Seit Erscheinen des durchtrainierten Bonsai-Sportlers Hyundai i20 N im Jahr 2020 sieht der VW Polo GTI Rot. Oder besser "Performance- Blau". Der i20 N ist nicht weniger als die Basis für das gleichnamige Rallyefahrzeug, mit dem Hyundai auf internationalem Schotter gegen die Großen der Szene antritt.

Vergleich Hyundai i20 N Performance, VW Polo GTI

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1.
Hyundai i20 N Performance
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2.
VW Polo GTI
VW Polo GTI
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Das wird schon äußerlich sichtbar. Aggressive Schürzen, wohlgeformte 18-Zöller und ein großer Dachspoiler markieren optisch das Revier. Understatement überlässt er anderen. Zum Beispiel dem Polo. Der wurde nach fünfjähriger Bauzeit kräftig überarbeitet und nachgewürzt. Vorne übt nun ein durchgehendes Lichtband den Schulterschluss zum Golf, die Schürze ist weit geöffnet. 
VW Polo GTI
Keine Handarbeit möglich: VW bietet den Polo GTI ausschließlich mit einem Siebengang-DSG an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Am Heck sitzen erstmals zweigeteilte Rückleuchten. Außer dem dezenten Dachspoiler und dem Doppelrohrauspuff unterscheidet sich der GTI aber nicht weiter von der Basis. Schriftzüge ab, und fertig ist der perfekte Underdog.

Im Polo GTI steckt die bekannte Maschine

Unter der Haube arbeitet weiterhin der bekannte 2.0 TSI, der nun 207 PS leistet und damit gegenüber dem 204 PS starken i20 mit drei Pferdchen in Führung geht. Ob das aber reicht, um den hartnäckigen Koreaner abzuschütteln, kann nur der Track zeigen. Also nichts wie rein in die Sportgeräte. Im Hyundai i20 N fallen sofort die engen, zupackenden Sportsitze auf. Gute Passform, klasse Halt am ganzen Körper – perfekt. Beim Umschalten auf den N-Modus stimmen Flammen im Tacho auf das ein, was kommt.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo
Vierzylinder, Turbo
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Kette
Hubraum
1598 cm³
1984 cm³
kW (PS) bei 1/min
150 (204)/5500
152 (207)/4600
Nm bei 1/min
275/1750
320/1500
Vmax
230 km/h
240 km/h
Getriebe
Sechsgang manuell
Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb
Vorderradantrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
215/40 R 18 Y
215/40 R 18 W XL
Reifentyp
Pirelli P Zero TM (HN)
Continental SportContact 5
Radgröße
7,5 x 18"
7,5 x 18"
Abgas CO2
158 g/km
160 g/km
Verbrauch*
6,7 l/100 km
6,8 l/100 km
Tankinhalt
40 l
40 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
Partikelfilter
Serie
Serie
Vorbeifahrgeräusch
67 dB(A)
70 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
1110/450 kg
1200/680 kg
Stützlast
75 kg
50 kg
Kofferraumvolumen
352–1165 l
305-1079 l
Länge/Breite/Höhe
4075/1775-2045**/1440 mm
4074/1751-1964**/1431 mm
Radstand
2580 mm
2552 mm
Grundpreis
27.490 Euro
31.095 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
28.970 Euro
33.780 Euro


Das karierte VW-Gestühl lässt gerade im oberen Bereich zu viel Luft, wirkt alles in allem deutlich kompromissbereiter als das seines Kontrahenten. Digitale Instrumente sind endlich Serie, ansonsten alles ziemlich brav. Genug Platz vorn wie hinten und ausreichend Kofferraum bieten beide, auch die Verarbeitung stimmt hier wie dort – obwohl der Polo GTI im Detail noch etwas geschliffener wirkt. Heute alles sekundär, hier geht's um sportliche Leistungen. Also auf die Piste, fertig, los!
Kraftvoll, dumpf brabbelnd peilt der Polo die erste Kurve an. Er wird ausschließlich mit einem 7-Gang-DSG angeboten. Geschmacksache. Im Alltag gegenüber einer Handschaltung natürlich deutlich komfortabler, spielt es hier immer wieder nach eigenen Regeln. Klar, wer nicht schalten muss, kann sich besser auf die Strecke konzentrieren. Doch auch im Sportmodus verhaspelt es sich immer mal wieder, meint, dass am Kurvenausgang 2000 Touren völlig ausreichend sind, um sich dann nervös neu zu sortieren.

