Nach den Wintertestfahrten hat man es vermutet, aber klar wurde es nach dem ersten Qualifying: Die Kombination Max Verstappen (23) und Red Bull ist das Paket, das es zu schlagen gilt. Der holländische Wunderknabe war in allen Trainings vorn, fuhr in der entscheidenden Qualifying-Session drei in allen drei Sektoren Bestzeit und machte nie den Eindruck, dass irgendein Konkurrent – auch nicht ein Superstar wie Mercedes-Titelsammler Lewis Hamilton (36) – ihm auch nur annähernd gefährlich werden könnte.
Auch wenn in Bahrain erst das erste Qualifying von 23 Rennen gefahren wurde, steht jetzt schon fest: Der WM-Titel führt in dieser Saison nur über Max Verstappen.
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Denn Verstappen fährt besser als je zuvor. Das musste Red Bull-Neuzugang Sergio Perez schon am ersten Wochenende spüren. Der Mexikaner, der von Racing Point zu den Österreichern wechselte, hatte nicht den Hauch einer Chance. Obwohl Perez aufgrund seiner Erfahrung und seiner Formel-1-Vita als einer der Toppiloten der Königsklasse gilt, wurde er schon am ersten Wochenende von Verstappen deklassiert. Der Mexikaner verlor sechs Zehntelsekunden im Qualifying, war am Ende Elfter.

Verstappen klar schneller als Pérez

Darum ist Verstappen der neue Senna
Max Verstappen
Red Bull-Chefberater Helmut Marko (77) nimmt den Mexikaner in Schutz: „Es war ein Fehler vom Team, ihn nicht auf den Soft-Reifen rauszuschicken. Er ist dadurch verunsichert worden.“ Zu ABMS sagt er aber auch: „Perez muss sich noch ans Auto gewöhnen, ist auf einer Runde noch zu weit weg, wird im Rennen näher dran sein. Aber Max ist besser wie je zuvor, er fährt in seiner eigenen Liga. Da hätte es jeder Pilot schwer." 
In der Tat: Der Niederländer erinnert schon jetzt an Ayrton Senna, der 1994 in Imola tödlich verunglückte. Der Brasilianer gilt nach wie vor als bester und schnellster Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Legendär die Einheit, die er 1988 mit dem McLaren-Honda bildete. Verstappen erinnert mit seinem Red Bull an die perfekte Kombination des Brasilianers mit dem McLaren von damals.
Was auch für Verstappen spricht: Sein Umfeld hält den Ball flach: Sein Vater Jos, ehemaliger Formel-1-Pilot und 1994 bei Benetton Teamkollege von Michael Schumacher, warnt vor verfrühter Euphorie. Verstappen senior zu ABMS: „Es ist erst ein Qualifying gefahren. Deshalb muss man vorsichtig bleiben. Wir wissen, wozu Lewis Hamilton und Mercedes fähig sind. Aber ja, der Start verlief optimal. Red Bull und Honda haben über den Winter einen Topjob gemacht. Es ist genau das, was Max gebraucht hat."

Lob für neuen Honda-Motor

Auch Max Verstappen lobt Honda. „Honda hat einen super Job gemacht. Damit will ich jetzt nicht andeuten, dass sie in den vergangenen Jahren nicht gut gearbeitet hätten, sie haben einfach noch mehr zugelegt. Die Honda-Leute sind echter Racer, sehr leidenschaftlich und emotional, eigentlich untypisch für Japaner. Ich mag das sehr.“
Darum ist Verstappen der neue Senna
Verstappen fährt besser als je zuvor. Das musste Red Bull-Neuzugang Sergio Perez schon am ersten Wochenende spüren.
Verstappen junior ist selbstbewusst, ohne arrogant zu wirken. Er weiß die eigenen Kapazitäten in realistische Relation zu setzen. Verstappen zu Sport1: „Ich weiß, was ich kann. Ich traue mir zu, zwei Zehntelsekunden schneller zu fahren als alle anderen. Aber im Endeffekt hast du nur Erfolg, wenn du dich nicht nur auf dein Talent verlässt, sondern genauso hart dafür arbeitest."
Für den GP Bahrain ist der Niederländer Topfavorit. Sky-Experte und Ex-GP-Sieger Ralf Schumacher zu ABMS: „Wenn Max morgen den Start hinbekommt und die Technik ihn nicht im Stich lässt, wird er nicht zu stoppen sein."

Mercedes schiebt Niederlage auf Regeländerungen

Marko jubelt indes schon jetzt. „Das ist für uns ein ganz wichtiger Schritt. Man kann nur eine WM gewinnen, wenn man von Anfang an wettbewerbsfähig ist. Wir kennen das ja: Seit 2014 sind wir hinter Mercedes her gehechelt. Wenn du hinten bist, musst du immer mehr riskieren. Jetzt haben wir den Vorteil. Wir wissen wo wir stehen, können uns auf die Weiterentwicklung konzentrieren.“
Weltmeister Lewis Hamilton jedenfalls weiß, was die Stunde geschlagen hat. Dass er die Schuld für die Niederlage bei den neuen Regeln sucht, spricht Bände. Der Mercedes-Star: „Natürlich zielten die Regeländerungen auch darauf, uns etwas einzubremsen. Das ist ja auch nicht neu, das wurde zuvor auch beim Motor versucht. Aber das ist schon okay. Wir lieben Herausforderungen.“
Hinweis
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Hintergrund: Vor der Saison 2021 wurde der Abtrieb im Bereich des Unterbodens aus Sicherheitsgründen um zehn Prozent reduziert. Die Einschnitte treffen Teams härter, deren Fahrzeug hinten weniger steil angestellt ist. Das gilt sowohl für Mercedes als auch Aston Martin. Red Bull dagegen fährt schon seit Jahren mit einem steil angestellten Auto. Und Max Verstappen kann 2021 endlich Kapital daraus schlagen.

Von

Ralf Bach