Mit Euro 7 ändert sich die bisherige Abgasnorm zur Emissionsvorschrift, die alle Fahrzeuge und alle Emissionen umfasst. Damit verändert Euro 7 die bisherigen Regeln grundlegend: Die Norm betrachtet nicht mehr nur den Motor, sondern das gesamte Fahrzeug über seine Lebensdauer hinweg. Sie gilt künftig für Pkw, Transporter und Lkw in Europa.
Euro 7 legt fest, wie viele Schadstoffe Fahrzeuge in der EU im Alltagsbetrieb ausstoßen dürfen. Neben den bisherigen Abgaswerten, darunter die Werte für Stickoxide (NOx), erfasst sie weitere Emissionen wie Feinstaub, der beispielsweise als Abrieb an Bremsen und Reifen entsteht. Im Vorfeld des vereinbarten Verbrenner-Aus werden damit die Emissionsregeln neu gefasst.
Stau in Düsseldorf
Euro 7: Erstmals gibt es nicht nur Grenzwerte für Auspuffabgase, sondern auch für Emissionen von Bremsen und Reifen.
Bild: DPA
Damit wird nicht nur der Umfang der Emissionstypen neu festgelegt, sondern auch der Kreis der betroffenen Fahrzeuge. Künftig werden auch die Werte von E-Autos und Wasserstoffautos reguliert.
Anders als bislang gedacht sieht Euro 7 aber keine deutlich verschärften Richtwerte für den Schadstoffausstoß von Verbrennerfahrzeugen vor – die Norm orientiert sich an der Euro-6-Norm. Stattdessen fokussiert Euro 7 auf die realistischen Werte im Alltagsbetrieb, setzt auf bessere Messverfahren und umfasst alle Arten der Emissionen. Auch nimmt sie die andauernde Problemstoffbelastung durch Fahrzeuge in den Blick, bemisst sie über die gesamte Lebensdauer und stellt Regeln für die Mindesthaltbarkeit von Kraftfahrzeugen auf.

Was ändert sich konkret mit Euro 7?

Wesentlich und neu sind die Emissionen über die reinen Abgase des Motors hinaus – für eine lange Nutzungszeit von mindestens zehn Jahren. Erstmals wird auch Feinstaub berücksichtigt, und zwar in geringerer Partikelgröße. In welcher Höhe die Grenzwerte liegen, wird in Teilen noch diskutiert. Klar ist aber, dass auch Schadstoffe aus Bremsen und Reifenabrieb zu den Emissionen gehören. Und erstmals gilt die Regulierung auch für Elektroautos und deren Feinstaubemissionen.
Ab 2035 soll ein einheitlicher Grenzwert für alle Antriebsklassen gelten. Wichtig ist auch, dass die Fahrzeuge die Emissionen während des Betriebs selbst messen müssen, das sogenannte "Onboard-Monitoring". Die Systeme melden ein Überschreiten der Grenzwerte dann selbst.
Die EU schreibt künftig auch Werte für die Mindesthaltbarkeit von Autos vor. So müssen die Hersteller ein Funktionieren über mindestens acht Jahre bzw. 160.000 km sicherstellen. Auch gibt es Pläne für eine erweiterte Lebensdauer von zehn Jahren oder über eine Distanz von 200.000 km. Die neuen Haltbarkeitsregeln gelten auch für die Abgasreinigungssysteme und die Onboard-Diagnose.

Welche neuen Regeln bringt Euro 7 für Elektroautos?

Nicht zuletzt gelten diese Haltbarkeitsregeln auch für E-Auto-Batterien, für die die EU künftig eine minimale Lebensdauer vorschreibt: Nach fünf Jahren oder 100.000 gefahrenen Kilometern müssen sie bei vollelektrischen Autos wie auch bei Hybridfahrzeugen noch mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Ladekapazität aufweisen. Nach acht Jahren bzw. 160.000 Kilometern muss der Wert noch bei mindestens 72 Prozent liegen.
Die Elektroauto-Grenzwerte werden durch das höhere Gewicht begründet, das – bedingt durch die schwere Batterie – mehr Reifenabrieb und somit mehr Feinstaubemissionen auslöst. Auch wenn es dazu schon erste Lösungsansätze gibt – die Emissionen werden erst mal mit einbezogen. Offen ist die Zukunft des neu entwickelten Absaugsystems, das das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vorstellte: Im Forschungsfahrzeug ZEDU-1 sollen damit Schadstoffemissionen bei Bremsen, Reifen und Fahrbahnoberfläche reduziert werden.

