Ford Focus 1.0 EcoBoost Hybrid, Toyota Corolla 1.8 Hybrid: Test
Kompakte mit Doppelherz: Focus und Corolla als Hybride im Vergleich

SUV mit viel Leistung sind teuer. Und durstig. Als Alternative schlagen wir mit Ford Focus und Toyota Corolla zwei effiziente Kompakte vor. Ein Vergleich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Wer beim Auto statt Prestige und PS eher Praxiswert und Preis ins Auge fasst, der fährt nicht unbedingt schlecht(er), wohl aber deutlich günstiger. Zwei solche automobilen Vernunftlösungen bitten wir zum Vergleich. Der gerade aufgehübschte Toyota Corolla trifft auf den Ford Focus. Beide mit sparsamem Antrieb, im Wesen aber doch grundverschieden.
Klar über 30.000 Euro für einen braven Kompakten mit Basisbenziner? Heidewitzka, würde der Lohn doch bloß im gleichen Maße steigen wie die Autopreise. Aber genug geunkt, zurück zu den Fakten.
Grundpreise über 30.000 Euro
Und da hinterlässt der Corolla 1.8 Comfort für 33.340 Euro einen durchaus positiven Eindruck. Von wegen Kassenmodell, in der Grundausstattung fährt eigentlich alles mit, was wirklich wichtig ist, vom cloudbasierten Navigationssystem bis zur Zweizonen-Klimaautomatik. Wer allerdings nicht in unschuldigem Schneeweiß unterwegs sein möchte, muss mindestens 740 Euro für ein farbiges Lackkleid ausgeben.

Was sparen angeht, ist der Corolla das konsequentere Auto. Fahrwerk und Lenkung im Focus können mehr als sein Dreizylinder.
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Der für 800 Euro Aufpreis mild-hybridisierte Basis-Focus für dann 31.900 Euro kommt sogar günstiger, schon allein das Doppelkupplungsgetriebe (2000 Euro, CVT beim Corolla Serie) sorgt aber dafür, dass der Ford preislich überholt. Die Ausstattung der einfachsten Linie Titanium reicht völlig, wer's edler mag, sollte statt der am Testwagen verbauten ST Line (1000 Euro, vor allem Design und 17-Zoll-Räder) lieber zum Titanium-X-Trimm greifen. Der bietet für 1500 Euro Nützliches wie eine Durchreiche im Fond, schlüssellosen Zugang und Start, Rückfahrkamera, digitale Instrumente, induktives Laden und mehr. Und die Kölner treiben es bunter als die Japaner, ohne Zuzahlung tritt der Focus in Rot auf.
Beim Verbrauch siegt der Corolla deutlich
Geht es um den laufenden Unterhalt, lockt der Corolla mit enorm günstigen 5,5 Liter Testverbrauch (Focus 6,6 l/100 km), satten zehn Jahren Garantie (bis 160.000 Kilometer) und einem laut Schwacke-Profis bemerkenswert hohem Ansehen im Alter. Allerdings schneidet der Focus nicht nur bei den Versicherungsklassen etwas besser ab, er wird auch deutlich seltener zum Service gebeten. Wo Focus-Fahrer ihre Werkstatt im Normalfall alle zwei Jahre sehen, sind Corolla-Kapitäne doppelt so oft bei der Durchsicht.

Sparsamer Japaner: Mit 5,5 l/100 km im Testdurchschnitt liegt der Corolla klar vor dem Focus, der sich 6,6 l/100 km genehmigte.
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Einsteigen und wohlfühlen, so lautet anscheinend das Motto der Ford-Gestalter. Vorn wie hinten geht es über großzügige Türausschnitte ins Auto, wo auf allen Plätzen ein vernünftiges Raumangebot wartet. Der Fahrer freut sich über gut geformte, ausreichend groß dimensionierte Polster sowie eine angenehm ins Auto integrierte Sitzposition.
Der dafür hauptverantwortliche AGR-Sitz mit 18-facher Verstellung ist mit 350 Euro Aufpreis nicht überbezahlt, allerdings muss der Beifahrer im Mildhybrid mit einer Zwei-Wege-Verstellung auskommen – der nicht hybridisierte 1.0er bietet für 500 Euro zwei AGR-Sitze.
Fahrzeugdaten
Modell | Ford Focus 1.0 EcoBoost Hybrid | Toyota Corolla 1.8 Hybrid |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizyl.-Turbo +E-Mot. (Mildhybrid) | Vierzylinder + E-Motor (Vollhybrid) |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen/NW-Antrieb | 4 pro Zylinder/2/Kette | 4 pro Zylinder/2/Kette |
Hubraum | 999 cm³ | 1798 cm³ |
Leistung (Verbrenner/E-Motor) | k. A. | 72/70 kW (98/95 PS) |
Systemleistung | 92 kW (125 PS) bei 6000/min | 103 kW (140 PS) |
max. Drehmoment | 170 Nm bei 1400/min (Verbrenner) | 142 Nm bei 3600/min (Verbrenner) |
Vmax | 195 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | stufenloses Automatikgetriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/50 R 17 V | 205/55 R 16 V |
Reifentyp | Continental SportContact 5 | Continental PremiumContact 6 |
Radgröße | 7 x 17" | 7 x 16" |
Abgas CO2* | 125 g/km | 100 g/km |
Verbrauch* | 5,5 l | 4,6 l |
Tankinhalt | 52 l | 43 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Ottopartikelfilter | Serie | – |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/690 kg | 750/450 kg |
Stützlast | 75 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 392–1354 l | 361–1052 l |
Länge/Breite/Höhe | 4392/1825–1979**/1459 mm | 4370/1790–2080**/1435 mm |
Radstand | 2700 mm | 2640 mm |
Grundpreis | 31.900 Euro | 33.340 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 35.250 Euro | 33.340 Euro |
Klingt komisch, fühlt sich aber doch besser an als im Corolla. Hier vermissen die Piloten trotz guter Sitzposition vor allem eine längere Oberschenkelauflage und insgesamt festere Polster, die den Oberkörper besser stützen. Ähnlich sieht es in der zweiten Reihe aus, hier kann der Japaner den Rückstand dank der etwas höher montierten Bank aber auf einen Punkt begrenzen.

