Heute stand ich an der Zapfsäule und habe Diesel für 2,20 Euro pro Liter getankt. Dabei hat mich nicht einmal der Preis an sich schockiert, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der ich ihn inzwischen hinnehme. Vor einigen Monaten habe ich noch mit den Zähnen geknirscht, wenn überhaupt eine Zwei vor dem Komma stand. Inzwischen fühlt sich das fast wie das neue "Normal" an.
Egal ob Benzin oder Diesel: Tanken ist derzeit extrem teuer. Da stellt sich vielen die Frage: Bleibt das jetzt so? Irgendwann müssen Benzin und Diesel doch auch wieder günstiger werden. Oder?
Die kurze Antwort lautet: Ja. Spritpreise könnten auch wieder deutlich fallen. Die etwas unbequemere Antwort: Kurzfristig spricht gerade ziemlich wenig dafür. Und langfristig gibt es einige Faktoren, die verhindern könnten, dass wir dauerhaft zu den Preisen zurückkehren, die wir noch vor gut einem Jahr als normal empfunden haben.

2026 könnte das teuerste Tankjahr werden

Wie außergewöhnlich die aktuelle Situation ist, zeigt der Blick auf die Durchschnittspreise. Super E10 kostet derzeit wieder deutlich mehr als zwei Euro je Liter (2,16 Euro), Diesel liegt sogar noch darüber (2,25 Euro). Der ADAC hält es inzwischen für möglich, dass 2026 zum teuersten Tankjahr überhaupt wird.

Spritpreis Tagespreisentwicklung

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Benzinpreis E10
17
Dieselpreis
22

Durchschnittspreise in den 100 größten Städten Deutschlands. Diese Daten sind ohne Gewähr.

AKTUELLE PREISE
Das Entscheidende dabei: Der Preis an der Zapfsäule hängt nicht einfach nur am Rohölpreis. Zwischen Ölquelle und Tankstelle liegt eine lange Kette. Rohöl muss gefördert, transportiert und in Raffinerien zu Benzin, Diesel und anderen Produkten verarbeitet werden. Anschließend kommen Transport, Vertrieb, Steuern und Abgaben hinzu. Die Gründe für die aktuell hohen Spritpreise sind vielfältig, es kommen gleich mehrere Faktoren zusammen.

Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr

Einer der wichtigsten Gründe liegt Tausende Kilometer entfernt: die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman. Vor dem Iran-Krieg lief hier etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung entlang. Inzwischen ist die Meerenge zwar nicht komplett geschlossen, der Schiffsverkehr aber weiterhin massiv eingeschränkt. Viele Reedereien meiden die Route aus Sicherheitsgründen.
Das lässt sich nicht einfach ausgleichen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate können einen Teil ihres Öls über Pipelines an Hormus vorbeischleusen. Vollständig ersetzen können sie die ausgefallenen Mengen aber nicht.
Und selbst wenn Deutschland vergleichsweise wenig Öl direkt aus der Golfregion bezieht, trifft uns das Problem. Denn Öl wird weltweit gehandelt. Fehlen große Mengen aus dem Nahen Osten, suchen sich wichtige Abnehmer wie China und Indien andere Lieferanten – und konkurrieren dort mit Europa. Das treibt die Preise insgesamt nach oben.

Politische Lage zwischen den USA und Iran

Der zweite große Unsicherheitsfaktor ist die politische Lage zwischen den USA und Iran. Washington erhöht den wirtschaftlichen Druck auf Teheran weiter und hat erst am 24. August zusätzliche Sanktionen verhängt. Gleichzeitig gibt es weiterhin keine belastbare politische Lösung für den Konflikt. Für den Ölmarkt ist schon die Unsicherheit ein Problem. Das Risiko weiterer Lieferausfälle wird von den Händlern schon in den Ölpreis einkalkuliert.
Kann US-Präsident Donald Trump damit unseren Spritpreis beeinflussen? Zumindest indirekt. Er kann weder den Preis an einer deutschen Tankstelle festlegen noch kontrollieren, wie viel die Mineralölkonzerne verlangen. Aber amerikanische Sanktionen, militärische Entscheidungen oder eine Einigung mit Iran können das weltweite Ölangebot verändern. Und damit letztlich auch den Preis, den wir für Benzin und Diesel bezahlen.

Der Dollarkurs entscheidet mit

Dann gibt es noch einen Faktor, den man leicht übersieht: Öl wird international in US-Dollar gehandelt. Für uns ist deshalb nicht nur wichtig, wie viel ein Barrel Rohöl kostet, sondern auch, wie der Euro zum Dollar steht. Ein starker Euro bedeutet, dass europäische Einkäufer für einen Euro "mehr Dollar" bekommen. Entsprechen können sie Rohöl günstiger kaufen. Ein schwacher Euro macht Öl dagegen zusätzlich teuer.
Aktuell steht der Euro bei rund 1,17 Dollar. Deshalb kann ein fallender Ölpreis an der deutschen Zapfsäule teilweise verpuffen, wenn gleichzeitig der Euro schwächer wird. Umgekehrt kann ein starker Euro steigende Ölpreise zumindest etwas abfedern.

