Ford Kuga1.5 EcoBoost, Ford Explorer Extended Rage RWD: Kaufberatung
Benzin oder Batterie – mit welchem Antrieb fährt man bei Ford besser?

Zwei Ford, zwei Welten: Der neue Explorer zeigt sich technisch modern, doch der Kuga überzeugt mit Charakter, Fahrgefühl und Verarbeitungsqualität.
Bild: Sybill Schneider / AUTO BILD
Bis heute hat die E-Mobilität nicht so gezündet, wie es sich mancher vorgestellt hat. Das mag man interpretieren, wie man will – Fakt ist, dass sie die Angebotsvielfalt der Hersteller erweitert hat und Kunden in fast allen Klassen zwischen Verbrenner und Elektroauto wählen können.
Zwei Ford im Antriebsvergleich
Das gilt auch für Ford. Beim deutschen Hersteller mit US-Wurzeln füllt sich die Palette elektrischer Modelle. Deshalb wagen wir den Vergleich zwischen einem der hierzulande beliebtesten Modelle, dem Ford Kuga, und einem echten Neuzugang, dem Ford Explorer.
Der Explorer ist ein Technikbruder des VW ID.4
Letztgenannter war seinerzeit als Verbrenner eine ganz große Nummer – nicht nur mit über fünf Meter Länge, sondern auch mit kräftigen Motoren. Bei der elektrischen Neuauflage geht man bescheidener zu Werke. In der Standard-Range-Version startet der Explorer mit 170 PS. Für unseren Vergleich trat der Extended Range mit Hinterradantrieb an.

Technik aus Wolfsburg: Der Ford Explorer steht wie der VW ID.4 auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB).
Bild: Sybill Schneider / AUTO BILD
Dessen E-Motor leistet 286 PS (Dauerleistung 121 PS) und wird von einer Lithium-Ionen-Batterie (NMC) versorgt, die mit 77 kWh nutzbarer Kapazität den zwei Tonnen schweren Explorer in 6,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Maximal sind 180 km/h möglich.
Nicht verschwiegen werden soll, dass diese Basis auch mit VW-Logo in Form des ID.4 zu haben ist. Der Explorer steht nach einem Kooperationsvertrag auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) aus Wolfsburg. Selbst im Innenraum finden sich zahlreiche Gleichteile aus dem VW-Regal. Was als gute Idee begann, entpuppt sich im Vergleich allerdings als Nachteil.
Das Fahrwerk des Explorer ist zu weich
Dem Explorer geht nämlich ein wenig die eigene Handschrift von Ford verloren, die wir in der Vergangenheit oft und gern als agil und dynamisch lobten. Das Fahrwerk ohne adaptive Dämpfer lässt den Explorer in schnellen Kurven aber tief eintauchen und kräftig über die Vorderräder schieben, auch federt es zu weich, was die Fahrt auf unebenen Straßen zur Schaukelpartie macht.

Schaukelpartie: Auf ebenen Straßen ist die Federung des Explorer zu weich. Zudem ist die Lenkung zu spitz und wirkt nervös.
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Die Lenkung reagiert aus der Mittellage extrem spitz, wirkt bei kurzen Bewegungen nervös und bietet kaum Rückmeldung. Dazu kommen auf Reichweite optimierte Eco-Reifen, die keine Glanzleistung in puncto Haftung liefern. Während der Fahrer im Explorer vor jeder Kurve denkt: "Oh, eine Kurve", nimmt der Kuga-Pilot sie mit einem gelassenen "Ah, eine Kurve". Auch wenn die Lenkung des Verbrenners kein Highlight ist, vermittelt sie spürbar mehr Ford-DNA. Sie arbeitet präzise, mit angenehmem Handmoment und klarer Rückmeldung.
Der Kuga gefällt mit viel Liebe zum Detail
Unter der Haube unseres Kuga-Testwagens arbeitet ein 1,5-Liter-Dreizylinder mit 150 PS. Rennwagengefühle kommen zwar nicht auf, aber über das sauber schaltbare manuelle Sechsganggetriebe geht es in 9,5 Sekunden auf 100 km/h und bis zu 195 km/h Spitze. Das Fahrwerk zeigt sich straff und informiert präzise über den Straßenbelag – typisch Ford.

Der Kuga-Innenraum erfreut mit Liebe zum Detail, die knackige Schaltung erinnert an die einst gelebte Sport-DNA von Ford.
Bild: Sybill Schneider / AUTO BILD
Dazu überzeugt der Kuga mit liebevoller Verarbeitung. Hier wurde bei der Materialwahl Wert auf Optik und Haptik gelegt. Weich geschäumte Türverkleidungen, solide Griffe in Alu-Optik und gut geformte Sportsitze vermitteln Qualität. Bei der Geräuschkulisse schenken sich beide nicht viel. Der Explorer ist elektrisch bedingt leise, der Kuga als Verbrenner angenehm zurückhaltend. Allerdings klappert und knarzt es bei beiden Ford auf Kopfsteinpflaster deutlich hörbar.
484 Kilometer mit einer Akkuladung
Die Sitze im Explorer bieten ebenfalls hohen Langstreckenkomfort. Und beim Thema Reichweite macht das E-Auto seinem Namen Extended Range alle Ehre. Auf Eco-Reifen lag der Verbrauch im Test bei 16,8 kWh/100 km, was einer Reichweite von 484 Kilometern entspricht. Geladen wird mit maximal 135 kW. Damit sind 10 bis 80 Prozent Akkuladung in rund 28 Minuten erreicht; in zehn Minuten fließt Strom für etwa 170 Kilometer. An der Wallbox dauert eine Vollladung bei 11 kW rund fünf Stunden.

