Schlank ist gleich schnell – zumindest im Fall von Mercedes. Kein Auto der 2022er Generation hat eine so extrem schmale Wespentaille wie der neue W13, der im Heckbereich massiv abgespeckt hat. An die Zeiten des Silberpfeils kommt am dritten und letzten Testtag in Barcelona ebenfalls niemand heran.
Lewis Hamilton sichert sich am Nachmittag mit einer 1:19.138 Minuten die Tagesbestzeit, Teamkollege George Russell ist am Vormittag eine Zehntelsekunde langsamer. Erstmals in diesem Winter macht Mercedes auch auf dem Zeitentableau richtig ernst. Darüber hinaus liegt das Auto wie ein Brett auf der Straße und ist zuverlässig: Zum Abschluss drehen die Stuttgarter mit 160 Runden die meisten des Tages.
Hamilton und Mercedes lassen am letzten Testtag in Barcelona die Muskeln spielen.

Hamilton übt sich danach dennoch im Tiefstapeln: "Es waren interessante Tage, aber leicht war es nicht für uns. Wir hatten einige Hindernisse zu überwinden", erklärt der 37-Jährige. "Das Auto ist ganz anders zu fahren als in den vergangen Jahren und das gilt auch für die Reifen. Aber wir arbeiten uns da durch."
Vier respektive fünf Zehntelsekunden hinter der Mercedes-Doppelspitze sortiert sich am Freitag Red Bull mit Sergio Perez und Max Verstappen ein, allerdings setzen beide dabei auf härtere Reifenmischungen - die Silberpfeile drehen ihre Bestzeiten auf der schnellsten C5-Komponente.
Mercedes vor Red Bull, dahinter Ferrari und McLaren: Geht es nach McLaren-Star Lando Norris, hat sich an der Hackordnung der Formel 1 trotz der umfassenden Regelreform gar nicht so viel geändert. Nur, dass es an der Spitze so eng zugeht wie letzte Saison, glaubt der Brite nicht: "Mercedes sah bei Tests meistens nicht gut aus, bis dann das erste Rennen kam. Wenn sie jetzt schon beim Test vorne sind, dann werden sie (beim Auftakt; d. Red.) unglaublich sein", fürchtet Norris. "Auch ihre Longrun-Pace sah sehr gut aus. Ich denke, Mercedes und Red Bull sind vorne, aber auch Ferrari ist ziemlich stark."
Die Scuderia beendet den Tag in Person von Charles Leclerc und Carlos Sainz auf den Plätzen sechs und sieben, sieben Zehntel hinter Hamilton. Geschlagen werden sie außerdem von Ex-Ferrari-Star Sebastian Vettel, der auch am dritten Tag mit einem guten Ergebnis überraschen kann. Der Heppenheimer sortiert sich mit seinen 48 Runden vom Vormittag in der Endabrechnung als Fünfter ein.
Allerdings muss Vettel einmal auch Feuerwehrmann spielen: Wenige Minuten vor der Mittagspause rollt sein Aston Martin rauchend aus, ein Ölleck sorgt für ein kleines Feuer. Vettel geht den Streckenposten dabei mal wieder zur Hand, will den Vorfall später nicht überbewerten: "Wir hatten hier kaum Zuverlässigkeitsprobleme und nichts, was uns wirklich Sorgen bereitet", fasst der Aston-Martin-Star zusammen.
Sebastian Vettel macht sich Hoffnung auf eine bessere Saison.

"Das Fahren ist schon anders und damit spiele ich noch etwas herum. Das Auto ist einfach eine ganz andere Bestie und die will anders gezähmt werden. Es gibt also noch viel zu lernen, aber soweit ist alles gut", macht sich der Deutsche Hoffnung auf eine bessere Saison.
Schlecht läuft der letzte Tag in Barcelona für Landsmann Mick Schumacher. Am Nachmittag hätte er im Haas sitzen sollen, kann aber nach einem Problem im Ölsystem bei Teamkollege Nikita Mazepin, der am Vormittag nur neun Runden weit kommt, gar nicht mehr fahren. Die Sorgen des Teams sind am Freitag auch ohne den Defekt schon groß: Haas tritt mit einem weißen Boliden an, den russischen Hauptsponsor Uralkali hat man im Zuge des Ukraine-Kriegs erstmal vom Auto entfernt.
Technische Gebrechen und den vorzeitigen Feierabend gibt es auch bei Alpine: Lokalmatador Fernando Alonso kommt am Vormittag nur eine Dreiviertelstunde weit, dann steht sein neuer A522 schon rauchend am Streckenrand und sorgt für die erste Unterbrechung der Session. Nach nur zwölf Runden ist wegen des Hydraulikdefekts vorzeitig Schluss am Freitag, Alonso verlässt bereits zu Mittag die Strecke und Alpine packt zusammen.
Während in der Vormittagssession neben Vettel und Alonso auch noch Pierre Gasly (Ausritt) und zweimal Guanyu Zhou (Ausritt, Technik) für rote Flaggen sorgen, verläuft der finale Nachmittag deutlich ruhiger. Das liegt auch daran, dass Pirelli zu Beginn der Session mit Tanklastern die Strecke wässern lässt, um die neuen Regenreifen auszuprobieren. Als es zum Abend hin abtrocknet, knallt Hamilton dann die Bestzeit hin und lässt mit seinem Mager-Mercedes erstmals die Muskeln-Spielen.
Die Formel 1 hat indes den GP Russland abgesagt – vorläufig zumindest. Die Königsklasse teilte heute mit, dass man unter den aktuellen Umständen in Sotschi nicht fahren werde.

Formel 1: Test in Barcelona
Ergebnis Tag 3:

1. Lewis Hamilton (Mercedes) 1:19.138 Minuten - 94 Runden (C5-Reifen)
2. George Russell (Mercedes) 1:19.233 - 66 (C5)
3. Sergio Perez (Red Bull) 1:19.556 - 74 (C4)
4. Max Verstappen (Red Bull) 1:19.765 - 59 (C3)
5. Sebastian Vettel (Aston Martin)1:19.824 - 48 (C5)
6. Charles Leclerc (Ferrari) 1:19.831 - 44 (C3)
7. Carlos Sainz (Ferrari) 1:20.072 - 92 (C3)
8. Alex Albon (Williams) 1:20.318 - 94 (C4)
9. Nicholas Latifi (Williams) 1:20.699 - 13 (C4)
10. Daniel Ricciardo (McLaren) 1:20.790 - 86 (C3)
11. Lando Norris (McLaren) 1:20.827 - 52 (C3)
12. Fernando Alonso (Alpine) 1:21.242 - 12 (C3)
13. Guanyu Zhou (Alfa Romeo) 1:21.939 - 41 (C3)
14. Pierre Gasly (AlphaTauri) 1:22.469 - 40 (C4)
15. Nikita Mazepin (Haas) 1:26.229 - 9 (C3)
16. Valtteri Bottas (Alfa Romeo) 1:30.433 - 10 (C3)

Von

Frederik Hackbarth