Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung
Die neuen Typklassen-Einstufungen für 2026

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat die neuen Typklassen veröffentlicht. Für über zehn Millionen Autofahrer gelten 2026 neue Einstufungen. Hier kommen die wichtigsten Infos.
Bild: DPA
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Typklassen werden neben den Regionalklassen von den Versicherern verwendet, um die Beitragshöhe für Kfz-Versicherungen zu berechnen. Sie spiegeln die Schadensbilanz eines Fahrzeugtyps wider und werden jedes Jahr aktualisiert.
Verschlechtert sich die Typklasse durch eine höhere Einstufung gegenüber dem Vorjahr, können die Beiträge steigen – umgekehrt kann eine niedrigere Einstufung die Kosten senken. Jetzt hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die neuen Einstufungen für die rund 33.000 verschiedenen Automodelle in Deutschland bekannt gegeben. Sie gelten ab dem 1. Januar 2026.
Etwa 5,9 Millionen Autofahrer müssen sich 2026 auf eine höhere Einstufung bei der Kfz-Haftpflichtversicherung einstellen, rund 4,5 Millionen profitieren dagegen von besseren Typklassen, wie der GDV jetzt bekannt gab. Für etwa 32 Millionen Autofahrer, das entspricht ungefähr drei Viertel, bleibt es bei der Typklasse des Vorjahres.
Bei nur wenigen Modellen ergeben sich drastische Änderungen. Dass es um mehr als eine Klasse nach oben oder unten geht, bleibt die Ausnahme. Zu diesen zählen beispielsweise der Renault Clio 1.3 und der VW ID.4 Pure 125, die ab 2026 beide zwei Klassen niedriger eingestuft werden als im Vorjahr (2025). Eine um zwei Klassen höhere Einstufung ergibt sich dagegen für den Ford Focus 1.0, während der Renault Austral 1.3 sogar gleich um drei Klassen höher eingestuft wird.

Für Fahrer des Renault Austral wird es spürbar teurer: In der neuen Einstufung steigt die Haftpflichtversicherung gleich um drei Klassen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bei jüngeren Fahrzeugmodellen, wie beispielsweise beim Renault Austral, fehlen anfangs viele Daten, weshalb die Typklasse eher vorsichtig angesetzt wird. Sobald genügend Erfahrungswerte vorliegen (oft nach zwei bis drei Jahren), kann die Einstufung spürbar nach oben oder unten korrigiert werden. Wird ein Modell überdurchschnittlich oft von Fahranfängern oder Vielfahrern genutzt und zeigt dadurch eine überdurchschnittliche Unfallhäufigkeit, erfolgt nach wenigen Jahren eine starke Hochstufung.
In der Kfz-Haftpflichtversicherung stehen die Leistungen für die Unfallgegner im Vordergrund, während in der Kaskoversicherung unter anderem der Wert des versicherten Fahrzeugs von Bedeutung ist. Aus diesem Grund haben leistungsstarke Oberklasse-Modelle und SUV hohe Typklassen, während ältere Fahrzeuge und Kleinwagen tendenziell niedrigere Typklassen aufweisen.
Nicht nur Typklassen bestimmen Versicherungskosten
Eine Änderung der Typklasse sagt noch lange nichts über die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrags aus. Denn dieser hängt von einer ganzen Reihe weiterer Faktoren ab – etwa von der Regionalklasse, der individuellen Jahresfahrleistung oder auch von den allgemeinen Reparaturkosten – die seit Jahren deutlich stärker als die allgemeine Inflation steigen. Das hat für die Versicherer spürbare Folgen: Allein in den vergangenen zwei Jahren summierten sich die Verluste in der Kfz-Sparte auf rund fünf Milliarden Euro.
Welchen tatsächlichen Einfluss die neuen Typklassen des GDV auf die Kosten für die Kfz-Versicherung haben, zeigen aktuelle Modellrechnungen von Verivox. Das Vergleichsportal hat auf Basis der neuen Typklasseneinstufungen teils erhebliche Beitragsveränderungen errechnet. Modelle wie der Mercedes GLC 220 d (minus 30 Prozent Vollkasko, minus 14 Prozent Haftpflicht) und der Lynk & Co 01 (minus 39 Prozent Vollkasko) profitieren deutlich, während Fahrzeuge wie Renault Austral, Hyundai Kona oder der elektrische Smart #1 spürbare Mehrkosten von bis zu 24 Prozent aufweisen.

Unter anderem können sich Besitzer eines Mercedes GLC 220 d freuen. Das schwäbische SUV profitiert ab 2026 von einer geringeren Haftpflicht- und Vollkasko-Einstufung. Verivox hat in seiner Modellrechnung in Summe über 800 Euro geringere Versicherungskosten ermittelt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Insbesondere bei neueren Baureihen können aufgrund begrenzter Schadendaten größere Schwankungen auftreten, aber auch ältere Modelle wie der Mitsubishi Colt oder der VW Polo V erfahren deutliche Herabstufungen. Parallel wirken weiterhin steigende Reparatur- und Ersatzteilkosten auf die Beitragshöhe ein, wenngleich einzelne Versicherer mit Preissenkungen in den Wettbewerb eintreten.
Das Vergleichsportal Verivox gibt außerdem zu bedenken: Die Neueinstufung in den Typklassen hat nicht immer direkte Auswirkungen auf die Autofahrer. Verringert oder erhöht sich die Vollkasko-Prämie für ältere Modelle, spielt dies in der Praxis oft keinerlei Rolle, weil Besitzer von Fahrzeugen ab einem Alter von sechs Jahren oft nur noch eine Teilkaskoversicherung wählen.
Neben Umstufungen in der Typklasse können sich auch Änderungen bei den Regionalklassen und eine günstigere Schadenfreiheitsklasse auf den Beitrag auswirken. Wer zum Beispiel im Homeoffice sitzt und deswegen weniger fährt und seine Versicherung über die geringere Fahrleistung informiert, kann seine Prämie ebenfalls senken. Viele Versicherer erstatten zu viel gezahlte Beiträge in diesem Fall sogar rückwirkend.
Wichtig zu beachten: Steigt der Beitrag, so haben Versicherte immer ein Sonderkündigungsrecht und können wechseln. In vielen Fällen rentiert es sich, die Tarife der unterschiedlichen Versicherungsanbieter zu vergleichen.
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