Das Goodwood Festival of Speed ist das Fest des automobilen Wahnsinns, die vielleicht größte, wildeste und vor allem aufregendste Feier des Autos, zumindest in Europa. Von Supercars, Formel-1-Boliden bis hin zu Neuvorstellungen, von Legenden bis hin zu Traumklassikern aller Zeitperioden und nicht zuletzt Neuvorstelluingen: Hier stehen, rollen, rennen Autos aller Art, die aber eines gemeinsam haben: Es sind ausnahmslos Traumautos. Was vier Räder hat (oder auch nur zwei), und einen Motor, taucht über kurz oder lang auf am Goodwood House.
Für das FOS 2025 waren rund 650 herausstechende Autos und Motoräder gemeldet, auf den Parkplätzen rundum standen weitere Hunderte Superautos. Die Aufgabe: Darunter drei Highlights auszuwählen! Das ist aber kaum lösbar, du läufst von einer Autosensation zur nächsten. Ein Beispiel: Sticht dieser blaumetallicfarbene Jensen Interceptor mit Lachgaseinspritzung die chromviolette Lotus Elise gleich daneben aus? Schwer zu sagen. Die Wahl der Highlights kann also nur sehr subjektiv ausfallen. Hier sind also meine persönlichen Top 3.
Gordon Murray T.50 Nr 87 in Goodwood, Festival of Speed
Der Gordon Murray T.50 sticht in jeder Form heraus: in Konstruktion, Kraft und Farbe. Im Heck sitzt der massive Lüfter, mit dessen Hilfe sich das Auto am Boden für mehr Anpressdruck ansaugt.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD

Gordon Murray T.50 – limitiertes Wahnsinnsauto

Wem der Name Gordon Murray nichts sagt – unter Motorsportinteressierten dürften es nur wenige sein – den flasht mit Sicherheit das aktuelle Supercar des Designers und Konstruktreurs des McLaren F1. der Gordon Murray T.50. Dessen in Zusammenarbeit mit Cosworth entwickelter Zwölfzylinder, ein freier Sauger mit 670 PS, treibt ein Flügeltürauto mit weniger als 1000 kg Leergewicht an. Nur 100 Exemplare werden gebaut und an Privatkunden ausgeliefert. Das 100. wird in den wenigen Wochen fertig. Vor mir steht Nr. 87, die Nummer ist eingraviert in eine Metallplatte vor dem Ganghebel.
Gordon-Murray T.50 in Goodwood
Beim Festival of Speed 2025 kreuzten gleich mehrere Gordon Murray T.50 auf
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Dieses Auto zeichnet der fette Karbon-Ventilator im Heck aus: Das 40-cm-Flügelrad saugt die Luft vom Boden an, der Bodeneffekt sorgt neben der hohen Abrisskante für weiteren Abtrieb! Ein faszinierendes Auto in einem strahlenden goldgelben Metalliclack und verglastem Mittelmotor.
Kurzes Gespräch mit dem Besitzer (des goldgelben GMA T.50), der das Auto seit gerade mal seit zwei Tagen hatte und in der Zeit über 320 glücksbringende Kilometer gefahren ist: Ob ich wohl den Preis wissen dürfte? Ich habe nicht wirklich mit dieser entwaffnend offenen Antwort gerechnet, hier kam sie: "Es waren 2,36 Millionen Pfund – vor Steuern." Mit 20 Prozent britischer Verkaufssteuer sind das 2,83 Millionen britische Pfund oder umgerechnet 3,28 Millionen Euro. Mit einem tiefen Seufzer: Dies ist ein Autotraum für ganz wenige.

