Das Ehepaar (beide 58) hatte keine Chance. Am 31. Mai 2021 fuhr ein 77 Jahre alter Autofahrer vom Rastplatz Tramm bei Hamburg in falscher Richtung zurück auf die A 24. Nach wenigen Hundert Metern kam es zum Frontalunfall. Das Paar starb, der Geisterfahrer überlebte schwer verletzt. Solche oft tödlichen Unfälle passieren wöchentlich auf unseren Straßen. Im Schnitt fünfmal am Tag wird vor Falschfahrern gewarnt. Was kann man dagegen tun? Oder ist menschliches Versagen gar nicht zu verhindern?
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), will dieser Frage jetzt auf den Grund gehen. Zunächst soll ein UDV-Projekt klären: Wer sind die Geisterfahrer? Dazu werden Polizeiakten, Gutachten und medizinische Berichte ausgewertet. Problem: Für ein valides Ergebnis müssen rund 70 Unfälle betrachtet werden. "Das kann zwei Jahre dauern", so Brockmann. Was der Unfallforscher schon sagen kann: "Es geht hier ganz überwiegend um ältere und sehr alte Autofahrer."

Autos von Skoda mit "Fahlschfahrerwarner" unterwegs

Sollten die einen neuen Skoda fahren, hätten sie eine Chance, ihren Fehler rechtzeitig zu erkennen. Die VW-Marke hat seit wenigen Wochen einen "Falschfahrerwarner" von Bosch an Bord. Der soll sowohl Geisterfahrer als auch alle gefährdeten anderen Autofahrer in Sekunden alarmieren. Dabei wird per GPS die Bewegung des Autos mit der erlaubten Fahrtrichtung verglichen. Fährt der Fahrer falsch, erfolgt ein Warnhinweis im Display. Eine Bosch-Sprecherin erklärt, dass das System bereits "regelmäßig anschlägt".

Viele Ideen und Projekte scheiterten

Auch mit anderen Autobauern sei Bosch in Gesprächen. Für 25 Navi- oder Streaming-Apps bietet der Zulieferer das Warnsystem ebenfalls an – für alle, die keinen Skoda fahren. In Vorbereitung ist zudem ein Projekt, bei dem Warnleuchten an Notrufsäulen per Lichtsignal vor drohenden Falschfahrten warnen, andere Ideen scheiterten. Die neongelben Warnschilder aus Österreich blieben ohne Effekt. Und der Einsatz einer "telematischen Falschfahrerwarnung" mit Radar, Funk und Kontaktschleife wurde Anfang 2020 nach dem Test auf der A 9 als "nicht sinnvoll" bewertet. Eine weitere Erprobung nannte die Bundesanstalt für Straßenwesen "nicht zielführend".