Hyundai setzt auf eine manuelle Sechsgang-Box

Dann doch lieber die ehrliche Sechsgang-Schaltbox des i20. Hier entscheidet der Fahrer noch selbst. Die Abstufungen passen, die Gangwechsel klappen in der Regel schnell und sicher. Schade, dass es hier und da im Übergang zwischen zweitem und dritten Gang hakelt. Vielleicht ein individuelles Problem des Testwagens, der mit seinen 10.000 Kilometern auf der Uhr schon einiges an Pistenerfahrung gesammelt haben dürfte.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,5 s
2,7 s
0–100 km/h
6,5 s
6,3 s
0–130 km/h
9,9 s
9,6 s
0–160 km/h
15,4 s
14,2 s
0–200 km/h
29,4 s
27,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,2 s
2,9 s
80–120 km/h
4,0 s
3,8 s
Rundenzeit
Contidrom
1:38,39 min
1:40,97 min
Leergewicht/Zuladung
1242/408 kg
1322/478 kg
Gewichtsverteilung v./h.
64/36 %
63/37 %
Wendekreis links/rechts
12,0/12,0 m
10,7/10,8 m
Sitzhöhe
555 mm
580 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,6 m
36,0 m
aus 100 km/h warm
34,1 m
35,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
61 dB(A)
60 dB(A)
bei 100 km/h
68 dB(A)
68 dB(A)
bei 130 km/h
74 dB(A)
71 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
5,8 l/100 km
5,8 l/100 km
Testverbrauch
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,7 l/100 km
(+15 %)
7,5 l/100 km
(+10 %)
Sportverbrauch
10,8 l/100 km
10,4 l/100 km
CO2 (Testverbrauch)
182 g/km
179 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
520 km
520 km

Auf der Geraden schlägt die Stunde des VW. Vom größeren Hubraum profitierend, bolzt er noch etwas kraftvoller los als der keineswegs langsame i20. Vor allem nach oben heraus wirkt der GTI drehfreudiger und weniger zugeschnürt. Ein Bild, dass sich spätestens in der nächsten Kurve radikal ändert.

ESP lässt sich im VW nicht ganz abschalten

Schon das Anbremsen fühlt sich beim GTI deutlich schwammiger und weniger entschlossen an als beim herbe zupackenden N. In der Kurve rächt sich das nicht vollständig abschaltbare ESP, das die Fuhre auch im Sportmodus immer wieder zur Raison ruft. Am Kurvenausgang ringt der GTI dann ziemlich hilflos um Traktion und drängt stark untersteuernd zum äußeren Kurvenrand. Das ist narrensicher, sportlich ist es nicht.
Hyundai i20 N
Der lässt keine Fragen offen: Am Hyundai i20 N Performance finden sich reichlich sportliche Elemente.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Traktionsprobleme kennt der i20 N nicht

Ganz anders der i20. Mit seiner direkteren Lenkung lässt sich der Kurvenverlauf viel exakter bestimmen, schon das Sport-ESP lässt verblüffend lange Leine. Zu hohe Geschwindigkeit und der kleinste Gaslupfer machen das Heck leicht und lassen es nach außen drängen. Am Ausgang stürmt er dank Differenzialsperre an der Vorderachse wie auf Schienen davon, kennt trotz Frontantrieb kaum Traktionsprobleme. Geübte Fahrer können das ESP hier sogar ganz abschalten, ernten so eine reine Fahrmaschine und erleben Fahrspaß, den in dieser Klasse sonst höchstens der Fiesta ST, der ähnlich lustvoll konzipiert wurde, bietet.

Der Polo ist leichter zu beherrschen

Doch spätestens in der langen Rechts-links-Kurve des Contidroms, wenn das Heck bei Tacho 170 zum Überholen ansetzt, sollte der Fahrer genau wissen, was zu tun ist und sehr schnell und exakt eingreifen, damit die Freude nicht am Baum endet. i20 N fahren heißt auch, Verantwortung zu übernehmen. Trotz der kompakten Größe ist er nichts für Fahranfänger. Der Polo schon eher. Obwohl auch er schnell ist, hält die Elektronik ihn immer im Zaum, wacht mit Argusaugen darüber, dass nichts schiefgeht.

Bildergalerie

Hyundai i20 N VW Polo GTI
Hyundai i20 N
Hyundai i20 N Performance
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Hyundai i20 N Performance vs. VW Polo GTI

Power, Klang und Charakter, Sportsgeist: Weil der i20 N auch noch günstiger ist, kann er nur gewinnen. Dem Polo hat das Facelift gutgetan. Er ist der perfekte Dailydriver, ein extrem souveräner Kleinwagen mit viel Komfort. Für einen Sieg in der Sportwertung reicht das aber nicht.