Alpine A290: Verschärfter R5 mit 220 elektrischen PS

Dagegen ist Highlight Nr. 2 schon eher bodenständig. Die Form: ikonisches Retrodesign vom R5. Der Motor: Ein elektrisches Kraftpaket mit 220 PS. Die Beschleunigung: null auf 100 in 3,8 Sekunden. Diese Werte zeichnen den Alpine A290 aus, an dem man in Goodwood 2025 kaum ungerührt vorbeigehen konnte. Auch auf einem schwarzen Podest stehend, beeindruckte der angeschärfte Bruder des französischen Retrocars mit seinem kompakten Auftritt.
Alpine A290
Das Heck verrät die enge Verwandtschaft zum aktuellen Renault 5 – wie auch zum Ahnen Super-Cinq. Der Alpine A290 bringt R5-Power auf ein neues Level.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Das doppelte LED-X in den Scheinwerfern wie auch den Zusatzleuchten symbolisieren: Hier steht ein Kraftpaket, keine vier Meter lang und gerade mal 1,50 Meter hoch. Und durch den elektrischen Antrieb wird klar: Sportliches und zugleich ökogisches Fahren schließen einander nicht aus. Ein Elektrosportler für die Stadt.

Porsche Taycan GTS: starker Alltagsportler

Die Idee des elektrischen Seriensportwagens mit vier Plätzen treibt der Porsche Taycan auf die Spitze. Von der Technik her sind die Werte schon überzeugend: Mit seiner Spitzenleistung von 700 PS reicht der 102 kWh große Akku laut offiziellem Wert für 638 Kilometer. Entscheidend aber ist beim Anblick eines Autos die Frage, ob das Herz hüpft.
Porsche Taycan GTS
Der Porsche Taycan GTS trägt die schlichte wie eindrucksvolle Farbe "Eisgrau Metallic", innen ist er schwarz, die Bremssättel rot. Eine umwerfende Kombination!
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Bei diesem in Eisgrau-Metallic lackierten Taycan GTS, beiläufig auf einer Wiese geparkt, hat es meins getan, so toll steht er da. Auf schlichten schwarzen Alus stehend, akzentuiert durch rote Bremsättel, bringt er das Herz zum Beben. Das schwarze Leder drinnen passt perfekt dazu.

Kurzer Audi quattro bringt Skischanzen-Erinnerungen zurück

Aber klar, noch weitere Autos faszinierten mich, zogen den Blick auf sich. Gut, der legendäre Audi-quattro-Werbespot auf einer Skischanze in Finnland urde in den 80ern nicht mit dem kurzen Sportquattro mit weißen Ronal-Alus gedreht, sondern mit einem Audi 100 CS quattro C3 (Typ 44). Eine schöne Erinnerung weckte das Goodwood-Ensemble dennoch. Aufwühlend war auch die Weltpremiere des in Goodwood als Weltpremiere enthüllte Super-E-Autos Hyundai 6N, doch dazu später mehr.
Audi Sport quattro auf nachbauter Skischanze
Das Original ist legendär: 1986 fuhr ein Audi quattro C3 (Typ 44) eine Skischanze in Finnland hoch für einen epischen Werbesport. Diese Stahlrampe soll die Schanze darstellen, und dieser Audi ist ein kurzer Sport quattro, doch es klappt: Tolle Erinnerungen kommen hoch!
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Im Traumauto-Angebot von Goodwood waren noch ein olivfarbener Lamborghini Urus oder im Superar Paddock der Prototyp des neuen Zenvo Aurora mit 1850 PS, befeuert durch einen V12 mit 1250 PS und weiterer elektrischer Unterstützung.
Zenvo Aurora debütiert als hybrides Supercar in Goodwood
Der Zenvo Aurora debütiert als hybrides Supercar mit 1850 PS, in Goodwood zeigte die dänische Firma erstmals den Prototyp dynamisch auf einer Rennstrecke.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Der wiederum hatte sein dynamisches Debüt auf der Rennstrecke von Goodwood, angelassen von niemand Geringerem als Charles Gordon-Lennox, dem 11. Herzog von Richmond und Gründer des Festivals of Speed. In Serie soll der Aurora dem Bugatti Tourbillon Konkurrenz machen im ewigen Wetteifern der Supercars, immerhin hat der Zenvo 75 PS mehr als der Bugatti-V16. Es bleibt also weiter spannend.
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Drei Highlights unter 1000 Superautos auswählen? Unmöglich. Und doch: Diese drei haben mein Herz besonders berührt. Viele andere Wagen auch, vor Hunderten blieb ich in Goodwood bewundernd stehen. Die Entscheidung war hart!