Schauen Sie mal links oben auf das Foto. Da steht der Corsa 1.2 in "Kristall Silber", mit 75 Pferdchen und Handschaltung – ab 20.300 Euro. Direkt dahinter steht der Electric. Seit dem Facelift Ende 2023 bietet Opel ihn auch in der Long Range-Version an, 156 PS und sportliche Optik inklusive. Preis: ab 38.045 Euro. Oder mit anderen Worten: fast doppelt so teuer wie sein Basis-Derivat.
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Wie viel Corsa braucht es also wirklich? Beziehungsweise: Wer braucht welchen Corsa? Schließlich stehen noch drei andere Autos daneben, die je nach Anwendungsfall sogar den besten Kompromiss bieten könnten. Wir haben sie alle unter die Lupe genommen.

Auf dem Fahrersitz: Alles da, wo es hingehört

Im Cockpit fällt auf, dass alles da angeordnet ist, wo man es auch vermutet. Eine zu weit gehende Digitalisierung lässt sich dem kleinen Rüssels­heimer nicht vorwerfen. Wer die Verbrenner-Basis namens Corsa wählt, bekommt anstatt des digitalen 7-Zoll-Kombiinstruments noch analoge Rundinstrumente. Außerdem serienmäßig: eine manuelle Klimaanlage, Parkpiepser hinten sowie ein manueller Tempomat, der mit der Verkehrszeichenerkennung zusammenarbeitet. Erkannte Limits muss man noch einmal per Knopfdruck bestätigen, dann passt der Corsa seine Geschwindigkeit an. Den Abstand muss man natürlich selbst halten.
Alles aufgeräumt im Corsa. Das Lenkrad dürfte gerne noch etwas weiter nach unten fahren. Hier zu sehen: die sportlich angehauchte Linie GS.
Bild: Opel Automobile GmbH
Wer sein Smartphone gern über Apple CarPlay und Android Auto spiegeln möchte, setzt ein Kreuzchen beim Tech-Paket, um das simple Radio durch einen 10-Zoll-Touchscreen zu ersetzen. Kostet im Paket 1000 Euro, zusätzlich sind noch Rückfahrkamera, Parkpiepser vorn, Totwinkelwarner und elektrisch anklappbare Außenspiegel mit drin – außerdem die digitalen Instrumente.
Hier, beziehungsweise nach Ankreuzen des Komfort-Pakets mit Sitz- und Lenkradheizung, Mittelarmlehne und höhenverstellbarem Beifahrersitz für 600 Euro, können Preisbewusste eigentlich schon ihre Grenze ziehen. So fehlt es dem Corsa an nichts Essenziellem mehr. Und wer weitergehende Komfort-Features wie Klimaautomatik und ein Onboard-Navi (1400 Euro im Paket) möchte, muss dann ohnehin zum GS greifen, der höheren der zwei Ausstattungslinien, die abermals 2650 Euro kostet.
Beim Corsa Electric und Corsa Electric GS Long Range gibt es trotz ähnlicher Namen ein paar Unterschiede zu den Verbrennern. Zum einen sind eine Klimaautomatik und der schlüssellose Start hier immer serienmäßig, zum anderen ist hier standardmäßig ein ganz anderes Infotainment an Bord: ein kleinerer 7-Zoll-Touchscreen, zwar mit Smartphonespiegelung, aber nur per Kabel. Wer die drahtlose Verbindung möchte, muss das große Navi ordern, für 1300 Euro im Paket.
Beim "kleinen" Infotainmentsystem (7 Zoll) funktioniert die Smartphonespiegelung über Apple Carplay oder Android Auto nur über Kabel.
Bild: Opel Automobile GmbH
Das größere 10-Zoll-System kann die Verbindung kabellos herstellen, die Bildschirmauflösung fällt sichtbar höher aus.
Bild: Opel Automobile GmbH
Zu den Sitzen: Das Standardgestühl der Basislinie fällt recht weit geschnitten aus, aber keineswegs unbequem. Die Sportsitze des GS umschließen den Fahrer enger, auch hier beschränkt sich die Einstellbarkeit allerdings auf Sitzhöhe, vor und zurück ­sowie die Lehnenneigung. Merke ebenfalls: Einen Isofix-Punkt zum Befestigen von Kindersitzen gibt es vorn erst ab GS.
Eine pneumatisch einstellbare Lendenwirbelstütze bietet erst der Topsitz. Die beworbene Massagefunktion beschränkt sich allerdings so ziemlich darauf, ebendiese Lendenwirbelstütze auf­zublasen und dann wieder Luft abzulassen. Wer wirklich ­hohe Ansprüche an den Sitzkomfort stellt und oft lange Strecken fährt, ist mit dem größeren Opel Astra und seinen optionalen AGR-Sitzen („Aktion Gesunder Rücken“) immer noch eine Nummer besser gestellt.
Collage Sitze
Von links nach rechts: Top-Sitz mit Massagefunktion, Sportsitz, Basis-Sitz.
Bild: Opel Automobile GmbH