Was bedeutet Euro 7 für Benzin- und Diesel-Pkw?

Für neue Pkw ändert vor allem der Bereich der betrachteten Schadstoffe und der Zeitraum der Betrachtung.
Konkret reguliert Euro 7 mehrere Emissionsarten:
  • Stickoxide (NOx): bleiben für Pkw bei 60 mg/km (Benziner) bzw. 80 mg/km (Diesel) – also auf Euro-6-Niveau
  • Partikelmasse und -anzahl (Feinstaub): weiterhin begrenzt, zusätzlich werden kleinere Partikel (bis 10 nm) einbezogen
  • Bremsabrieb: erstmals mit einem Grenzwert von rund 7 mg Feinstaub pro km (später strengere Stufe geplant)
  • Reifenabrieb: ebenfalls erstmals reguliert (Grenzwerte abhängig von Reifentyp und Fahrzeugklasse)
Neu ist außerdem der zeitliche Anspruch der Norm: Die Emissionsgrenzen müssen deutlich länger eingehalten werden – bis zu 200.000 Kilometer oder 10 Jahre. Gleichzeitig überwachen neue Onboard-Systeme die Emissionen kontinuierlich im Fahrbetrieb und melden Überschreitungen.

Was gilt für Busse und Lkw?

Unter Euro 6 waren bislang Stickoxide (NOx), Kohlenmonoxid (CO), Partikel, Kohlenwasserstoffe und Methan sowie Ammoniak für Lastkraftwagen und Busse geregelt. Für Busse und Lkw sollen strengeren Vorgaben gelten, aber erst ab 2030. Nun fallen die neuen Abgaswerte weniger ambitioniert aus als von der EU-Kommission vorgeschlagen.
Mercedes Schadstoffausstoß WLTP Prüfzyklus Abgasmessung
Bei der Abgasmessung werden alle Schadstoffe am Auspuff registriert.
Bild: Daimler AG

Ab wann und für wen gilt die Euro-7-Norm?

Die neue Euronorm 7 gilt für alle neu entwickelten Modelle, die ab dem 29. November 2026 zugelassen werden, die sogenannte Typzulassung. Ab 2027 gilt die Norm dann für alle Neuzulassungen. Also werden die Hersteller die Norm bei allen neuen Autos einhalten müssen.

Was gilt für ältere Fahrzeuge mit geringerer Norm?

Für bereits zugelassene Autos bleibt es bei den Regeln, die zum Zeitpunkt der Erstzulassung galten. Damit werden für Bestandsfahrzeuge keine verschärften Regeln eingeführt.

Welchen Anteil hat der Verkehr an schädlichen Emissionen?

Laut Studien der Europäischen Umweltagentur und der sogenannten Gemeinsamen Forschungsstelle war der Straßenverkehr im Jahr 2018 für 39 Prozent der schädlichen NOx-Emissionen (Stickoxide) verantwortlich. Die Straßenverkehrsemissionen kommen zu 47 Prozent aus Städten. Für 11 Prozent aller PM10-Emissionen (Feinstaub) ist der Straßenverkehr ebenso verantwortlich.

Kommentar

Die neue Euro-7-Norm bedeutet mehr Sicherheit für Autokäufer durch klare Regeln für die langfristige Haltbarkeit von Autos und Systemen. Aber wohl auch höhere Kosten für bessere Emissionsvermeidung und Onboard-Sender. Sie bringt aber auch Sicherheit für die Besitzer von Bestandsfahrzeugen. Muss man sich Sorgen machen wegen Euro 7? Ich denke nicht.