„Es hat tierisch Spaß gemacht und ich habe viel gelernt.“ So fasst Mick Schumacher (22) sein Formel-1-Debüt zusammen. Doch wie gut war die Premiere des Rekordweltmeister-Sohns wirklich?
Startplatz 18, Platz 16 im Rennen – ein Ergebnis, das nicht gerade auf einen neuen Formel-1-Stern schließen lässt, der gestern in der Wüste von Bahrain aufgegangen ist. Und trotzdem: Die Statistik schließt das keinesfalls aus. 35 Fahrer haben ihre F1-Karriere mit Startplatz 18 begonnen – darunter auch ein Weltmeister (James Hunt 1973 in Monaco im March-Ford-Cosworth des Hesketh-Teams). 16 Piloten haben ihr Debüt auf Rang 16 beendet – darunter ebenfalls ein Weltmeister: der erste WM-Widersacher von Michael Schumacher, Damon Hill, beim Großbritannien-GP 1992 im Brabham-Judd.
Hinweis
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Allein: Micks Vater Michael Schumacher (52) hat bei seiner Formel-1-Premiere mehr brilliert als Mick, obwohl sie schon nach 700 Metern durch ein Kupplungsschaden an seinem Jordan-Ford beendet war. Aber Startplatz sieben war ein erster Fingerzeig, der vermuten ließ, dass hier ein künftiger Weltmeister Anlauf zu einer großen Karriere nimmt.
Doch der Vergleich mit dem Vater ist nicht fair: Jordan landete am Ende der Saison 1991 auf Rang fünf der Konstrukteurswertung. Mick Schumachers Haas-Ferrari ist das Schlusslicht aller zehn Formel-1-Autos im Feld.

Mick Schumacher im schlechtesten Auto

Es gibt daher nur eine wirklich faire Referenz für Schumi junior: den Teamkollegen. Und dieser Vergleich fällt eindeutig aus: In jeder Session war Mick Schumacher schneller als Nikita Mazepin: im ersten Training vier, im zweiten und dritten Training jeweils zwei und im Qualifying sogar acht Zehntelsekunden.
Zur historischen Einordnung: Michael Schumacher wies seinen Teamkollegen Andrea de Cesaris in Belgien 1991 um sieben Zehntel in die Schranken, also eine weniger als Mick. Allerdings: Wie Mick Schumacher startete Mazepin als Rookie in die neue Formel-1-Saison, während de Cesaris 1991 einer der erfahrensten Piloten in der Königsklasse war. De Cesaris kannte im Gegensatz zu Schumacher Auto, Team und Strecke – deshalb fällt dieser Vergleich klar zu Gunsten des Vaters aus.
Bilanz des Mick Schumacher-Debüts
Mick Schumacher passiert das Wrack seines Teamkollegen Mazepin
Zurück in die Gegenwart: Micks aktuelle Messlatte Nikita Mazepin leistete sich während des Wochenendes ganze fünf Dreher, der letzte führte zum vorzeitigen Aus im Rennen. Schumi jr. drehte sich einmal, konnte das Rennen nach seiner 360-Grad-Pirouette aber fortsetzen. „Die Reifen waren noch kalt und ich bin zu früh aufs Gas“, ordnet er den Fehler selbstkritisch ein. „Dadurch habe ich den Anschluss an die anderen Autos verloren.“ Teamchef Günther Steiner (55) nimmt beide F1-Welpen in Schutz: „Solche Fehler passieren, das gehört zum Lernprozess dazu. Die beiden werden sich sicherlich wieder drehen, aber nicht mehr auf die Weise wie im Bahrain-GP.“
Da hatte der junge Schumacher 55 Runden Zeit zu lernen – genug Stoff für sein Notizbuch, das er wie einst sein Vater Michael immer dabei hat. „Mick denkt: Wenn es ihm geholfen hat, wird es auch mir helfen“, sagt Haas-Teamchef Günther Steiner zu SPORT1. „Er macht sicherlich auch andere Sachen, die er sich von Michael abgeschaut hat. Denn die Zeiten haben sich geändert, aber das Autofahren hat sich nicht geändert. Und es gibt dir auch Selbstvertrauen, wenn du sagst: Ich mache es wie mein Vater, mein Vorbild. Das finde ich cool.“
Grundsätzlich aber gingen Vater und Sohn ihr Debüt völlig anders an: Mit seinem Trainer Kai Schnapka spielte Mick am Abend vorm Rennen Schach. Sein berühmter Vater verbrachte seine Freizeit beim Debüt in Spa im Motorhome des Formel-3000-Teams Vortex. Dort trank er Kaffee mit seinem Freund und Mercedes-Junior-Kollegen Heinz-Harald Frentzen und dessen damaliger Freundin Corinna Betsch. Frentzen war am gleichen Wochenende für das holländische Team am Start. Noch ein Unterschied: Während Michael Schumacher die Formel 1 nie mit einer Kaffeefahrt verglich, sah Sohn Mick beim ersten Mal durchaus Parallelen zwischen der Königsklasse und seiner Entspannungstherapie: „Es geht darum, dass man, ähnlich wie beim Schach, immer ein paar Züge vorausdenken muss.“
Noch ein Unterschied: Teamchef Steiner lobte Mick Schumacher für die Fahrt auf Platz 16. „Ich bin mit ihm sehr zufrieden. Er fuhr sehr ruhig, hat gut mit dem Team kommuniziert. Wenn er so weitermacht, kommt er schnell auf ein gutes Level.“ Dagegen steht: Michael Schumacher war nicht nur auf Anhieb auf einem guten Level, sondern sein erstes Auftreten in der Königsklasse schlug ein wie eine Bombe.
Hinweis
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Eddie Jordan wollte Schumacher gleich für mehrere Jahre verpflichten. Doch der clevere Ire war diesmal zu spät. Benetton-Teamchef Flavio Briatore erkannte ebenfalls das Jahrhunderttalent des Kerpeners und setzte ihn mit Hilfe vom damaligen F1-Boss Bernie Ecclestone schon beim nächsten Rennen in Monza in den Benetton. Ecclestone hatte endlich den Deutschen mit Weltmeistergenen gefunden, von dem er so lange geträumt hatte. Mick Schumacher muss noch mindestens drei Jahre warten, um in einem siegfähigen Auto zu sitzen.

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Von

Ralf Bach