Auf der Rückbank: Hier bietet der Corsa nur das Nötigste

Der Corsa ist nichts für Groß­gewachsene, die mit den Knien schnell anstoßen – vor allem, wenn vorn auch jemand Längeres Platz nimmt. In dieser Klasse ist das ­verschmerzbar, der Opel ist nicht enger als viele seiner Konkurrenten. Aber auch der Komfort hält sich hier in Grenzen – abgesehen davon, dass die Fenster elektrisch rauf- und runtersurren, gibt es ­wenig Annehmlichkeiten. Keine Mittelarmlehne, USB-Ports nur für den GS Electric. Klare Opel-Message: Soll die Urlaubsfahrt zu viert gut laufen, lieber ­einen Astra kaufen. Mit drei Türen gibt es den Corsa schon seit Einführung des aktuellen Modells im Jahr 2019 nicht mehr.
Nicht riesig, aber reicht: Zumindest bis 1,80 Meter kann man es im Corsa auf der Kurz- und Mittelstrecke aushalten. Der Redakteur misst 1,73 Meter, der Vordersitz ist auf ihn eingestellt.
Bild: Opel Automobile GmbH
309 bis 1.081 Liter fasst der Kofferraum des Corsa. Beim Electric sind es rund 40 Liter weniger.
Bild: Opel Automobile GmbH

Antriebe: Bei den Verbrennern stehen fünf Varianten zur Wahl

Wer Verbrenner kauft, kauft im Corsa immer einen Dreizylinder mit 1,2 Liter Hubraum (hier die Version mit 130 PS). Im Fall der Hybridantriebe kommen zusätzlich ein VTG-Lader und variable Ventilsteuerung zum Einsatz.
Bild: Opel Automobile GmbH
Merke zunächst: Die Basisversion mit 1,2-Liter-Sauger und 75 PS macht gar keinen schlechten Job. Klar, der Antritt fällt der Leistung entsprechend aus, mit guten 13 Sekunden bis auf Tempo 100 zieht er die Wurst nicht vom Teller. Aber immerhin liegt das maximale Drehmoment von 118 Newtonmetern schon bei 2750 Umdrehungen an, und der Dreizylinder erspart einem nervige Dröhnfrequenzen. Für den Stadtverkehr reicht das, um sich nicht untermotorisiert zu fühlen, zumal der Corsa so auch am sparsamsten bleibt: Mit 5,7 Liter Testverbrauch überschreitet er die Werksangabe von 5,3 Litern nur leicht, benötigt auch innerorts meist nur um die sechs Liter.
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Dem Otto Normalfahrer, der sich öfter mal auf die Autobahn wagt, empfehlen wir den 1,2-Liter-Motor mit 100 PS. Turbotypisch früh verfügbares Drehmoment lässt ihn schon beim Anfahren spritziger wirken, was das Handschaltgetriebe unterstützt. Es ist enger gestuft, verfügt über sechs kürzere statt fünf längere Gänge. Auch die Kupplung greift früher – so wirkt der Corsa deutlich agiler, das wäre uns die 1880 Euro Aufpreis wert. Eine Achtstufenautomatik gibt es hier optional (2220 Euro). 6,3 Liter Verbrauch hatten wir mit einem Vorfacelift-Modell als Handschalter ermittelt.
Der 130-PS-Motor (+1740 Euro) stellt im Verbrenner-Corsa den Topantrieb dar, ist ausschließlich mit Automatikgetriebe zu haben. Auf der Autobahn rennt er mit bis zu 208 km/h am schnellsten. Ihn haben wir mit 6,9 Litern gemessen.
Ganz neu im Corsa-Programm sind zwei Hybridantriebe: Über einen 29 PS starken 48-Volt-Startergenerator kann der Opel bei niedrigen Geschwindigkeiten – auf der ersten Fahrt waren 30, manchmal auch kurzzeitig 50 km/h möglich – rein elektrisch fahren. Die Versionen unterscheiden sich durch die Stärke der Verbrennungsmotoren. Die schwächere Version leistet 100 PS, die stärkere 136 PS.