In den Kofferraum des Focus passen immer 392 Liter. Beim Maximalvolumen schlägt er den Corolla sogar um knapp 300 Liter.
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Mehr Transporttalent hat der Focus
Mehr Unterschiede ergeben sich auch beim Kofferraum nicht, den beide etwas stiefmütterlich behandeln. Außer der geteilten Lehne zeigen beide wenig Transporttalent, ein doppelter Ladeboden fehlt ebenso wie eine ebene Fläche nach dem Umlegen. Im Ford verschwinden dann immerhin bis zu 1352 Liter Gepäck, der Corolla muss schon gut 300 Liter früher passen (1052 Liter) – da bleiben im Zweifelsfall drei Reisekoffer zu Hause.
Punkten kann der Japaner bei der Bedienung. Die Grafik auf dem zentralen Touchmonitor ist zwar auch nach dem Facelift eher einfach, die Position und das Layout mit analoger Klimasteuerung darunter bereiten aber kaum Probleme. Der Spachassistent zeigt sich verständig, hebt oder senkt die Temperatur in Zwei-Grad-Schritten, wenn der Fahrer sich frierend oder schwitzend erklärt. Und er kann natürlich direkt eine Wunschtemperatur einstellen oder auch die Fenster öffnen.

Im gut sortierten Ford-Cockpit punktet der große Navi-Monitor. Ford Sync 4 mit Apple CarPlay und Android Auto ist immer an Bord.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Infotainment im Ford etwas langsamer
Ford verbucht bei Größe und Grafik des Touchmonitors leichte Vorteile, erweist sich sonst aber als zäher im Verständnis und mit geringerem Bedienumfang bei Sprachbefehlen. Fords Navigationssystem braucht zudem recht lange, um manchen Point of interest (POI) zu finden, zeigt freie Strecken nicht grün markiert und findet auf ein einfaches "Zurück" nicht die richtige Antwort.
Messwerte
Modell | Ford Focus 1.0 EcoBoost Hybrid | Toyota Corolla 1.8 Hybrid |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,4 s | 3,5 s |
0–100 km/h | 10,0 s | 10,3 s |
0–130 km/h | 17,5 s | 17,5 s |
0–160 km/h | 30,5 s | 38,3 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 5,6 s | 5,8 s |
80–120 km/h | 7,8 s | 7,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 1338/572 kg | 1374/446 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 62/38 % | 61/39 % |
Wendekreis links/rechts | 11,2/11,2 m | 11,3/11,3 m |
Sitzhöhe | 550 mm | 525 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,5 m | 34,5 m |
aus 100 km/h warm | 33,6 m | 34,0 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) | 68 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) | 71 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 5,0 l S/100 km | 4,3 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,6 l S/100 km (+20 %) | 5,5 l S/100 km (+19,6 %) |
Sportverbrauch | 8,6 l S/100 km | 7,6 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 157 g/km | 130 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 785 km | 780 km |
Der Corolla ist hier klar das konsequentere Auto. Er will keine Dynamik versprühen, sondern seine Gäste gut und günstig ans Ziel bringen. Und das gelingt ihm trotz teigiger Lenkung und mitunter schaukeliger Federung durchaus – wenn man den Vollhybrid nicht mit einem Sportler verwechselt. Dann jault die sonst unauffällige stufenlose Automatik gequält, und beim Verbrauch steht vorn eher eine Acht als eine Vier wie bei den ganz Vorsichtigen.
Das Focus-Fahrwerk kann mehr als sein Motor
Ganz anders der Focus, den böse Zungen als untermotorisiert bezeichnen. Sein straffes, aber ausgewogenes Fahrwerk, die direkte Lenkung und der wache Doppelkuppler bieten enorme Reserven, der Einliter nicht. Wer allein reist, freut sich am fröhlichen Dreizylinder-Schnattern und dem aufgeweckten Wesen, mit Zuladung wir's unerfreulich zäh.
Fazit
Ja, man muss sich auf diese Autos einstellen, dann wird man sie im Alltag schätzen. Beim Focus gilt es, das Wissen um die fahrdynamischen Qualitäten zu genießen, ohne sie unbedingt auszuprobieren. Der Corolla gefällt sich (und uns) dagegen als konsequentes Sparmobill. Eine Frage des Geschmacks.
Service-Links




































