Was macht ein Mann, der schon all seine Traumautos besitzt? Er baut ein Hypercar, das alles Dagewesene in den Schatten stellen soll. Klingt nach einem tollkühnen Vorhaben, aber genau das ist der Plan von Giacomo Commendatore. Noch steht das Projekt ganz am Anfang, doch schon 2027 sollen die ersten Kundenfahrzeuge des Giamaro Katla ausgeliefert werden!

Die wichtigsten Fakten zum Giamaro Katla

  • Giamaro Automobili will ausschließlich Hypercars bauen.
  • Das Erstlingswerk Katla ist nach einem isländischen Vulkan benannt.
  • Der 7,0-Liter-V12-Quadturbo ist eine Eigenentwicklung.
  • Giamaro verzichtet auf Hybridisierung.
  • Die maximale Leistung soll 2157 PS und 2008 Nm betragen.
  • Ein Doppelkupplungsgetriebe mit elf (!) Gängen ist in Entwicklung.
  • 1450 Kilo Trockengewicht.
  • Drei Schlüssel sollen unterschiedliche Leistungsstufen von 400 bis 2157 PS freigeben.
  • 100 Katla sollen entstehen.
  • Der Basispreis liegt bei 2,47 Millionen Euro netto.
  • Die ersten Kundenfahrzeuge sollen 2027 ausgeliefert werden.
Giacomo Commendatore war einer der ersten Anteilseigner von Pagani, ehe er sich 2003 aus dem Unternehmen zurückzog. Sein Vermögen machte er mit Matratzen, doch seine Passion sind Autos. Zusammen mit seinem Sohn Pierfrancesco gründete er 2021 Giamaro Automobili, eine Marke, die ausschließlich exklusive Hypercars produzieren will – und das ausgerechnet in Castelfranco im italienischen Motor Valley in direkter Nachbarschaft zu Ferrari, Lamborghini und Pagani.

Das bedeutet Katla

Das Erstlingswerk Katla – benannt nach einem isländischen Vulkan, einem der aktivsten in Europa – wurde jetzt vor 280 geladenen Gästen enthüllt. Laut Commendatore sei das Ziel nicht das schnellste oder schönste Auto zu bauen, sondern ein Auto, das direkt ins Herz geht und bis ins letzte Detail individualisiert werden kann.
Giamaro Katla: Hypercar im ersten Check
6988 ccm Hubraum, 120 Grad Bankwinkel, vier innenliegend verbaute Turbolader und eine maximale Leistung von 2157 PS: Der Motor des Katla ist eine Ansage!
Bild: Jan Götze
Trotz dieser fast schon romantischen Philosophie, ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass Giamaro polarisieren will. Denn ein Blick auf die Leistungsdaten macht deutlich, dass der Katla in einer Liga mit Bugatti Tourbillon und Koenigsegg Jesko spielen will. Im Autoquartett würde der Katla beide schlagen. Der Grund dafür ist ein 7,0-Liter-V12-Quadturbo mit Trockensumpfschmierung, 120 Grad Bankwinkel und "heißem V" (alle vier Turbolader sind zwischen den Zylinderbänken verbaut), der ohne jegliche Elektrounterstützung auskommen und wahnwitzige 2157 PS und 2008 Nm Drehmoment auf die Hinterräder loslassen soll.
Und während es sich bei dem gelben Katla noch um ein sehr frühes und nicht fahrbereites Vorserienauto handelt, hatte Commendatore noch eine Überraschung parat, als er unmittelbar nach dem Debüt einen funktionalen Prototyp vorfahren ließ und den Gästen einen vielversprechenden Soundcheck des beeindruckenden V12-Quadturbo gönnte.
Noch hat Giamaro Automobili keine offiziellen Fahrleistungen verraten, die Animation im digitalen Kombiinstrument zeigt 444 km/h an. Geht da noch mehr?
Bild: Jan Götze
Fahrleistungen verraten die Italiener zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Doch die Animation im digitalen Kombiinstrument zeigte 444 km/h an – bei den versprochenen Leistungswerten durchaus realistisch. Erst recht, angesichts eines Trockengewichts von 1450 Kilo.
Klingt wild, doch es wird noch spektakulärer, denn Giamaro plant den Katla mit einem automatisierten Siebengang-Getriebe oder mit einem sich noch in der Entwicklung befindlichen Doppelkupplungsgetriebe auszuliefern. Der Clou: Dieses Doppelkupplungsgetriebe soll elf Gänge besitzen – eine Lösung, die sich Giamaro patentieren lassen will. Ein Sperrdifferenzial soll dafür sorgen, dass die Leistung auf die Straße gebracht wird – eine spektakuläre Vorstellung bei über 2000 PS und Hinterradantrieb.

