Der Samstagmorgen, an dem mich mein bislang exklusivster Tanz auf der Nordschleife erwartet, ist trotz Sonnenscheins alles andere als gemütlich. Es ist nass, es ist kalt, und auf einigen Streckenabschnitten hat sich goldenes Laub ausgebreitet. Friedlich, aber rutschig. Das macht die Sache mit meinem Tanzpartner nicht gerade leichter. Bei dem handelt es sich nämlich um ein waschechtes Erprobungsfahrzeug. Als weltweit erstes Magazin darf AUTO BILD SPORTSCARS einen Prototyp des BMW X6M fahren. Diesen an einer der vielen Leitplanken abzustellen, würde nicht nur einen unangenehmen Anruf beim Chef nach sich ziehen. Mindestens ebenso schlimm wäre wohl die Erklärungsnot gegenüber den verantwortlichen BMW-Ingenieuren.

Aus den genauen Leistungsdaten macht BMW noch ein Geheimnis

Prototyp BMW X6M
Bild: Lena Barthelmeß
Aber nach den ersten Kurven in der jetzt nicht mehr ganz so grünen Hölle verfliegen meine Bedenken. Bereits der normale, 407 PS starke X6 xDrive 50i hinterließ hier einen nachhaltigen Eindruck, gewann er doch den Vergleich gegen den Porsche Cayenne GTS. Die damalige Rundenzeit: 8:54,40 Minuten. Der X6M soll bedeutend schneller sein. Man munkelt von einer Zeit auf dem Niveau des BMW M3 der Baureihe E46. Das wären dann etwa 8:23 Minuten. Nachmessen dürfen wir das (noch) nicht. Auch die Leistungsdaten des X6M sind noch geheim. Sicher ist nur: Er wird von einem V8-Biturbo angetrieben, der ihn zum stärksten "Serien-BMW" aller Zeiten macht. Das klingt nach etwa 550 PS. Schließlich gilt in der Liga der Power-SUV "nicht kleckern, sondern klotzen". Und ein Porsche Cayenne Turbo S, bislang der Stärkste seiner Art, kommt auf die gleiche Ansammlung agiler Pferdchen.

Der 2,3 Tonnen schwere X6M geht extrem dynamisch ums Eck

Prototyp BMW X6M
Bild: Lena Barthelmeß
Der Fahreindruck unterstreicht jedenfalls diese Vermutung. Unter im Vergleich zum normalen X6 etwas weniger bollerndem, dafür aber mechanischer klingendem Achtzylinder-Sound prescht der Prototyp los, als gebe es die rund 2,3 Tonnen Leergewicht nicht. Doch bekanntlich gehen auch Space-Shuttles ganz ordentlich voran, und so erwarte ich gespannt die nächsten Kurven. Nachdem ich Hatzenbach erstaunlich zügig hinter mir gelassen habe, holt der Anflug auf die schnellen Streckenabschnitte Quiddelbacher Höhe und den Flugplatz meine Bedenken aus dem Tiefschlaf hervor. Der Asphalt glänzt vor Nässe, und so hoch thronend war ich hier noch nie derart zügig unterwegs. Die Kombination aus SUV-Sitzposition und Sportwagen-Fahrleistung ist eben gewöhnungsbedürftig. Doch das störte den X6M Prototypen nicht im Geringsten. Er bleibt, wo er bleiben soll – auf der Strecke. Und lässt später im Kallenhard sogar kurz seinen prallen Hintern raushängen.
Das habe ich der überarbeiteten Abstimmung des variablen Allradsystems xDrive zu verdanken. Dort, wo der normale X6 bei aufkommendem Schlupf schon längst den Vorderradantrieb zuschaltet und damit ein leichtes Untersteuern verursacht, konzentriert sich hier die Kraft bem M-Modell noch voll auf die Hinterachse. Erst spät, wenn es wirklich Zeit wird, schaltet sich die Vorderachse zu. Das ermöglicht ein, im Vergleich zum ohnehin schon sehr dynamischen X6, nochmals agileres Fahrverhalten. Doch bevor ich als Depp des Jahres auf Youtube lande – die Nordschleifen-Paparazzi sind auch an diesem Morgen sehr fleißig –, nehme ich lieber etwas Tempo raus. Denn selbst wenn sich der X6M Prototyp so fährt, als ob er ein normaler Testwagen wäre: Er ist immer noch ein Erprobungsfahrzeug. Und mein Chef möchte sein Wochenende auch genießen. Da würde ein Anruf von mir nur stören.

Das Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Lars Zühlke

Die Performance des BMW X6M Prototyps ist schon jetzt überragend. Das Handling setzt für Fahrzeuge dieser Größe Maßstäbe, Leistung und Anprechverhalten des Biturbo-Achtzylinders sind sensationell. Wir freuen uns heute schon auf die erste Fahrt im Serienmodell.