Hyundai Ioniq 5 AWD, VW ID.4 GTX: E-SUV im Vergleichstest
Junge Typen, altes Duell: Ioniq 5 und ID.4 im zweiten Vergleich

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Da klingelt was – Ioniq 5 gegen ID.4 gab's doch schon mal. Im Oktober 2021 traten die beiden elektrischen SUV bereits zum Vergleichstest gegeneinander an. Unser Fazit damals: beides gute Typen, beide komfortabel und fix – Korea jedoch mit mehr Elektrokompetenz. Wolfsburg zog den Kürzeren.
Nun die Neuauflage. In beiden Modellen stecken inzwischen kleine Änderungen, Neuerungen, Verbesserungen. Die wiegen wir gegeneinander auf.
Beide haben einen hohen Preis
Und: Zu mehr Ausstattung kommt bei beiden Autos mehr Leistungsfähigkeit beim Laden und mehr Akkukapazität für zusätzliche Reichweite. Das klingt nach völlig neu gemischten Karten, und so testen wir die Varianten mit großem Akku, starkem Motor und trittfestem 4x4-Antrieb.

Beliebt und teuer: Hyundai verlangt für den Ioniq 5 mit 84-kWh-Akku mindestens 59.400 Euro, der VW ID.4 GTX beginnt bei 55.555 Euro.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Von Hyundai kommt somit der 325 PS starke Ioniq 5. Er kostet ab 59.400 Euro, trägt einen 84 kWh großen Akku mit sich und soll damit (laut WLTP) 495 Kilometer weit kommen. Das Gegenstück von VW hat 340 PS, soll nach gleicher Norm sogar 517 Kilometer Aktionsradius bieten. Der mindestens 55.555 Euro teure ID liefert hierfür 77 kWh Batteriekapazität.
Fahrzeugdaten
Modell | Hyundai Ioniq 5 AWD 84 kWh | VW ID.4 GTX |
|---|---|---|
Motor Bauart | Synchron-E-Motoren | Asynchron-/Synchron-E-Motor |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung gesamt | 239 kW (325 PS) | 250 kW (340 PS) |
Dauerleistung | 81 kW (110 PS) | 77 kW (105 PS) |
maximales Drehmoment | 605 Nm | 679 Nm |
Vmax | 185 km/h | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Trommel |
Testwagenbereifung | 255/45 R 20 W | 235/45-255/40 R 21 V |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport EV | Hankook Ventus S1 Evo3 EV |
Radgröße | 8,5 x 20" | 8,5-9 x 21" |
Reichweite* | 495 km | 517 km |
Verbrauch* | 18,1 kWh/100 km | 17,0 kWh/100 km |
Batteriekapazität netto | 84 kWh | 77 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/260 kW | 11/175 kW |
Ladezeit (10–80 %, DC-Ladung) | 18 Minuten | 28 Minuten |
Ladeanschluss | hinten rechts | hinten rechts |
Fach unter Frontklappe | Serie | – |
Vorbeifahrgeräusch | 67 dB(A) | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/750 kg | 1200/750 kg |
Stützlast | 100 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 520-1580 l + 24 l vorn | 543-1575 l |
Länge/Breite/Höhe | 4655/1890–2116**/1605 mm | 4582/1852–2108**/1619 mm |
Radstand | 3000 mm | 2773 mm |
Grundpreis | 59.400 Euro | 55.555 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 62.900 Euro | 63.255 Euro |
Viel wichtiger: Inzwischen traut VW den Elektromodellen mehr Widerstandskraft an der Schnellladesäule zu, erlaubt Ladeleistungen bis 175 kW. Heißt für die Praxis: In rund 28 Minuten soll der 4er seine Batterien von 10 bis 80 Prozent aufladen können. Der Ioniq schafft diese Übung sogar in nur 18 Minuten – weil das DC-System bis zu 260 kW Ladeleistung verträgt.
Tatsächliche Reichweiten deutlich unter WLTP
Klarer Ladevorteil Hyundai also an dieser Stelle – es geht einfach schneller, diese kürzeren Pausen sind ein großer Vorteil auf langen Strecken. Aber Achtung: In der Praxis ermattet der Vielfahr-Glanz des Ioniq 5 wieder etwas. Den versprochenen Verbrauch (18,1 kWh/100 km nach WLTP) mit entsprechendem Aktionsradius können wir nämlich nicht bestätigen.

