es fiel bedeutend seltener aus als die Verbrennungsmotor-Komponenten, war nur für 10,1 Prozent der Pannenursachen beim E-Auto verantwortlich.
Schon die früheste Elektroauto-Pannenstatistik des ADAC im Jahr 2022 deutete an, dass E-Autos weniger Pannen haben als Verbrenner. Sie enthielt allerdings nur die Baureihen BMW i3, Renault Zoe, VW ID.3 und Tesla Model 3 – andere Modelle waren damals nicht in ausreichend hoher Zahl auf den Straßen.
Die vier E-Autos kamen zusammen auf eine sogenannte Pannenkennziffer von 4,9. Heißt: Pro 1000 Fahrzeuge wurden 4,9 Pannenfälle erfasst. Bei den Verbrennern betrug die Kennziffer 6,9 – ebenfalls ein sehr niedriger Wert, aber im Vergleich ein signifikanter Unterschied.

Pannenursachen E-Autos und Verbrenner im Jahr 2022.
Bild: ADAC
Beim Antriebssystem sind Elektroautos durch den deutlich einfacheren technischen Aufbau klar im Vorteil. Es gibt viel weniger Teile, die kaputtgehen können. Bei Problemen mit dem Schlüssel liegt laut ADAC die Vermutung nahe, dass kontaktlose Ausführungen (Keyless-go) bei Elektroautos deutlich verbreiteter sind und somit der Pannengrund "Schlüssel im Auto" (Fahrer ausgesperrt) seltener vorkommt.
Ein Aspekt von 2024 lässt aufmerken: Der Anteil der Starterbatterie an den Pannenursachen ist beim Elektroauto mit einem Anteil von 50,5 Prozent etwas höher als beim Verbrenner (44,9 Prozent). Der ADAC hat hierfür eine mögliche Erklärung: "Elektroautos haben häufig Pannen aufgrund von Problemen mit der Bordelektronik, was zu einer höheren Pannenkennziffer dieses Bauteils im Vergleich zu Verbrennern führt", so ein ADAC-Experte gegenüber AUTO BILD.
Das liege unter anderem daran, dass die 12-Volt-Batterie, die das Bordnetz versorgt, anfällig für Ausfälle ist und oft schneller entladen wird. "Ein Grund kann auch sein, dass die Nutzer ihre Fahrzeuge häufiger per App 'wecken', als dies von den Herstellern angenommen wurde. Diese Kommandos belasten die 12-Volt-Batterie relativ stark."
In der aktuellen ADAC Pannenstatistik fürs Jahr 2024 schnitt ein Elektroauto-Modell besonders gut ab: Mit einer Pannenkennzahl von 0,5 im Jahrgang 2023 liegt die Fließheck-Limousine Tesla Model 3 ganz vorn. Knapp dahinter der VW ID.3 mit der Pannenkennzahl 0,7. Das kompakte E-Auto ist seit drei Jahren in der Pannenstatistik. In den beiden Vorjahren lag seine Pannenanfälligkeit etwas höher, aber mit 1,4 (2022) und 2,2 (2021) jeweils "niedrig".

Spitzen-Ergebnis in der aktuellen Pannenstatistik des ADAC: Von 10.000 zugelassenen Tesla Model 3 blieben 2024 nur durchschnittlich fünf Exemplare mit einem Defekt liegen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Tesla Model Y, ebenfalls erst seit einem Jahr vertreten, hat die Pannenkennzahl 0,9. Der Kleinstwagen Dacia Spring liegt mit einer Pannenkennzahl von 2,9 im Mittelfeld – es fand hier nur der Jahrgang 2023 (Erstzulassung) Eingang in die Statistik. Der Renault Zoe, inzwischen nicht mehr produziert, taucht seit fünf Jahren in der Pannenstatistik auf und hat in jedem Jahr eine "niedrige" Pannenkennzahl, im ersten Jahr 2019 sogar "sehr niedrig" mit 4 Pannenfällen unter je 1000 zugelassenen Exemplaren.
Als ebenfalls relativ weit verbreitetes Modell fand auch der Skoda Enyaq Platz in der Statistik; er kam im ersten Jahr 2023 auf die Pannenkennziffer 2,4. 2024 blieben lediglich 1,4 von 1000 zugelassenen Elektro-SUV dieses Typs liegen und wurden vom ADAC wieder flottgemacht.
Am unteren Ende der Pannenstatistik, also sehr anfällig, war 2024 der Hyundai Ioniq 5. Das liegt laut ADAC an einer speziellen Baugruppe: Die Ladesteuerungseinheit des koreanischen Modells, das seit 2021 gebaut wird, kann ausfallen. Dann wird die 12-Volt-Starterbatterie nicht mehr nachgeladen und bricht irgendwann zusammen.