Motorisierungen

Motorisierungen
Motor
R3
R3, Turbo
R3, Turbo
R3, Turbo + ISG
R3, Turbo + ISG
E-Motor
E-Motor
Hubraum
1199 cm³
1199 cm³
1199 cm³
1199 cm³
1199 cm³
-
-
Getriebe 
5-Gang 
6-Gang (8-Stufen-Automatik) 
8-Stufen-Automatik 
6-Gang-Doppelkupplung
6-Gang-Doppelkupplung
Direktantrieb 
Direktantrieb 
kW (PS) 
55 (75) 
74 (100) 
96 (130) 
74 (100)
100 (136)
100 (136)
115 (156) 
Nm bei 1/min 
118/2750 
205/1750 
230/1750 
205/1750
230/1750
260 
260 
Vmax
174 km/h
194 (192) km/h
208 km/h
188 km/h
210 km/h
150 km/h
150 km/h
0–100 km/h 
13,2 s 
9,9 (10,8) s 
8,7 s 
9,9 s
7,9 s
8,7 s 
8,1 s 
Zuglast gebremst/ungebremst 
500/500 kg
1200/580 kg
1200/615 kg
1200/610 kg
1200/610 kg
Normverbrauch (WLTP)/100 Kilometer 
5,3 l Super 
5,1 (5,4) l Super 
5,4 l Super 
4,8 l Super
4,7 l Super
15,8 kWh 
14,3 kWh 
Testverbrauch/100 Kilometer* 
5,7 l Super 
6,3 l Super** (-) 
6,9 l Super 
-
-
24,2 kWh 
19,0 kWh 
Tankinhalt/Akkukapazität brutto 
40 Liter 
44 Liter 
44 Liter 
44 Liter/0,89 kWh
44 Liter/0,89 kWh
50 kWh 
51 kWh 
Preise
Corsa 
20.300 Euro
22.180 (24.400) Euro
26.100 Euro
-
-
Corsa GS 
-
24.530 (26.750) Euro
28.490 Euro
28.450 Euro
30.190 Euro
-
Corsa Electric 
-
-
-
34.650 Euro
Corsa Electric GS 
38.045 Euro
Fazit
Dreizylinder-Sauger, der mit Durchzug geizt, aber mit annehmbaren Manieren punktet. Eher lang übersetztes Fünfganggetriebe. Spätestens mit Beladung oder auf der Autobahn wünscht man sich aber mehr Leistung. 
Die vernünftige Wahl, mit kürzer übersetztem 6-Gang-Getriebe oder mit 8-Stufen-Wandlerautomatik zu haben. Fühlt sich durch den Turbolader und das höhere Drehmoment kräftiger an. Den Verbrauch mit Automatikgetriebe konnten wir nicht messen.
Auf der Langstrecke die souveränste Wahl, nur als GS zu haben. Unter den Benzinern aber auch höchster gemessener Verbrauch. Gut für die Langstrecke: Für die Verbrenner mit Automatik führt Opel ab März 2024 einen adaptiven Tempomaten ein.
Funktionprinzip wie ein Mildhybrid, aber dank immerhin 28 PS kann der Riemenstarter-Generator den Corsa auch alleine antreiben. In der Basislinie die einzige Hybrid-Option.
Stärkere Ausbaustufe des Hybrids, dank stärkerem Verbrenner und mehr Drehmoment der schnellste Corsa. Nur mit der GS-Linie zu haben.
Die ältere Electric-Version ist schon seit Mitte 2019 zu haben. Flotter Antritt, durch die geringere, verhaltenere Rekuperation etwas höherer Verbrauch als beim Long Range. Unter Umständen kann hier schon ein Blick auf den Gebrauchtwagen-markt lohnenswert sein. 
Spürbar kräftiger, bremst stärker über den E-Motor. Realistische Reichweiten von rund 300 Kilometern rechtfertigen die Bezeichnung"Long Range" aber nicht wirklich. Batteriekonditionierung oder Ladeplanung im Auto sind nicht zu haben.