Reichweitensieger: Mit einer Tankfüllung kommt der Kuga 760 Kilometer weit. Der Explorer schafft ordentliche 484 Kilometer.
Bild: Sybill Schneider / AUTO BILD
Mit seinem 54-Liter-Tank schafft der Kuga nach unseren Messungen im Drittelmix eine Reichweite von 760 Kilometern – ideal für lange Strecken. Dank verschiebbarer Rückbank variiert das Ladevolumen zwischen 412 und 553 Litern, bei umgelegter Lehne steigt es auf bis zu 1534 Liter.
Fahrzeugdaten
Modell | Ford Kuga 1.5 EcoBoost | Ford Explorer Extended Range RWD |
|---|---|---|
Benziner | Elektro | |
Motor | Dreizylinder, Turbo | Elektromotor |
Leistung | 111 kW (150 PS) | 210 kW (286 PS) Dauerleistung 89 kW (121 PS) |
Drehmoment | 240 Nm | 545 Nm |
0-100 km/h | 9,5 s | 6,4 s |
Vmax | 195 km/h | 180 km/h |
Antrieb/Getriebe | Vorderrad, Sechsgang manuell | Hinterrad, Einganggetriebe |
Verbrauch nach WLTP | 6,4 l/100 km | 14,5 kWh/100 km |
Testverbrauch | 7,1 l/100 km | 16,8 kWh/100 km |
Reichweite | 760 km | 484 km |
Batteriekapazität/Tank | 54 l | 77 kWh |
Läng/Breite/Höhe | 4604/1882-2177/1680 mm | 4468/1872-2063/1630 mm |
Radstand | 2710 mm | 2767 mm |
Kofferraum | 412/553-1534 l | 470-1460 l |
Leergewicht/Zuladung | 1529/546 kg | 2064/611 kg |
Anhänge-/Stützlast | 1730/100 kg | 1000/75 kg |
Typklassen (HPF/TK/VK) | 16/26/21 | 16/25/21 |
Grundpreis | 39.950 Euro | 48.900 Euro |
Kraftstoff-/Stromkosten (60.000 km)* | 8008,80 Euro | 4435,20 Euro |
Wartung (4 Jahre) | 1400 Euro | 700 Euro |
Steuer (4 Jahre) | 556 Euro | 0 Euro |
Versicherung (HPF/VK 4 Jahre) | 5373,72 Euro | 6655,28 Euro |
Wertverlust (4 Jahre; 60.000km)** | 20.350,53 Euro | 22.850,97 Euro |
Gesamt | 35.689,05 Euro | 34.641,45 Euro |
Euro pro Kilometer | 0,59 Euro | 0,58 Euro |
Das Gepäckabteil des Explorer bietet ebenfalls ordentliche 470 bis 1460 Liter, die dank doppeltem Ladeboden und Durchreiche (Select 900 Euro im Paket, Premium Serie) flexibel nutzbar sind. Im Fond gibt es gute Beinfreiheit; die Kopffreiheit wird bei großen Personen knapp. Im Zubehör gibt es für 150 Euro unter der Motorhaube eine Ablage fürs Ladekabel. Beide Modelle sind mit Anhängerkupplung erhältlich. Beim Explorer fährt sie elektrisch aus und erlaubt 1000 Kilogramm Zuglast. Der Kuga darf ordentliche 1730 Kilogramm anhängen.
Beim Anschaffungspreis gewinnt der Kuga
Beim Infotainment punktet der Explorer: Ein 14,6-Zoll-Touchscreen steuert nahezu alle Funktionen, bietet starke Auflösung, aber etwas kleine Icons. Im Kuga fällt der kleinere Bildschirm in Auflösung und Bedienung ab, wirkt ebenso wie das ausfahrbare Head-up-Display veraltet.

Der getestete Kuga kostet 49.600 Euro, der Explorer 54.100 Euro. Bei den Kilometerkosten liegt das Elektroauto dann vor dem Benziner.
Bild: Sybill Schneider / AUTO BILD
Ob der technische Fortschritt einen Preis ab 48.900 Euro rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden. Zumal die sinnvolle Wärmepumpe 1050 Euro extra kostet. Mit Head-up-Display, Anhängerkupplung und Sportsitzen kommt der Testwagen auf 54.100 Euro. Der Test-Kuga startet bei 45.650 Euro und liegt mit guter Ausstattung bei 49.600 Euro.
Fazit
Wem die klassische Ford-DNA wichtig ist, wer Wert auf Fahrdynamik, solide Verarbeitung und Alltagstauglichkeit legt, der ist mit dem Kuga besser bedient. Wer dagegen leises, unaufgeregtes Stromern bevorzugt, findet im Explorer eine moderne, aber wenig charakterstarke Alternative. Preiswert ist keiner von beiden – aber der Kuga hat das Herz, das dem Explorer fehlt.
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