Design ist ein Mix aus Ferrari, Lotus und McLaren

Angesichts dieser technischen Details gerät das Design schon fast zur Nebensache. Der 4,79 Meter lange und 1,19 Meter flache Katla hat Designeinflüsse vom Ferrari F80 und Daytona SP3, mixt diese mit einer Prise Lotus Evija und ein wenig McLaren W1 und ist am Ende doch eigenständig. Und es wirkt nicht so, als habe der Designer zu viel gewollt. Designhighlight sind definitiv die nach oben verlegten rechteckigen Endrohre.
Der Innenraum des Katla ist großzügig mit Alcantara, Carbon und Aluminium ausgestattet und wirkt, verglichen mit dem Äußeren, fast schon dezent. Da es sich hier um einen sehr frühen Prototyp handelt, war eine Sitzprobe leider noch nicht möglich, doch das holen wir beizeiten nach.
Der Katla ist 4,79 Meter lang, 1,19 Meter flach und 2,03 Meter breit. Das Design ist gelungen, aber nicht spektakulär.
Bild: Jan Götze
Vorausgesetzt, sie geben bei Giamaro weiter so Gas! Nur noch mal zur Verdeutlichung: 2021 startete das Projekt mit dem oft zitierten weißen Blatt Papier. Mittlerweile umfasst das Team 22 Mitarbeiter, darunter auch ein gewisser Loris Bicocchi, der bereits an legendären Autos wie dem Bugatti EB110 beteiligt war und bei Giamaro die Rollen des Chefingenieurs und Testfahrers übernimmt.

2027 soll der Katla auf den Markt kommen

Praktisch alle Teile werden inhouse entwickelt. Sei es der Motor, der nicht auf einem bestehenden V12 basiert, das Getriebe oder auch das Carbon-Monocoque. In gut zwei Jahren sollen die ersten Kundenfahrzeuge auf den Markt kommen. Pro Jahr sollen maximal 30 Autos entstehen, jedes bis ins letzte Detail individualisiert. In Summe sollen 100 Katla gefertigt werden, von denen etwa 20 Stück bereits vor der Präsentation verkauft waren.
Der angepeilte Preis liegt bei 2,47 Millionen Euro netto – dafür gibt es dann aber nicht nur eines der stärksten Hypercars überhaupt, sondern auch gleich drei (!) Schlüssel, die die unterschiedlichen Leistungsstufen zwischen 400 und 2157 PS freischalten und alle aus Vulkangestein gefertigt sind. Bei Giamaro Automobili meinen sie es also ernst.
Und kurz vor Ende der Veranstaltung präsentierte Commendatore dann noch ein zweites Modell namens Albor – eine Art Hyper-SUV mit zwei Türen und V12-Mittelmotor. Als wäre der Katla nicht schon spektakulär genug – dieser Mann liebt den großen Auftritt!

Fazit

Ich ziehe meinen Hut vor diesem Wahnsinns-Projekt. Ambitioniert ist in diesem Kontext noch maßlos untertrieben. In der heutigen Zeit ein Hypercar aus dem Boden zu stampfen, bei dem praktisch jedes Teil selbst entwickelt ist, ist mehr als eine Mammutaufgabe. Einen großen Schritt haben sie bei Giamaro Automobili bereits geschafft, der wichtigste Schritt folgt (hoffentlich) in naher Zukunft. Ich bleibe dran!