Ursache defektes Steuergerät: Der Hyundai Ioniq 5 blieb 2024 sehr häufig liegen, weil die Starterbatterie nicht ordnungsgemäß aufgeladen wurde. Hyundai hat bereits einen Rückruf veranlasst.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Hyundai ist bereits auf das Problem aufmerksam geworden und hat über das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und auch in anderen Ländern einen Rückruf initiiert, um das Steuergerät in der Werkstatt austauschen und ein Software-Update durchführen zu lassen.
Während Verbrenner aus Hunderten von Teilen wie Kolben, Ventilen oder Turboladern bestehen, hat ein Elektromotor oft nur ein bewegliches Teil, den Rotor. Weniger Teile bedeuten weniger Verschleißmöglichkeiten.
Überdies benötigen Elektroautos kein Motoröl, das im Laufe der Zeit verschmutzen und den Motor schädigen oder auch auslaufen könnte. Zudem produzieren Elektromotoren weniger Abwärme als Verbrenner, die bei hohen Temperaturen arbeiten und höheren Verschleiß verursachen. Thermische Einflüsse sorgen für schnelle Alterung vieler Komponenten beim Verbrenner, angefangen mit Dichtungen über den Auspuff bis zur Kühlanlage.
Auffällig ist in der Statistik eine geringere Anzahl an Problemen mit den Schließsystemen bei Autos mit Verbrennungsmotor. Der ADAC führt das auf den höheren Anteil an Konnektivität beim E-Auto zurück. Viele E-Fahrzeuge lassen sich demnach per App oder durch den Hersteller öffnen. Bei Verbrennern ist diese Technologie noch nicht so verbreitet bzw. wird oft als aufpreispflichtiges Extra angeboten und ist daher seltener. Vorteil: Ein im Auto versehentlich eingesperrter Schlüssel wird in diesen Fällen auch ohne Hilfe des ADAC wieder erreichbar. Allgemein haben E-Autos einen höheren Ausstattungsgrad.
Bei sämtlichen gut 3,9 Millionen ADAC-Einsätzen im Jahr 2024 waren 44,9 Prozent der Fälle von einer defekten Starterbatterie verursacht. Bei Verbrennern liegt der Anteil bei 44,6 Prozent, bei reinen Elektroautos ist der Anteil gestörter 12-Volt-Akkus indes etwas höher, nämlich 50,5 Prozent. Warum ist das so?

Gelbe Engel geben Starthilfe: Am häufigsten rückten die ADAC-Helfer 2024 wegen defekter 12-Volt-Batterien aus.
Bild: WILFRIED WULFF
www.wilfriedwulff
Zumindest einige Elektroauto-Modelle zeigen hier eine gewisse Empfindlichkeit. So teilt der ADAC mit: "Als Ursachen für einen höheren Batterieanteil bei E-Autos kommen technische Probleme bei einzelnen E-Modellen mit der Nachladung der 12-Volt-Batterie durch die Hochvolt-Batterie infrage", so ein Sprecher gegenüber AUTO BILD.
Auch ein überhöhter Stromverbrauch bei einer vergleichsweise geringen Batteriekapazität der 12-Volt-Batterie sowie mögliche Schwächen im Batterie-Managementsystem seien verantwortlich für einen Teil der Startschwierigkeiten, die zu Panneneinsätzen führen.
Die Erkenntnisse über die allgemeine Qualität von Elektroautos wachsen: So fanden inzwischen zehn E-Auto-Modelle den Weg in den TÜV-Report 2025. Besonders schlecht schnitt der Tesla Model 3 ab. Die besten Noten erhielt ein Elektroauto, das seit fünf Jahren nicht mehr gebaut wird: der VW e-Golf.
Fazit
Wer ein E-Auto fährt, braucht keine vermehrte Angst vor einer Panne zu haben – im Gegenteil. Durch das Fehlen vieler sensibler Teile im Antriebsstrang haben die Stromer sogar Vorteile. Ein endgültiges Urteil wird aber erst in ein paar Jahren möglich sein, wenn ältere Elektroautos in höherer Anzahl auf der Straße sind.
Service-Links

















