Interview mit Mercedes-Chef Ola Källenius zur neuen C-Klasse
Wird es die C-Klasse weiter als Verbrenner geben?

Zum Start der elektrischen Mercedes C-Klasse steht Konzernchef Ola Källenius im Interview Rede und Antwort – und verrät auch, ob es weiterhin eine Verbrenner-C-Klasse geben wird.
Bild: Mercedes
Seit fast sieben Jahren steht Ola Källenius an der Spitze von Mercedes. Aktuell muss er den Konzern durch schwierige Zeiten steuern. Gewinneinbrüche, Schwäche im China-Geschäft, zusätzliche Zollbelastungen. Eine Modelloffensive mit mehr als 40 neuen Modellen bis 2027 soll es richten. Eines der Modelle: die elektrische Mercedes C-Klasse. Damit bringen die Schwaben ihr wichtigstes Volumenmodell zum ersten Mal rein elektrisch. AUTO BILD hat mit Mercedes-Chef Ola Källenius über die technologischen Neuerungen und die Aussichten für das Modell gesprochen.
Ola Källenius zur neuen Mercedes C-Klasse: Interview
AUTO BILD: Herr Källenius, mit der neuen C-Klasse bringen Sie den Bestseller von Mercedes das erste Mal als reines Elektroauto auf den Markt. Was sind die drei Dinge, auf die Sie bei dem Auto besonders stolz sind?
Ola Källenius: Es gibt natürlich viele Dinge, aber ich fange mal klassisch mit der Technik an. Der Antriebsstrang ist komplett neu entwickelt – mit neuen elektrischen Antriebseinheiten, Zweigang-Getriebe und insgesamt einer Effizienz, die sehr hohe Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten ermöglicht.
Dann das Thema Intelligenz: Das Auto hat ein komplett neues "Gehirn", das Mercedes-Benz Operating System. Bis zu 27 Sensoren ermöglichen die sogenannte Point-to-Point-Navigation. Im Prinzip gibt man hier sein Ziel ein, aktiviert das System und das Auto bringt einen dorthin – solange die Hände am Lenkrad sind und der Fahrer aufmerksam bleibt. In den USA und China ist das bereits zulässig, in Europa wird es vermutlich im nächsten Jahr so weit sein.
Und der dritte Punkt ist das Fahrgefühl. Eine C-Klasse muss sportlich sein, aber gleichzeitig souverän. Mit Luftfederung, Hinterachslenkung und dem langen Radstand fühlt sich das Auto fast wie eine Klasse darüber an.
Sie sprechen von einem "neuen Gehirn"?
Wenn der Antriebsstrang das "Herz" ist, ist MB.OS das Gehirn. Wir haben hier unter anderem den neuen Supercomputer von NVIDIA und einen Softwarestack, bei dem auch künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Gepaart mit einer Vielzahl an Sensoren, dem Radarsystem und insgesamt zehn Kameras rund um das Auto, wird die C-Klasse zu einem hochintelligenten Auto. Das zeigt sich nicht nur am automatisierten Fahren, sondern auch in der neuen Generation des Infotainmentsystems MBUX. Der neue Mercedes Virtual Assistant basiert auf Large Language Models von Open AI und Google. Das hebt die Sprachbedienung auf ein neues Level. Man kann ganz natürlich mit dem Auto sprechen – etwa nach Restaurants, Hotels oder Routen fragen. Im Hintergrund arbeiten verschiedene KI-Systeme parallel, der sogenannte "Mercedes Arbitrator" entscheidet, welche Antwort die beste ist.

AUTO BILD-Vize-Chefin Lena Trautermann interviewt Mercedes-Boss Ola Källenius in der neuen, vollelektrischen C-Klasse.
Bild: Mercedes
Bei den Vorgängern stand das Infotainment gern mal wegen zu komplexer Menüführung und Softwareaussetzern in der Kritik. Was hat sich konkret an der alltäglichen Nutzung verbessert?