Antriebe: Die zwei Corsa Electric unterscheiden sich deutlich

Bei den Corsa Electric soll die stärkere 156-PS-Version sogar sparsamer laufen. Grund: der neue E-Motor. Er hat spürbar mehr Punch und rekuperiert besonders nach Druck auf die B-Taste deutlich nachdrücklicher. Zusammen mit der um eine Kilowattstunde vergrößerten Batterie macht das laut WLTP 405 Kilometer Reichweite, Opel nennt den neuen "Long Range".
Mit maximal 100 kW lädt der Corsa von 20 bis 80 Prozent in 30 Minuten. Allerdings nur, wenn die Temperaturen mitspielen. Eine Batterievorkonditionierung fehlt. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig an Bord, hilft beim effizienten Heizen des Innenraums.
Bild: Opel Automobile GmbH
Im Test kam der Corsa auf 293 Kilometer Reichweite (neun Grad Außentemperatur). Die bekannte, schon länger erhältliche 136-PS-Version erreichte bei Werten um den Gefrierpunkt nur 235 Kilometer. So richtig langstreckentauglich ist der Corsa damit nicht, vor allem nicht bei Kälte – trotz serienmäßiger Wärmepumpe. Neben einer Navifunktion im Auto, die Ladestopps auf der Route sinnvoll plant (gibt es nur in einer Extra-­Smartphone-App), fehlt auch eine Batterievorkonditionierung. Die maximal möglichen 100 kW Ladeleistung am Schnelllader sind so nicht immer machbar. Wer mit kaltem Akku bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt an die Säule rollt, realisiert bei fast leerem Akku nur Ladetempi von ungefähr 60 kW. So ziehen sich die angegebenen 30 Minuten von 10 bis 80 Prozent schmerzhaft in die Länge, und am Ende sind eher 50 Minuten Zwangspause angesagt. Weniger ein Opel-spezifisches Problem als vielmehr aktuell noch Stand der Technik bei den preiswerteren Stromern – leider.
Dagegen tatsächlich ein Corsa-spezifisches Ärgernis: Wer mit dreiphasigem Bordlader und 11 kW statt einphasig mit 7,4 kW AC-Laden möchte, muss happige 1190 Euro draufzahlen.
Im Stadtverkehr machen beide Corsa Electric dafür richtig Freude. Ampelantritte und Zwischenspurts schütteln sie lässig aus den Kupferwicklungen, für den GS Electric ist als derzeit einzigem Antrieb auch ein adaptiver Tempomat zu haben (im Tech-Paket für 1050 Euro). Opel will ihn ab März auch für die Verbrenner mit Automatik einführen.
Preislich liegen zwischen dem Corsa Electric und dem GS Electric Long Range genau 3395 Euro – nur über den geringeren Verbrauch fährt man diese Differenz so schnell nicht wieder rein. Natürlich liegt beim GS aber auch ein Ausstattungsvorteil.
Wer das Budget hat, eher auf Kurz- und Mittelstrecke unterwegs ist und bevorzugt zu Hause laden kann, für den empfehlen sich die elektrischen Corsa durchaus. Betrachtet man den E-Markt insgesamt, ist er noch immer eine der günstigeren Möglichkeiten, E-Auto zu fahren. Die ältere 136-PS-Version, seit 2019 am Markt, ist mittlerweile auch bereits gebraucht zu Preisen ab etwa 20.000 Euro erhältlich. Alle anderen fahren mit den Verbrennern aber auch gut – und bei aktuellen Energiekosten auch nicht teurer.

Fazit

Der Corsa ist im Alltag ein wirklich angenehmer Begleiter – zum einen durch seine Kompaktheit, zum anderen gibt eigentlich keiner der Antriebe ernsthaft Grund zu meckern. Der Electric ist im wuseligen Stadtverkehr besonders in seinem Element. Wer mit ihm liebäugelt, sollte sich aber bewusst darüber sein, dass er sich im Winter womöglich ein wenig einschränken muss. Gerade aus dieser Perspektive sind auch die neue Hybride interessant. Mehr als 100 PS braucht es im Corsa nicht.