Machen wir uns nichts vor: Fiat Doblò und VW Caddy fallen heraus aus dieser Zeit, in der selbst brave Kleinwagen zumindest dynamisch, hochwertig oder irgendwie premium sein wollen oder sollen. Bei der Entwicklung dieser 4,4 Meter langen Kisten dürfte der Design-Etat nicht wirklich groß gewesen sein. Und bei der Einrichtung des Innenraums, der hier wie da luftig wirkt wie ein Wintergarten, war Strapazierfähigkeit wichtiger als jenes "Hier ist alles aufgeschäumt"-Ambiente, das den Fingerkuppen schmeichelt. Nutzwert-Autos also. Uneitel, pragmatisch, rustikal – aber nicht ohne Reiz.

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VW Caddy
Denn es ist einfach schön, ein Fahrzeug vor der Tür stehen zu haben, das bei vorgeklappten (Fiat) oder ausgebauten (VW) Rücksitzen über 3000 Liter Stauraum bietet, andererseits aber fünf Personen durchaus komfortabel und flott ans Ziel bringen kann. Im Fiat wird das aber schnell zur Reise in die Illegalität, denn er darf nur lächerliche 332 Kilogramm zuladen (VW: 632 kg). Die Nachfahren des Renault 4 F6 oder der Kasten-Ente AK 400 von Citroën federn trotz nicht sehr aufwendiger Fahrwerke manierlich, entschärfen Gefahrensituationen mit serienmäßigem ESP und lassen sich mit leichtgängigen Lenkungen komfortabel in Parklücken zirkeln (was beim Fiat dank der besseren Sicht nach hinten leichter fällt).

Überblick: Alle News und Tests zum Fiat Doblò

Fiat Doblò
Die gut 100 PS starken Turbodiesel bieten genügend Temperament, um unangestrengt im Verkehr mitschwimmen zu können; rund sechs Liter Testverbrauch (beide haben serienmäßig Start-Stopp) sind da angemessen, zumal die kistigen Praktiker ja haushoch und mit über 1,6 Tonnen keine Fliegengewichte sind. Unterwegs sprechen die straffere Lenkung und die komfortableren Sitze, der kultiviertere Motor und der bessere Geräuschkomfort für den VW. Der Fiat fährt sich spritziger, er ist besser ausgestattet (zum Beispiel mit einer serienmäßigen Klimaanlage, die bei VW 1363 Euro kostet) und trotzdem deutlich billiger. So wird es ein knappes Ergebnis in diesem Vergleichstest der tollen Kisten, die kaum einmal Neid verursachen, aber sich viel Sympathie erarbeiten.

Fazit

Einige Tage in diesen Autos sind wie Heilfasten. Erst denkt man, es werde etwas fehlen. Doch bald formt sich die Erkenntnis: Die haben und können alles, was man von einem Auto erwartet. Der Fiat Doblò fällt hauptsächlich bei Komfort und Fahrdynamik zurück, ist aber die bessere Wahl für preisbewusste Käufer. Denn er ist bei besserer Ausstattung fast 2000 Euro billiger als der VW Caddy.

Von

Michael Harnischfeger