Es gab viele Kundenstudien. Und das Ergebnis sieht man jetzt: Wir haben viel Wert auf einfache Bedienung gelegt. Wichtige Elemente lassen sich mit physischen, optisch ansprechenden Knöpfen bedienen, wie zum Beispiel die Lautstärke mit Walze. Das Ganze wird ergänzt von der sogenannten "Zero Layer"-Logik. Sie stellt die wichtigsten Funktionen auf dem Infotainmentscreen direkt in den Vordergrund: Navigation, Kommunikation, Klimatisierung und Entertainment. Gerade im Elektroauto ist Navigation zentral – inklusive Ladeplanung. Alles ist mit wenigen Klicks oder per Sprache erreichbar.
Wir sitzen hier gerade in der C-Klasse 400, dem Spitzenmodell der Baureihe – wo wird der preislich starten?
Wir bewegen uns auf dem Niveau vergleichbarer Verbrenner. Das Topmodell wird unter 70.000 Euro liegen. Marktstart ist im dritten Quartal, Bestellstart voraussichtlich ab Mai. Wichtig ist: Es wird auch günstigere Einstiegsvarianten geben, die ab Ende des Jahres folgen. Im Topmodell setzen wir auf eine NMC-Batterie mit hoher Energiedichte für maximale Reichweite. Für die Einstiegsversionen nutzen wir ebenfalls moderne, aber preiswertere LFP-Technologie. So können wir eine breite Preisspanne abdecken.
Wir bewegen uns auf dem Niveau vergleichbarer Verbrenner. Das Topmodell wird unter 70.000 Euro liegen. Marktstart ist im dritten Quartal, Bestellstart voraussichtlich ab Mai. Wichtig ist: Es wird auch günstigere Einstiegsvarianten geben, die ab Ende des Jahres folgen. Im Topmodell setzen wir auf eine NMC-Batterie mit hoher Energiedichte für maximale Reichweite. Für die Einstiegsversionen nutzen wir ebenfalls moderne, aber preiswertere LFP-Technologie. So können wir eine breite Preisspanne abdecken.
Und wie sieht es nach oben aus? Dürfen wir uns auch auf performante AMG-Versionen der C-Klasse freuen?
(Källenius schmunzelt) Ja. Es wird auch etwas von AMG geben. Mehr verrate ich an dieser Stelle aber noch nicht.
Wird es die C-Klasse auch weiterhin als Verbrenner geben?
Ja. Im Laufe des Jahres aktualisieren wir auch die Verbrenner-Version. Alle Antriebe werden überarbeitet und sind Euro-7-ready, darunter auch ein Plug-in-Hybrid mit über 100 Kilometern elektrischer Reichweite.
Und das T-Modell?
Der Kombi ist ein europäisches Phänomen. Das T-Modell wird es weiterhin in der Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-C-Klasse geben. Als reine Elektrovariante ist es nicht geplant.
Jetzt haben wir über Technologie und Antriebe gesprochen – aber wie sieht es denn in Sachen Alltagstauglichkeit aus?
Schauen Sie mal in diesen Kofferraum. Für die Fahrzeugklasse in einer Limousine haben wir hier unheimlich viel Stauraum. Obendrauf kommen noch mal 101 Liter Ladevolumen im Frunk. Und trotz coupéhafter Dachlinie ist im Fond ordentlich Platz: Dank der Elektroplattform können wir den Radstand voll ausnutzen, sodass man fast wie in einer E-Klasse sitzt.
Schauen Sie mal in diesen Kofferraum. Für die Fahrzeugklasse in einer Limousine haben wir hier unheimlich viel Stauraum. Obendrauf kommen noch mal 101 Liter Ladevolumen im Frunk. Und trotz coupéhafter Dachlinie ist im Fond ordentlich Platz: Dank der Elektroplattform können wir den Radstand voll ausnutzen, sodass man fast wie in einer E-Klasse sitzt.
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