WLTP-Versprechen gebrochen: Im Test kommt der Hyundai mit einer Akkuladung 328 Kilometer weit, der VW schafft 308 Kilometer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach unserer Prüfung "trinken" die beiden E-Maschinen des Koreaners fast 30 kWh Energie auf 100 Kilometer. Das lässt die Maximalreichweite auf 328 Kilometer schrumpfen. Auch VW steht kaum besser da. Der ID.4 GTX kommt im Alltag nur 308 Kilometer weit, weil er ebenfalls den Herstellerverbrauch deutlich verfehlt. Zur Ehrenrettung beider Elektriker muss aber erwähnt werden, dass die Messungen bei winterlichen -1 Grad Celsius stattfanden.
Messwerte
Modell | Hyundai Ioniq 5 AWD 84 kWh | VW ID.4 GTX |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 2,0 s | 2,4 s |
0–100 km/h | 5,3 s | 5,7 s |
0–130 km/h | 8,6 s | 9,0 s |
0–160 km/h | 13,7 s | 13,6 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,8 s | 2,8 s |
80–120 km/h | 3,7 s | 3,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2141/544 kg | 2274/496 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % | 48/52 % |
Wendekreis links/rechts | 12,2/12,2 m | 11,5/11,5 m |
Sitzhöhe | 650 mm | 640 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 35,6 m | 35,9 m |
aus 100 km/h warm | 35,2 m | 33,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 57 dB(A) | 57 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 71 dB(A) | 72 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 20,4 kWh/100 km | 21,1 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 29,0 kWh/100 km (+60 %) | 28,5 kWh/100 km (+68 %) |
Sportverbrauch | 34,8 kWh/100 km | 31,3 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km | 0 g/km |
Reichweite | 328 km | 308 km |
An den weiteren Reisequalitäten beider Kandidaten gibt es wenig zu meckern. Vor allem der VW läuft sehr komfortabel, federt fehlerfrei und lässt sich stressarm führen. Er liegt hervorragend satt auf der Straße, das saubere Lenkgefühl passt exakt zum tadellosen Fahrverhalten.
Ioniq 5 mit der weicheren Abstimmung
Anders der Hyundai. Auch er bügelt Bodenwellen angenehm nachgiebig glatt. Allerdings schwingt er aufgrund weicherer Stoßdämpferabstimmung weiter aus, das ergibt ein etwas losgelösteres Gefühl auf schlechten Straßen.

Etwas lösgelöst: Wegen seiner weicheren Abstimmung liegt der Hyundai nicht so satt wie der VW. Seine Karosserie neigt sich stärker.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Außerdem reagiert er bei höherem Tempo empfindlicher auf Lenkimpulse, die spürbare Karosserieneigung beim Einlenken verstärkt das Gefühl, einen massigeren Wagen zu fahren. Nicht schlimm, nie unsicher – doch ein Wesensunterschied zum VW.
Dabei ist der ID.4 doch sogar das viel schwerere Auto. Nur der Vollständigkeit halber: Auch in der Stadt fühlt sich der VW dank seines geringeren Wendekreises verbindlicher an.
Die feinere Einrichtung hat der Hyundai
Zum guten Komfort beider Autos passen Raumangebot und Sitze. Im Hyundai geht es noch einen Hauch luftiger zu (subjektiv und auch nach Messwerten), die Vordersitze des VW dagegen schmiegen sich nochmals besser an, sind sogar mit einem Prädikat (besonders rückenschonend) ausgezeichnet.

Besserer Arbeitsplatz: Der Ioniq 5 ist hochwertiger eingerichtet und bietet mehr Ausstattung – er lässt sich zudem noch leichter bedienen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Unterm Strich attestieren wir jedoch dem Koreaner mehr Wohlfühlkompetenz. Weil er hochwertiger eingerichtet und leichter bedienbar ist. So legt Hyundai die Steuerung des Klimasystems auf ein eigenes Tastenfeld unterhalb des Zentralbildschirms – das ist weniger ablenkend und schneller erlernt als im VW. Außerdem sind eine Rückfahrkamera und der schlüssellose Zugang serienmäßig an Bord. So etwas lässt VW uns 1350 Euro Aufpreis kosten.
Mehr Fahrassistenz im ID.4 GTX
Dagegen legt VW die Messlatte in Sachen Fahrassistenz höher. So informiert der ID.4 den Fahrer über ein hervorragendes Head-up-Display mit guter Grafik und sauber sortierten Inhalten.

Sichere Sache(n): Staufolgeassistent, Tempolimiterkennung und ein "echter" Notfallassistent arbeiten im VW ID.4 GTX sehr zuverlässig.
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Zudem heftet sich der hilfreiche Staufolgeassistent im Stop-and-Go-Verkehr fehlerfrei an den Vordermann, die Tempolimiterkennung (und entsprechende Anpassung) arbeitet auch auf Landstraßen sehr fehlerarm, und ein "echter" Notfallassistent bringt das Auto nach plausibler Warnkaskade zuverlässig zum Stehen.
Platzierung
Modell | Hyundai Ioniq 5 AWD 84 kWh | VW ID.4 GTX |
|---|---|---|
Punkte* | 584 | 580 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Mehr Platz, mehr Tempo, bessere Ladetechnik, das Ganze sogar günstiger – so gewinnt man hier. | Im Volkswagen stecken geschliffenere Assistenz, mehr Fahrkomfort und das agilere Auto. |
So macht VW auf den starken, luxuriösen und angenehmen Hyundai zwar wieder Boden gut. Für den Sieg reicht das allerdings nicht. Und da klingelt dann wieder was. Das war beim ersten Vergleich vor vier Jahren auch schon so.
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