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Wie hängen Benzin, Diesel und Gas zusammen?

Benzin und Diesel haben denselben Ausgangsstoff: Rohöl. Trotzdem entwickeln sich ihre Preise nicht immer gleich. Denn aus Rohöl müssen Raffinerien erst die verschiedenen Produkte herstellen: Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl und andere Kraftstoffe. Ist eines davon besonders knapp, kann dessen Preis stärker steigen als der eigentliche Rohölpreis.
Gerade beim Diesel sieht man es momentan stark, denn Diesel ist auf dem Weltmarkt momentan knapper als Benzin: Die Nachfrage nach Diesel und verwandten Produkten wie Kerosin trifft auf eingeschränkte Raffineriekapazitäten und geringere Exporte wichtiger Lieferländer. Dadurch steigt der Großhandelspreis für Diesel stärker als der für Benzin.
Und Gas? Das wird zwar auf einem eigenen Markt gehandelt, die aktuelle Krise betrifft aber beide Energieträger. Durch die Straße von Hormus wurde vor dem Krieg neben Öl auch ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Flüssigerdgases transportiert. Wird diese Route unsicher, kann deshalb auch Gas teurer werden. Öl und Gas hängen also nicht direkt aneinander. Aber derselbe Konflikt kann beide Preise gleichzeitig nach oben treiben.

Wann wird Sprit wieder günstiger?

Noch 2025 kostete Super E10 im Jahresdurchschnitt 1,688 Euro, Diesel 1,611 Euro. 2026 liegen wir zeitweise 50 Cent darüber. Spritpreise kennen aber nicht nur eine Richtung. Sie können innerhalb weniger Monate massiv steigen, aber auch genauso schnell wieder fallen. Wann sich die Lage dauerhaft entspannt, kann derzeit allerdings niemand seriös vorhersagen.
Der wichtigste Schlüssel liegt im Nahen Osten. Entspannt sich der Konflikt und normalisiert sich der Verkehr durch die Straße von Hormus, dürfte ein erheblicher Risikoaufschlag aus dem Ölpreis verschwinden. Mehr Angebot käme auf den Weltmarkt, Rohöl könnte günstiger werden und mit etwas Verzögerung auch Benzin und Diesel bei uns.
Kurzfristig rechne ich damit allerdings nicht. Solange der Konflikt zwischen den USA und Iran ungelöst bleibt und Hormus nur eingeschränkt passierbar ist, werden Benzin und Diesel teuer und vor allem extrem schwankungsanfällig bleiben.
Und selbst wenn der Ölpreis wieder deutlich fällt, heißt das noch nicht, dass wir automatisch zu den alten Preisen zurückkehren. Denn wie ich bei mir selbst gemerkt habe, ist noch etwas passiert: Wir gewöhnen uns an die Zwei vor dem Komma. Ein Literpreis von 1,80 Euro, über den wir uns vor wenigen Jahren noch geärgert hätten, würde sich heute plötzlich günstig anfühlen.
Das ist auch für den Markt relevant. Tankstellen und Mineralölkonzerne haben schließlich keinen historischen Zielpreis, zu dem sie freiwillig zurückkehren. Die Preise sinken erst dann, wenn günstigere Einkaufspreise und der Wettbewerb die Anbieter dazu zwingen.
Gleichzeitig verändert sich der Markt. Ein wachsender Teil der Autofahrer steigt auf Elektroautos um und verabschiedet sich damit ganz oder teilweise von der Zapfsäule. Die verbleibenden Verbrennerfahrer sind dagegen auf Benzin und Diesel angewiesen. Wie sich sinkende Absatzmengen, weniger Tankstellen und der Wettbewerb langfristig auf die Margen auswirken, wird deshalb mindestens genauso spannend wie die Entwicklung des Ölpreises.
Dazu kommt ein Faktor, der garantiert nicht verschwinden wird: der CO2-Preis. Er macht fossile Kraftstoffe politisch gewollt schrittweise teurer. Europa bleibt zudem abhängig von Energieimporten und geopolitische Krisen werden auch künftig immer wieder für Ausschläge sorgen.
Wir werden Benzin und Diesel irgendwann wieder für knapp unter zwei Euro tanken. Vielleicht sogar schneller, als es sich gerade anfühlt. Eine Entspannung im Nahen Osten könnte den Ölmarkt innerhalb kurzer Zeit drehen. Aber ich glaube nicht, dass wir dauerhaft in die alte Preiswelt zurückkehren.
Diesel für 2,32 Euro ist für mich nicht das neue Normal. Aber 1,50 Euro pro Liter als Normalpreis ist wahrscheinlich genauso Geschichte. Die Zwei vor dem Komma wird wieder verschwinden. Wir werden sie künftig aber vermutlich öfter sehen als uns lieb ist.